Welthorizonte

Kontraktion – Expansion

Es gibt Menschen (und Dinge) die ihr kommunikatives Reality Distortion Feld aus ihren unbewussten Defiziten ableiten. Machen wir bestimmt alle hin und wieder. Aber wenn das systematisch wird und eine Abstraktionshöhe erreicht, die einen immer größeren direkt proportionalen sozialen und zeitlichen Aufwand nötig macht um anschlussfähig zu bleiben, dann wird die Weltsicht so zugespitzt, das jede Berührung mit einem Aussen zum Konflikt führt. Jede. Naja, fast jede.

Die Berührung mit Teilhard de Chardin führt meines Erachtens zu einer Expansion der Weltsicht. Ebenso Chaisson. Carl Sagan. Darwin. Big History. Die Liste lässt sich experimentell erweitern und jeweils befragen: Was macht das Lebenswerk dieses Menschen mit mir? Werde ich enger, werde ich weiter? Luhmann? Der Papst? Nö. Brilliant, kapriziös, eng, machtvoll, brutal. Anschluss nur unter Ausschluß.

Facebook? Eng. Mein Blog? Offen. Google+? Nicht ganz so eng, nicht ganz so offen. 3D-Drucker? Offen, sehr offen.

2013? Keine Ahnung, aber entdeckt, nein fordert wieder mehr Offenheit und größere Welthorizonte. Lasst euch nix erzählen, erzählt selbst. Großes Potential in Zukunftssachen ruft leider auch die Claimabstecker im intellektuellen und ökonomischen auf den Plan, die mit ihrem mentalen Haifischgrinsen die hidden Agendas ihrer unbewussten Defizite in Förmchen giessen wollen. 2013.

Annoying in the face of possibilities

Die Penetranz alter Dispositive geht mir unter die Haut. Sie sitzen tief und in allen mentalen Ritzen. Sie grooven noch nicht mal. Sie selbstversichern sich und wählen Determinismus statt Unwahrscheinlichkeit. Jammern nach der Betäubungsspritze beim Zahnarzt, verweigern jedoch Milliarden Menschen den gleichen Lebensstandard aus Gründen. Der Blick ins Firmament wird zum pointilistischen Reiz degradiert, nur um dem Ruf zu entgehen, den der unwahrscheinliche Selbstreflex auf die Wahrnehmung als Schrei zu den Sternen gebiert. Wenn Leben leben will, muss es da raus (Tipler), und manches tun, manches lassen. Wie ek- oder entropisch eine Wetware ist, erweist sich in ihrer tätigen Hinwendung zu den unwahrscheinlichsten Horizonten. No goal ist zennistisch lustig, aber Art-ig unfunny.

Change within change

Könnten Sie mir das Salz rüberreichen? Die Trägheit und Gewöhnlichkeit einer Aufforderung und der nachfolgenden, schwungvollen Bewegung eines Armes, der ein Salzfässchen mit der genau richtigen Hingabe einem geöffneten Ei zuführt, erhält nicht dadurch eine tiefere Bedeutung weil die Bewegung in der 1.Klasse stattfindet, sondern in der 1.Klasse eines Flugzeugs in 10000m Höhe bei 800km/h. Innerhalb eines Systems ist die Bewegung des Gesamtsystems so unsichtbar wie schwarze Katzen in der Nacht. Goldränder an Salzfässern täuschen nur über den Nullpunkt eines Inertialsystems hinweg über das wir nur Vermutungen anstellen können. Aber wir können gerne weiter über Etikette bei der Darreichung von Goldfässern mit Salzrändern diskursifizieren.

Die Jagd nach der Dysonsphere

Hach, das ist aber nett. In meinem Vortrag im Juli an der MDH nahmen die Dyson-Sphären einen nicht unwesentlichen Raum (haha) ein, was dem Ganzen natürlich einen hochspekulativen Drall gab. Dr. Jay mopperte, eine Studentin bemängelte Praxisrelevanz. Aber manchmal muss man durch sowas durch und verbissen an Visionen festhalten. Was in einem kleinen Vorlesungsraum in einer kleinen Großstadt in Teutschland heftiger Spinnkram ist, kann ein paar tausend Kilometer weiter ein paar tausend Dollar, genauer 200000$ wert sein. Geoff Marcy hat diese Summe von New Frontiers in Astronomy & Cosmology erhalten um handfest nach Dysonsphären zu suchen. Weitere Details auch im hochgeschätzten Centauri-Dreams-Blog.

Brause oder Real Thing?

Das nutzt mir jetzt rein garnichts, wenn abfuckte Realisten sagen: Ja, so sind die Menschen oder so ist Marketing. Während ein brausegesponserter Ösi, der sich aus großer Höhe raumfahrtlookalike schnell runterstürzen will, Aufmerksamkeitsrekorde bricht (Trending Topic on Tiwtter!), dümpelt das Real Thing von SpaceX so vor sich hin.

Dahinter lauert natürlich mein Glaube an eine Hierarchie von Relevanzen. Ich bin dummerweise immer noch nicht davon zu überzeugen, das Justin Bieber wichtiger ist als ein heranrasender Asteroid. Aus dem gleichen Grund halte ich das Andocken von Dragon an die ISS durch eine Privatfirma immer noch für langfristig relevanter als brausegesponserte Scheinrekorde.

Vermutlich unterliegt dieses Relevanzrätsel einer Art Kohlbergfilter. Wer auf Stufe 1, 2 oder 3 hängt, identifiziert sich wahrscheinlich schwerlich mit der Lösung von Problemen, die die gesamte Art bedrohen. Problemräume und Zukünfte und mithin auch die daraus folgenden Relevanzen entstammen eben auch dem imaginierten sozialen Umfeld. Wenn dieses nur mich oder allerhöchstens meine nächsten Bezugspersonen umfasst, bleiben mir natürlich Problemstellungen, die die gesamte Art betreffen ein Buch mit 7 Siegeln. Umschalten. „Matta, komm ma, da springt einer von ganz hoch!“

Alles wirklich erst der Anfang

Musste gerade den Implus, in Facebook einen längeren Satz mit minimaler Schöpfungshöhe zu formulieren hart ausbremsen und stattdessen hier zu schreiben. Aalso.

Wenn man irgendwas über die technologische Timeline zum empften Male sagen kann, dann das: Alles erst der Anfang. Auch wenn smarte Geister aus dem technoesken Föjetong einem zyklisch etwas anderes einreden möchten.

‎“STAN WILLIAMS: We have such a long way to go. People talk about reaching the end of Moore’s Law, but really, it’s irrelevant. Transistors are not a rate-limiting factor in today’s computers. We could improve transistors by factor of one thousand and it would have no impact on the modern computer.

The rate-limiting parts are how you store and move information. These are visible targets and we know what we have to do to get there. We can continue to improve data centers and computers at Moore’s Law rates — doubling performance every 18 months — for at least another 20 years without getting into something like quantum or neuronal computing.“

Quelle: HOW ATOMIC SCALE DEVICES ARE TRANSFORMING ELECTRONICS

Dieser Williams ist nicht so ein technoesker FAZ-Jüngling, der interessante Gesprä Diskurse in Berliner Salons über die Hybris dös Mänschen führt, sondern Hewlett-Packard Senior Fellow and director of the company’s Cognitive Systems Laboratory. Vermutlich wieder so ein schrecklicher „getting shit done“-Typ.

Anstatt aus der Gegenwart die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von irgendetwas in der Zukunft (Chips, Moore, Ai, AGI) smart zu kritisieren oder zu „widerlegen“, sollten wir Forderungen an die Gegenwart aus dem Geiste der uns maximal vorstellbaren Zukunft stellen. Wer sich nix vorstellen kann trägt sowieso das unsichtbare Zeichen des Darwin-awards auf der Stirn. Hugh!