Aussenpolitik

Wie sähe eigentlich die Aussenpolitik eines Staates aus, der globale Ansprüche zu haben meint  (warum, woran und wozu auch immer) und im Jahre 2020 (2022? 2025?) über 5000 (10000… 50000) Robotic Soldiers mit Suicide Level verfügt, die innerhalb Ömmpfzich Tagen abgesetzt werden können? Wie sähe die Aussenpolitik Jahre vor diesem Tag X aus, wenn die Administration in Teilen schon in dem Bewußtsein handelt, über diese Technologie innerhalb überschaubarer Zeiträume zu verfügen?

Analyse

Den größtmöglichen analytischen Anfangsfehler – nachdem eigentlich jede weitere Einschätzung nur immer noch falscher werden kann – ist,  bei Politikern – gerade erfolgreichen – von ähnlichen Bewertungkriterien auszugehen, wie den eigenen. Legt man eigene Maßstäbe an die eines machiavellistisch sozialisierten Menschen (entweder durch Sekundärprozesse oder auf Grund einer psychopathischen Neigung) kann das Unverständnis für die Ergebnisse nur mit Dummheit rationalisiert werden. Das ist der immense Vorteil jedes Herrschenden, ob im Kleingartenverein, im Geschäft oder in der Politik: Ein abgrundtiefer Mangel an Einfühlungsvermögen für Kontexte, Machtverhältnisse und nichtlineare Folgen. Im Windschatten der scheinbaren Unfähgkeit lässt es sich trefflich regieren.

Salat

Ein Buch ist ein Text, ist ein Posting, ist ein Kommentar, der ein Posting sein kann, das ein Buch werden könnte, das auf einem Kindle als PDF als Kommentar ein Artikel sein kann, der ein Word-Dokument sein könnte, das als Kommentar zu einem Posting ein Text ist, der zu einer Bochure den Kommentar zu einem Kommentar in einer Zeitung, die auch Texte bespricht, die Postings postet, die als DjVU-Datei in epub gewandelt irgendwo einem Paper als Kommentar dienen, der später als Artikel auf einem Tablet zu einem Buch weiterverarbeitet werden wird. Oder anders.

Die Formen sind unendlich wandelbar und an jeder Grenze stehen seit je die Geschäftsmodelljäger Schlange, die uns vorgaukeln wollen, es gäbe keinen Weg an ihnen vorbei. Erfinde eine Grenze, suggeriere ihre Naturnotwendigkeit und kassiere.

Die Arbeitswelt des Chronisten

Der beobachtende Chronist vergangener Jahrhunderte flanierte ins Cafe, lehnte sich zurück, schlürfte dezent an seinem Café ole und betrachtete die condition humana von einem schmalen Stühlchen aus. Heute lehnt er sich immer noch zurück und auch der Kaffee ist noch da, aber seine Hand umklammert nicht mehr den France Soir oder die FAZ, sondern eine Maus. Die sozialen Phänomene nähern sich der schlecht übersetzten, alttestamentarischen Variante von „Logos“: Worte garniert mit visuellen Ausrufen. Der Logos tauscht Sichtbarkeit gegen Dynamik. Der Tanz wird wilder werden und vor Freude jauchzen wenn nur noch gilt:

Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert, drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt. (Rilke)

Zuerst erschienen im Mehrzweckbeutel (Gemeinschafstblog mit Mario Sixtus und Richie Gleim) am 16.2.2003

Wanderer in wandernder Landschaft

Sich in einer statischen Landschaft im Laufe des Lebens eine plausible Landkarte herzuleben, ist Stoff vergangener Skripte und Plots. Mit Intelligenz und Regelzeug war das in früheren Zeiten zu schaffen. Heute? Eine dynamische Landschaft. Dynamische Regeln. Ein changierender Horizont. Eine Leinwand die sich verändert und dennoch die klassischen Entwicklungsstufen abbilden muss. Thumbnails, die einen Film ergeben sollen. Hüpfen von Stein zu Stein, wie in einem irren Zengarten. Heute sinnvolle Verzweigungen, können morgen für Nachfolger eine Strasse ins Nichts bedeuten. Technologie und Poesie verschmelzen, weil beides interpretiert werden muss. Heraklit ahnte ja nicht, wieviel Rhei im Pantha sein kann.‘

Zuerst erschienen im Mehrzweckbeutel (Gemeinschafstblog mit Mario Sixtus und Richie Gleim) am 31.1.2003