Nur so

Eine gewisse Anzahl von Lautsprechern erwacht gerade schweissgebadet aus dem feuchten Traum eines Bloggers um 2005, der davon fieberte wie auf wundersame Weise aus Aufmerksamkeit Macht wird. Nur ist Aufmerksamkeit leider kein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium. Geld, Macht, Recht, Liebe – ja. Aber Aufmerksamkeit? Das kann auch nur jemand träumen, der sich bei Dschungelcamp die Nägel abkaut oder glaubt HTML wäre eine Programmiersprache. Die Verkennung von Mechanismen jenseits aller Kompensationen von Aufmerksamkeit führt zu einer ständigen Unterschätzung sozialer Dynamiken, die nicht in C abbildbar sind. Diese ständige Unterschätzung der sozialen und kognitiven Fähigkeiten ist leider seit der Erfindung des Ottomotors das autoerrektive Merkmal eines Geeks (früher hiess das Bastler). In politischen, gar machtpolitischen Belangen ist das allerdings der goldene Schuss in den Fuss.

Wenn das geliebte Objekt der Identitätsfindung schliesslich wie in jeder erfolgreichen, technologischen Verbreitung ubiquitär wird, dann, ja was dann?? Die smarteren stellen sich an die Spitze der Böwögong und werden Gatekeeper. Die weniger smarteren werden freakig und lernen C rückwärts. Die opportunistischen dienen sich der Funktionselite an. Der Rest brütet dumpf in seinen Club Mate rein.

Markoffs Hölle

Macht man sich einen fachlichen Wortschatz zu eigen, werden bestimmte Verhalte nicht mehr sagbar, andere hinwieder schnurren wie von selbst unter das geneigte Publikum. Die Blindheit, die jede markowsche Kette erzeugt, ist der Preis für ein bischen Gemeinschaft, Rhythmus, und den Abglanz einer ästhetischen Illusion.

Uhren

Uhren kann man bewundern. Uhren kann man auseinandernehmen. Uhren kann man begreifen. Die Zeit kann man teilen. Die Konzepte der Teilung abwägen. Die Zeiger bewundern. An den Moment glauben, in dem die Spitze eines Zeigers das eigene Dasein beglaubigt.

Oder zurücktreten, das Spiel beschreiben, auf die Zeiger zeigen und das Blatt in Flammen aufgehen lassen.

Hässliche Zeiten brauchen deutliche Worte

Wieviel wunderbare Spencer-Brown-Pseudoformeln erträgt das eigene Gewissen, obwohl Nachbarn schon abgeholt werden? Ab wann ist ein Gesellschaftstheoretiker in der vordersten Reihe zu finden und fängt sich eine Ladung Pfefferspray oder eine Rubberbullet? Wieviel Mitgefühl und Empathie kann eine Theorie in doppeltem Sinne irrelevant machen? Die Zeiten und Zeichen werden täglich konkreter und der Rhythmus in dem einem Zustimmung oder Ablehnung, gar Widerstand abgefordert wird, kann nur schneller werden. Wir taumeln in eine besinnungslose Polarisierung hinein, auf deren anderer Seite kleine, gut trainierte, hervorragend ausgerüstete Einsatzgruppen stehen, die mittlerweile überall auf der Welt ähnlich aussehen. Shaping for the shape of things to come.

Utopien müssen immer noch aus den oft blutigen Fugen der Realität gekratzt werden.

http://youtu.be/WmJmmnMkuEM