Dispositivinfektion

Mit Dispositivinfektion möchte ich in Zukunft Versuche bezeichnen, in denen Angehörige, Aufsteiger oder Überläufer alter Medieninstitutionen ihre Mediensozialisation in neue Verbreitungsmedien infektionsgleich einschleppen. Das kann vom „Magazindesign“ bis in den rethorischen Gestus oder die Tricks Aufmerksamkeit zu erzeugen reichen. Überhaupt dünkt es mich verdächtelnd, das die Mikrogesten der Parasprache mit all ihren sublimen Machtansprüchen diese freundlichen Medienblutgrätschen am perfidesten befeuern. Wes Brot ich aß, des Lied ich summen werde.

#Hangout mit Medienfuzzis

7 Gedanken zu „Dispositivinfektion

  1. Ohne den Hashtag oben hätte ich gefragt, ob Du gestern abend online warst und zufällig als Zuschauer einem hangout on air beigewohnt hast. Aber so …

    • Ne, Anlass war der Versuch von Fiene-Knüwer et al zu „senden“. Diese Mediendiversifizierer habens im Blut, in den Gesten, in den Formen. Und wenn man mal anfängt diese Dispositivinfektionen zu sehen, entdeckt man sie überall. Das ist eine tiefsitzende, mentale Zukunftsverweigerung die ich für fast beharrender halte als LSR oder sonstwas. Nebel des Grauens oder so.

  2. Eben darauf wollte ich hinaus 😉 Ich habe ja gewusst, dass Du das verfolgt hast, da Du den Rant Arne Jannings geplusst hast. Und ungeachtet dessen, dass man ja jetzt auch nicht alles mies machen muss, dass sie einfach mal etwas versucht haben, dass die ganze Sache ein Versuch und improvisiert war, habe ich mich auch gefragt: Wie kommt so eine Zusammensetzung und so eine Auseinandersetzung zustande? Was hat da Gunnar Sohn zu suchen (nein, dass er von Jauch eingeladen war, ist eben KEIN Grund)? Weil er Vater ist oder einen schicken neuen Trainingsanzug hat? Come on. Oder Knüwer selbst: Was soll der da on air (wenn er „Mitproduzent“ ist, muss er ja nicht unbedingt sein Gesicht und seinen Teddy in die Kamera halten)? Er hatte zum Thema schlichtweg nichts beizutragen. Fiene ist immerhin Moderator, aber hat er tatsächlich moderiert und das Thema strukturiert? Nep. Martin Lindner hat wenigstens ab und zu darauf hingewiesen, dass da Mittelstandsjungs über Luxusprobleme reden – interessanterweise wusste, abgesehen vielleicht von dem Lehrer, dessen Name mir gerade nicht einfällt, NIEMAND etwas damit anzufangen.

    So war es halt auch nur eine Talkshow, eben ein Dispositiv, wie Du sagst.

    (Egal. Vielleicht ist die Quintessenz ja auch: Fresse halten oder selber machen.)

    • Ich second that. – Aber: Du weisst doch auch das „wir“ andauernd „etwas“ machen. Nur hängen wir unsere Hangouts nicht mit dem 1:n-Anspruch (die alte Sendermentalität) ins Netz und lassen (Oooooh! Wie reffulutzionähr!) Fragen über nen Backchannel zu. Die wollen instinktiv die neuen Verbreitungsmedien auf die alten reduzieren. Das ist ihre tiefsitzende Sozialisation. Sie „machen“ Fährsehn. Sie „machen“ Radio. Alles was sie anfassen wird zu Medien, wenn ihre Journalistengeschulten, kalten Fingerchen etwas anfassen. Es erstarrt zu einer weiteren Kristallisation der alten Dispositive.

      Das ist ja eben der Anspruch der alten Dispositive, der auch in unseren brainwashed Ansprüchen schwärt: Wir richten unser Schaffen und sehen: es ist nicht „Wie XZY“.

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