Mrz 142013
 
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Unglaublich. Meine erste Reaktion: Schock. Ich kann das jemandem, der sich im Jahre 2013 dumpfbackig seine Daily Rotation aus den Bookmarks friemelt garnicht vermitteln, wie sehr ein gut funktionierender Aggregator den Blick auf das Internet verändert. Und das seit mindestens 2003. Und Google Reader IST mein Blick ins Internet. Mehrmals täglich. Macht das Internet ohne RSS-Aggregatoren überhaupt Sinn?

Nun also das. Alles muss sich „monetarisieren“ und dem Werbeetat unterordnen. Was Zensurmaßnahmen nicht schaffen, schaffen Scharen von Controllern, die Zahlen an die Wand klatschen. Und unsereiner lässt sich von gut funktioniernder Technik einlullen bis zur Abhängigkeit und dann: Wamm! Der „User“ muss zersplittert und unorganisiert durch dieses Internet torkeln, muss auf Seiten rumclicken, nur damit man ihm Werbung zeigen kann. Da sind Aggregatoren wie Google Reader das pure Umsatzgift.

Der nächste Schritt wird wohl darin bestehen das alles auf Google+ umgebogen wird. Und obwohl die momentanten Inhalte auf G+ noch erträglich sind, habe ich in den letzten Wochen den offensichtlichen Geschwindigkeitsverlust zwischen Reader und G+ zum Gegenstand meiner Reflexionen werden lassen. Da soll nichts schnell gehen, da soll man sich aufhalten und später Werbung konsumieren. Im Reader ist es kein Problem 800 Feeds zu verfolgen, in G+ sind 200 produktive Leute schon unübersichtlich und uneffektiv. Zeitgenossen, die da mehrere tausend laufen haben kann ich nicht ernst nehmen. Ist genauso bescheuert, wie tausende Freunde auf Facebook. Was man da noch mitbekommt ist purer Zufall. Aber so soll es ja auch vielleicht wieder sein: bloss kein focussiertes, leicht zu handhabendes Informationsmanagement für jeden, sondern einen vom Zufall gebeutelten Werbekonsumenten, der brav eine von Adsense gepflasterte Seite anclickt und mit relligöser Inbrunst die Werbung auswendiglernt.

Ich möchte mich vorm Schlafengehen nicht aufregen, darum ist jetzt Schluss.