Google Analytics (3)

Nach dem ich meine Kinnlade auf dem Teppich wiedergefunden habe, kommt mein lokales Gehirn langsam auf Trab. Die Domains die von GA getrackt werden, verschmelzen mit einem Schlag zu einer einzigen, gigantischen Harddisk. Die Daten die dadurch entstehen, kann man sich durch ein riesiges, dendritisches Netzwerk visualisiert vorstellen, das je nach Tageszeit sektorielle Fluten aufweist. Hinter je einem Häuflein von kleinen Knoten sitzt ein biologisches Gehirn. Wir sind das Interface. Alles hat sich mit einem Schlag verkehrt. Was sagen die Schwellungen der dendritischen Röhrchen über die Relevanz der Knötchen aus? Wo sitzt die Intelligenz? Im „Zwischen“ oder im „Über“? Wenn die Intelligenz im „Zwischen“ lebt, ist jeder Versuch einen Besucher zum Verweilen zu zwingen, eine Mikroattacke die Menschheit insgesamt zu downgraden. Wenn im „Über“, dann muss Google noch wachsen. Es wird nicht lange dauern bis in Googel Analytics eines Morgens unaufgefordert Vorschläge zur „Verbesserung“ der eigenen Seiten auftauchen …

High Time

Der junge Mann nebenan fasst die Tendenzen meines Erachtens sehr gut zusammen. Und ich darf sie mit meinen kleinen Bröckchen und Fragen garnieren.

Was ist die Intention hinter der Sandbox? Einerseits natürlich, die Leutz in die Arme von AdSense zu treiben. Andererseits ein deutliches Signal in die Cluetrain-Richtung. Hört auf mit dem Marketingbla. Werdet normal, redet. Das organische Netz. Das Netz als Organismus. Ein Organismus lebt, tauscht aus. Web3.0. Die Visitenkartenexistenzen im Netz haben langfristig keine Chance. Was passiert denn, wenn alle gleich gut optimiert sind? Dann dämmert die Stunde der Relevanz mitsamt ihrem Schwesterlein, der Intelligenz, und wehe dem, der nichts zu sagen hat…

Verdammt, und dieses Zitat aus dem Artikel bei Edge will ich auch nochmal zitieren. Es kann nicht oft genug zitiert werden:

„We are not scanning all those books to be read by people,“ explained one of my hosts after my talk. „We are scanning them to be read by an AI.“

Nicht gleich schlucken, nachdenken. Vielleicht bei einem Kölsch.

Lesehinweis1
Lesehinweis2

Die technologische Singularität und die Wissenschaft

Ein Leser fragt in den Kommentaren ob sich die traditionelle, wissenschaftliche Welt mit dem Konzept der technologischen Singularität auseinandersetzt. Interessante Frage. Wohl kaum. Besonders in Deutschland nicht. Hier kann man seine wissenschaftliche Karriere schon beenden, wenn man Eric Drexler erwähnt. Futuristik oder Techniksoziologie schubbert sich hier an Fragen wie: Was ist wenn alle Bäume tot sind oder wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt wenn alle einen iPod haben.

Das Szenario selbst wird und wurde schon seit den 30iger Jahren – vielleicht nicht unter dem Begriff – immer mal wieder erwähnt. Im Rahmen der sogenannten „Wissenschaftswissenschaft“ oder Scientometrie, nicht zu verwechseln mit Wissenschaftstheorie hat man sich schon damals mit der Beschleunigung des Wissenszuwachses auseinandergesetzt. Die einschlägigen Verdächtigen hiessen damals Flash Go… äh… Genadij Dobrow oder Derek J. de Solla Price. John v. Neumann hat ebenfalls mal an einem schönen Nachmittag über die Folgen einer künstlichen Intelligenz nachgedacht. Im Bereich der Kosmologie implizieren die 3 Zivilisationsstadien von Kardashev natürlich etwas singularitätsartiges. Von Kardashev hat auch Dyson die nach ihm benannten Dyson-Spären abgeleitet. Eine gute Übersicht findet man bei Bradbury. Seit den 80igern findet man genug Äusserungen von Wissenschaftlern, die eins und eins zusammenaddieren konnten und spätestens seit Drexler müsste jedem klar sein, das wer Nano oder/und AI sagt, Singularität meint.

Explizit gelehrt über den Begriff und das Konzept Singularität wird meines Wissen nicht. Ist auch klar. Das wird sich auch nach der eigenwilligen Schwarte von Herrn Kurzweil nicht ändern. Es ist ein Szenario unter vielen mit einer uns unbekannten Wahrscheinlichkeit und meines Erachtens zu radikal um aufs Katheter zu dürfen. Die Klimaforschungsindustrie steht da besser da. Da wird mit Milliarden über ein Zukunftsszenario geforscht das einen Zeithorizont von über 100 Jahren hat. Dagegen lauern die Folgen der Nanotechnologie oder künstlichen Intelligenz geradezu am Wochenende. Diese Disparität in der Wahrnehmung ist eines der großen Welträtsel.

Die Bilder der Zukunft

Stefan Zöllner Camera obscura Zukunft

Alle Entscheidungen die wir täglich treffen nachdem sie in Millisekunden durch unsere Filter getunnelt sind, werden an imaginierten Bildern gemessen, die unser Leben lenken. In diesem Sinne hat jeder eine unbewusste Vision die ihn lenkt.

Sich dieser Bilder bewusst zu werden, ist ein Akt der Wiederaneignung einer selbstgewählten Zukunft. Auch darum habe ich kein Fernsehen.

Es gibt private Visionen. Es gibt Clan-Visionen. Und es gibt Visionen, die der Art den Weg weisen. Ob zu den Sternen oder ins innerste des Herzens: Es sind Bilder von archetypischer Symbolkraft, die unter der Schädeldecke strahlen, um in jedem Moment bereit zu sein die kleinen Entscheidungen auf dem Weg in eine anziehende Zukunft zu treffen.

Die mächtigsten Bilder bieten für alle drei, das Individuum, die Gruppe und die Art gleichzeitig wiederspruchsfreie Ziele um genug Antriebsenergie für Jahrhunderte auszulösen. Zu solchen Bildern zähle ich unter anderen Gesundheit, Langlebigkeit, künstliche Intelligenz, die Reise zu den Sternen.

Das WOZU ist ein anderes Thema, je nachdem ob man eine Antwort für den Genotyp oder den Phänotyp sucht.

Singularität, AI und Bottom Up Nanotechnologie

Beliebte Themen gerade in transhumanistischen Zirkeln sind natürlich AI, Nanotechnologie und die ganze SF-beeinflusste Gadgeteria. Was mir allerdings immer wie die berühmte Redewendung „…ein bischen schwanger“ erscheint. Ein „bischen schwanger“ könnte man auch als einen Euphemismus für selbstauferlegtes Denk- oder Phantasieverbot bezeichnen, wenn man von einer aktiven Entscheidung ausgeht, nicht weiterzudenken. Geht man von einem passiven Ergebnis aus, kämen nur insuffiziente kognitive Prozesse in Frage ;-). Mithin möchte ich formulieren:

Über künstliche Intelligenz, Bottom-Up Nanotechnologie, Global Brain etc. zu reden ohne Singularität zu meinen, ist wie ein bischen schwanger sein.

Für die Bewertung der meisten sogenannten futuristischen Themen bedeutet das natürlich einen ganz anderen Focus und eine ganz andere Bewertungsskala (backwards chaining). Auf diesem Hintergrund sind gerade viele Themen des sogenannten Transhumanismus maximal SL3, wenn überhaupt. Eine andere Begründung wäre ein aktives, selbstauferlegtes Denkverbot in dieser Richtung aus Gründen des Pragmatismus. Wie man es jedoch dreht und wendet: immer steckt implizit entweder die Unfähigkeit weiterzudenken mit drin, oder Gründe den Schritt von AI+1 nach Singularität für unmöglich zu halten. Sozusagen nicht an die Geburt nach der Befruchtung zu glauben. Dafür gibt es einen speziellen Begriff.

Vorne ist, wo unsere Träume weben

Nicht das Amazon schon fertig wäre. Nicht das eBay am Ende angekommen ist. Blogger.com seinen Höhepunkt überschritten? Google schon abgetrocknet?

Was vor uns liegt, wird in jedem Fall ein Inkrement der Gegenwart sein. Evolution ist nicht allein für Schmetterlinge. Etwas das formuliert werden kann, beschleunigt seine eigene Manifestation. Im Mahlstrom der Prä-Singularitätszeit ist jede Äusserung Bodenbelag oder manifestierender Beat. Vorwärtsstürzen ist die einzige Qualität, die einer authentischen Stimme gemäss ist. In der Verantwortung lebend, das Bilder wahr werden. Es gibt keine Abweichung vom Mittelmass. Sondern nur Existenz, die sich erinnert. Oder eben nicht.

In dieses Meer aus Information wird AI fallen.

Die 3 Säulen einer Singularität

Die 3 Säulen der Singularitäts-Hypothese sind soweit ich das überblicke:

Künstliche Intelligenz
Nanotechnologie (bottom-up)
AI (augmented intelligence)

Robotik bringt nur Unordnung in den prä-Singularitätsschlamassel, ist also nur revolutionär… 😉

2 Eigenschaften dieser 3 Gebiete treiben die Wahrscheinlichkeit für ein Singularitäts-Szenario in unangenehme Höhen. Einerseits gibt es DIE künstliche Intelligenz genauso wenig wie es DIE Nanotechnologie oder DAS Gebiet der Augmented Intelligence gibt. Weil jede dieser Disziplinen aus hunderten von Projekten besteht, die in vielen Nationen über den ganzen Globus verstreut täglich scheitern oder neu erfunden werden.

Über Jahrzehnte findet ein verteiltes Schrotschiessen auf ein Ziel statt, das noch nicht einmal den Zielenden explizit bekannt sein muss. Innerhalb der Noosphäre findet also ein evolutiver Auswahlprozeß statt, der nur maximale Verdichtung und Unwahrscheinlichkeit als Gradienten anerkennt. Der andere Faktor ist (Gähn) natürlich Moores Law.

In allen 3 Gebieten wird täglich in großen, vitalisierenden Schlucken aus dem sea of gates getrunken, um uns regelmässig Verdauungsprodukte zu servieren, die bis zur Unverdaulichkeit futuristisch sein können. Wesentlich ist aber, das diese Verdauungsprodukte zum Teil die Diät des Kochs sind und ihn im 18-monatigen Rhythmus rosiger und kräftiger werden lassen. Bon Appetit!

Hurrikan Ivan und Technologien der Zukunft

Gerade wird Jamaika von einem Sturm geplättet, den wohl auch William S. als Metapher für ein mehrdimensionales Mapping nicht von der Bettkante seiner Dichtung geschubst hätte. Wie man sieht ist in der Meterologie die Gewichtung von Zukünften mit Wahrscheinlichkeiten ein normales Werkzeug.

Ivan5Tage

Die verschiedenen Phasen eines Sturms der aus seiner Umgebung geboren wird, diese verändert und dabei selbst verändert wird, brüllen geradezu nach einer mindestens zweidimensionalen, futuristischen Verwurstung. Was, wenn wir uns vorstellen „Sturm“ wäre eine Metapher für Nanotechnologie? Was, wenn wir es nicht nur mit einem, sondern mit 2 Stürmen zu tun hätten? Nanotechnologie und künstliche Intelligenz? Oder gar drei: plus Robotik. Oder n?

Nanotechnologie-AI

Sobald ein Sturm an Land geht, greift er radikal in unseren way of life ein. Auf hoher See kümmert es oft nur die einsame Besatzung eines Labors, welche Richtung und Stärke der Schwung hat, den sie vor sich hinwerfen um ihr Genie zu surfen. Aber sobald die Küste in Sicht kommt wird aus einem Radarbild Schicksal für Viele. Gar wenn sich die Stürme ein Rennen liefern. Oder fusionieren, auseinander Kraft beziehen. So befruchtet Nanotechnologie schon jetzt einige Hoch- und Tiefdruckzonen unserer Wissenslandschaften. Künstliche Intelligenz pumpt in die Robotik Energie. Ohne Robotik wird (Bottom-up) Nanotechnologie unmöglich sein. Ein morphologisches Tabellenmonster ver-Zwickygsten Ausmasses. Mit nur einer Richtung: Landwärts Ho! Auch das Verhalten der Landbewohner gleicht im Falle eines Sturms von Ivans Ausmaßen, dem Verhalten gegenüber stürmischen Zukünften. Wenige erkennen Trajektorien. Noch weniger ziehen daraus Schlüsse. Viele müssen gar sanft zum Loslassen von überkommenem Besitz und Identität aufgefordert werden. Woraus bezieht nun alles seine ganze Energie? Rotation, Masse, Zeit.