Evolution

Es ging nicht ohne die Erfindung des Ichs. Die glitzernden Schlammwüsten des Kosmos können sich nicht feiern ohne uns. Bewusstsein ist eine List, um mit dem Hebel der Evolution der Langeweile ein Schnippchen zu schlagen. Unsere Sehnsucht zu den Sternen ist nichts anderes als das Schließen eines Kreises, Heimat nichts anderes als die Verschmelzung von Neg-Entropie mit roher Vielfalt. Auch dass uns vorerst nur Ein-Mal gegeben ist, ist für uns findige Tiere kein Hindernis. Unsere Ausdauer zählt in Jahrtausenden und gebiert Kombinationen von erstaunlicher Erfindungsgabe, sichtbar nur aus der historischen Distanz. Das einzelne Ich kann in diesem Strudel dem Beiwerk gehorchen oder sich aufrichten und teilnehmen. Realität ist ein Weg, der innen empfunden und außen gefunden wird.

4 Gedanken zu „Evolution“

  1. Wird also dem Menschen (auf breiter Ebene) die gesamte Entwicklungsdynamik erst dann so richtig bewusst, wenn Singularität erreicht ist und wir in ein post-singulares Zeitalter treten?

  2. Meine Erfahrung mit jungen Menschen ist, das viele den ständigen Wandel schon in ihr Selbstbild und in ihr Konsumverhalten eingepreist haben. Das es mal eine AGI geben wird, scheint vielen selbsverständlich. Ob sie selbst daran bossel wollen ist eine andere Frage. Vielleicht wirft da schon so eine Art tiefe kulturelle Resignation ihren Schatten voraus. Siehe Peter Thiel und sein Verhältnis zu Schach. Oder die Reaktionen von Menschen einer Kultur, die von einer fortgeschritteneren Kultur erobert wurden.

    Also auf einer vorbewussten Ebene scheint mir das Motiv einer Singularität schon da zu sein. Und die wesentlichen wirtschaftlichen Akteure (siehe Google, Peter Thiel, IBM und viele andere), die was damit anfangen können setzen auch zum Sprung an.

    Ich glaube nicht das sich mit diesen Problemen Politik ohne Utopie machen lässt. Das wiederum schliesst alle heutigen politischen Akteure aus, da die charakterlichen Kriterien für den Weg nach „oben“ geradezu einen blinden Fleck für Utopie voraussetzen.

  3. Wir haben also so eine Art „kollektives Vor-Bewusstsein“ dessen was da kommt (Singularität). Ok. Und jene, die die „Sehnsucht nach den Sternen“ besonders stark empfinden, arbeiten auch aktiv an der Verwirklichung dieses Traums, sei es eben AGI oder die kommmerzielle Weltraumfahrt.

    Dem stehen aber diejenigen gegenüber, die ihr Vorbewusstsein nicht so recht entschlüsseln können und vielleicht nur so eine Art „dumpfer Angst“ empfinden. Damit geht man dann in die Politik, gründet Heimatvereine oder sammelt Oldtimer-Autos, weil das Vergangene keine Angst macht (und früher ohnehin alles besser war)…

    Das Problem ist doch dann, dass die singuläre Zukunft aktuell weitgehend in den Händen von Hedge-Fonds (Peter Thiel) und Aktiengesellschaften (Google, IBM) liegt. Diese wirken nicht in erster Linie zum Wohle der Menschheit sondern maximieren ihren Profit.

    Wo sind die Philosophen, Grundlagenforscher, Satiriker und Kolumnisten?

    Selbst der Elektrische Reporter verpackt seine Interviews in einen historisch-nostalgisch anmutenden SW-Rahmen, in dem die subtile Botschaft mitschwingt, dass das alles doch nicht so schlimm sein kann…

  4. Alles richtig, was Du sagst. Und die Lage ist wirklich paradox. Ich habe nicht umsonst meinen letzten Vortrag in Essen mit der Klimathematik begonnen. Da wird mit besorgter Miene über Zeithorizonte bis 2100 räsonniert, obwohl schon in den nächsten 10, 20 Jahren wesentlich dramatischeres ansteht, wenn AI/AGI durchstartet. Irgendwas läuft da mächtig falsch oder alle die darüber seit fast 20 Jahren nachdenken spinnen. In solchen Momenten nehm ich dann meine Finger und zähle zusammen: Nanotechnologie (Drexler), Moores Law, Genetik, Quantencomputer, AI, AGI, Rapid Prototyping, Internet, Petafloprechner, Exafloprechner, Neurowissenschaften, Robotik… das sind nur die Gebiete die mir in einem 15 sekündigen Brainstorming einfallen.

    Wie sagt Elizier Yudkowsky in diesem Video? „It feels a bit funny to say it and it feels a bit funny to hear it: This is the most important problem in the world and its drastical urgent and something has to be done.“

    Der Elektrische Reporter hat wenigsten zum Schluss noch ein Singularitäts-U-Boot 😉

Kommentare sind geschlossen.