Second Life und die Bit-Wirtschaft

Wie Jamie Caisco sehr treffend anmerkt, spürt Second Life gerade ganz deutlich die Auswirkungen der Gesetzmässigkeiten einer auf Bits beruhenden Ökonomie. Was copiert werden kann, wird copiert werden. Die Empfehlung von Linden Lab, Designer die einen Verstoss gegen ihr geistiges Eigentum festellen, sollten eine Anzeige auf Basis des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) erstellen ist wohl juristisch korrekt aber recht hilflos.

Ich persönlich fand SL von Anfang an als Beispiel für ein heraufdämmerndes Metaversum wenig überzeugend. Bunte bewegte Bildchen, die durch sensorische Deprivation Verbundenheitsgefühle erzeugen, um die alten säugetierischen Bedürnisse (Sex, Drugs and Rock and Roll) zu befriedigen. Das ist keine Utopie sondern Ideologie. Ideologien neigen dazu früher oder später zusammenzubrechen, weil ihre Grundlagen auf der Konservierung althergebrachter Regeln in radikal neuen Umgebungen beruhen. QED.

9 Gedanken zu „Second Life und die Bit-Wirtschaft“

  1. Die althergebrachte Regel heißt Macht.
    Die radikal neue Umgebung möchte ich kennenlernen, wo die althergebrachte Regel Nr.1 nicht anwendbar ist.
    Natürlich wird Ideologie immer gerne als Utopie verkauft, nicht umgekehrt.
    Utopien eignen sich dazu scheinbar bestens.
    Die Wenigen, die Macht, Vermögen, Aufmerksamkeit (und Intelligenz) satt haben, werden jede Utopie früher oder später besetzen und die althergebrachte Regel Nr.1 weiter konservieren.
    Wetten?

  2. Das ich die Gefahr deutlich sehe dürfte ich mit den 4 Diagrammen klargemacht haben.

    „Utopien eignen sich dazu scheinbar bestens.“

    Wiederspruch. Das liegt nicht an den Utopien, sondern den Hoffnungen die Utopien entgegengebracht werden. Niemand bringt einer Ideologie Hoffnung entgegen, ausser der Gruppe, die „hofft“ mittels der Realisation der Ideologie ihre Macht zu konsolidieren. Der Masse wird Ideologie als Utopie verkauft, weil Utopie den größeren Vertrauensvorschuss besitzt.

  3. Natürlich, ich bezog mich ja auf dein Diagramm.
    Wenn es nicht an den Utopien liegt, sondern an der Hoffnung, wäre mein Vorschlag: Lasset alle Hoffnung fahren.

  4. Als Künstler schlechterdings möglich, auch wenn sich einzelne Gattungsvertreter 😉 hin und wieder schwarz umwölkt gerieren. Dem künstlerischen Schaffen ist Hoffnung inhärent. Ein Künstler der hoffnungslos wird, desertiert ins Schweigen oder in die Werbung, was auch eine Form der Sprachlosigkeit ist.

  5. Jetzt wirste persönlich >:o

    Natürlich lassen wir die Hoffnung nicht fahren.
    Können wir gar nicht.
    Also lass uns munter weiterwurschteln- und plappern.
    Nennen wir es halt Utopie … bis zur nächsten Katastrophe

  6. Genau das habe ich auch gedacht. Die Tatsache, dass SL versucht den „virtuellen Raum“ (den es schon lange gibt) in einem „virtuellen Raum“ (Metahper einer Metapher) zu metaphorisieren, kann man getrost unter Efeckthaschrei abhaken.

    Jedes Medium hat sein Interface. Das Internet funzt mit Links doch ganz super, wozu braucht es Wände?

    Den Hype kann man wohl dadurch erklären, dass jetzt auch der letze BWLer verstanden hat, dass es sowas wie „virtuelle Räume“ überhaupt gibt. Dumme Menschen brauchen einfache Bilder. Der internetaffine Rest kann da doch nur gähnen…

  7. „Dem künstlerischen Schaffen ist Hoffnung inhärent. Ein Künstler der hoffnungslos wird, desertiert ins Schweigen oder in die Werbung, was auch eine Form der Sprachlosigkeit ist.“

    Ein prima Satz für Siggis letzte Worte (Elektrischer Reporter)…

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