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Mir ist sonst nicht danach zur biologischen Linkmaschine zu verbloggen, aber in diesem Fall gebe ich dem Drängen nach. Woanders hatte ich schon mal darauf hingewiesen. Insgeheim hofft man ja das geht vorbei, jemand vergisst es und der Clementoptimismus behält recht. Aber nichts da.

Toyota gibt nicht auf. Zur Weltausstellung im März sollen die Besucher im Toyota-Pavillion von einer Blaskapelle und tanzenden Hip-Hoppern begrüsst werden. Der einzige Haken daran: Es werden Roboter sein. Ich hatte schon immer meine Probleme mit Volksmusik. Die weitere Marschroute wird von einem Toyota-Talkinghead mit: „We aim to reduce production costs to the levels in China“ ausgegeben. Ich vermute mal das liegt unter den Produktionskosten in Deutschland. Höre ich da jemanden „Moore“ stottern?

Moores Law

Immer wieder tauchen Zweifel auf, ob und für wie lange es so etwas wie Moores Law gibt. Darum hier in einem Aufwasch ein paar Links, die in dieser Hinsicht als Grundlage dienen sollten.

Zum einen ist da natürlich das ursprüngliche Paper aus dem Jahre 1965 von Herrn Moore selbst. Diese Beobachtung, das sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip alle 16-18 Monate verdoppelt, ist also älter als die durchschnittliche Bausparvertragsdauer. Wenn man wissen möchte für wie lange noch mit Verdopplungen zu rechnen ist, sollten die Roadmaps der SEMATech, des Zusammenschlusses der größten, weltweiten Halbleiterhersteller als Informationsquelle hinreichend glaubwürdig sein, um die zu erwartenden Chips in die eigene Lebensplanung aufzunehmen. Denn das so etwas – wie ich schon oft betont habe – keine Folgen haben wird, will wohl niemand annehmen.

In den Roadmaps wird davon ausgegangen das Moores Law bis 2020 relativ stabil bleibt. Das sind nicht nur technologische Fakten, sondern auch gesellschaftliche. Was mir oft ein Stirnrunzeln entlockt, ist die immer wieder erlebte Unkenntnis dieser Daten, sowie der Unwille dieser sehr nahen gesellschaftlichen und technologischen Zukunft mindestens genausoviel Aufmerksamkeit zu widmen wie einer um den Faktor 5 ferneren Klimakatastrophe.

Genau so klar ist, das der Boden in einem Garten nicht mit einer Tomate verwechselt werden darf. Für den Gärtner ist Boden notwendiges Potential. Ob das Potential hinreichend für eine Ernte ist, zeigt sich in der Zukunft, nicht an der Abwesenheit der Früchte in der Gegenwart.

Hype: Die Differenz zur Wirklichkeit

Wie öfters betont besteht unsere natürliche Reaktion auf exponentielle Prozesse in der Überschätzung der nahen Zukunft und der Unterschätzung der fernen Zukunft. Diese Differenz ist das Milieu der Hasardeure, Soziopathen und Abzocker. Seit der Tulip Mania im Jahre 1635. Wenn in unserer technisch-wissenschaftlichen Gegenwart einige dieser exponentiellen Prozesse aktiv sind, heisst das auch, das die Typologie des Hochstaplers, der das Vakuum zwischen Überschätzung und technologischer Realität für seine Zwecke ausnutzt, Hochkonjunktur hat. Zumal in einer Gesellschaft, in der trotz aller vordergründigen Bemühungen und Apelle humanistische Bildung immer noch höher geschätzt wird als Naturwissenschaften.

Das nächste große Betätigungsfeld in dieser Hinsicht wird wohl leider Nanotechnologie sein. Schon jetzt stehen die VC-Lemminge in USA und Hückeswaaden Schlange um geschlachtet zu werden. Nanotechnologiekompetenzzentrum. Und andere Wortungetüme. Besser noch: Nanotechnologiegründerkompetenzzentrum. Ein weiteres Feld: „Soziale Software“.

Bei aller Häme sollte man allerdings folgenden Vergleich bedenken: Wenn Restaurants der große Next Big Thing Hype wären und in einer Stadt, die nur 1 Restaurant verkraftet gleich 100 aufgemacht würden (mit 99 voraussehbaren Pleiten), dann heisst das nicht das das Technologie- und Geschäftmodell „Restaurant“ den Gesetzen der Physik wiederspricht (adaptiert von R. Kurzweil).

Die Trends bestehen ganz klar und nehmen keine Rücksicht darauf wer von wem wie raffiniert betrogen wird. Egal ob mit Tulpen, Stahl, Internet oder Molekülen.

Dringlichkeit – Urgency

Tom Peters stellt neuerdings die Eieruhr auf 26 Minuten. Der Takt, in dem Fabriken in China plöpp machen. Das Thema: Urgency. Nicht die aufgeregte Teenieunruhe oder das hyperaktive Erfolgseminarhüpfen. No. Der Laden nimmt einfach nur Tempo auf und der Druck der Beschleunigungswelle trifft in Deutschland auf Landschaften, die Unterwassergespräche führen. Führen werden. Dringlichkeit erschliesst sich nur dem, der Vokabeln wie „zielführend“ fallen lässt, im Ausstausch gegen generelle Zukunftslust. Zitat Snatch: Ich bekomme Sodbrennen. Tun Sie etwas Schreckliches. Etwas schrecklich Schönes. Hören Sie Björk.

Das Netzwerk der Singularität

Wer eine Vision hat, sollte dafür sorgen nicht alleine zu sein. Ansonsten man Vollpension mit ärztlicher Betreuung erhält. Wenn die Idee der Möglichkeit einer technologischen Singularität Anfang der 90iger noch etwas für mutige SF-Romane war, so gewinnt sie heute langsam an Reputation. Wenn ich mir einige der Namen anschaue die sich in letzter Zeit explizit mit beschleunigtem technologischen Wandel und der technologischen Singularität auseinandersetzen, sticht ein Name besonders hervor: Steve Jurvetson. Obwohl erst Mitte 30 schon jetzt eine (millionenschwere) Legende. Sowohl intellektuell als auch monetär.

Seit ein paar Wochen blogt dieser Mann auch noch und beschäftigt sich explizit mit Nanotechnologie, Singularität, beschleunigtem Fortschritt. Wenn ich das Netzwerk der Leute mit denen er angelt, isst und diskutiert in einer Graphik skizziere dann sieht das ungefähr so aus:

netzwerk-jurvetson

(SJ: Steve Jurvetson EY: Elizier Yudkowsky GM: Gordon Moore MP: Michael Powell JS: John Smart ED: Eric Drexler JB: John Brockman)

Jede dieser Personen ist wieder auf einem jeweilig verdammt interessanten Hintergrund zu sehen. Eine Verbindung zu Herrn Gates dürfte vermutet werden, da Jurvetson dem Laden ja Hotmail verkauft hat. Wem die Namen Gordon Moore, Michael Powell oder John Brockman bis jetzt nichts sagen, dem ist Anfang des 21. Jahrhunderts nicht mehr zu helfen und sollte weiter Klingeltöne per Dialer laden. Für meine Belange ist die Verbindung zu Elizier Yudkowsky am bemerkenswertesten. Auch hier scheint langsam ein Wandel stattzufinden. Mitte der 90iger noch ein durchgeknalltes Teengenie, ist er nun ein nur noch 2 Degrees von den Schaltstellen entfernter Visionär. Die üblichen Phasen halt. Watch out and fasten your seatbelts!

Indiz 23-12

Wundersam folgerichtig das in der Gemeinde des Knowledgemanagement die Diskussion um „Trust“, Vertrauen und seine Funktion im Wissensfluss lange Threads auslöst. Natürlich kann das nicht unerwartet sein. Abgesehen vom formalisierbaren Aspekt der Wahrheit ist da ja die Frage des Kanals. Und wenn der biologisch ist, landet man beim Thema. Was folgt daraus? Firmen die sich damit nicht auseinandersetzten, geraten in einen Zustand den man mit Bacon als ein „langsames Gehen“ bezeichnen könnte. Zu langsam.
Das erinnert mich an einen Verdacht den ich vor langer Zeit hegte: Ein System – nennen wir es Firma – kann in der Dynamik des 21. Jahrhunderts nur bestehen wenn die Teilnehmer Eigenschaften in sich realisieren die man vormals im transpersonalen Spektrum ausgemacht hatte. Und zwar integriert und nicht isoliert wunderkerzenmässig.

Ölige Klimax

Wenn das stimmt dann wird 2005 als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der Hubbert Peak für die gesamte Weltölförderung erreicht wurde. Was dann kommt ist eine stete Verteuerung dieser Resource, wie sie sich selbst Trittin nicht wünschen wird. Langsam müsste ich mir mal eine Liste machen mit den Sächelchen die in der mittelfristigen Zukunft auf uns warten und unsere Lebensplanung massiv beeinflussen werden ob wir wollen oder nicht.

Sea of change ahead. Komm mir keiner mit dem pseudophilosophischen Kaminfeuerspruch, das Veränderung immer die einzigste Konstante war. Es gibt Quantitäten. 100 Jahre Mittelalter haben nur für Schildkröten Unterhaltungswert. Allein die 90iger bieten genug für 3 Schildkröteninfarkte. Diogenes hätte schon längst seine Tonne abgefackelt und würde hysterisch um Valium betteln. Ich schweife ab.

Badarumms

Da der Mehrzweckbeutel wie es scheint abgeraucht ist, kehre ich mal wieder hierhin zurück. Gut zu wissen das man eine Heimat hat, wenn es mal kälter wird.
Wem die Aktienkurse der letzten Monate spanisch vorkamen, findet hier einen der wenigen Mahner. Der Grundton ist nicht so euphorisch wie die Kurse. Wenn es dieses Jahr rappelt, dann allerdings heftig. Die Zinsen beim Hegemon sind schon auf 1% runter. Da kann man nur noch mit den Armen paddeln, was Greenspan mit den kryptischen Worten: „Die Geschichte lehrt: Wenn die Zukunft überrascht, dann überrascht sie uns oft alle!“ wohl getan hat. Strong sell würde ich sagen. Und ab in die Schlange.

Pino, der offene Roboter

Man stelle sich vor, die erfolgreichen Arbeitnehmer des Jahres 2020 sind Roboter, die jedoch auf Grund wesentlicher Patente nur von Honda oder Sony hergestellt oder lizensiert werden. Who rules the world? Unter diesem Gesichtspunkt ist das Projekt PINO dann fast noch wichtiger als Linux.