Bloggen in der NRZ

In der Onlineausgabe der NRZ vom 1. Juni ist ein Artikel über Bloggen in Düsseldorf zu finden. Rainald Schückens, der Mehrzweckbeutel und der Herr Becker (51) kommen selbstverständlich auch drin vor. Das Telefoninterview vor ein paar Wochen hatte ich schon längst vergessen und mir war auch nicht erinnerlich den Begriff „Buden“ für meine 2 Blogs hier benutzt zu haben. Man muss halt aufpassen was man der Presse gegenüber sagt. Ein leicht dahingeworfenes, plakatives Wort und schwupps lebt man im Netz in einer Bude 🙂 .

Da fühle ich mich in der Frankfurter Rundschau ernster genommen.

Na ja, egal. Andere haben noch nicht mal ein virtuelles Papierdach über dem Kopf. Wir warten auf den Blog von Frau Simone Thiess. Rupert Murdoch würde das nur begrüssen. Wie aus seiner Rede im April vor der American Society of Newspaper Editors herauszulesen, sind ihm Blogs sehr gewärtig, ebenso wie die Problematik das weltweit die Einnahmen der Presse nur eine Richtung kennen: Down! Nun ja, vielleicht liegt es ja auch an solchen Timelags wie oben angedeutet.

Auf der Suche nach dem Gleichgewicht

Die Vertreter der Fusion aus Physik und Ökonomie trafen sich vom 15. bis 19. März in Kalkutta und tauschten sich über Ergebnisse in der Econophysik aus. Prinzipien und Gesetzmässigkeiten der Physik werden hierbei auf die Ökonomie angewendet.

Bisher versuchte man Einkommensverteilungen mit der Pareto-Verteilung zu erklären, was aber nie so recht klappte, da die Daten sich unten rum nicht recht der Kurve unterordnen wollten. Mit der sogenannten Boltzmann-Gibbs Verteilung klappt das hervorragend. Einziger, demütigender Nebeneffekt: Die Verteilung des Einkommens in den unterschiedlichsten Gesellschaften ist dabei am besten erklärbar, wenn zufällige Prozesse unterstellt werden, die exakt denen in einem Gas gleichen, in dem die Bewegungen der Moleküle dafür sorgen das das System sich auf einen Zustand maximaler Entropie hinbewegt.

Wenn allerdings keine Korrelation zwischen irgendeinem persönlichen Merkmal und dem Einkommen besteht, folgt daraus das wir uns in Verdienstangelegenheiten nichts selbst anrechnen können. Alles hätte auch anders kommen können. Ein einzelnes Atom im Gas Gesellschaft kann zwar rückblickend von sich behaupten es nur auf Grund seines Fleisses soweit geschafft zu haben, vergisst dabei aber wieviele andere mit dem gleichen protestantischen Einsatz ein gänzlich unterschiedenes Einkommen beziehen. Und zwar ein zufällig unterschiedliches Einkommen.

Alle Erfolgsgurus der letzten 100 Jahre konnten an dieser Dynamik nichts ändern. Im Gegenteil: Die Gruppe derer die zu der unteren (<100k), von der Boltzmann-Gibbs Verteilung regierten Menschen gehört, ist in den letzten 40 Jahren in den USA, Japan oder Westeuropa größer geworden.

Was bedeutet es, wenn die Höhe des Einkommens unter ca 100k nicht planbar ist, weil der Zufall regiert?

Die herkömmliche Ideologie hämmert uns täglich ein das eine direkte Korrelation zwischen Aufwand und pekuniärem Ergebnis besteht. Kann aber nicht erklären warum vielen Tüchtigen noch nicht mal das Glück winkt. Im Gegenteil. Jeder weiss von Fällen zu berichten wo jemand trotz Defiziten auf allen Kanälen im Porsche vorfährt.

Diese irritierenden Wiederlegungen der protestantischen Leistungsethik haben aber noch nie das tiefe Gefühl der Schuld und der Selbstbezichtigung verhindern können, das die meisten Menschen umtreibt wenn sie über ihren Verdienst nachdenken.

Die Entdeckung, das die ökonomischen Gefilde unterhalb 100k vom Zufall regiert werden, kann das ändern! Ohne hohe Seminargebühren. Ohne esoterisches Geschwafel. Ohne hunderte, unterhaltsame Stunden auf der Sonnenbank oder Feuerlaufseminare. Einzigste Nebenwirkung: Die demütigende Einsicht auf die Höhe des eigenen Einkommens keinen Einfluss zu haben, weil der Zufall regiert.

Was bleibt übrig? Alle Ziele, die nicht an ein Einkommen gekoppelt sind. Infit, statt Outfit. Sinn statt Sachen. Glück statt Geld. Freude statt Schuld.

GINI-esker Reflexionsdump

Wer es wissen will, weiss es: Weltweit läuft seit Jahrzehnten eine Konzentration des Vermögens ab, die den sogenannten Mittelstand vernichtet. Wegpresst sozusagen. Neuere Untersuchungen zur Ungleichverteilung deuten darauf hin das für die unteren Einkommensschichten eher Boltzmann als Pareto gilt. Boltzmann? Gase? Zufall? Jau. Zufall. Keine Korrelation zwischen Fähigkeiten und Einkommen. Nachträglich beweist der Denker natürlich was bewiesen werden muss (Wilson): Viel Schweiss gleich Reihenhaus. Aber im Hier und Jetzt der Gegenwart gilt leider Boltzmann. Nur jenseits gewisser Einkommensgrößen gilt Pareto (der Teufel scheisst auf den größten Haufen). He, he, schon den Armutsbericht Germany gelesen? Und die Differenz im GINI-Index zwischen Netto- und Bruttoeinkommen bemerkt? – Ich schweife ab.

In einer Situation in der der Preis für den sogenannten Fortschritt Ungleichverteilung ist, mit den hässlichen Anhängseln Ungerechtigkeit und Gewalt muss man sich fragen wo die Verträglichkeitsgrenze verläuft, bevor aus Fortschritt Chaos wird. Klar können Einzelne für sich Hochglanzseitenbiografien hinlegen. Aber was ist mit dem Phylum? Was ist mit dem Vektor des gesamten Vereins? Wen kümmert das? Was heisst das, sich um so etwas kümmern?

Wieder viele Gründe die Beschleunigung des technologischen Fortschritts zu beschleunigen. Die Phasen der Menschheitsgeschichte die vor uns liegen werden, sind voll des Preises für die Komplexität und Neg-Entropie die wir in jedem Chip so bewundern. Wenn es von Wert sein sollte ein Ich-bewussstes Wesen geworden zu sein, dann muss jeder Versuch den Dystopien der Zukunft zu entkommen, sich der Gratwanderung zwischen dem Sehnen zur maximalen Neg-Entropie und der noch erträglichen Ungleichverteilung stellen.

In Gemeinschaft.

Roscoe Bartlett erklärt Peak Oil

Für alle denen die neuesten Gadgets (früher unter dem Begriff Konsumgüter bekannt) die Sicht auf gewisse unbequeme Details des Gesamtbildes versperren, muss ich hier noch mal auf den 14. März verweisen und den Videostream des Hearings im Kongress des Hegemons mit Congressman Roscoe Bartlett .

Ich vermute mit der Hausnummer 100$ für ein Barrel gegen Ende 2005 habe ich die Lage unterschätzt. Aber wenn man unten in der Informationsfresskette lebt und sich versucht ein Bild zu machen indem man Brotkrumen zusammensetzt, sind Schönfärbereien schon mal drin.

Hubbert Peak – Peak Oil

Am Montag dem 14. März gabs ein Congress Hearing drüben beim Hegemon in dem der konservative(!) Kongressabgeordnete Roscoe Bartlett Peak Oil erklärte. Damit dürfte das Thema nach Jahrzehnten langsam in der Öffentlichkeit angekommen sein. Für Ende 2005 sehe ich 80 wenn nicht gar 100$ für ein öliges Fass.

Neg-Entropie hat ihren Preis. Auch Einkommensungleichverteilung ist ein Nebeneffekt der Neg-Entropie. Durch die ab jetzt nie mehr zu schliessende Lücke zwischen Ölnachfrage und -angebot wird diese Ungleichverteilung jedoch nicht geringer werden. Auch in Deutschland.

Für mich folgt daraus wieder einmal, das nur eine bewusste Beschleunigung des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts die Menschheit vor lästigen Nebenwirkungen ihres Drangs zu Komplexität und Unwahrscheinlichkeit bewahren kann.

Unsere Zukunft soll schöner werden

Wenn Szenarien ihre jeweilige Wahrscheinlichkeit Trends verdanken, dann wäre es verständlich zu versuchen möglichst alle wesentlichen Trends an allen Fingerchen abzählen zu können. Moores Law fällt einem ein. Hubbert Peak. Nanotechnologie. Bloggen. Gentechnologie. Jamba! – Scherz, Scherz.

Aber was ist mit folgendem Trend: In den 60igern hat das untere Quintil auf diesem verfluchten Planeten noch 2,3% des gesamten Vermögens besessen. Nichts womit man große Sprünge machen könnte. Da muss man schon mal den ein oder anderen Urlaub in der Karibik auslassen. Nachdem dann alle viele spannende Bücher über positives Denken gelesen haben und tolle Erfolgseminare besucht hatten, sind es im Jahre 1998 nur noch 1,2% gewesen. Huch! Und warum hat der globale Mittelstand (60%) im Jahre 1998 gegenüber den 27% aus dem Jahre 1960 nur noch 9,8% besessen? Gerade die! Besuchen doch jedes Ohrenkerzenseminar westlich von Santa Fe (Quelle wie immer UNDP).

Halten wir fest: Massiver globaler Trend ist ärmer zu werden und Vermögen nach oben durchzureichen (1960: 70,2%; 1998: 89%). Wo da der politische Spielraum ist muss mir der Herr Clement noch erklären. Egal, Schwamm drüber. Holstein rulez.

Wenn man nun davon ausgeht das dieser Trend in den nächsten 10 Jahren anhält, weil unglücklicherweise die Bremse gerade nach Alpha Centauri ausgeliehen wurde, dann stellt sich die ungemütliche Frage, welches Szenario man sich auszumalen hat, in dem Höchsttechnologie (siehe Kategorieenliste am linken Rand) auf extreme Vermögensungleichverteilung trifft.

Ich weiss es ja auch nicht. Aber ich werde darüber nachdenken. Fortsetzung folgt.

Chip-Prognosen (ad Cell Processor)

Nicht selten fallen Prognosen dem Vergessen anheim und alle Beteiligten sind dankbar dafür. Gerade im Bereich Moore´s Law sind die „Kritiker“ dieses Trends immer schnell dabei wenn ein paar Millionen Transistoren nicht pünktlich genug geliefert werden. Was aber, wenn dem Vergessen eine Prognose anheimgegeben wurde, die übertroffen wurde?

Im Zusammenhang mit IBM´s Cell Chip und Intels Multicore sollte man folgendes Detail dem Vergessen entreissen:

Im Oktober 2002 präsentierte Intel fellow John Crawford auf dem Microprozessorforum die Ankündigung das Intel vorausichtlich 2007 einen Multicoreprozessor mit ca 1 Milliarde Transistoren produzieren werde. Wir schreiben das Jahr 2005, und Montecito hat 1,7 Milliarden Transistoren. Nicht das ich kleinlich sein will… 😉

Schon wieder Moore: The Cell chip

Eigentlich bin ich es müde. Aber weil es so schön ins Timing passt, muss ich darauf hinweisen: The Cell Chip! Dem ein oder anderen könnte es passen das unter Gamerkram abzuhaken, schliesslich ist das Ding zuerst für die PS3 vorgesehen, aber nix da. Das ist grundsätzlicher.

Moore´s Law marschiert massiv weiter, diesmal schwärmt es aber aus. Igitt. Die Folgen werden in vielen Bereichen wohl neue S-Kurven auslösen. Oder wie deSolla Price es bezeichnete: eine Eskalation. Einer der anfälligsten Bereiche für derartige vernetzte Lösungen: Robotik. Engpass Nummero Uno in der Robotik: Daten von Sensoren, die verarbeitet werden müssen. Für Cell-Lösungen ideal. Ab demnächst also vernetzt und Multicore.

Was findige junge Leute damit anstellen werden ist gar nicht abzusehen.

We have never seen a leap in performance like this before and I don´t expect we will ever see one again, It will send shock-waves through the entire industry and we´ll see big changes as a result.

Der Tunnel in den wir hineingesogen werden, wird mit jedem dieser kleinen Wunder der neg-Entropie enger, deutlicher und folgerichtiger. Wer darin nur ein weiteres Produkt sieht, hat eine erfolgreiche Marketinglobotomie überstanden oder seinem kleinen antitrendigen Rebellen im Angesicht einer Tsunamiwelle Ausdruck verliehen.