Wenn weniger immer mehr ist

Streift das innere Auge über die Unruhe die unsere Zukunft ist, können die Schneefelder des Ungesehenen zum Herz greifen oder es erheben. Wochen vergehen ohne Tage für den, der den Moment nicht aus der Utopie auflädt. Das rechte Tun erschliesst sich nie. Es geschieht.

Teilhard de Chardin, 2 Zitate aus dem Jahr 1951

Herr Sixtus reflektiert im Mehrzweckbeutel über „Weit weg“. Und ich schlage reflexartig einen Bogen zu meiner gestrigen Zuglektüre vom Mann aus dem Garten. Wenn man erst einmal die schlechte Übersetzung, den zeitlichen Abstand und seine spezielle Art sich unverständlich zu machen in die Filteroptionen aufgenommen hat, ist Herr Chardin ein Steinbruch für jeden, der die Zeit vor uns zu ergründen versucht. Ich bin jedenfalls regelmässig nach ein paar Seiten geplättet.

…Vor uns, von nun an, in der Zeit nicht nur eine größere Zahl von Menschen. Sogar nicht einmal nur eine größere Intensität des Menschseins. Sondern die Konzentration alles Humanen in ein einziges ko-reflektierendes System planetarer Dimensionen. (aus : über das Ultra-Humanum)

Derartige Zitate liessen sich endlos reihen. Was davon für mich immer wieder unverrückbar hängen bleibt, ist die Beobachtung, das man aus einfachen Prinzipien – hier Evolution und Thermodynamik – Entwicklungen der Zukunft ableiten kann, ohne ihre exakte Manifestation zu beschreiben. Weit vor der Entwicklung des Internet oder solch schnuckeliger Werkzeuge wie Blogs leitete Teilhard de Chardin aus den genannten Begrifflichkeiten die Entstehung von Phänomenen ab, die Funktionen kanalisieren, die er mit dem Begriff Noosphäre, Totalisation oder Komplexifikation zu erfassen versuchte. Dabei muss man beachten, das die meisten seiner Schriften wohl zur Selbstverständigung gedacht waren, da die liebe katholische Kirche ihm ein Veröffentlichungsverbot aufgebrummt hatte. Verständlich. Und noch eins:

Jegliche Anordnung, deren Realisierung ein Ansteigen „der psychischen Temperatur“ [oder, wenn man es vorzieht des „Bewußtseinsgrades“] des Systems bewirkt, muß in der Natur als von eigentlich organischem und evolutivem Stoff angesehen werden. Wenn es nun aber in der uns umgebenden Welt eine klar lesbare Tatsache gibt, so gewiß jene, daß der Mensch durch den Effekt der planetaren Totalisation jeden Tag schneller seine kollektive Fähigkeit und Intensität des Denkens vermehrt. (aus: Problem für die Anthropologen)

Wenn man für sich diese Schlüsse zieht: das die Manifestationen dieser Noosphäre organisch und evolutiv sind, dann folgt für mich daraus, das eine bewusste Teilhabe daran die eigene Evolution, sowie die Beschleunigung der Beschleunigung voranzutreiben hat. Ich wünsche eine transformative Woche!

Technische Feinheiten

Um den Fluss des eigenen Wachstums in Gang zu halten, sollte Bemerkenswertes so formuliert werden, das es eine Brücke zu einer Verständnisebene schlägt die man eigentlich noch nicht bewohnt.

Über Fehler

Über Fehler nachdenken ist eine Kunst. Die erste Hürde ist die des Gedächtnisses. Die zweite die der Eitelkeit. Eine weitere liegt in der Fähigkeit eine weitere Position als die eigene einzunehmen. Sind diese Hürden genommen steht man vor dem Tor der Logik. So kommt es dann, das man oft die Differenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung einfach als Reibungswärme lebt.

Eine kurze Spanne

Es treibt einen nach hier und da und man schaut aus der Wäsche. Dann ist der Betrachter vergangen. Damit die Betrachtung. Wir sind und waren. Noch früher war nichts das reflektieren konnte. Und später? Rettet Will Smith die Welt. Für einen kosmischen Moment fallen Teilchenschauer und ihre Botschaften auf Netzhäute und erregen Zellen die mit einer Frage antworten. Bei ungünstigem Karma wird diese Frage nie vergessen und spiegelt sich in jedem Gerüst der Natur. Alles wird zu Suche und Meilenstein. Mit jedem Tag wird die Vergänglichkeit der eigenen Dauer errichtet und der Irrwitz des: „Jetzt Ist“ verhöhnt Sterne.

Vom Ende her denken

Die Bedeutung eines gegenwärtigen Details ergibt sich immer aus dem Ende, zu dem es beiträgt. Wenn wir davon ausgehen das Blogs recht hölzerne, prähistorische Werkzeuge auf einem Weg sind, dann stellt sich dringend die Frage: Zu welchem Ziel tragen sie bei?

Meine Antwort: Kommunion. Oder sowas. Teilen dessen, was man aus der Gesamtheit des eigenen, geistigen Lebens für die Öffentlichkeit freigibt und fliessen lassen will. Woraus auch das Pathos mancher Blogs resultiert, denn jede dieser Trennungen ist immer künstlich und muss im Gestus gerechtfertigt werden.

Aber es geht ja nicht um Blogs. Es geht um den Bereich, den man öffentlich macht und damit um „personal publishing“. Darauf läufts hinaus. Und da wäre das Endziel, das alles was ich zum öffentlichen Teil meines geistigen Lebens erkläre instant jedem auf Terra potentiell zur Verfügung steht. Ohne das mir die technischen Vermittlungen sichtbar sind. Ob chronological reverse, statische Webseiten, gepelptes Pupsen oder XML: Einzig die bewusste Entscheidung etwas als öffentlich zu erklären wird in Zukunft auffallen. Die Identifikation mit pMachine, MT, WordPress, Mambo oder Säbelzahntigerfelle ist prähistorisches Stammesdenken ohne Sinn für evolutionäre Horizonte.

Wenn diese sich berührenden öffentlichen Sphären die Herzen einer zukünftigen planetaren Kommunion werden wollen, dann könnte sich XML zum Blut des gesamten Kreislauf entwickeln. Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anders sagen. Mal wieder.

Indiz 23-12

Wundersam folgerichtig das in der Gemeinde des Knowledgemanagement die Diskussion um „Trust“, Vertrauen und seine Funktion im Wissensfluss lange Threads auslöst. Natürlich kann das nicht unerwartet sein. Abgesehen vom formalisierbaren Aspekt der Wahrheit ist da ja die Frage des Kanals. Und wenn der biologisch ist, landet man beim Thema. Was folgt daraus? Firmen die sich damit nicht auseinandersetzten, geraten in einen Zustand den man mit Bacon als ein „langsames Gehen“ bezeichnen könnte. Zu langsam.
Das erinnert mich an einen Verdacht den ich vor langer Zeit hegte: Ein System – nennen wir es Firma – kann in der Dynamik des 21. Jahrhunderts nur bestehen wenn die Teilnehmer Eigenschaften in sich realisieren die man vormals im transpersonalen Spektrum ausgemacht hatte. Und zwar integriert und nicht isoliert wunderkerzenmässig.

Zukunft, XML, RSS und die Blogs…

Jetzt eben mal andersrum. Warum? Vielleicht weil ich meinen ernährungsgeschändeten Körper im Park andersrum gehetzt habe.
RSS ist ja XML und Blogs nur das frühe Versprechen des Internets, milde umgesetzt. Und schon rasten alle (?) aus. Ich auch. Wie weit kann man die Kombi-Idee XML-RSS-Aggregatoren treiben? Bis zum Verschwinden von E-Mail? Browserverschrottung?
In der ganzen Angelegenheit scheint mir wieder ein Element der Unter- und Überschätzung enthalten zu sein. Mit appendizierter Enttäuschung und folgendem Schock. Der Schock wird aus der Entdeckung resultieren was XML aus diesem Interdings machen wird.

Nur so 27

Wir sind unsere Filter. Der Faktoidwasserfall der Informationsgesellschaft kann nur zu sinnvollen Gebärden gerinnen wenn intakte, nichtneurotische Filter das Bad lustvoll gestalten. Alle anderen reagieren mit Varianten von Schmerz. Intuition ist die Daseinsnorm komprimierender Wissensarbeiter.