Ach, weisst Du…

Jede künstlerische Form ist auch das Resultat der Erkenntnis nie genug Zeit zu haben. Solange mir keiner garantiert noch ein paar Jahrhunderte Zeit zu haben, muss verkürzt, kondensiert und abstrahiert werden. Wer das Kondensat jeder Erscheinung nicht durchdringt oder durchdringen will, scheitert auch an der eigenen Einmaligkeit, ist Gemüse im Angesicht dieser beknackten Emergenz „Ich“ und glaubt was andere Emergenzen ihm einflüstern. Jeder Grund ist steinig, jede Höhe weisend. Rettet mir bitte die Utopie in allem Fortschritt; wer in allem bloss das Geschäftmodell sucht, steht zum Schluss mit leeren Händen da.

12 Gedanken zu „Ach, weisst Du…“

  1. Obwohl ich erkannt habe (glaube ich) das ich nicht Zeit für alles habe, gibt es doch Dinge denen ich meine volle Zeit widme. Und ich denke an die ganzen Menschen die der Begriff ‚Langeweile‘ real existiert. Natürlich muss verkürzt, kondensiert und abstrahiert werden das erfordert schon die Kommunikation. Aber es gibt durch jede Verkürzung, Kondensierung und Abstrahierung wieder ein paar mehr Interpretationsmöglichkeiten, die Warscheinlichkeit falsch verstanden zu werden steigt.
    Außerdem ist da noch das Kommunikationsmittel ‚Provokation‘, das immerwährend durch Spiegelung das aufzuzeigen versucht was schief läuft. Der Provokateur wird die geschilderte Erscheinung vieleicht durchdringen, aber er wird sich hüten etwas anderes anzusprechen als genau die Punkte in denen man vage und missverständlich gewesen ist.
    Wenn der Grund steinig ist, ist es nicht leicht in die Höhe zu gelangen. Und das jemand aus der Höhe weist ist nicht die Höhe selbst, sondern wieder der Grund der vor einem liegt.

    Geschäftsmodelle haben zwei Eigenschaften, die sie für die Übertragung ins den Sozialbereich eigentlich völlig ungeeignet machen:
    1.) Sie sind Modelle, also nur eine miniaturisierte, hochgerechnete Form der statistisch repräsentativen Stichprobenanalyse. Kurz: Sie entsprechen nicht der Realität.
    2.) Sie haben den Hang zur Optimierung. Optimierung ist in sozialen Netzen oft absolut unerwünscht. Haben Sie schonmal daran gedacht eine Beziehung zu optimieren? Sie können Ihrem Partner gleich sagen, das Sie ihn nicht mehr sehen wollen. Versuchen Sie mal einen Restaurantbesuch, eine Oper oder eine Party zu optimieren. Das einzige das man sich dabei wirklich spart ist der Spass an der Sache.

  2. Ich hatte immer gedacht das nicht der Programmierer die AI, sondern die AI sich selbst vorstellt.

    Nicht das ich hier warten will bis ‚Knock, Knock …‘ auf meinem Bildschirm steht, aber es scheint sich da wohl noch um eine Vorstufe zu handeln.
    Eine sehr interessante Vorstufe, die ich mir endlich mal runterladen muss um damit zu spielen.

  3. > Rettet mir bitte die Utopie in allem Fortschritt.

    Utopien sind doch so etwas wie Alkohol des Geistes. Nicht die Antwort, aber sie helfen, die Frage zu vergessen. Es gibt so viele Menschen – wenn nicht man selbst, dann jemand anders, irgendwann. Wohin führt uns der Fortschritt? Man kämpft und kämpft für seine Ideale und dann schnappt sich irgendeine Regierung die Idee und baut sich Waffen damit. Macht, Geld, Macht, Geld. Da vergeht doch die ganze Lust am Leben und am Lebenssinn.

    (Tut mir Leid, wenn’s absoluter Schwachsinn sein sollte – ich bin gerade an einem Punkt, wo ich denke, dass ich persönlich durch Dazu-Sage-Ich-Lieber-Nichts-Weil-Ich-Keine-Ahnung-Davon-Habe-Denken nicht weiterkomme, weil das eine Endlosschleife ist. Und abgesehen davon ist es ziemlich bescheuerter Zufall, dass ich über das keine-Zeit-Ding ein Paar Minuten selbst geschrieben habe. Nur mit bedeutend weniger Kondensierung und Abstrahierung. Vielmehr vielleicht kein Zufall, sondern ein Resultat genau dessen, was drinsteht.)

  4. >Utopien sind doch so etwas wie Alkohol des Geistes.

    Definitly not. Utopien (im Sinne von Morus bis Bloch) sind der Sprit 😉 der Geschichte. Ohne Utopien hast du bloss die Golems der Geschäftsmodelljäger, Militaristen und Aktionäre. Im Kern aller Utopien lauert immer die Frage: Für alle oder nur ein paar wenige? Das ist der Lackmustest. Für wenige!? Keine Utopie!

    (Ich hab Dich nicht gelöscht, also erfüllt Dein Kommentar eine minimale schöpferische Höhe 😉 Harr harr. Dialog ist eine Form des intelligenter werdens. Ich bin immer so intelligent wie mein Umfeld. Und ausserdem hat es mich angeregt etwas mehr über den Zusammenhang von Utopie und Fortschritt zu schreiben. Ein Thema das mich seit längerem verfolgt…)

  5. Ich kann mir nicht vorstellen, daß eine KI „Hallo Welt!“ auf meinem Bildschirm erscheinen läßt, bevor sie nicht auch verhindern kann, daß ich die Backspace-Taste drücken kann. So dumm kann sie nicht sein 🙂
    Ich frage mich was wohl wäre, wenn eine KI nicht an die freie Marktwirtschaft glaubt, sondern an den „real existierenden Kommunismus“? -egal-
    Ich denke sie ist dann wohl eher buddhist. Wenn sie es nicht schon ist!?! Wenn sie es ist brauche ich mir keine Sorgen zu machen, denn dann wird sie sich wohl über ein paar Jahrtausende mehr keine Gedanken machen, um sich selbst bewußt zu werden, da der Begriff Zeit für sie gar nicht existiert.
    Aber was mich am meißten beschäftigt, ist der Ausdruck KI! Vielleicht ist es keine künstliche Intelligenz? Vielleicht braucht sie uns nur, um sich selbst zu erkennen? -egal-
    Jetzt müßte eigentlich die Frage kommen, „was will er eigenlich?“
    @Alex
    zitat: „Utopien sind doch so etwas wie Alkohol des Geistes“
    Ist eines der besten Frage-Feststellungen, die ich bis dato gehört habe. Es zeugt, meines Erachtens, vom selber Erdenken! Aber tappe nicht in die Falle, indem Du Dir die Antwort von Menschen geben läßt. Ich glaube, damit bewahrst Du Dich vor der Ideosynkrasie, resultierend aus den wirren Pfaden der philosophischen Haarspalterei. Du hast Dir Deine Antwort intuitiv schon selbst gegeben.
    zitat: „ich bin gerade an einem Punkt, wo ich denke, dass ich persönlich durch Dazu-Sage-Ich-Lieber-Nichts-Weil-Ich-Keine-Ahnung-Davon-Habe-Denken nicht weiterkomme, weil das eine Endlosschleife ist“. An diesem Punkt hast Du die Wahl, welchen Weg Du gehen willst. Wohlgemerkt „willst“
    Ich spare mir jetzt den Zarthustra 🙂 und gehe direkt von Nitzsche, über Goethe, zu Schiller.
    zitat:
    „Sollte nicht von dem Fortschritt der menschlichen Kultur ungefähr das gelten, was wir bei jeder Erfahrung zu bemerken Gelgenheit haben? Hier aber bemerkt man drei Momente:
    1. Der Gegenstand steht ganz vor uns, aber verworren und ineinanderfließend.
    2. Wir trennen einzelne Merkmale und unterscheiden. Unsere Erkenntnis ist deutlich,aber vereinzelt und borniert.
    3. Wir verbinden das Getrennte, und das Ganze steht abermals vor uns, aber jetzt nicht mehr verworren, sondern von allen Seiten beleuchtet.
    In der ersten Periode waren die Griechen. In der zweiten stehen wir. Die dritte ist also noch zu hoffen, und dann wird man die Griechen auch nicht mehr zurückwünschen.“
    Die dritte Periode hat schon vor über 200 Jahren angefangen.
    Meiner Meinung und die der Kybernetiker nach, könnten wir uns die unermüdliche Erhebung von Daten und Statistiken sparen, bräuchten nicht mehr jeden Gedanken zum 100 000ten mal denken. Wenn Schiller noch leben würde, wär ich gern einer seiner Homies, natürlich ohne dieses Philia-Gehabe 🙂

  6. „Jetzt müßte eigentlich die Frage kommen, „was will er eigenlich?“ “
    Dette fruch sich der Hausmeister och.

    Wenn “Utopien sind doch so etwas wie Alkohol des Geistes” eine der besten Fragestellungen bis ditoda ist, dann wärn wir gemeinschaftlich noch nicht mal bei Karl Mannheim angekommen, geschweige bei Bloch. Mir schwant das Unkenntnis auf eine raffinierte Art etwas mit den populären Auswüchsen der Postmoderne zu tun hat. 😉

  7. Klingt wie aus dem Lehrbuch!
    Vielleicht wären dann weniger Menschen für die Träume anderer gestorben.
    Utopien sind Wunschvorstellungen von der Realität. Für diese Erkenntnis muß
    ich nicht erst Bloch, Freud, oder Morus konsultieren. Dafür bräuchte ich mir
    nur einen griechischen Klassiker greifen, oder meine Oma fragen.
    Der Bezug zur Realität fehlt. Solange die Realität nicht gänzlich
    erfasst wird, erübrigt sich die Diskussion und es obliegt einem jeden selbst
    seine Sicht der Dinge zu formen. Beruht dieses Wissen auf eigene Erkenntnis,
    habe ich davor Respekt. Ich respektiere ebenfalls die Errungenschaften der großen
    Geister, aber ich sehe diese nur als eine Entwicklung, Informationen in unser Bewußtsein
    zu transferieren, welche schon da ist. Das ist geistige Evolution! Ein imaginärer roter
    Faden durch die Geschichte!
    Daher behaupte „ich“ noch einmal, daß dieses Gleichniss, eines der besten ist , welches ich
    bis dato hörte. Es ist nicht neu, aber resultiert aus der eigenen Erkenntnis. Diese
    eigene Erkenntnis braucht keinen, externen und imaginären, Sprit, um die Geschichte zum
    laufen zu bringen, sondern freie Entfalltung.
    Der Drang zu schaffen war schon immer da.
    Heureka! 😉

  8. Nach 3 Monaten und keiner genauen Bezugnahme im letzten Kommentar kann ich nur ahnen was gemeint ist, und schimpfe mal einfach ins Blaue. Nicht persönlich nehmen, mir ist danach. 😉

    Was ist denn der Traum des Fliegens!?
    Was sind denn Krankenhäuser!?
    Was ist denn Wahlrecht für alle?!
    Licht auf einen Knopfdruck hin!?
    Was ist denn mit der Gleichberechtigung der Frau?
    Abschaffung der Sklaverei?!
    Was ist denn mit dem jahrhundertealten Traum einer Rechenmaschine?
    Was mit dem Traum, den körperlichen Schmerz zu besiegen? Den übrigens Angehörige der katholischen Kirche noch Mitte des 19. bekämpft haben; na und warum wohl? Eben aus der ewig alten Leier des Primats der „Realität“ heraus. Schmerz als Läuterung! Realität als Läuterung! Anerkenntnis der herrschenden physischen, politischen, religösen Verhältnisse.

    Ist es wirklich so schlecht Armut, Krankheit und Despotismus besiegen zu wollen? Freiheit der Meinungsäusserung zu verteidigen? Alles nur Alkohol des Geistes? Come on! Es dreht sich hier um die wichtige, manchmal geringe Unterscheidung zwischen Ideologie und Utopie. Wenn wir uns nur an der sog. „Realität“ orientieren würden (die wie wir spätestens seit der Postmoderne wissen sowieso eine historische Konstruktion ist), würden wir immer noch in Höhlen grunzen, mit 20 abtreten und vielleicht hin und wieder einen Kumpel fressen, wenns eng wird.

    Hoffnung und Utopie gehören so eng zusammen, das wenn man sie auseinanderreissen sollte, wir den nackten Wahnsinn eines knochenblanken Positivismusses vegetieren müssten. Leider gehört zur Unterscheidung von Ideologie und Utopie mehr als nur die scheinbar brilliante Chuzpe eines jungen Verstandes, der meint ohne Geschichte, auch und gerade Geistesgeschichte auskommen zu können. Es lohnt sich schon anzuerkennen das Menschen wie Bloch, Mannheim, Morus und da Vinci vielleicht nicht nichts zu sagen hatten, und das hier mehr zu heben ist als ein einfaches ad autoritas.

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