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Siggis letzte Worte




19.November 2007

Na also: Google und Genetik!

Gentech, Lebensverlängerung, Medizin, Soziologie, Transhumanismus - 9 Kommentare » 2:25 pm

Der neue Dienst 23andMe, den Anne Wojcicki und die allgegenwärtige Esther Dyson vor ein paar Tagen gestartet haben, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil damit eine Art Undercover-Crossover zwischen Google und Gentechnik eingeläutet wurde, zum anderen weil es ein schönes Beispiel für die Dynamiken abgibt, die sich durch die zunehmende Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen in den westlichen Staaten ergeben werden.

Es dreht sich nämlich nicht darum das der durchschnittliche westliche Bürger im Jahre 200X luxuriöser als im Jahre 100X lebt, sondern das der überdurchschnittlich verdienende Bürger des Jahres 200x sich informationspraktisch und gesundheitlich mit Riesenschritten von der unterdurchschnittlichen Masse entfernen kann. Die Mittel dafür existieren jetzt, nicht irgendwann. Wenn 50% der Deutschen überhaupt kein Vermögen besitzen um zu sparen, dann haben sie auch keine Mittel um zum Beispiel einen Dienst wie 23andMe zu nutzen um Gesundheitsrisiken vorzubeugen oder massgeschneiderte Medikamente zu beziehen, wenn in ein paar Jahren das 1000$-Genom machbar sein wird.

Niemand wird in naher Zukunft in Deutschland verhungern, und warmes Wasser wird noch längere Zeit aus der Wand kommen, aber ich befürchte die Folgen der zunehmenden Ungleichverteilung werden schleichend an den Grundlagen unserer Gesellschaft nagen.

Welche Folgen hätte es für die Stabilität einer Gesellschaft, wenn sich die Lebensqualität und Lebenserwartung kleiner Teile der Bevölkerung sichtbar erstaunlich verbessert, während der Großteil immer noch glaubt es wäre normal mit etwas Glück 80 zu werden und Alzheimer oder Parkinson zu bekommen?

27.September 2006

Ungleiche Zukunft im Sand

...was wyrd, Beschleunigung, Halbleiter, Lebensverlängerung, Medizin, Prä-Singularität, Soziologie, Transhumanismus - 3 Kommentare » 1:43 pm

Die Zukunft ist, einem Bonmot folgend, wirklich sichtbar ungleich verteilt. Wobei diese Ungleichverteilung gleichzeitig Motor des technologischen Fortschritts ist und Feind jedes utilitaristischen Ansatzes. Physisch sichtbar manifestiert sich diese Ungleichverteilung in diesem geschichtlichen Moment überdeutlich in Nakheel in Abu Dubai. Jeder der auf diesem Planeten nicht um die nächste Miete hadern muss, zieht gerade um in einen feudalistischen Wüstenstaat, um unbehelligt vom Treiben des Plebs jeden denkbaren Wunsch und Luxus zu geniessen. Meine Sorgen um die Möglichkeit eines transhumanen Reichenghettos, dessen Insassen sich moralisch, technologisch und medizinisch vom Rest des Planeten abkoppeln scheinen dort im Sand Wirklichkeit zu werden.

Dort in der Wüste erhebt sich ein unwahrscheinliches Zentrum der Negentropie, das sich aus der Dynamik eines Systems nährt, dessen unbewusster Vektor von Ungleichverteilung angetrieben immer höhere Zustände der Komplexität anstrebt. 80 Proszessorkerne auf einem Chip und ein 810 Meter hoher Turm voller sinnensatter Körper sind zwei Enden des gleichen Taumels.

18.September 2006

Peter Thiel spendet 3,5 Mio $ an die Methusaleh Foundation

Beschleunigung, Lebensverlängerung, Transhumanismus - 4 Kommentare » 6:13 pm

Peter Thiel, der ein bischen Klimpergeld aus dem Verkauf von PayPal an eBay übrig hat, spendet 3,5 Millionen Dollar an die Methuselah Foundation. Darüber hinaus will er bis 2009 auf jeden Spendendollar 50 Cent drauflegen.

Thiel ist heute Gründer und Managing Member von Clarium Capital, die auch dem Singularity Institut Obdach gewähren. Damit wird Thiel langsam zum herausragendsten Förderer der brisantesten und konstruktivsten Forschungszweige auf diesem Planeten: radikale Langlebigkeit und allgemeine künstliche Intelligenz (AGI), noch weit vor Kurzweil, der mit schlappen 5050$ beweist auf welches Pferd er wirklich setzt.

Nur indem man die Lücke zwischen Wissenschaftlichkeit und Vision mutig überspringt, kann man Wetten auf die Zukunft gewinnen. Alle anderen werden bloss recht behalten.

12.Juli 2006

SENS-Hypothesen von Aubrey de Grey halten Prüfung stand

Events, Lebensverlängerung, Medizin, Prä-Singularität, Transhumanismus - 2 Kommentare » 11:29 am

Wie vor fast einem Jahr hier schon mal berichtet, hatte die Technology Review auf Initiative des Chefredakteurs Jason Pontin ein Preisgeld von 20 000$ für denjenigen ausgesetzt, der darlegen kann, das die SENS-Hypothesen von Aubrey de Grey “…derart falsch sind, das sie keiner akademischen Debatte würdig sind”.

Was folgte, war das gewohnte Schweigen, das schon für Pontin der Anlass zu diesem ungewöhnlichen Aufruf war. Schliesslich wurden doch noch vor ein paar Monaten 3 Kritiken eingereicht, auf die de Grey auch anwortete.

Nun fehlte nur noch eine Jury, deren Mitglieder ihre Denkfähigkeit genügend unter Beweis gestellt hatten um zu allgemein aktzeptierten Schlüssen zu kommen. Ich weiss nicht an welchen Schrauben da gedreht wurde, aber schliesslich gehörten unter anderem Craig Venter, Nathan Myhrvold und Rodney Brooks zu den Juroren. Nicht schlecht. Fehlende logische Schlussfähigkeit kann man diesen Zeigenossen nicht unterstellen. Eher vielleicht ein gewisses Interesse an der Thematik. Gerade bei Nathan Myhrvold gibt es Befürchtungen, das er sich mit seiner Firma Intellectual Ventures zu einem Darth Vather des technologischen Fortschritts entwickeln könnte. Die Biochemie des Alterns mittels Unmengen von Sperrpatenten in den Händen eines EX-Microsoft Milliardärs. Na, wie klingt das? - War nur Spass.

Ok, weiter. Und es begab sich, das gestern das hohe Gremium kreiste und verlauten liess, das die kritisierenden Herrschaften ihr Ziel der Wiederlegung nicht erreicht hätten, obwohl usw…(Eiertanz gekürzt). Es wäre grundsätzlich zu bemängeln das sie zu schnell mit ihren persönlichen Angriffen und dem “name calling” wären. LEO meint eine “ordinäre Beschimpfung” käme dem recht nahe. Wissenschaftler, die andere Wissenschaftler beschimpfen? Unmöglich. Da sei Popper vor!

Um die Beschimpfenden zu besänftigen, wurde dem am wenigsten Schimpfenden ein Zuckerl in der Höhe der Hälfte des Preisgeldes überreicht, allerdings ohne die Zustimmung der Methuselah Foundation, die die andere Hälfte gespendet hatte.

Nachdem nun also die SENS-Hypothesen soweit bestätigt worden sind, das ein junger Wissenschaftler nicht gleich befürchten muss seine Karriere zu ruinieren, wenn er mit dem Namen de Grey in Verbindung gebracht wird, können wir gemeinen Alternden endlich darauf hoffen das ein wenig Bewegung in die Betonwände uralter Glaubenssysteme kommt.

18.Mai 2006

Heilung von Krebs

Beschleunigung, Lebensverlängerung, Medizin - 5 Kommentare » 1:11 pm

Es gibt sie. Allerdings muss man dazu eine Maus sein, und in einem Labor der Wake Forest University in North Carolina leben und einer zufällig mutierten Art angehören. Seit 1999 bekommen Angehörige dieser Laborart weder durch implantieren noch injizieren von Tumorzellen verschiedenster Krebssorten keinen Krebs. Soweit man bis heute festgestellt hat, ist die Mutation dominant vererbbar und auf ein einziges Gen zurückzuführen. Da Mausmodelle meist nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind, liegt eine Therapie für Menschen noch in der Zukunft. Aber welcher? 2020? Nein? 2015? Hm.

Das diese Meldung nicht an prominentesten Stellen verbraten wurde erstaunt mich allerdings. Schliesslich soll einer Schätzung der University of Chicago zufolge alleine in den USA eine Therapie für Krebs einen volkswirtschaftlichen Wert von 50 Billionen Dollar haben.

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