Utopie und Vorstellungswille

Alle Menschen sind in Graden mit dem gleichen Potential zur Vorstellungskraft gesegnet. Allerdings dreht die hohl wenn der Vorstellungswille fehlt. Der Trieb zur Phantasie sozusagen. Das scheint mir die eigentliche Triebfeder zu sein: die utopische Phantasie, die dem Emailausdrucker genauso abgeht, wie denen die seit Jahrtausenden immer unter den negativen Auswirkungen von Technologie zu leiden hatten. Das was ein Peter Thiel an Verlust riskiert, weil er seinem Vorstellungswillen und seiner Vorstellungskraft folgt, entspricht in ungleich höherem Ausmaß dem, was viele Menschen als Verlust negativer Lebensumstände riskieren würden, wenn sie durch ihr utopisches Wollen dafür sorgen würden, das der Januskopf der Technologie uns nicht automatisch die dystopische Hälfte zuwendet.

Ohne den Willen zur Utopie droht eine Schäublisierung des Potentials von Technologie und eine Reduktion auf BWLigen Excel-Fortschritt.

Keine Kreativität

Es gibt kein Wesen der Kreativität. Einzig Grade der Durchlässigkeit für den Strom des Pfeils der Zeit vom Anbeginn zum Omega. Undurchlässigkeit manifestiert sich findig und gibt sich vorgeblich als der eigentliche Grund aus, von dem wir springen sollen. Die wissenschaftliche Methode und die Pforten der Kunstwerke sind dem Ego abgerungene Listen, die Brücke zwischen Alpha und Omega zu gehen.

Ach, weisst Du…

Jede künstlerische Form ist auch das Resultat der Erkenntnis nie genug Zeit zu haben. Solange mir keiner garantiert noch ein paar Jahrhunderte Zeit zu haben, muss verkürzt, kondensiert und abstrahiert werden. Wer das Kondensat jeder Erscheinung nicht durchdringt oder durchdringen will, scheitert auch an der eigenen Einmaligkeit, ist Gemüse im Angesicht dieser beknackten Emergenz „Ich“ und glaubt was andere Emergenzen ihm einflüstern. Jeder Grund ist steinig, jede Höhe weisend. Rettet mir bitte die Utopie in allem Fortschritt; wer in allem bloss das Geschäftmodell sucht, steht zum Schluss mit leeren Händen da.

Webmontag in Köln (nachher)

Meine persönliche Freiheit liegt darin, solche Veranstaltungen durch einen nichtmerkantilen Filter schicken zu dürfen. Klar, das dann immer noch viel mehr übrig bleibt, als bei so etwas Bizarrem wie die öffentliche Vorlesung von Blogtexten.

In den produktiven Gesprächen mit Rainer Wasserfuhr und Philipp Lenssen kristallisierte sich für uns ein wichtiges Kriterium heraus: WOZU?

Das Kriterium WOZU ist eines, das sich nur aus einer je umfänglichen Zukunftsvision beantworten lässt. Je umfänglicher diese ist, gar sich den evolutiven Grundströmungen der Menschheit beigesellt, desto dynamischer, überzeugender kann ein Produkt, eine Demo sein. In dieser Hinsicht werden viele Pferde leider nicht genug vom Ende her aufgezäumt oder die Frage mit einem einfachen:“Mehr Hafer!“ beantwortet.

Resumee: Verdammt viele, gute Rennpferde am Start, die definitiv nicht nur für Hafer rennen wollen.

Morphologische Fragen zur Zukunft

Die überraschenden Erscheinungen auf dem gesellschaftlichen und technologischen Feld, das wir Zukunft nennnen, sind das Ergebnis ständiger Rekombination und Feedbacks aller Teilbereiche von Wissenschaft und Technologie untereinander. Überraschung resultiert einerseits aus Uninformiertheit, andererseits aus fehlender Vollständigkeit. Beides ist jedoch immer das Ergebnis einer emotionalen Bindung an ein Spezialthema, mit all seinen kleinen und großen Dramen.

Um alle Möglichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten gewichten zu können, wäre eigentlich ein riesiger morphologischer Kasten nach Zwicky nötig. Onkel Siggi hat so einen Kasten. Seit Jahren. Zwar nicht riesig aber fein.

Und was noch schöner ist: Er generiert mir automatisch Fragen, die zwar grammatisch unsauber sind, aber dadurch viel eher dem ad-hominem-Filter entkommen können, da sie ja offensichtlich einer neutralen, blöden Maschine entsprungen sind. Oft scheitern ja großartige Ideen an einer fehlenden Krawatte oder an einem Kommafehler. Und wenn Buchhalternaturen in einem Spitze sind, dann im Finden des sprichwörtlichen Haars in der Suppe.

Hier also eine kleine Demonstration zufälliger Fragen über Zukunft, Technologie und Gesellschaft. Fortsetzung garantiert. Der Schwerpunkt dieses Fragenkatalogs liegt auf den qualitativen Folgen der Beeinflussung eines Gebiets durch ein anderes.

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Auf der Durchreise

Der wahre Reisende ist Phantast und wird vom Ziel enttäuscht. Seine ultimative Technologie ist die Idee, deren Glanz nur ein Abglanz von Omega ist. Während die stumpfen Tiere ihr Nest putzen, treibt es ihn von seiner Person beständig abzusehen und Unbehaustheit zum Stil zu erklären. Unterwegs sein ist Haltung, nicht Urlaub.

Unterwegs ändert der Fragende das ihn Ändernde, bringt Dinge hervor, die dem Ruf Omegas folgen und im wilden Kreisel der Bilder einzig das Licht zur Norm erheben.

Google Earth und der Geographieunterricht

Eigentlich müsste seit Dienstag ein Schock durch die Reihen der Geographielehrer und Dirkeweltatlaserklärer gehen. Natürlich kann man sich Millionen fundierte Methodenargumente einfallen lassen, die gegen die Verwendung derartiger UFOs sprechen. Als ich vor Monaten Google Maps sah, schwante mir schon das da Probleme für ganze Berufsgruppen entstanden waren. Und nun sowas! Alle Bedenkenträger jeder reformierten Pädagogik jenseits von Bielefeld und zu Füssen von Hentig werden aufstehen und ihre Zeigefinger putzen. Geschwört!

Wie auch immer. Irgendwann muss ich doch mal meine morphologische Kreuztabelle entstauben und vorzeigen. Google Earth wäre darin ein Produkt aus Satellitentechnik x Internet x Moores Law das in einige Kontexte mit dem irren Kichern echter Geeks abgekippt wird. Liebe Kinder, sowas ist nur der Anfang. Auch wenn ihr keine Lehrstelle bekommt. Oder deswegen? Egal. Geil.

Geistestraining

Für die vor uns liegenden Zeiten ständigen technologischen Wandels und die sich ständig akkumulierende Befähigung ist ein kompletter Mind-Wandel nötig. Die Basis ist faktische Informiertheit, also Aggregatorenoverflow und naturwissenschaftliche Grundbildung.

Sorry. Da retirieren schon viele lieber in den Liegestuhl. Auf dieser Fülle hockt ein Geisteszustand der intuitiv arbeitet und den „Vektor“ in Millisekunden erkennt. Rational lässt sich natürlich die Bedeutung eines Faktoids nachträglich ableiten, aber der eigentliche Akt des Erkennnes entsteht in sehr kurzer Zeit. Nicht unähnlich der Qualität eines großen Kunstwerks: ES springt einen an.

Alles andere ist Marketing und Berlin-Mitte-Sprech. In Abwandlung des Klassikers von Bruno de Finetti: Die Kunst des Sehens in der Mathematik, Birkhäuser Verlag, Basel 1974 könnte man formulieren: Die Kunst des Sehens in beschleunigten Zeiten.

Distanz Bedeutung Nähe Ferne

Folgend eine gewisse Art der Blogg-Grill-Nachlese hochgespült in der 3. Qualrunde im Park.

Zwischen Wurst und Welt kam das Gespräch auf Gespräche die sich detailerblindet im Für-und-Wieder aufhängen. Auch ich meinte dazu meine ungaren und bierlastigen Gedanken abgeben zu müssen. Da es nüchtern noch mal hochplöppte nun also der Versuch eines Reruns. Im wahrsten Sinne der Piste.

Für mich wird das Gequatsche über viele Details immer erst sinnvoll wenn mindestens ein Versuch gemacht wird die Nähe zum Detail aufzugeben und sich technisch herauszuzoomen. Herr Sixtus schlug den Begriff „zoomen“ vor, da auf meinem Verbalszentrum ein paar Flaschen Bier lasteten. Also heraus- und hineinzoomen in ein Detail der Welt, Lebenswelt, was auch immer. Erst dann blitzt die Bedeutung eines Details auf. Wobei dieses Zoomen chronologisch und räumlich geschehen kann. Chronologisches Zoomen kennt man von synoptischen Weltgeschichten, räumliches von Landkarten.

Aber ich vermute die Existenz weiterer möglicher Zoomvariablen: Begriffliche. Im wortwörtlichen Sinne Abstraktionsebenen. Dieses imaginierte Spiel mit Details lässt zumindest mein Denken in Schwung kommen. Erfordert allerdings auch Konzentration und die Fähigkeit mehrere imaginierte Ebenen und die erforderlichen Details in der Vorstellung simultan stabil zu halten. Erst von dort aus ist „weltzentrisches“ statt einem lediglich „egozentrischen“ Denken möglich. Will man einen aus einem solchen Denkakt heraus entstandenen Text verstehen, muss man dem Autor leider erst auf die gewählte Entfernung folgen. Ansonsten der Text wirklich in dem Sinne „un-ver-ständlich“ ist, das der Standpunkt, Stand, nicht bekannt ist.