Neue Kleider

Heute nacht habe ich mich entschlossen das jetzt zu sehende Template auf die Augen meiner geschätzten Leserschaft loszulassen. Es ist noch nicht ganz fertig wie der aufmerksame Pixelbeobachter an einigen Ecken und Kanten bemerken kann. Für die Archive bin ich noch auf der Suche nach einem Klappdings in Widgetform. Wen interessiert diese komische Wellenlinie mit fast 5 Hügeln und Tälern schon? Die Blogroll ist noch nicht aktiviert und einige statische Links fehlen ebenso. Ich muss leider feststellen, das das mit diesen Widgets zwar äussert praktisch ist, aber die Tücke wie immer im Detail liegt, wie man zB an den letzten Kommentaren sehen kann.

Anstatt den heutigen Tag fluchend vor dem Quadrat zu verbringen habe ich es vorgezogen mit meiner Liebsten an der Quelle der Schwalm eine heisse Suppe zu löffeln, nachdem uns der uneilige Auskühlwind des Niederrheins die Wärme aus den Knochen gezogen hatte. Da draussen ist einfach alles besser gerendert und formatunabhängiger als in diesem Interdings. Biospace ruled immer noch.

Wer zuletzt lacht…

Ich finds gut. 😉

Im Prinzip dreht es sich doch immer noch um den gleichen Prinzipiencrash wie vor fast 2 Jahren in der BMW-Geschichte. Werbung lebt im Kern von dem Selbstverständnis, das Relevanz durchgesetzt wird, egal mit welchen Mitteln. Auch mit gekauften Links. Bei Google versucht man die Relevanz zu errechnen. Das ist der Kulturcrash, der hinter der Aktion steht.

Meine Überlegungen vom 6. Februar 2006 gelten immer noch. Basta. Ich lass mir meine Relevanz (PR) nicht abkaufen.

Apropos: Facebook ist aus ähnlichen Gründen als „Social Graph“ wertlos. Der Wert sozialer Netze hängt nämlich auch davon ab wer NICHT drin ist. Schon mal was von aSmallWorld gehört? Nein? Eben.

Nachtrag: Mein Grinsen hat nicht nachgelassen. 🙂 Ich wundere mich nur über die monotonen Tiraden auf Kohlberg 2 Niveau. Sind das die gleichen Leute, die auch über Email-Spam murren?

Schockwellen der Zukunft

Zitat Mary Meeker (Morgan Stanley) auf dem Web2.0 Summit 2007:

We as wallstreet analysts love acceleration.(pdf)

Um einen Hauch – nein, eine Brise des Sturms zu empfinden der da auf uns zukommt empfehle ich dringend den Vortrag von Tim O´Reilly zu Facebook und dem Potential derartiger Netzwerke und Tim O´Reillys Gespräch mit Greg Venter. Da finden gerade 2 Revolutionen parallel statt, die beide auf die Möglichkeiten, die sich durch Moores Law bieten, aufbauen. 10 000 menschliche Genome zu sequenzieren und in den Daten sinnvoll zu wühlen wird nur möglich sein, wenn alle Parameter der Technologien in denen wir zu schwimmen beginnen weiterhin exponentiell zunehmen.

Seit Tagen geht mir ein anderes Video nicht aus dem Kopf und ich begriff nicht warum. Jetzt ist es mir klar. Die Gefühle, die ich beim Betrachten des folgenden Videos hatte, werden denen ähnlich sein, die sich bei uns einstellen wenn wir mit den unkalkulierbaren Ergebnissen der synthetischen Biologie, Nanotechnologie, künstlichen Intelligenz und der sozialen Verknüpfung von Daten konfrontiert werden, die in den nächsten 3, höchsten 5 Jahren auf uns zu kommen.

Abrupte Richtungswechsel, plötzliches widernatürliches Verhalten von Subsystemen, Belastung von Material und Menschen bis an ihre natürlichen Grenzen und gedopt auch darüber hinaus, scheinbares Brechen von Naturgesetzen, Unbegreifen dessen, was man wahrnimmt, Unvorhersehbarkeit von privaten und gesellschaftlichen Entwicklungen und Trajektorien.

Flock 1.0 beta

Just Wow!

Blogged with Flock

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Altmodisch händischer Nachtrag: Alles integriert, Facebook, Twitter, Blogeditor (rechts click: bloggen), Feeds. Ausserdem scheint mein Monitor plötzlich einen Tick entschwommener zu sein. Wirklich seltsam was geht, wenn Menschen ernsthaft wollen. Das Ding fühlt sich im Vergleich zum Firefox wie ein Sportwagen an.

Die disfuktionalen Tendenzen des Web2.0

Zu schön um wahr zu sein. Auch globale Debatten haben einen Rhythmus und ein Timing. Unter den gegebenen Dynamiken gerade der Blogoshäre kann nur nicht jeder eine Debatte lostreten. Thematisieren schon, aber was nutzt es wenn ich auf den iterativen Sog wirklichkeitsgenerierender Aufmerksamkeitsprozesse in Blogs hinweise? Tim O´Reilly drückt es so aus:

There are feedback effects in what we pay attention to, so that certain things get valued more and more highly.

Ein weiterer Punkt den O´Reilly anspricht, ist auch schon zwischen mir und einem elektrischen Herrn hin- und hergeschoben worden:

…once everyone „knows“ the same stuff, there is no competitive advantage to be had from learning it, eventually that over-known area loses its importance.

Jeder liest die gleichen Blogs, Scoble hat 6000 „Freunde“, Bazzillionen „Followers“ und weiss wahrscheinlich trotzdem nicht was da gerade in der Nanotechnologie knallt. So wie sich diese Dynamiken gerade in den letzten 2 Jahren ungebremst entfalten, wird das ganze System disfunktional. Nicht dysfunktional. Aber es führt bei vielen Teilnehmern zur Informationserblindung. Was mich zu einer weiteren hellen Bemerkung von Herrn O´Reilly führt:

The current rage on Wall Street is for „dark pools of liquidity,“ where trading patterns are invisible even to the participants. What does this tell us about the future of Web 2.0? It tells us that the pendulum is going to swing from public data to private.

Ha! Strike! Ich kann da nur ganz dramatisch auf mein Diagramm Macht – Aufmerksamkeit – Vermögen hinweisen. Ist jetzt ein schlappes Jahr alt, hat wunderbare Kommentare (0) und ist nun wahrhaftig gut abgehangen. (Ein paar Tage vorher hatte ich das damals beim Bier einem Herrn mit sonem lila Irokesenschnitt ungefährt skizziert, aber der kuckte nur wie jemand der gerade Gnade walten liess.)

Diese Drift zu privaten Daten, die O´Reilly da orakelt, wird in meiner Skizze mit den beiden Sphären Macht und Vermögen erfasst. Wenig Aufmerksamkeit (private Daten) und ein erstrebtes Maximum aus Macht und Vermögen. Eigentlich ist das heute schon der Fall. Die Superreichen auf Terra leisten sich schon lange maximale Unsichtbarkeit. Alle die durch die Gegend rennen und offenherzig ihre Daten ach so sozial versprühen gestehen damit eingentlich nur indirekt ihre gesellschaftliche Irrelevanz ein und hoffen das aus Aufmerksamkeit mal Macht, vielleicht gar Vermögen wird.

Ich stimme O´Reilly zu, das das evolutionäre Pendel wieder zu geschlosseneren Datensystemen hin ausschlagen wird, denn die Dynamiken der momentanen Systeme sind einfach disfunktional bis albern. Im Falle von Blogs und dem technisch installierten Druck zum Mittelmass per Google oder Digg-artigen Mechanismen liegt es wohl – wie jemand in den durchweg lesenswerten Kommentaren bemerkt – an der Friktionslosigkeit des gesamten Systems. Diese Reibungslosigkeit führt in kürzester Zeit zu Phänomen, die dem von Eldredge und Gould postuliertem Punktualismus ähneln.

Wie man da persönlich rauskommt? Hm. Als erstes alles wegclicken was mit Facebook, iPod, Twitter etc zu tun hat. Überhaupt alles was mit Geschäftsmodellen, die bloss weitere serielle Kanäle verkaufen wollen zu tun hat. Dann mal was über synthetische Biologie lesen, Greg Venter, Longivity-Forschung, künstlicher Intelligenz und Accelerando von Charles Stross. Aufmerksamkeitshygiene besteht nicht nur in der Verweigerung von geistigem Fast Food, sondern auch in einfacher Abwechslung. Easy, hä?

Cory Doctorow beim Elektrischen Reporter

Der wöchentliche Kampf ums Transkript schwappte diesmal ganz modern bis in Twitter rein. Whuffies sind Woppels auf Deutsch. Ist doch klar.

Cory Doctorow Interview with Elektrischer Reporter in english.

Cory Doctorow Interviewtext mit dem Elektrischen Reporter auf Deutsch.

Hier findet man endlich mal jemanden dessen Blog ganz oben ist, und der zugibt das das nicht nur der Qualität, sondern auch dem die-Reichen-werden-Reicher-Phänomen zu danken ist. Das sind statistische Dynamiken, die weit über einfache Einschaltquotenphänomene hinaus gehen. Sowas wird wohl erst abgestellt, wenn genügend AI in die Suchmaschinenalgos eingearbeitet sein wird. Vielleicht auch nicht. Vielleicht gehen wir ja auch einer Epoche entgegen, in der der Mob sich selbst beschallt und die Schattenherrscher im Windschatten dieser Web2.0-Kakaphonie ihrem ruhigen Geschäft nachgehen können.

Morgenraga

Einfache technische und technologische Variation mag zwar wie Fortschritt ausehen und erzeugt auch genügend Hektik um darüber hinwegzutäuschen, das man in der säugetierischen Falle lebt, ist aber weit entfernt von der inneren und äusseren Transformation, die nötig ist um dem Genotyp etwas bleibendes hinzuzufügen. Auch in der technologischen Evolution des Netzes gibt es transformatives und lediglich translatives. Hypercouchpotatolösungen sind nicht nur translativ, sondern regressiv. Diesmal auf globalem Niveau, samt Stecker im Lustzentrum. Ich warte auf die transformativen Lösungen. Vielleicht sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

[audio:Dienstag-15-okt-07.mp3]

Interview mit Biz Stone beim ElRep

Letzten Sonntag habe ich das schöne Wetter genutzt um ausnahmsweise mal vor dem Monitor zu sitzen. Die Übersetzung des Interviews beim Elektrischen Reporter mit Biz Stone, dem Mitgründer von Twitter war gefragt. Hier also das zweisprachige Ergebnis:

Biz Stone Interviewtext in Englisch

Biz Stone Interviewtext in Deutsch

Einige Stellen im Interview und das Phänomen an sich sind mit verantwortlich für den Ton in diesem Posting. Da zeichnet sich eine Evolution der kommunikativen Werkzeuge ab, bei dem es natürlich zu Ablösungsprozessen kommt. Nur schlecht wenn man sich über ein Tool indentifiziert – soll vorkommen: „Ich bin Blogger!“ – oder sogar damit Geld verdienen will.

Mit der entspannten Haltung von Herrn Stone zur Frage des Geschäftsmodells würde er wohl kaum einen röchtögen teutschen Webmontag überleben. Warum dann New York? What´s the difference?