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Siggis letzte Worte




24.November 2006

Elektrischer Reporter, No. 10

...was wyrd, Beschleunigung, Denken, Internet, Prä-Singularität, Soziologie, Weltzustand - 4 Kommentare » 1:01 pm

Nur ein kleiner Hinweis zur Quelle des letzten Worts der Woche. Das Zitat kam aus einem Eintrag aus dem Jahre 2004.

Was Dan Gilmore ab 5:08 sagt, trifft sich von einer anderen Seite mit dem was ich zum Aufmerksamkeitsproblem bemerkte. Nicht nur auf Grund der zeitlich begrenzten Resourcen wird es dringend nötig eine wahrscheinlich technische Lösung zu finden, sondern auch weil das Überleben unserer Art davon abhängen kann. Intransparenz ist ein Werkzeug derer, die das Aufmerksamkeitsproblem täglich zu ihrem persönlichen oder systemischen Vorteil ökonomisch und politisch ausnutzen. Die persönliche, tägliche Aufmerksamkeitshygiene ist in diesem riesigen Nullsummenspiel vorläufig nur ein kleiner, individueller Patch für das Betriebssystem des 21. Jahrhunderts.

17.November 2006

Second Life und die Bit-Wirtschaft

Events, Internet, Soziologie, Wirtschaft - 9 Kommentare » 11:44 am

Wie Jamie Caisco sehr treffend anmerkt, spürt Second Life gerade ganz deutlich die Auswirkungen der Gesetzmässigkeiten einer auf Bits beruhenden Ökonomie. Was copiert werden kann, wird copiert werden. Die Empfehlung von Linden Lab, Designer die einen Verstoss gegen ihr geistiges Eigentum festellen, sollten eine Anzeige auf Basis des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) erstellen ist wohl juristisch korrekt aber recht hilflos.

Ich persönlich fand SL von Anfang an als Beispiel für ein heraufdämmerndes Metaversum wenig überzeugend. Bunte bewegte Bildchen, die durch sensorische Deprivation Verbundenheitsgefühle erzeugen, um die alten säugetierischen Bedürnisse (Sex, Drugs and Rock and Roll) zu befriedigen. Das ist keine Utopie sondern Ideologie. Ideologien neigen dazu früher oder später zusammenzubrechen, weil ihre Grundlagen auf der Konservierung althergebrachter Regeln in radikal neuen Umgebungen beruhen. QED.

4.November 2006

Aufmerksamkeitshygiene

Beschleunigung, Soziologie - 14 Kommentare » 4:55 am

Aufmerksamkeitshygiene ist das Gebot der Stunde! Wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken ist ein Abbild unserer höchsten Werte. Jede Lebensminute für ein Youtube-Video, ein Befindlichkeitstextchen oder ein Flickrchen ist ein Echo unseres Weltbildes, falls überhaupt eines explizit vorhanden ist. Politik im Jahre 2006 ist kein gestenreiches Geschwafel über Trivialitäten die gedacht werden sollen, sondern an Medien verbrauchte Lebenszeit, die Hirnströme verursachen, die Handlungen zur Folge haben. Das Rauschen der Tischgespräche ist ein Echo der medialen Präferenzen und somit meist ein visionsloses, jahrhundertealtes Geplapper.

Der wirklich transformative Operator im Aufmerksamkeitsspiel ist die Frage: Wozu? und: War ich hier schon einmal? Langeweile ist in beschleunigten Zeiten ein transhumaner Indikator.

3.November 2006

Fortschritt - Utopie

...was wyrd, Soziologie - 13 Kommentare » 1:08 am

Wer nur auf die Reproduktion der Verhältnisse aus ist, dem kann Utopie gestohlen bleiben. Wer allerdings der Verführung utopischen Gedankenguts erliegt, dem sind die Verhältnisse schon vor seiner eigenen Geburt zu eng geworden. Die Animal Farm treibt jeden ans Okular der Utopie, dem die Mechanik aller endlichen Spiele zu wider sind. Wir können zwar nicht wissen ob unser Genotyp einen Vektor hat, wir können aber wählen ob wir den Reflex des Sternenlichts in unseren Hirnen ernst nehmen. Räumliche Weite war seit je eine natürliche Brutstätte utopischer Ideen. Die Explosion der virtuellen Räume wartet noch auf ihre utopische Urbanisierung. Fortschritt ohne Utopie ist Perpetuierung und somit Ideologie.