Extropy Institute aufgelöst

Diese Woche hat sich das Extropy Institute selbst aufgelöst. Nicht weil sie gescheitert sind, sondern weil nach über 16 Jahren die 3 Anfangsziele:

(1) develop an elegant, focused philosophy for transhumanism—the philosophy of „Extropy“
(2) encourage discussions and debates on improving the human condition
(3) develop a culture for activists, energized and devoted to bringing these ideas to the public

erreicht sind.
Dr. Max More, Natasha Vita-More und Tom Bell (T. O. Morrow) gehen schon lange getrennte Wege als Berater renommierter Firmen. Wie es weiter geht steht im Strategiepaper 2006. Max More ist diesen Samstag (13. Mai) jedenfalls auf dem Stanford Singularity Summit anzutreffen. Vielleicht hat ja auch er eingesehen das über Transhumanismus zu reden so ist, wie „ein bischen schwanger“ zu sein.

Abstürzende Sequenzierungskosten

Vor knapp 2 Jahren hatte das National Institute of Health in den USA sich als nahes Forschungsziel gesetzt, die Kosten für die Sequenzierung eines Säugetiergenoms auf 100 000$ zu drücken. Innerhalb der nächsten 10 Jahre will man die Kosten auf 1000$ drücken.

Mir ist nicht klar was hier als nahe und was als ferne Zukunft zu gelten hat, eins steht jedoch fest: Prächtiges Beispiel für eine Unterschätzung! Unterschätzt wurde hierbei wie schnell die 100 000$ Kostengrenze unterboten werden konnte, überschätzt wurde wohl die Schwierigkeit des Problems. Klar, nachher ist immer alles leicht.

Prof. Richard A. Mathies von der UC Berkley hat zusammen mit Robert G. Blazej und Palani Kumaresan einen Chip entwickelt mit dessen Hilfe ein Genom für ca 50 000$ sequenziert werden können soll. Hier das Paper, hier die zugehörige Firma, Microchip Biotechnologies. Gut, jetzt also für 50 000. Demnächst für 10 000, dann für 1000.

Wer demnächst schon 50 000 auf den Tisch legen kann, weil der Drittsportwagen eh langweilig ist, wird wohl als Earlyadopter medizinische Vorteile geniessen, von der die Masse vielleicht in 20 Jahren noch nicht einmal träumen kann. Wieder ein schickes Element für das Puzzle der transhumanen Superreichengettos. Anders: Wie hoch ist die Lebenserwartung jenseits von 10 Mio Vermögen?

Am therapeutischen Nutzen kann man natürlich zweifeln. Aber nur solange man übersieht das auch an der Front der Gentherapie rasende Fortschritte gemacht werden. Um das Gesamtbild etwas abzurunden hier ein Interview mit James Wilson MD Ph.D., Professor an der University of Pennsylvania’s School of Medicine in der Technology Review.

Zukunft ist ein Raum, den wir mittels unserer moralischen Filter kultivieren. Für alle oder wenige?

Lebensverlängerung

Noch heute Mittag musste ich mit einem normal gebildeten Humanisten ein normal skeptisches Gespräch mit den üblichen Einwänden zum Thema Lebensverlängerung führen. Das Übliche halt.

12 Stunden später informiert mich jemand der es wissen muss über dieses Paper (Atzmon, Rincon, Schechter, et al).

Because modulation of lipoproteins is also seen in genetically altered longevity models, it may be a common pathway influencing lifespan from nematodes to humans.

5 Jahre? 10 Jahre? 20 Jahre? Egal. Wenn wir mit dem ganzen Krempel klarkommen wollen der da auf uns zu kommt, sollten wir uns langsam eine radikal andere Denke draufschaffen.
(manchmal langweilt ihr mich gewaltig da draussen)

Einmal – Ein Mal

Die Gewalt, die uns durch die Einmaligkeit unserer Existenz angetan wird, wird nur hin und wieder aufgehoben und vergessen gemacht durch etwas noch Sinnloseres unpersönlicheres und damit Schöneres. Mathematik käme da in Frage, mitunter Orgelfugen von Bach oder alles andere das in sich den Kern des Transhumanen trägt.

Methuselah Mouse Prize erhält anonyme Spende in Höhe von 1 Mio$!

Die Methuselah Mouse Prize-Stiftung hat überraschend Anfang November eine anonyme Spende in Höhe von 1 Million US-Dollar erhalten. Damit steht die Gesamtsumme bei circa 3 Millionen. Die Wirkung dieser 3 Millionen dürfte durch die kaskadierenden Effekte ein Vielfaches der Summe entsprechen. The Race is on und gewinnen werden alle die nicht in irgendeiner noch so scheinbar philosohierenden Form klein begeben…

Singularität, AI und Bottom Up Nanotechnologie

Beliebte Themen gerade in transhumanistischen Zirkeln sind natürlich AI, Nanotechnologie und die ganze SF-beeinflusste Gadgeteria. Was mir allerdings immer wie die berühmte Redewendung „…ein bischen schwanger“ erscheint. Ein „bischen schwanger“ könnte man auch als einen Euphemismus für selbstauferlegtes Denk- oder Phantasieverbot bezeichnen, wenn man von einer aktiven Entscheidung ausgeht, nicht weiterzudenken. Geht man von einem passiven Ergebnis aus, kämen nur insuffiziente kognitive Prozesse in Frage ;-). Mithin möchte ich formulieren:

Über künstliche Intelligenz, Bottom-Up Nanotechnologie, Global Brain etc. zu reden ohne Singularität zu meinen, ist wie ein bischen schwanger sein.

Für die Bewertung der meisten sogenannten futuristischen Themen bedeutet das natürlich einen ganz anderen Focus und eine ganz andere Bewertungsskala (backwards chaining). Auf diesem Hintergrund sind gerade viele Themen des sogenannten Transhumanismus maximal SL3, wenn überhaupt. Eine andere Begründung wäre ein aktives, selbstauferlegtes Denkverbot in dieser Richtung aus Gründen des Pragmatismus. Wie man es jedoch dreht und wendet: immer steckt implizit entweder die Unfähigkeit weiterzudenken mit drin, oder Gründe den Schritt von AI+1 nach Singularität für unmöglich zu halten. Sozusagen nicht an die Geburt nach der Befruchtung zu glauben. Dafür gibt es einen speziellen Begriff.

Nicht das es wichtig wäre, aber…

Aber vielleicht ist Christopher Reeves ein paar Monate zu früh gestorben. Wenn es stimmt was die Korean Times berichtet, ist es koreanischen Forschern gelungen mittels Stammzellentherapie eine gelähmte Frau soweit zu heilen, das sie zumindest mittels einer Gehhilfe wieder stehen und vielleicht sogar wieder gehen kann. Nach 19 Jahren.

Auch wenn das Ergebnis nicht reproduzierbar sein sollte, oder nur in bestimmten Einzelfällen klappt: Der Weg ist klar vorgezeichnet. Die Auseinandersetzungen, die sich noch an der Stammzellentherapie entzünden werden, erinnern mich an den flammenden Wiederstand, den gewisse Kreise der Kirche im 19. Jahrhundert der Anästhesie entgegengesetzt haben: Schmerz sei ein Mittel der Läuterung. Fortschritt hat viele Feinde, in vielen scheinbar humanen Verkleidungen. Was Glauben und Wissenschaft trennen ist jedoch die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.

Nachtrag und Frage 7.8.05: Warum erhalte ich seit gestern so viele Hits auf diesen Eintrag?

Frühe, Reife und Wozu

Die höheren Stadien der menschlichen Entwicklung sind die natürlicheren. Gerade so wie ein Schößling wohl kaum den Wald vertreten kann, so ist die pubertäre Fülle unseres frühen Daseins selten Hinweis auf die kraftvolle Gesamtrichtung der Art, wenngleich diese Fülle – unter Abzug ihrer Lächerlichkeiten – Kerosin für unsere Sternensehnsucht ist. Das was gestern narzistische Uneinsichtigkeit in die Grenzen unserer Existenz war, ist morgen Alltag. NBIC walzt durch alle Lehrbücher der Gefängniswärter unserer Existenz.

Eine Stunde Nanoerwägungen

Ich vermute das es seine Gründe hat, das ich kein Fernsehen meinen Strom fressen lasse. Dafür schau ich mir dann lieber ein stundenlanges Fachgesimpel über die Auswirkungen von Nanotechnologie in diesem Interdingsnetz an. SAGE Crossroads will ein Forum für die ethischen, politischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Forschungen rund um Altern und Lebensverlängerung sein. Alle Diskussionen sind als Webcast und als Transkript verfügbar.

Ich weiss nicht was Marika Röck empfiehlt – noch emfehlen könnte – , ich jedenfalls empfehle Nanotechnology: The Promise of the Future or Pandoras Box? sowie natürlich ein längeres Gespräch mit Aubrey de Grey, Cambridge: How Soon Will We Be Able to Control Aging?

Das Thema Lebensverlängerung und weiters die Reparatur der Schäden durchs Altern sind Themen die man in die große Multiplex-Gleichung der nächsten Jahrzehnte unbedingt aufnehmen muss um die visonäre Kraft der Kommunalwahlen in Düsseldorf so richtig geniessen zu können.