Erkenntnis und Demut

Der Wille zur Erkenntnis ist nichts als der Ausdruck des Wunsches, der Schönheit des Universums zu erliegen. Der Gegenstand der Untersuchung steht damit in einem Verhältnis zur Fülle, die das eigene Herz des Verstandes ertragen kann. Das Spiel um Licht reiht uns in Linien ein, deren Beginn vergessen ist und deren Ende maximale Illusion sein wird.

Deutend

Die Öffnung, die uns aus dem Säugetierischen hinaus führen wird, findet sich in geringsten Ereignissen vorbereitet, allerdings von einer Taubheit des Verstehens begleitet, da wir uns nicht von der nächsten Entwicklungsstufe her definieren können. Das je eigene einer Entwicklungstufe ist nie einfach nur Negation der folgenden. Was unser Erbe sein wird bestimmt die Zukunft, ist nicht einfach nur mehr von dem was wir sind. Wer die Zukunft aus den anthropologischen Definitionen der Gegenwart und Vergangenheit ableiten will, endet in geistloser Anbetung winziger, kosmischer Details inmitten eines vitalen Sturms der Evolution.

Arbeitsteilung

Das Gefühl der scheinbaren Freiheit unseres Ausdrucks findet seinen Widerpart in der Ignoranz für die Stochastik aller bürgerlichen Ziele. Nur wer in seiner individuellen Existenz durch zunehmende Dissoziation einen kosmischen Stellenwert endecken kann, wird genügend Freude empfangen, um zu tun was er kann, oder zu wollen was verborgen waltet. Der ewige Hunger nach Licht kann nicht jeden treiben, noch kann er verstanden werden. Wer ihn empfindet ist Opfer des feinsten Gradienten in allem: Erkenntnis.

Fluchtpunkt

Augmented und Artificial Intelligence haben einen gemeinsamen Fluchtpunkt. Die Noosphäre nimmt wie alle geistigen Entwicklungen ihren Anfang im Unbewussten (Beispiel Twitter + Google Earth) um über den Schock der Dissoziation den harten Weg der Bewusstwerdung einzuschlagen. Sollte der Noosphäre ein evolutionärer Trieb zur Höherentwicklung innewohnen, können wir erwarten das dieser sich in aggregierenden Plattformen manifestiert, die die apollinischen Kräfte bündelt. Allerdings wird dies nur wie im Falle von Twitter einem naiven Akt zu danken sein. Bewusstes Streben im Netz ist zu sehr geschäftsmodellverklebt als das es den schöpferischen Tanz auf der Klinge der Evolution überleben könnte.

Worüber unterhalten wir uns eigentlich?

Über eine Zukunft, die auf der gleichen Ebene behandelt wird wie das Gespräch über ein anzuschaffendes Möbelstück? Oder auf der gleichen emotionalen Ebene wie eine indifferente Katastrophe?

Die institutionell und erziehungstechnisch begründete Haltung, exponentielle Zukunft nicht im Bestand der eigenen (imaginierten) Aussenwelt zu sehen, ist eine Art krankhafter Solipzismus, der sich, weil er scheitern muss mit Tricks statt Visionen durchhangelt. Wir kennen sie alle, die Geschäftsmodelltrickser, „Realisten“ und Politiker, die vom Detail und/oder der eigenen Gier hypnotisiert und von Hierarchien gelähmt werden.

Es sind immer Einzelne, die diese Erstarrung links, rechts oder senkrecht überholen. Zum warm-visionieren könnten 2 Videos eines amerikanischen Highschoollehrers dienen:

  • Did you know?
  • 2020 Vision
  • Fiese Frage: Gibt es Lehrer in deutschen Landen die etwas inhaltlich vergleichbares wie Karl Fisch produzieren und auf allen Ebenen mit der Technologie leben, anstatt bloss über sie zu reden?

    Wer noch?

    Ich will den ganzen Dreck nicht. Der Mensch muss transzendiert werden, nicht das Humane. Seine biologisch bedingten Bedürfnisse können nur überwunden werden, wenn die Verbindung zwischen A und B in einem riesigen singulären Sprung durch verschwinden transzendiert wird. Radikal.

    Evolution in dieser Hinsicht ist eine Abfolge von Stau und Entladung zwischen A´s und B´s. Überall wo eine Grenze und damit die Möglichkeit für einen Gradienten entsteht, entwickelt sich das Potential für eine zukünftige Entwicklung, die den Gradienten auflöst. Das Kabel ist ein Sinnbild für jede Unterbrechung und Disharmonie. Die Zwischenhändler aller Verbindungen zwischen A und B wandeln diese Gradienten solange in ihre eigenen kleinen Vorteile, bis die Spannung in einem evolutionären Schritt überwunden wird.

    Natürlich kann man an den granularen Grenzen immer seine mentalen und ökonomischen Zelte aufschlagen und persönlichen Genuss und Identität zelebrieren.

    Der Anachronismus jedes endlichen Spiels speist sich aus dieser Grenze. Diesen zu fürchten, heisst Omega zu sehnen.

    Google will Top AI-Lab werden

    Wie Phillip gerade auf Google Blogoscoped meldet, beabsichtigt man bei Google neben anderen interessanten Unternehmenszielen zum Top AI-Lab auf Terra zu werden. Was soll man dazu sagen? Ausser: The race is on?
    Es könnte gut sein das Ben Goertzel, Elizier Yudkowsky, Peter Voss, Michael Wilson oder auch einige Leute rund um das IDSIA-Institut von Jürgen Schmidhuber in nächster Zeit einen neuen Arbeitgeber bekommen werden.

    Ich halte es auf diesem Hintergrund für sehr unwahrscheinlich das die Möglichkeit einer technologischen Singularität in der Vorstandsetage einer gewissen Klitsche in Mountain View nicht diskutiert wird. Vor uns liegt eine Renaissance der AI-Forschung, die den ganzen Planeten mitsamt seiner Noosphäre auf die Zielgerade bringt.

    Definitiv ein Akt der bewußten Beschleunigung der Beschleunigung!

    Wanderer in wandernder Landschaft

    Sich in einer statischen Landschaft im Laufe des Lebens eine plausible Landkarte herzuleben, ist Stoff vergangener Skripte und Plots. Mit Intelligenz und Regelzeug war das in früheren Zeiten zu schaffen. Heute? Eine dynamische Landschaft. Dynamische Regeln. Ein changierender Horizont. Eine Leinwand die sich verändert und dennoch die klassischen Entwicklungsstufen abbilden muss. Thumbnails die einen Film ergeben sollen. Hüpfen von Stein zu Stein, wie in einem irren Zengarten. Heute sinnvolle Verzweigungen, können morgen für Nachfolger eine Strasse ins Nichts bedeuten. Technologie und Poesie verschmelzen, weil beides interpretiert werden muss. Heraklit ahnte ja nicht, wieviel Rhei im Pantha sein kann.

    (zuerst erschienen am 31.Januar 2003 im Mehrzweckbeutel)

    Arbeitsanweisung

    Mit eigenen Schritten durch die Spiegelhallen unserer Filterwelten schreiten, den Reflex reflektieren. Wissen, das jeder Impuls säugetierische Reichweite hat. Veränderung bejahen, Vergänglichkeit bekämpfen, den glitzernden Grund der Vernunft herbeisehnen. Weitergehen wo die Kraft versagt. Innehalten wo Rausch regiert. Erinnern und erinnern…

    Immer wieder den Staub des täglich neu andrängenden, modischen abklopfen und sich besinnen. Rückkehr zu den Konstanten Stern, Stein und Weite. Den Entwurf im Geringsten entdecken. Sich gegen die schütteren Geister taub machen.

    Die Glut der Doppelhelix treibt seine Träger über sich selbst hinaus.

    Crowdsourcing

    Da schafft es ein Begriff innerhalb einer Woche memetische Dynamik aufzunehmen: Crowdsourcing. Ob er griffiger oder mehr begriffliche Kraft als „Long Tail“ und seine Verwandten hat, wird sich erweisen. Mir scheint, das bei der Schaffung derartiger Begriffe nicht unwesentlich ist, welche Personen und welche Netzwerke an der Wiege standen. In diesem Fall Jeff Howe, Bruce Sterling und Wired. Für mich deutet das auf ein Element der Lösung des Attentionproblems hin: Die Eliminierung des Individuums und die Verlagerung auf Netzwerke. You have to let go. Not to grab, like O´Reilly. Ein weiteres Element ist die Qualität der Netzwerke. Madame de Stael hätte in ihrem Salon auch nicht jeden jedem vorgestellt. Die Reputation des einzelnen Elements in einem Netzwerk hängt sehr von der Qualität der anderen Elemente ab. Das nicht zu begreifen (Wie Herr Basic im Falle Promny) ist wieder eine Aussage über die Qualität eines Netzwerkes. In qualitativ hochwertigen Netzwerken kann das Individuum verschwinden und den Erkenntnisprozess tragen. Im 21. Jahrhundert bringen nur qualitativ niedrige Netzwerke Stars hervor.

    Das Blog zum Mem