Einführung in die technologische Singularität

Parallel zum Singularity Summit hat sich Joel Pitt auf einem Barcamp unserer Antipoden dazu hinreissen lassen, einen einführenden Vortrag zur technologischen Singularität zu halten. Seltsamerweise gibt es da außer den Folien von Kurzweil recht wenig. Auch ein Hinweis darauf, dass diese Subkultur vorsichtig sein muss, sich nicht durch zu viel implizites Vorverständnis selbst zu vergiften.

Weil Joel so schön mutig vorausgegangen ist, stell ich jetzt meine Folien aus dem April-Vortrag auch mal einfach hier zur Verfügung. Ich war zuerst ein wenig skeptisch, muss aber feststellen, dass mein Ansatz über die Plausibilität und Legitimität in Konkurrenz zu den unausweichlichen Klimamodellen vielleicht ein wenig provokant, aber durchaus gangbar ist. In Kombination mit dem anderen Kurzvortrag beim Webmontag letztens wird glaube ich ein guter Schuh daraus.

Wie vernagelt ist die deutsche Web 2.0-Gemeinde?

Da gabs gestern eine Preparty zum Singularity Summit II. Nun gut, wir haben im Augenwinkel vor Monaten registriert (aber je akzeptiert?), dass Leute wie Peter Norvig da Gastredner sein werden. Aber nun muss ich mit freudigem Entsetzen feststellen, dass Joshua Schachter, Mark Zuckerberg und was weiß ich nicht wer noch sich gestern Abend auf dieser Pre-Party zum Singularity Summit vergnügt haben. What means, dass die Herren zumindest am Rande über dieses Konzept informiert sind. Derweil man sich hier über Geld verdienen mit Blogs, Web2.0 im Mittelstand etc pups pp herrlich seriöse Gedanken macht. Ha! (trocken goutieren). Hier fragt man sich ganz basicisiert, ob Facebook ein tragfähiges Geschäftsmodell sei. Erwägt und trackbackt hin und her, lässt sein obligates: Es bleibt „spannend“ fallen und linkt.

Dieweil die Helden unserer eigenen geistigen Provinz ihre Hirne mit Memen füttern, die die hiesige Blöökossphäre nie auch nur im entferntesten tangieren. Dennoch wundern sich die Hiesigen, wie das da drüben nur andauernd zustande kütt. Und übersehen in immerwährender, fetter, seriöser Dumpfheit den Zusammenhang der Beschäftigung mit fernen Zukünften und den Entscheidungen in der Gegenwart. So wird es es allemal und immer nur für DVD-Tauschbörsen, Facebook-Klonen und resignativem Ami-Linken reichen.

Zukunft ist nirgends. Zukunft ist der Teil unserer Imagination, dem wir das noch nicht gewesen sein zuschreiben. Vergangenheit ist was für Psychiater und Historiker. Wenn der Beat der Bilder sich beschleunigt, muss man den Mut aufbringen und dem Genius tief innen lauschen. Alles andere kommt zu spät und verfehlt den Sinn, den die eigene Existenz am je eigenen Ort verrichten soll.

Provinz ist ein imaginativer Reigen von Bildern, die man am „knapp geschlagen“ erkennt. Utopie ist der Teil der Imagination Zukunft, an dem jeder mit einem atemlosen Lächeln teilhaben möchte.

Dienst am Leser: Singularity Summit II

Bis jetzt sehe ich 2 Blogs die live vom 2. Singularity Summit aus San Francisco bloggen:

Michael Anissimov
Frontier Channel

Wem die Singularitätshypothese nicht fremd ist, dem dürfte auch die englische Sprache geläufig sein. Die Restmenge könnte auf Wunsch mit kursorischen Übersetzungen bedient werden. Aber so wie es aussieht werden dort keine neuen Ideen geboren, sondern alle Puzzelteile noch einmal selbstbestätigend auf den Tisch gelegt. Ideen sind ja auch Kulturen, die ganz einfacher säugetierischer Fellpflege bedürfen und diese dürfte heute und morgen dort drüben nicht zu kurz kommen.
Nachtrag: David Orban

Pausenmusik

Weil mir gerade nichts einfällt und alles irgendwie schon überall berichtet wird, hier eine kleine Pausenmusik vom 1.Juni (MP3, 700k). Gelooped trifft es 47% meiner momentanen Stimmung. Alles handgemacht, keine postmoderne Chillsuppe mit subjektiv nullifizierenden Texten.

Ende der Woche gibts den 2. Singularity Summit, nächstes Jahr einen Film zum Buch von Herrn Kurzweil. Wie jemand so treffend bemerkte: Next stop „Home and Garden“. Wird Zeit das Thema nicht nur unter dem Gesichtspunkt der technologischen Machbarkeit zu betrachten, sondern unter den gesellschaftlichen Effekten VOR – got it? – VOR! einer hypothetischen Singularität. Die ganze Singularitätsposse ist so, so … so naiv. 40 Mio Amis haben keine Krankenversicherung und die grübeln da über Unsterblichkeit, upload etc pups pi nach. Als wenn sich zwischen hier und jetzt alle Ungleichheit wegsimsalabimbem würde. Ach was sag ich. Globalisierung, Akkumulation des Kapitals, Gini-Index, Beschleunigung und der ganze Kram ist ja nichts, was bloss abstrakt in jederzeit downloadbaren PDFs stattfindet. Ne, das findet alles gerade zum Beispiel in einer teuren Zahnlücke von Siggi B. in D. statt. Geschichte ist ein Biest das es nie persönlich meint, wenn sie durch und über Dich hinwegwalzt.

Klar kann zeitgeistkonform gezappelt oder gebloggt werden, und die Illusion kann Wangen 9to5 rosa zaubern, dieweil die Einkommenspyramide eine schlanke Taille bekommt. Ne, ne, so wird das nix, da liegt kein Segen drauf (Zitat Moers). Wer Zukunft nur als einen Bereich der sich entfaltenden technologischen Machbarkeit betrachtet, wird überrascht werden vom utopischen Druck, der sich soziologisch ganz andere Wege sucht als eine einfache exponentielle Buchhalterkurve zu suggerieren vermag.

Cringely und die technologische Singularität

Robert Cringely hat sich geoutet. Er denkt über die technologische Singularität nach. Nicht sehr differenziert und tief informiert, aber immerhin. Interessant sind allerdings die Kommentare, die zeigen, wie uninformiert und technologisch pessimistisch der Mainstream-Geek an sich ist. Allesamt äußern ihre cutting edge Kritik und Bonmots in einem Medium, das es nie gegeben hätte, wenn ihre Weitsicht und utopische Freude zum Maßstab unser aller Zukunft würde. Wie ist es da überhaupt möglich, dass je Neues in die Welt kommt?

Wie kommt es, dass es überlegitim ist, über klimatische Veränderungen im Jahre 2050 oder 2100 nachzudenken, aber die systemischen Folgen von exponentiellen, technologischen Trends zu ironisieren oder gar zu ignorieren, obwohl diese gleich um die nächste Dekadenecke liegen?

Bruce Klein fragt…

when do you think AI will surpass human-level intelligence?

[ ] 2010-20
[ ] 2020-30
[ ] 2030-50
[ ] 2050-70
[ ] 2070-2100
[ ] Beyond 2100
[ ] Prefer not to make predictions
[ ] Other: __

Und bringt mich dazu, ein paar Fakten zu kombinieren.

Fakt 1: Was kann man mit einem Gehirn der Größe einer Walnuss anstellen?
Fakt 2: IBM simuliert 8 Millionen Neuronen
Fakt 3: Fallende Preise für Blue Gene/P

Ich schließe daraus: Irgendwann zwischen 2010 und 2100 wird es zur Lösung des Problems AI kommen.

Begründung: Die Hardware für intelligente Systeme ist schon lange vorhanden und AI ist „lediglich nur noch“ ein prinzipielles Problem, das morgen oder 2099 gelöst wird. Da aber immer mehr Firmen kapieren, dass — wie man bei Honda sagt — Intelligenz eine Technologie ist und somit ein (nichtlinearer) Produktivitätsfaktor, erscheint 2099 sehr unwahrscheinlich.

Leider entfaltet sich jede Technologie, ob Hammer, Rad oder AI, in konkreten Gesellschaften mit konkreten Menschen, die je eigene moralische Niveaus innehaben und mittels dieser Technologie ausleben. Spam ist da nur ein kleines Beispiel.

So betrachtet wäre eine AI>HI ein Ausweg aus den säugetierisch bestimmten Dramen der Geschichte. Was mir allerdings Sorgen bereitet sind die Prä-Singularitätszeiten, in denen AI <<< HI zur gesellschaftlichen und individuellen Befriedigung konkreter moralischer Niveaus eingesetzt wird.

Cognitive Computing 2007

Cognitive Computing 2007

Entgegen den massenmedial eingehämmerten Platitüden, wie die vom uninnovativen Deutschland, sieht die Realität oft schockierend anders aus. Es gibt da im fernen Japan eine Klitsche die heisst Honda und entwickelt den Roboter Asimo. Für Honda ist „Intelligenz eine Technologie“. Zitat aus dem Vortrag des Honda Research Institute auf der Cognitive Computing 2007, die gestern und vorgestern in Berkley stattfand. Honda Research Institut, so so. Wo ist das denn? Aha, Offenbach, Germany. So so. Und wer hielt den Vortrag? Ein Japaner? Weit gefehlt. Edgar Koerner, der Chef selbiger Institution aus Offenbach. Prof. Dr. Edgar Koerner hat übrigens in Ilmenau studiert. Ilmenau liegt nicht im Silicon Valley.

Wie auch immer, Steve Jurvetson (der schon wieder) meint jedenfalls das das sein favorite Vortrag an dem Morgen war, und da waren noch einige andere wie zum Beispiel der von Dharmendra S Modha, der davon berichtete wie sie bei IBM 8 000 000 Maus-Neuronen mit je 8000 Synapsen simuliert haben, um diese dann in 1/10tel der Realzeit ablaufen zu lassen. Danach sind sie nicht golfen gegangen, sondern werden wahrscheinlich eifrig weitergemacht haben, falls jemand rumklügeln sollte von wegen das würde doch sowieso nie und überhaupt. So, und was war sonst noch?

Nico Lumma hat einen Shop oder sowas aufgemacht.

Utopie und Vorstellungswille

Alle Menschen sind in Graden mit dem gleichen Potential zur Vorstellungskraft gesegnet. Allerdings dreht die hohl, wenn der Vorstellungswille fehlt. Der Trieb zur Phantasie sozusagen. Das scheint mir die eigentliche Triebfeder zu sein: die utopische Phantasie, die dem Emailausdrucker genauso abgeht, wie denen, die seit Jahrtausenden immer unter den negativen Auswirkungen von Technologie zu leiden hatten. Das, was ein Peter Thiel an Verlust riskiert, weil er seinem Vorstellungswillen und seiner Vorstellungskraft folgt, entspricht in ungleich höherem Ausmaß dem, was viele Menschen als Verlust negativer Lebensumstände riskieren würden, wenn sie durch ihr utopisches Wollen dafür sorgen würden, das der Januskopf der Technologie uns nicht automatisch die dystopische Hälfte zuwendet.

Ohne den Willen zur Utopie droht eine Schäublisierung des Potentials von Technologie und eine Reduktion auf BWLigen Excel-Fortschritt.

Nicht in Kansas

Aber in Essen. Ich weiss nicht welche Pille einige der anwesenden Zuhörer letztendlich gewählt haben, gut unterhalten worden sind sie allemal. Niemand hat sich gelangweilt obwohl statt der angepeilten maximal 40 Minuten, derer 60 wie im Fluge verschwanden. Dafür gab es ein ordentliches futuristisches Schleudertrauma mit 1 x Kardashev und zurück. Die Frage was Web2.0 denn sei, nimmt sich dagegen wie eine Nematodenverdauungsstörung aus.

Wer nicht da war – und das waren leider viel zu viele – wird vielleicht später die von Herrn Sixtus mit allem technischen Vodoo gevideobannte Fassung bewundern können. Derweil ich noch an einer Linkliste bastele und in der Zwischenzeit eine PDF-Fassung der Folien dieses Singularitätsvortrags (7Mb) auf Anfrage anbiete. Wer damit nix anfangen kann, darf mich ruhig für einen Vortrag buchen.