Die Fakten: Am 17. August explodieren zwischen 10:30 und 11:30 circa 350 kleinere Bomben (nach anderen Quellen ca. 500), mit 2 Toten und über 150 Verletzten. Die Bomben waren so gebaut das sie bewußt keinen allzu großen Schaden anrichten konnten, also nur zur Warnung dienten. In den westlichen Medien hat dieses Ereignis auch 4 Tage danach kaum stattgefunden. Technorati verzeichnet heute morgen geschätzte 160 Blogbeiträge zum Thema. In der deutschen Blogossphäre ist sowieso nichts zu finden. Katzen mit 6450 Beiträgen finden dort mehr Aufmerksamkeit. Da hat Vorarlberg Online ein größeres Herz für die Dritte Welt.
Diese erschütternde Disproportionalität in der Wahrnehmung im Mehrzweckbeutel (ca 1000 Leser) zu veröffentlichen wäre zu einfach gewesen. Die herrschende Funktionsweise der Verbreitung von Nachrichten und Inhalten verändert man nicht indem man den Mechanismen hinterherrennt (Einschaltquote). Ich bleibe also in einer Mischung aus Trotz und Akzeptieren in meiner kleinen Ecke, da ich keinen funktionierenderen Prozess kenne.
Diese Disfunktionalität des Internets wurde schon Mitte der 90iger für die Zukunft – unsere Gegenwart – befürchtet, bis zu dem was man heute Echochambereffekt nennt. Aber wenn 350 gleichzeitig explodierende Bomben inmitten einer 144 Millionen großen Bevölkerung auch 4 Tage danach im Westen kaum stattgefunden haben, dann kann man von einem ziemlichen systemischen Versagen ausgehen. Das Gegenteil anzunehmen wage ich nicht.
Immer wieder dreht es sich um die alten Fragen der Relevanz: Was ist für wen wichtig? Die Dynamiken, die das Internet und die Medien im Moment beherrschen, können zum Verschwinden ganzer Länder von der Landkarte der Wahrnehmung führen. Der Relevante Link dazu.
In Bangladesh sind also 350 Reissäcke nicht umgefallen, nein explodiert und niemanden interessiert das. Ich bin gespannt wie lange es dauert bis sowas angemessen wahrgenommen wird. Vielleicht müssen dazu erstmal 800 000 satte Mittelstandskiddies wieder zurück zu Mama und gewisse Sendezeiten freigeben.
