Ikonographie der Zukunft

Das kulturelle Unterbewusstsein wird wohl in naher Zukunft die Ikonografie einer posthumanen Zukunft in all ihren dys- und u-topischen Formen immer konvulsivischer durchdeklinieren. Je größer die Bandbreite des imaginierten Schreckens und der Extase, um so offener der Raum der Zukunft? Um so herausragender die Rolle einzelner Individuen, die der puren Kontingenz des Zukunftsraumes ihren Attraktor aufdrücken?

Vom Weitergehen

Wenn etwas wirklich weitergeht, dann meist nicht dort wo der "Schwung der Figur" sie hätte hintragen sollen. Die selbstversichernde Identitäts- und Öffentlichkeitssimulation Bloggen muss da schon hin und wieder etwas gebrochen werden, denn "was sich ins Bleiben verschliesst, schon ist´s das Erstarrte." In diesem Sinne sind auch die seit fast einem Jahr stattfindenden Gespräche zwischen Dr. Jay, Tim Bruysten und mir zu verstehen:"...entzückt durch das heiter Geschaffne, das mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt." Seit Anfang des Jahres auch als Video in un- nicht postmoderner Überlänge zu verfolgen. Das geistige Mäandern der Beteiligten entspricht der zunehmenden Kontingenz der Zeitläufte. Komplexitätsreduktion durch pointierte Antworten ist nur zwischen den Zeilen und Personen zu erwarten. Wenn das so weitergeht schwant mir noch ein Zusammenhang zwischen Systemtheorie, Utopie, Futurismus, technologischer Beschleunigung, Parallelität, Abstraktion, Kontingenz, Postmoderne, Elena Esposito, Ästhetik, Thermodynamik, Wurst, Teilhard de Chardin, En- und Ektropy, Inequality, Komplexität und einem Sonnenuntergang am Meer in Holland. Zwischen Rundumschlägen und Rodungen besteht ein fruchtbarer Zusammenhang.

Neuverortung

Futurismus ist ein Spielchen das immer in der Gegenwart stattfindet. Ein Balanceakt der Vorstellungskraft, in dem nur dem unendlichen Spieler (JP Carse) die Kraft gegeben ist das Seil zu wechseln, wenn es zu einem rekursiven Uroboros zu werden droht.

Das kann doch nicht alles gewesen sein!

Zur Feier des gestrigen Towel-Day habe ich es tatsächlich geschafft ein Bruce Willis Filmzitat in einem Vortrag über Zukunft, Kardashew, Nanotechnologie, AGI, Singularity Summit und Singularity University unterzubringen.

Da ich nicht zur Garde der Folienvorleser gehöre, sondern davon ausgehe das die physische Anwesenheit eines Vortragenden irgend etwas mit mit seiner – auch intellektuellen – Anwesenheit zu tun haben muss, sind die Folien natürlich ohne meine Live-Worte nur ein interessanter Bildreigen. Die Aufgabe für die Klasse also: Erzähle die Geschichte zu diesen Bildern! Abgabetermin 2049.

 

 

Nochmals Danke an den Dozenten Tim Bruysten für die Einladung nach Aachen. Die anschliessende Diskussion mit den Studenten zeigte, das die Thematik zwar verstanden wurde, mir persönlich war da aber zu wenig Wow! in der Erkenntnis, das vieles davon im Bereich der Lebensplanung eines 20jährigen liegt. Ich fühlte mich ein wenig an einen meiner ersten Blogeinträge aus dem Jahre 2003 erinnert. Was kommt nach Anything goes? Beim anschliessenden analogen Bier im Last Exit hat sich für mich dieser Eindruck noch bestätigt. Wer heute in dieser „Anything-goes-Welt“ lebt, deren Beschreibung vor 30 Jahren für einen veritablen Science Fiction gereicht hätte, managt seine Lebenswelt besser mit einem kleineren Zeithorizont. Dennoch wird jemand, der auch mit extremen Zukünften jonglieren kann unsere turbulente Gegenwart erfolgreicher filtern können.

Ohne Garantien für weitere Posting kann ich sagen: Hat sich gut angefühlt mal wieder zu bloggen. Ist noch jemand da? 😉

Utopie und Geschäft

Der echte Geschäftsmann filtert Zukunft nach seinen persönlichen Chancen und ignoriert die gesellschaftlichen Risiken. Der utopische Filter möglicher Zukünfte sieht genau invers aus: was sind die gesellschaftlichen oder gar existentiellen Risiken verschiedener technologischer Trajektorien und wie können diese Risiken durch einen affirmativen Zukunftsentwurf umgangen – nicht verhindert – werden. Wer Risiken durch Verhinderung von technologischen Trends vermeiden will, produziert automatisch Dystopien und Konservatismus, da die Negation von X nicht Nicht-X ist.

Im Angesicht der explodierenden Fülle möglicher Zukünfte wird derartiges affirmatives, utopisches Denken immer wichtiger. Die Aufgabe jeder wirklichen Utopie ist es, Traum und Zukunft so zu vermählen das die Möglichkeiten der Art und des Individuums nicht beschnitten werden.

Funktion von extremem Futurismus

Hier und heute die Folien des Vortrags von gestern abend. Ein Vortragstext existiert nicht, aber wer braucht sowas wenn es Video gibt? Irgendjemand von der MDH hat alles aufgenommen und wahrscheinlich wird alles irgendwann gegen mich verwandt. 😉

Im Vergleich zum 26.Juni ist die Fassung von gestern abend stark aufgebohrt und wird sich auch noch weiter entwickeln, da es sich hierbei um einen Rahmen für den Umgang mit Zukünften handelt. Lauter moving targets. Zukunft wird und muss verhandelt werden.

Man könnte es auch so zusammenfassen: Utopie ist kein Trend!

Zukunft als Untermenge von Zukünften

Das muss 1997 oder 98 bei einem Vortrag gewesen sein, das ich diese Folien den armen Zuhörern präsentierte. Ich erinnerte mich daran weil Andreas Stuhlmüller heute einen verwandten Gedankengang entwickelt hat.

Unsere Zeit ist davon geprägt, das durch die beschleunigte Zunahme der möglichen Zukünfte sich sehr viel Konfliktpotential im Raum der wünschbaren Zukünfte ansammelt. Gleichzeitig sinken Zukünfte die noch vor 20 Jahren nur denkbar waren in den Bereich der möglichen Zukünfte ab. Wer da als Privatperson, Institution oder Firma nicht seinen Entscheidungsraum dahingehend anpasst, das aus den gestern nur denkbaren, morgen schon wahrscheinliche Zukünfte werden, wird ge-Tofflert.

Utopie und Vorstellungswille

Alle Menschen sind in Graden mit dem gleichen Potential zur Vorstellungskraft gesegnet. Allerdings dreht die hohl wenn der Vorstellungswille fehlt. Der Trieb zur Phantasie sozusagen. Das scheint mir die eigentliche Triebfeder zu sein: die utopische Phantasie, die dem Emailausdrucker genauso abgeht, wie denen die seit Jahrtausenden immer unter den negativen Auswirkungen von Technologie zu leiden hatten. Das was ein Peter Thiel an Verlust riskiert, weil er seinem Vorstellungswillen und seiner Vorstellungskraft folgt, entspricht in ungleich höherem Ausmaß dem, was viele Menschen als Verlust negativer Lebensumstände riskieren würden, wenn sie durch ihr utopisches Wollen dafür sorgen würden, das der Januskopf der Technologie uns nicht automatisch die dystopische Hälfte zuwendet.

Ohne den Willen zur Utopie droht eine Schäublisierung des Potentials von Technologie und eine Reduktion auf BWLigen Excel-Fortschritt.

Utopische Blindheit

Während des Vortrags am Samstag überkam mich spontan eine befremdliche Perspektive, die ich den Anwesenden auch mitteilte:

Mir scheint in Diskussionen mit Menschen die unten in der Fresskette leben ein durchschnittlich konservativeres Verhältnis in Fragen der Zukunft vorzuherrschen. Viele, auch gebildete Menschen zeigen sich unfähig die utopischen Potentiale in den vor uns liegenden Technologien zu sehen, während Zeitgenossen wie zB Peter Thiel (pers. Vermög. ~1Mrd$) gar soweit gehen Ruf und Vermögen in Konzepte zu investieren die normalen, „hart arbeitenden“ Menschen nur ein Kopfschütteln entlocken. Paradoxerweise würden gerade diese von den positiven Potentialen mehr profitieren als jemand wie Thiel.

Vielleicht gehört zu stabilen Machtverhältnissen auch eine Art tief sitzender Zukunftsblindheit und utopischen Unglaubens.

Nur wer blind für den wunderbaren Weg bleibt, kann zufrieden sein einen staubigen Pfad geführt zu werden.