Burma und Technologie als Politik

Der Fluss von Wissen und Information ist Politik. Während der freie Fluss seit je eher emanzipatorischen Bewegungen zu gute kommt, wissen Diktatoren schon immer was sie als erstes zu tun haben. Was mich allerdings sehr, sehr befremdet ist die auch im Kleinen beobachtbare, tägliche Entscheidung im Nachrichtengeschehen, die sich in der Linkpolitik großer Portale wie zB dem ZDF oder der Tageschau zeigt.

Während die Tageschau freizügig auf fast alle wichtigen burmesischen Blogs linkt und die Leser nicht hartherzig auf ihren Seiten hält, kann man beim ZDF sogar im Interview mit Ko Htike lange nach einem Link suchen. Closed garden Linkpolitik. In solchen kleinen Details kann sich zeigen auf welcher Seite man steht: dem egoistischen Eigeninteresse oder frei fliessendem Informationsbedürfniss. Paradoxerweise macht man sich mit so einer Haltung mit den Diktatoren gemein.

Beim ZDF sollte man sich mal fragen warum die Leute von der Tagesschau einen Grimme Preis erhalten haben.

Und weil ich mich gerade frage, was ich in dieser Situation tun kann, hier einige Links zu burmesischen Blogs:
http://burmamyanmargenocide.blogspot.com/

http://www.moeyyo.com/MM/
http://seinkhalote.blogspot.com/
http://soneseayar.blogspot.com/
http://moemaka.blogspot.com/
http://niknayman.blogspot.com/
http://dathana.blogspot.com/
http://burma-myanmar-news.blogspot.com/
http://rightorrong.blogspot.com/

Und weil solche historischen Momente eine ganz andere Ästhetik hervorbringen als unsere unwirkliche, dumme Popkultur, gestatte ich mir dieses YouTube-Video zu verlinken:

Primaten unter sich

Das wirkliche Abenteuer des Denkens hat nichts mit den selbstversichernden Haltungen zu tun, die in Tonfall, Körperhaltung und rethorischen Figuren praktiziert werden damit Untote ihre ersehnte Rolle dem internen Image angleichen können. Diese Imagesucht geht zum Leidwesen weniger Toter meist einher mit einer panischen Machtsucht, die versucht mit opressiven Mikrogesten das Bild von sich selbst durchzusetzen.

Durch diese Imageperformance werden täglich unsere globalen Probleme getunnelt und verschlingen Energie. 57 channels and nothing new on it. Primaten unterwegs.

Während das Muster bloss die Kleider wechselt, ist die Hoffnung seit je gezwungen den Sprung von den fransenden Rändern aus zu wagen, ohne das Gewebe zu zerreissen. Kein Bild von sich haben ist die Freiheit, in der alle Zukunft ruht.

Wo ist das Zentrum des Mosaiks?

Liegt das Zentrum eines gesellschaftichen Prozesses im Aktual oder im Potential? Das Potential wird auf jeden Fall umrissen durch einige Videos, die im Vorfeld des Singularity Summits aufgenommen wurden. Jamais Cascio trägt damit die politische Dimension in den Diskurs um die technologische Singularität hinein.

Link zum teilweisen Transkript (interessant welche Stellen ausgelassen wurden)

Technologie ist Gesetzgebung, wie Karl Schroeder es pointiert formuliert. Technologie kann unsere Gesellschaften genauso dramatisch verändern, wie Gesetzgebung. Interessanter Gedanke für eine erweiterte Definition von Recht und Unrecht und den Prozess der Zukunftsaneignung.

Mein zweiter Datenpunkt im heutigen Mosaik ist das Interview mit Peter Norvig und die Kulmination in der doch spontanen Antwort auf die Frage ob eine Singularität demokratisierend wirken kann (14’56“). „Will the Singularity be democratizing?“

Peter Norvig: „I don´t think it will be more democratizing, or more equalizing.“

Wir werden mit dem Zustand der intra- und inter-gesellschaftlichen globalen Ungleichverteilung, der sich auch gerade durch die technologische Beschleunigung noch verschärfen wird in diese Phase der Menschheitsgeschichte eintreten und diese Ungleichverteilung auf höherem Niveau (all-boats-rising Hypothese) weiterspielen. Vielleicht ähnlich einem Szenario wie in Eloi von Greg Egan.

Was mich zu meinem heutigen dritten Mosaikbaustein bringt, der aus der deutschen Provinz kommt. Tricks zur Systemstabilisierung kommen seltsamerweise immer aus der Provinz, oder? Was sagt uns das?

3 Videos mit einer Gesamtlänge von ca 37 Minuten. 37 Minuten, die das Problem der verfügbaren Zeit in einer Aufmerksamkeitsökonomie aufwerfen. Oder anders: Der iterative Sog wirklichkeitsgenerierender Aufmerksamkeitsprozesse kann vom Einzelindividuum im 21. Jahrhundert nur durch eine Art bewussten hermeneutischen Zirkels durchbrochen werden. Wer nicht statistisches Drohnenfutter werden will, muss utopisch bis auf die Knochen werden.

Peter Voss: 5 Jahre bis AGI

In seinem Vortrag auf dem Singularity Summit II hat sich Peter Voss mal wieder festgelegt. Letztes Jahr avisierte er für 2008 eine AI, dieses Jahr vor 800 versammelten Singularity-Afficinados bietet er eine Zeitspanne von 5 bis 10 Jahren an.

[audio:peter-voss-5-years.mp3]

How far are we from AGI? Well, it´s up on the slides. I guess it´s going to be recorded. I believe we are much closer to it than most people believe. Almost certainly less than 10 years and quite likely less than five.

Ich übersetze das mal mit: Mit Sicherheit weniger als 10 Jahre und wahrscheinlich weniger als 5. Vergleicht man das mit seinen Äusserungen von 2006, hört sich das schon etwas konservativer an. Konservativ im Vergleich zu sich selbst natürlich. Im Big Picture hat das immer noch die Ausmaße von 100 Al-Kaidas samt konvertierendem Papst. Aber wen interessiert das wenn alles was bei so einem Summit herauskommt eine handvoll Audioclips für den Liegestuhl auf einer Hochglanzseite sind, mit den seit 15 Jahren bekannten Argumentationslinien samt Zuckerbrot und Peitsche?

Einführung in die technologische Singularität

Parallel zum Singularity Summit hat sich Joel Pitt auf einem Barcamp unserer Antipoden dazu hinreissen lassen, einen einführenden Vortrag zur technologischen Singularität zu halten. Seltsamerweise gibt es da außer den Folien von Kurzweil recht wenig. Auch ein Hinweis darauf, dass diese Subkultur vorsichtig sein muss, sich nicht durch zu viel implizites Vorverständnis selbst zu vergiften.

Weil Joel so schön mutig vorausgegangen ist, stell ich jetzt meine Folien aus dem April-Vortrag auch mal einfach hier zur Verfügung. Ich war zuerst ein wenig skeptisch, muss aber feststellen, dass mein Ansatz über die Plausibilität und Legitimität in Konkurrenz zu den unausweichlichen Klimamodellen vielleicht ein wenig provokant, aber durchaus gangbar ist. In Kombination mit dem anderen Kurzvortrag beim Webmontag letztens wird glaube ich ein guter Schuh daraus.

Uncanny Nietzsche

Der Begriff des Uncanny Valley hat seinen Ursprung in der Robotic und Animation. Nun hat es allerdings, wie mir scheint, auch Nietzsche erwischt. Nicht, dass er je un-unheimlich war. Aber in diesem kleinen Filmfetzen, der wahrscheinlich durch die Bearbeitung von zeitgenössischen Fotos entstanden ist, wirkt er noch weniger einladend als sein virtuoses Gepolter.

Wie muss diese Nietzsche-Simulation aus dem Jahre 2006 einem Zeitgenossen erscheinen? Wie eine Erscheinung?
Was ist erst möglich wenn 10 Teraflops und einige Petabytes RAM auf jedem Beistelltisch zu finden sind und Premiere CS15 mit ähnlichen Techniken wie Microsoft Photosynth aufwarten kann? Wenn gar eine gehörige Prise AI unter der Haube stottert?

Dieses Video ist ein Datenpunkt auf einer Kurve, die keinen Trend markiert, sondern den Hauch einer Utopie ahnen lässt.

via Philoblog

Wie vernagelt ist die deutsche Web 2.0-Gemeinde?

Da gabs gestern eine Preparty zum Singularity Summit II. Nun gut, wir haben im Augenwinkel vor Monaten registriert (aber je akzeptiert?), dass Leute wie Peter Norvig da Gastredner sein werden. Aber nun muss ich mit freudigem Entsetzen feststellen, dass Joshua Schachter, Mark Zuckerberg und was weiß ich nicht wer noch sich gestern Abend auf dieser Pre-Party zum Singularity Summit vergnügt haben. What means, dass die Herren zumindest am Rande über dieses Konzept informiert sind. Derweil man sich hier über Geld verdienen mit Blogs, Web2.0 im Mittelstand etc pups pp herrlich seriöse Gedanken macht. Ha! (trocken goutieren). Hier fragt man sich ganz basicisiert, ob Facebook ein tragfähiges Geschäftsmodell sei. Erwägt und trackbackt hin und her, lässt sein obligates: Es bleibt „spannend“ fallen und linkt.

Dieweil die Helden unserer eigenen geistigen Provinz ihre Hirne mit Memen füttern, die die hiesige Blöökossphäre nie auch nur im entferntesten tangieren. Dennoch wundern sich die Hiesigen, wie das da drüben nur andauernd zustande kütt. Und übersehen in immerwährender, fetter, seriöser Dumpfheit den Zusammenhang der Beschäftigung mit fernen Zukünften und den Entscheidungen in der Gegenwart. So wird es es allemal und immer nur für DVD-Tauschbörsen, Facebook-Klonen und resignativem Ami-Linken reichen.

Zukunft ist nirgends. Zukunft ist der Teil unserer Imagination, dem wir das noch nicht gewesen sein zuschreiben. Vergangenheit ist was für Psychiater und Historiker. Wenn der Beat der Bilder sich beschleunigt, muss man den Mut aufbringen und dem Genius tief innen lauschen. Alles andere kommt zu spät und verfehlt den Sinn, den die eigene Existenz am je eigenen Ort verrichten soll.

Provinz ist ein imaginativer Reigen von Bildern, die man am „knapp geschlagen“ erkennt. Utopie ist der Teil der Imagination Zukunft, an dem jeder mit einem atemlosen Lächeln teilhaben möchte.

Dienst am Leser: Singularity Summit II

Bis jetzt sehe ich 2 Blogs die live vom 2. Singularity Summit aus San Francisco bloggen:

Michael Anissimov
Frontier Channel

Wem die Singularitätshypothese nicht fremd ist, dem dürfte auch die englische Sprache geläufig sein. Die Restmenge könnte auf Wunsch mit kursorischen Übersetzungen bedient werden. Aber so wie es aussieht werden dort keine neuen Ideen geboren, sondern alle Puzzelteile noch einmal selbstbestätigend auf den Tisch gelegt. Ideen sind ja auch Kulturen, die ganz einfacher säugetierischer Fellpflege bedürfen und diese dürfte heute und morgen dort drüben nicht zu kurz kommen.
Nachtrag: David Orban

Der kurze Film zum langen Buch vom Kurzweil

Ich hatte gestern nur so dahingegrummelt das Herr Kurzweil sich bemüßigt fühlt, sich in 2008 mit der Thematik technologische Singularität cineastisch zu verewigen. Dazu noch einige Anmerkungen.

Erstaunlich ist das genau wie im Buch „The Singularity is Near“ niemand der wirklich relevanten Denker (Vinge, Yudkowsky, Goertzel etc) zum Thema im Film vorkommt. Im Buch zum Beispiel erscheint Yudkowsky in einem Fussnötchen, obwohl die meines Erachtens relevantesten Texte schon damals von ihm stammten. Anthony Robbins, der Hochdampfplauderer und Coach der Reichen und Mächtigen (Clinton etc) darf sich allerdings zum Thema äussern. Entweder das ist ideenpolitisches Kalkül oder Strategie, die Person Kurzweil in der Thematik nicht zwischen zu viel anderen wirklichen Experten untergehen zu lassen.

Mir scheint, das Kurzweil alle Symptome für das demonstriert, was weit vor einer hypothetischen Singularität klaftertiefe, säugetierische Gräben zwischen den Komparsen auf Terra aufreissen wird. In ihrem Drang das Ich-Ich-Ich-Drama auf größtmöglicher Bühne zu spielen (auch Egoismus genannt) werden viele Akteure jede sich bietende technologische Möglichkeit ergreifen um ihre persönliche Utopie zur Dystopie für den Rest der Menschheit werden zu lassen. Ich möchte dringend vom Gegenteil überzeugt werden.