Ungleiche Zukunft im Sand

Die Zukunft ist, einem Bonmot folgend, wirklich sichtbar ungleich verteilt. Wobei diese Ungleichverteilung gleichzeitig Motor des technologischen Fortschritts ist und Feind jedes utilitaristischen Ansatzes. Physisch sichtbar manifestiert sich diese Ungleichverteilung in diesem geschichtlichen Moment überdeutlich in Nakheel in Abu Dubai. Jeder der auf diesem Planeten nicht um die nächste Miete hadern muss, zieht gerade um in einen feudalistischen Wüstenstaat, um unbehelligt vom Treiben des Plebs jeden denkbaren Wunsch und Luxus zu geniessen. Meine Sorgen um die Möglichkeit eines transhumanen Reichenghettos, dessen Insassen sich moralisch, technologisch und medizinisch vom Rest des Planeten abkoppeln, scheinen dort im Sand Wirklichkeit zu werden.

Dort in der Wüste erhebt sich ein unwahrscheinliches Zentrum der Negentropie, das sich aus der Dynamik eines Systems nährt, dessen unbewusster Vektor von Ungleichverteilung angetrieben immer höhere Zustände der Komplexität anstrebt. 80 Proszessorkerne auf einem Chip und ein 810 Meter hoher Turm voller sinnensatter Körper sind zwei Enden des gleichen Taumels.

Siggis letzte Worte

Seit heute online: Der elektrische Reporter, das neueste Projekt von Mario Sixtus in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. Ein Videoblog mit wöchentlichen Interviews zu Technologie und Zukunft. Das Entree geben Dipl. Designer Tim Bruysten und Simon Kock mit ihrer Fragemaschine Mnemo. Ich selbst gebe den wöchentlichen Rausschmeisser mit einem ausgewählten Zitat aus meinem gesammelten Blogschaffen. Die Blumen im Hintergrund wurden von Fachanwalt Dr. Simeon Held und Rechtsanwältin Hanna Budde gestellt. Wer also die etwas offensive Reklame des Handelsblatts erträgt, kann mich ab jetzt wöchentlich zukunftsnuscheln sehen.

Plateau 27

Wir selbst sind die findigen Tiere die deuten und merken, deren größte Werke jedoch immer nur eins bleiben: für uns. Die Wagenburg jeder Kultur brandet jedoch in vergeblicher Schönheit an die Schultern eines Orionnebels, steht ratlos still vor jeder Galaxie. Kein wirklich Fremdes kann rufen, nur aus den Tiefen unseres eigenen Rätsels locken. Diesen Ruf zu ignorieren ist würdelos. Ein würdiger Mensch kann nie ignorant sein und muss an der Grenze zwischen Kultur und Kosmos leben.

Peter Thiel spendet 3,5 Mio $ an die Methusaleh Foundation

Peter Thiel, der ein bischen Klimpergeld aus dem Verkauf von PayPal an eBay übrig hat, spendet 3,5 Millionen Dollar an die Methuselah Foundation. Darüber hinaus will er bis 2009 auf jeden Spendendollar 50 Cent drauflegen.

Thiel ist heute Gründer und Managing Member von Clarium Capital, die auch dem Singularity Institut Obdach gewähren. Damit wird Thiel langsam zum herausragendsten Förderer der brisantesten und konstruktivsten Forschungszweige auf diesem Planeten: radikale Langlebigkeit und allgemeine künstliche Intelligenz (AGI), noch weit vor Kurzweil, der mit schlappen 5050$ beweist auf welches Pferd er wirklich setzt.

Nur indem man die Lücke zwischen Wissenschaftlichkeit und Vision mutig überspringt, kann man Wetten auf die Zukunft gewinnen. Alle anderen werden bloss recht behalten.

Das tägliche Spiel

Die Differenz zwischen dem was unter Aufbringung aller kognitiven und materiellen Möglichkeiten möglich wäre, und dem, was gelebter Stand einer Subkultur ist, entspricht ihrer Inszenierung, die immer nur in einer Art Hypnose erträglich ist. Derart begriffen, ist Kultur gelebtes inszeniertes Unvermögen.

Die Spielregeln von gestern

Alle Spielregeln der Prä-Prä-Singularitätszeit beruhen darauf, das Utopien per definitionem unerreichbar sind. Je tiefer wir jedoch in die explodierende Wolke der exponentiell zunehmenden Möglichkeiten dieser technologisch beschleunigten Zeiten eintauchen, desto realer wird das, was vormals als utopisch denunziert wurde. Der Ausguck wird immer häufiger mit Menschen besetzt werden, die den Nebel der Möglichkeiten durchdringen können, weil sie an Utopien festhalten.