Der 3. Mann bei Microsoft

Wunderliche Welt der Nachrichten. Der nach Bill Gates und Steve Ballmer älteste Angestellte Microsofts, Mark Zbikowski hat am 9. Juni Microsoft verlassen. Muss mir entgangen sein wo das gemeldet wurde. Nun fehlt nur noch Steve Ballmer. Bill Gates, Vic Gundotra (nächstes Jahr bei Google) und Martin Taylor sind ja schon wech. Nimmt man den Einstellungsstop für 2007 noch mit ins Bild, würde ich sagen: verkaufen!

Guy Kawasaki und die Geschäftsmodelljäger

Das was Guy Kawasaki in seinen Vorträgen über sein Buch „The Art of the Start“sagt, ist voll eingebettet in unsere beschleunigten Zeiten. Alle Versuche ein lebensfähiges Geschäft in diesen prä-Singularitätszeiten aufzuziehen sind nur noch evolutionäre Schrotschüsse, deren einzelne Kugeln sich nichts auf den Treffer einbilden sollten.

Der klassische Geschäftmodelljäger wird natürlich ganz hibbelig wenn er in Second Life Wummen für 1 Linden-Dollar verkaufen darf, vom Metaversum labert und alle 3 Sätze die Vokabel „spannend“ benutzen kann. Wer Zukunft für ein geschäftsmodellfähiges Interface für die alten säugetierischen Triebe hält, will Geschichte nur mit anderen Mitteln fortsetzen, weil ein Wirtschaftsinformatikstudium keine Philosophie oder Poetik kennt. Das ist kein Fortschritt, sondern Perpetuierung. Oder Seitwärtsbewegung für Kastraten, wie man in der Börsensprache sagt.

Womit wir wieder bei „Utopie“ sind. „Make meaning“ ist genau das: Utopien realisieren. Alles andere ist Fortschritt.

Utopie und Fortschritt

Manchmal braucht es Zeit und ein Stichwort, um die Wurzeln des eigenen Antriebs zu verstehen. In Kreisen treibt man um den eigenen Turm, getrieben, hinauf oder hinunter zu schauen.

Utopie ist nicht Vision, schon gar nicht Fortschritt. Fortschritt kann Vision sein, Vision kommt oft ohne Fortschritt aus. Das was mich seit je am Thema Zukunft fasziniert ist die Möglichkeit, mittels Technologie Utopien zu realisieren. Utopieloser Fortschritt, wie er von den manischen Geschäftsmodelljägern täglich weltweit „implementiert“ wird, ist damit auf jeden Fall nicht gemeint. Roboter für die Altenpflege sollen uns zwar als Fortschritt verkauft werden, sind aber Utopiekiller ersten Grades und kurieren nur Symptome. Im Gegensatz dazu ist Aubrey de Grey ein Utopist im besten Sinne, der eine Vision hat und den technologischen Fortschritt nutzt, um Ursachen des Alterns zu bekämpfen und einen uralten Menschheitstraum zu realisieren.

So wie der Begriff Utopie von Thomas Morus bis Ernst Bloch mit Bedeutung aufgeladen wurde, kann er uns in turbulenten Zeiten davor retten einem Shareholder-Value-Begriff von Zukunft aufzusitzen, der nur dazu dient hinter der Nebelwand der Gadgets transhumane Superreichenghettos zu errichten.

Utopie ist ein evolutionärer Vektor der, wenn er um des eigenen Vorteils willen missachtet wird, alles Leben aus Ideen, Erfindungen und Visionen saugt.

Improvisation aus Tönen

Sobald einige Zeitgenossen einzelne Töne hören, die nicht aus wischiwaschi-Mollpentatonik bestehen, glauben sie „Noten“ zu hören. Andere wiederum, denen der Sound und Beat fehlt, vermissen das „auf-den-Punkt-kommen“. Verdammt, als wenn es sich in der Geschichte der Musik nie um die wundersamen, millionenfachen Möglichkeiten der logischen, emotionalen Entwicklung von Tonfolgen gehandelt hätte, sondern um Effekt, Richtschnur und manirierten Dilettantismus.

So. Mal wieder 100k verrauschtes Morgenhaiku.

Ach, weisst Du…

Jede künstlerische Form ist auch das Resultat der Erkenntnis nie genug Zeit zu haben. Solange mir keiner garantiert noch ein paar Jahrhunderte Zeit zu haben, muss verkürzt, kondensiert und abstrahiert werden. Wer das Kondensat jeder Erscheinung nicht durchdringt oder durchdringen will, scheitert auch an der eigenen Einmaligkeit, ist Gemüse im Angesicht dieser beknackten Emergenz „Ich“ und glaubt was andere Emergenzen ihm einflüstern. Jeder Grund ist steinig, jede Höhe weisend. Rettet mir bitte die Utopie in allem Fortschritt; wer in allem bloss das Geschäftmodell sucht, steht zum Schluss mit leeren Händen da.

Podcast aus der Vergangenheit als Kommentar zur Zukunft

Jedes Attribut das wir unserer Art zueignen ist nur ein provinzieller Wiederhall, der dreist ins Allgemeine gestemmt wird. Da kommen wir bis wir wirklich Besuch bekommen (AI oder Alien) vorerst nicht raus. Und dennoch sind es diese kleinen Eruptionen, aus denen unsere Geschichte gemacht ist. Verzerrungen, die zerren. Ob das Blue Brain ist oder die Behauptung es in 6 Jahren schaffen zu können. Oder ein privater Akt in 3 Minuten vor 20 Jahren. Zu glauben man wäre 3 Miles before irgendeiner Insel ( 2,7Mb MP3), ist menschliches Schicksal und gleichzeitig der Stoff aus dem unsere Hoffnung besteht. Dig(g) it.

[audio:3miles-before-island.mp3]

Spamstress

Ich muss leider um Verständnis für Kommentarschwierigkeiten bitten. Seit Donnerstag befindet sich dieses Blog im Spamkrieg. Pro Tag bis zu 2000 Spamkommentare mit URLs bei denen einem schlecht werden kann. Alle Spamfilter (plural) sind hochgefahren und scharf gemacht, aber hin und wieder gibts falsche Positive, die ich dann aus dem Müll fingern muss.

Das ist auch so ein interessantes Thema: Hochtechnologie in den Händen von Menschen die sich auf einem moralischen Niveau befinden, das bei Kohlberg allerhöchstens Stufe 2 erreicht. Spam ist ja noch harmlos. Wie wärs mit einem DNA-Synthesizer? Oder nanotechnologische Feinschmeckereien des Jahres 2013?

Almaden Institute: Cognitive Computing

2 Tage vor dem Singularity Summmit fand im IBM Almaden Research Center in San Jose, California deren jährliche Konferenz statt. Dieses Jahr mit dem Schwerpunkt Cognitve Computing. Die Videos und Präsentationen sind frei erhältlich.

Wir schreiben das Jahr 2006. Schätzungen zufolge besitzen Institute wie Almaden mit Supercomputern wie Blue Brain schon lange genug Hardware- und Rechenkapazität um das Problem der künstlichen Intelligenz zu lösen. Irgendwo, irgendwann wird auf diesem Planeten etwas geschehen, das alle Lebewesen mit einer einmaligen Plötzlichkeit in eine neue Perspektive rückt, die alle Umstände unter denen wir leben, leiden oder lieben neu definieren wyrd.

Dank an Andreas

Macht und Kreativität

Beim Nachdenken über die Frage nach den qulitativ hochwertigen Netzwerken des 21.Jahrhunderts, komme ich immer wieder auf die 3 Faktoren Macht – Aufmerksamkeit – Einkommen/Vermögen zurück, die allerdings begrifflich eine deprimierende Sackgasse darstellen.

Fügt man allerdings ein Snippet zu Luhmanns Begriff des „funktionalen Systems“ hinzu könnte es interessant werden.

Qualitativ hochwertige Netzwerke hatten und haben immer genügend Macht um ihre Ziele zu realisieren. Das kann über Aufmerksamkeit und/oder Vermögen realisiert werden. Führt aber nur dazu, das die Ziele des jeweiligen gesellschaftlichen Subsystems stabilisiert und mit je anderen Mitteln wiederholt werden.

Hm. Was führt also aus diesen langweiligen Selbstwiederholungen, systemstabilisierenden Akten und ihren lokal sinnvollen Stargeburten heraus? Kreativität. Jedes neue, qualitativ hochwertige Netzwerk verdankt sich einem Akt gnadenloser Kreativität. Nicht unbedingt Kunst und auf jeden Fall kein Design. Kunst bedarf zwar der Kreativität, bleibt aber im funktionalen Subsystem. Vernissagensumpf.

Da liegt auch die Spassbremse der ganzen Gespräche rund ums Bloggen fürs Geschäft (PR, Marketing). Sie wollen nicht aus dem System austeigen, es übersteigen, sondern das Subsystem „Wirtschaft“ mit anderen technologischen Mitteln weiterführen, retten.

So, und wie sehen nun die qualitativ hochwertigen Netzwerke des 21. Jahrhunderts aus? Keine Ahnung, aber vielleicht kann man aus diesen Skizzen einige Eigenschaften ableiten. Es braucht dazu keine technologische Lösung. Ein schmuddeliges Notizbuch reicht. Entscheidend sind die kommunikativen Akte, deren Summe eigentlich das Netzwerk ausmachen und sein ethisches, moralisches Niveau begründen. Die wiederum verpuffen, wenn an den Schnittstellen zur Handlung nicht genügend Klimpergeld in der Form von Aufmerksamkeit (s. Goldhaber) oder Geld vorhanden ist.

(alles ohne Gewähr)