Google und Gapminder

Google hat sich den schon bei Gapminder phantastischen Datenvisualisationen angenommen und noch phantastischer gemacht. So kann etwas aussehen, wenn man will und kann. Die Daten um Regierungsgüte zu vergleichen sind schon lange vorhanden. Aber von Transparenz kann keine Rede sein. Eurostat ist dagegen ein vielleicht gewolltes Datengrab.

via Google Blogoscoped

Ergänzung: Ebenfalls bei Google erhältlich ist ein Video über eine Präsentation des Gapminderprojekts. Unbedingt empfehlenswert!

Haditha

Ich verstehe ja das die Authentizitätsdebatten um opeltestende Boulevardblogger im Vordergrund unserer (noch) Spassgesellschaft stehen müssen, aber es passieren auch noch andere spassige Sachen. Z.B. entdecken die USA gerade ihr irakisches MyLai-Äquivalent: Haditha. Eine Meldung darüber wurde zwar vor 9 Tagen bei Digg eingereicht, hat es aber seit dem nur auf schlappe 2 Diggs gebracht. Im deutschen Sprachraum ist das Hinmetzeln von ein paar Dutzend irakischen Zivilisten sowieso kein Thema.

Da geschieht also vor über einem halben Jahr etwas was der Kongressabgeordnete John Murtha gestern als weit schlimmer als Abu Ghraib bezeichnet und das ganze soziale Softwaregeraffel westlich von Washington zeigt seine überlegene Urteilskraft in 2 „Diggs“.

Das Dreieick aus Macht – Einkommen / Vermögen – Aufmerksamkeit hat viele Spielarten. Eine davon heisst Brot und Spiele. Eine andere Verschwiegenheit. In „Der Leopard“ von Visconti gibt es eine Szene, in der einer der hohen Herren im Angesicht der schwankenden Machtverhältnisse das Bonmot ablässt: Es muss sich viel verändern, damit alles beim Alten bleibt.

Systemfortschritt

Gedankensplittermelange aus Luhmann, Systemtheorie, Spam, Aufmerksamkeitsökonomie. Ein Fortschritt dieses gesellschaftlichen Systems inklusive seines Wurmfortsatzes Internet wird nicht möglich sein, solange die Technologien nur dazu eingesetzt werden das Aufmerksamkeitsproblem für die agierenden Wettbewerber zu entscheiden, nicht gesellschaftlich zu lösen. Wenn die Technologien nur dazu dienen Werkzeuge in einem Nullsummenspiel der Aufmerksamkeit zu sein, ist jeder Teilnehmer – JEDER – immer nur Grade von einem Dasein als Spammer entfernt. Technologische Lösungen die das Aufmerksamkeitsproblem lösen wollen, werden das Individuum und damit die Quelle und ökonomische Grundlage dieser Mechanik eleminieren müssen. Gegewärtig paart sich Narzismus und Technologie noch prächtig.

Heilung von Krebs

Es gibt sie. Allerdings muss man dazu eine Maus sein, und in einem Labor der Wake Forest University in North Carolina leben und einer zufällig mutierten Art angehören. Seit 1999 bekommen Angehörige dieser Laborart weder durch implantieren noch injizieren von Tumorzellen verschiedenster Krebssorten keinen Krebs. Soweit man bis heute festgestellt hat, ist die Mutation dominant vererbbar und auf ein einziges Gen zurückzuführen. Da Mausmodelle meist nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind, liegt eine Therapie für Menschen noch in der Zukunft. Aber welcher? 2020? Nein? 2015? Hm.

Das diese Meldung nicht an prominentesten Stellen verbraten wurde erstaunt mich allerdings. Schliesslich soll einer Schätzung der University of Chicago zufolge alleine in den USA eine Therapie für Krebs einen volkswirtschaftlichen Wert von 50 Billionen Dollar haben.

Google Notebook, Betrachtungen

So, das sind also nun unsere Gedankensplitter, in einem recht brauchbaren Töölchen versammelt. Was passiert eigentlich wenn jemand diese Gedankensplitter sammeln würde, der gleichzeitig den größten Computer auf diesem Planeten sein Eigen nennt? Nur so rein hypothetisch. 😉
Aus meiner Sicht ist es nur ein Notizbuch das gewisse Vorzüge aufweist. Aus Googles Sicht wird es wohl wertvoller als der Index sein, weil es lebendiger als bloggen und näher am Puls der Noosphäre ist. Der Akt des Notierens war schon immer ein Akt der Bewertung.

Fernresumee des Stanford Singularity Summits

Obwohl fast 2000 Zuhörer am Stanford Singularity Summit teilgenommen haben sollen, ist die Bloglese im Moment noch spärlich. Wie Mike Treder andeutet, sollen Audiomitschnitte, alias im Newspeck: „Podcasts“, sowie Videos irgendwann nächste Woche downloadbar sein.

Die Themen der Vorträge boten wohl nichts Neues. Die üblichen Verdächtigen spulten ihre bekannten Thesen ab. Aus den Zusammenfassungen von Mike Treder erschliesst sich mir nicht, was Sebastian Thrun – ungeachtet seiner Verdienste in der Robotik – sowie Cory Doctorow zum Thema beizutragen hatten. Politik und Marketing, wie mir scheint.

Der wichtigste Fakt dieses Summits fiel mir gestern im Gespräch während eines Spaziergangs auf: In diesem Raum an der Stanford University befanden sich gestern nicht nur ein Haufen zukunftssüchtige Spinner und Genies, sondern auch Personen, die mit ihrem addierten, privaten Barvermögen (>ca 3 Mrd$) dieses Szenario nicht nur sondieren, sondern auch Wirklichkeit werden lassen können.

Würde man sich unvorgebildet aus diesen Vorträgen eine Meinung über das Konzept der Singularität bilden wollen, könnte leicht der Eindruck entstehen, „The Singualrity is Near“ oder dieses Szenario sei determiniert. Da liegt jedoch eine Crux begraben, der sich die wenigsten explizit stellen, oder stellen wollen.

Nichts, das in seinem Wesen anthropogen ist, ist in irgendeiner Weise automatisch „near“ oder gar determiniert. Dieser Strang der Argumentation, wie sie zB von Kurzweil auf die Spitze getrieben wird, schleicht sich aus der Verantwortung, das Konzept der Singularität für unsere Art ethisch zu begründen oder wie Yudkowsky und das Singularity Institut es versuchen, die Risiken einer AI für unsere Art zu minimieren. Nick Bostrum scheint mir dieser Sicht der Entwicklungen noch am nächsten zu kommen.

Indem Vertreter der deterministischen Argumentation wie Kurzweil, diesen Punkt unwesentlich erscheinen lassen, nehmen sie sich auch aus einer Verantwortung heraus, wie sie zB Yudkowsky ergreift. Weiterdenken angesagt…

Tag:

Der Begriff der Zukunft

Die Metapher der sich beschleunigenden Verhältnisse auf eine merkantile Beobachtung von Artefakten und Technologien zu reduzieren, heisst den Begriff der Zukunft, der in jedem Fall ein historischer und imaginärer ist, vollends seines utopischen Charakters zu berauben. Damit ist er erledigt. Die Singularität als Konzept und Begriff in ihrer ganzen eschatologischen Dimension, ist eines der Symptome dafür, das Zukunft in der Gegenwart beendet ist. Was bleibt sind Horxismen aus dem Kramladen der Marketingnesen, nachzulesen in hunderten Blogs, mit immer gleichem Vokabular. Ich bin mir noch nicht im klaren darüber welcher Begriff an seine Stelle treten kann.