Morphender Roboter auf der Robo-one in Tokio

In diesem Videoclip ist ein Roboter vom 9. Rob-One Wettbewerb vom 18/19 März zu sehen, der die Funktion seiner 4 Extremitäten fliessend neu definieren kann. Aus einem Bein wird ein Arm, und umgekehrt.

Für Momente schob sich das Bild eines zukünftigen Roboters vor mein geistiges Auge: ständig morphend, gestaltwandlerisch, sich der Aufgabe bis zur Unsichtbarkeit anpassend. Irgendwo hatte ich das schon mal gesehen. Dann fiel es mir ein: Moravecs Roboterbüsche! Die finale Konvergenz aus AI, Nanotechnologie und Robotik! Wird es zwischen diesem lustigen kleinen Burschen (Ha, ha! Annegret, komm mal kucken!) und Moravecs Vision Verbindungsglieder geben? Ich meine: Ja. Und jeder der dazwischen liegenden Meilensteine wird uns schwerer im Magen liegen. Bis auch der letzte Depp den Watzmann sieht.

Dysfunktionale Berichterstattung

Nicht alles was gewußt werden kann, wird auch wahrgenommen. Heute ist bei reddit an momentan 19. Stelle endlich ein Hinweis auf den Lagerauftrag, den Halliburton/KBR am 24. Januar auf ihren eigenen Seiten anzeigten. Der Mob nimmt es erst heute, schlappe 2 Monate später war. Das ist im Interesse derer, die später mal dort wohnen sollen, dysfunktional. Nicht disfunktional. Denn irgendwie – irgendwie – klappt die Berichterstattung ja. Aber was ist das für ein „irgendwie“, wenn eine Nachricht über einen 385Mio $ Lagerbauauftrag für Halliburton/KBR hier, in Germany auf meinen Seiten schon am 18. Februar zu lesen war aber sonst kaum wahrgenommen wird?

Trotz Internet, Blogs, RSS und was weiss ich noch alles: das Thema Relevanz steht noch ganz am Anfang eines heftig umkämpften Weges, der nicht zuletzt von jenen unter Beschuss steht, die derartige Meldungen lieber im Windschatten eines neuen iPod-Modelles absetzten. Wer ständig abgelenkt wird, muss sich nicht wundern, wenn er ausgeraubt wird…

Webmontag in Köln (nachher)

Meine persönliche Freiheit liegt darin, solche Veranstaltungen durch einen nichtmerkantilen Filter schicken zu dürfen. Klar, das dann immer noch viel mehr übrig bleibt, als bei so etwas Bizarrem wie die öffentliche Vorlesung von Blogtexten.

In den produktiven Gesprächen mit Rainer Wasserfuhr und Philipp Lenssen kristallisierte sich für uns ein wichtiges Kriterium heraus: WOZU?

Das Kriterium WOZU ist eines, das sich nur aus einer je umfänglichen Zukunftsvision beantworten lässt. Je umfänglicher diese ist, gar sich den evolutiven Grundströmungen der Menschheit beigesellt, desto dynamischer, überzeugender kann ein Produkt, eine Demo sein. In dieser Hinsicht werden viele Pferde leider nicht genug vom Ende her aufgezäumt oder die Frage mit einem einfachen:“Mehr Hafer!“ beantwortet.

Resumee: Verdammt viele, gute Rennpferde am Start, die definitiv nicht nur für Hafer rennen wollen.

Webmontag in Köln (vorher)

Die Denkfehler unserer wundersamen, egoischen Existenzen winden sich um die Phänomene der Welt, nur um sich in spielerischer Manier dem Sog der Zukunft und Vergangenheit zu ergeben. Wieviel von jedem, bleibt dem Wechselfall der persönlichen Prägung überlassen. Die Berührungsfläche mit dem Wunder jeder Zukunft ist seit je der Blindheit einer persönlichen Präferenz unterlegen, welche wiederum den grindigen Filtern unserer Ahnen ihre Grenzen verdankt. „Das verzogene Treusein unserer Gewohnheiten“ findet ihre Fingerwärme in der geistigen Haltung des Feujetong oder in allem was uns lächeln lässt. Der schroffe Bruch des wahren Neuen lässt sich nicht in den Kreis einer Gemeinschaft einführen, es bildet Gemeinschaften. So sind Tiere eben.

Video über Lebensverlängerung

Das Immortality Institut hat einen 1h45min Video über Lebensverlängerung produziert, der über Google Video zur Verfügung steht. Rappelvoll mit Interviews der üblichen Verdächtigen, die seit Anfang der 90iger auf diesem Feld und der logischen Verlängerung „technologische Singularität“ auffällig geworden sind. Das sagt sich so einfach im Jahre 2006, ist aber wieder nur ein Beispiel für beschleunigten technologischen Fortschritt. Damals nur Textfetzen in Lynx, das ich per Telnet in Freiburg auf einem Laborrechner starten musste um es über einen Zugang der Uni-Düsseldorf mit einem 12000er Modem rüber zu schaufeln – heute per Video und ein Click entfernt. So ein Video ändert natürlich nichts an den grundsätzlichen Problemen jeder Futuristik. Allenfalls, das die Eindrücklichkeit, mit der der Aufmerksamkeit heischende, serielle Kanal Video es ermöglicht aus Wahrscheinlichkeiten Bilder entstehen zu lassen, die eine unserer möglichen Zukünfte beschreiben. Um allen auf die Sprünge zu helfen, für die ein einfacher Textbeitrag nicht reicht um ihre Vorstellungskraft auf Touren zu bringen.

Robotik, Risiko und Gesellschaftsvertrag

Die Stabilität unserer Gesellschaft beruht zu großen Teilen auf der Rückversicherung von Risiko. Das Risiko, Opfer von Willkür zu werden, wird (sollte?) von unserem Rechtssystem abgefangen. Die Kosten einer Krankheit wird von speziellen Versicherungen getragen, Erwerbslosigkeit von der Arbeitslosenversicherung. Die in Jahrtausenden akkumulierte Erfahrung von Schmerz, Würdelosigkeit und Armut haben zur Erkenntnis geführt, das es Umstände gibt, die menschenunwürdig sind.

Was hat das mit Robotik zu tun? Eigentlich nichts, solange die klassischen individuellen Risiken durch gesellschaftliche Institutionen aufgefangen werden. Wenn dies allerdings zunehmend nicht mehr der Fall ist, warum sollten sich dann große Teile der Gesellschaft noch an diesen Vertrag halten? Ist diese Erkenntnis vielleicht schon in Teile der Gesellschaft eingesickert, mit der Folge das wir immer häufiger Zeugen scheinbar irrationaler Phänomene werden, die den Gesellschaftsvertrag ironisieren, umgehen oder ignorieren?

Stabilität in komplexen Systemen ist das Ergebniss sehr ausgeklügelter Regelkreise mit postivem und negativem Feedback. Feedback, das gedämpft oder verstärkt werden kann. In komplexen Systemen einigen Regelkreisen die Dämpfung wegzuregeln kann zu interessanten Phänomenen führen, die allerdings nicht mit dem Begriff Stabilität bezeichnet werden können.

Paradoxerweise ist der Tritt, den dieser Roboter (WMV, 11Mb) von einem seiner Schöpfer empfängt, ein Tritt den wir alle empfangen werden. Aber werden wir auch wie dieser Roboter ein neues Gleichgewicht finden? Und wieder die Frage: Für alle oder Wenige?

Zooomer versus Flickr

Der Flickr-Clon Zooomer, über den bei Slashdot berichtet wurde, macht mich grübeln.

Wie man den dortigen Kommentaren entnehmen kann und mir meine Ahnung schon lange zuraunt sind derartige Ideen keine Grenzerfahrungen der Informatik. Es gibt da draussen global betrachtet – der einzigste Maßstab, der in diesen Belangen zählt – tausende 17-jährige die so etwas in 3 Monaten programmieren können. Der Unterschied liegt in der Aufmerksamkeit und den Finanzen die solchen Ideen schnell, sehr schnell zukommen müssen. Die Flaschenhälse Geld und Aufmerksamkeit bestimmen also ob Ideen genügend Dynamik aufbauen und ertragen können. Nicht der Grad der programmiertechnischen Schwierigkeit ist es, der eine massentaugliche Idee anziehend macht, sondern Geld und Aufmerksamkeit. Und dafür gibt es seit Ewigkeiten ein Wort: Marketing. Ob Gonzo, Guerilla, Viral, Postkarte: egal. Und darum erfasst mich eine komplexe Langeweile, was all diese Web 2.0 Projekte und Ideen betrifft. Denn was schliesslich aus dem Rauschen der Ideen und Projekte da draussen so weit herausgehoben wird (von wem?), das es wahrgenommen wird, werden soll, ist nicht das, was technologisch Grenzen testet oder gar für globale Belange wichtig wäre, nein, es sind durchgedrückte Kisten, die sogar im weiteren Verlauf der Entwicklung besseren Ideen im Wege stehen, und stehen sollen. (Wer würde schon nach dem tausendsten Foto für 5 Features mehr von Flickr nach Zooomer wechseln?)

Ich warte also weiterhin auf die wirklich beschleunigenden, den globalen IQ hebenden Projekte, vergleichbar 1/3 Internet (geschätzt).

Schwarze Löcher ade?

Dem wissenschaftlichen Weltbild wird normalerweise Rücksichtslosigkeit gegenüber jeder religösen oder gar magischen Weltsicht vorgeworfen. Aber wie rücksichtlos Wissenschaftler wirklich sein können, ist just in astrophysikalischen Belangen zu beobachten. Nichts ist wahren Wissenschaftlern heilig, noch nicht mal unsere geliebten schwarzen Löcher.

Was können Astrophysiker dafür, das eine ganze Schwarze-Löcher-Industrie von diesem astrophysikalischen Konstrukt abhängig ist? Das gar Maximiliam Schell damit schon sein Geld verdient hat. Nichts da. Es war nur ein Konstrukt, und wenn eine bessere Theorie daher kommt, die frei nach Occam mit weniger Hypothesen mehr Phänomene erklären kann, dann frei nach Popper: her damit! Und schon stehen alle SF-Autoren, Drehbuchautoren oder Filmstars dumm da. Eine Kirche der Schwarzen Löcher hätte jetzt alle Hände voll zu tun, die Häretiker zu bekämpfen. Im Wissenschaftsbetrieb spart man sich diese Kräfte fürs Nachdenken auf.