Trittstufen

Das Panoptikum der menschlichen Leistungen ist für den, dessen eigene Existenz Anfang und Ende ist, ein Sturzbach unverbundener Perlen, die auf die Schnur seiner Interessen gefädelt werden können.
Wer allerdings aus sich heraustritt, findet eine Schnur, die durch alle Werke hindurchschimmert und sich selbst befruchtend Trittstufen bildet, die den trägt, der sich vergisst. Selbstvergessen ergreift der Träumer den Traum, wird ergriffen und ist. Jede Stufe darf die letzte sein. Die filigranen Arme Orions bieten Raum für viele Versuche. Bewusstsein ist gesichtslos.

Handelsblatt Bloglesung: Rücksturz in die Tagebuchdefinition

Mit aller Macht füttern da einige Zeitgenossen die unbedarfte Definition, Blogs seien diese Tagebücher im Internet. Die immer gleichen 3 bis 6 Zeitgenossen werden dazu penetrant durch die Republik gereicht und dürfen ihre Boulevardtexte vorlesen. Bizarr.

Das Handelsblatt auf der anderen Seite kann natürlich nicht den Eindruck aufkommen lassen, Blogs könnten eine ergänzende, gar alternative Informationsquelle zu Holzmedien sein. Insofern also verständlich, wenn Boulevardtexte hervorgekramt werden und als Blogbeispiele präsentiert werden. Da passt was.

Lichtblick: All die Blogger, die nicht in das Schema dieser baggernden „Claimer“ passen und im Vorraum fröhlich Handelsblattbier und -wein genossen. Die Einen machen einfach nur, die Anderen müssen mit aller Macht was draus machen.

Beschleunigungsbeispiel: OneBillionMazes

Das Beispiel mag trivial erscheinen, demonstriert aber wunderbar wie technologische Beschleunigung zur Vernichtung einer ganzen Industrie führt. In diesem Fall der Markt für Labyrinthe. Wenn vor OneBillionMazes sich Anbieter mit tausenden Labyrinthen brüsteten, dann war das gleichzusetzen mit einer fast marktbeherrschenden Stellung. Nach OneBillionMazes grenzt es an Lächerlichkeit.

Von dieser Sorte sind Geschäftsideen, die dem 21.Jahrhundert entsprechen:

Nicht: Sie können aus hunderten von Templates auswählen, sondern: Sie können aus allen denkbaren Templates auswählen.

Nicht: Wir bieten 5 Modelle an, sondern: Wir bieten alle denkbaren Modelle an.

Nicht: One size fits all, sondern: All sizes. Punkt.

Bedürfnisse die algorithmisch erfassbar sind, sind monopolisierbar.

Morphologische Fragen zur Zukunft

Die überraschenden Erscheinungen auf dem gesellschaftlichen und technologischen Feld, das wir Zukunft nennnen, sind das Ergebnis ständiger Rekombination und Feedbacks aller Teilbereiche von Wissenschaft und Technologie untereinander. Überraschung resultiert einerseits aus Uninformiertheit, andererseits aus fehlender Vollständigkeit. Beides ist jedoch immer das Ergebnis einer emotionalen Bindung an ein Spezialthema, mit all seinen kleinen und großen Dramen.

Um alle Möglichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten gewichten zu können, wäre eigentlich ein riesiger morphologischer Kasten nach Zwicky nötig. Onkel Siggi hat so einen Kasten. Seit Jahren. Zwar nicht riesig aber fein.

Und was noch schöner ist: Er generiert mir automatisch Fragen, die zwar grammatisch unsauber sind, aber dadurch viel eher dem ad-hominem-Filter entkommen können, da sie ja offensichtlich einer neutralen, blöden Maschine entsprungen sind. Oft scheitern ja großartige Ideen an einer fehlenden Krawatte oder an einem Kommafehler. Und wenn Buchhalternaturen in einem Spitze sind, dann im Finden des sprichwörtlichen Haars in der Suppe.

Hier also eine kleine Demonstration zufälliger Fragen über Zukunft, Technologie und Gesellschaft. Fortsetzung garantiert. Der Schwerpunkt dieses Fragenkatalogs liegt auf den qualitativen Folgen der Beeinflussung eines Gebiets durch ein anderes.

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Zukunft für Alle

Ja sie kann anders sein, unsere Zukunft. Anders als die von Milliarden, die vor uns je in eine grau-grauselige Zukunft erwachten. Jeden und jeden Morgen und das für ein paar wenige Jahrzehnte. Die größte aller politischen Forderungen, die wir stellen können ist: Utopia für alle! An diesem Allquantor scheiden sich nämlich die Geister. Darin liegt die ganze Politik und Macht begraben. Gated – nein: Closed! communities wie The World oder andere Superreichenhabitate sind keine Antwort auf eine Zukunft, die mich mitnehmen möchte. Lagerbau a la KBR ist keine Zukunft für alle.

Das faszinierende Versprechen, das Technologie je innewohnte, ist immer nur die Entdeckung unseres eigenen Wesens. Welche dieser Ent-deckungen letztlich zum Tragen kommt, ist allerdings eine Frage der Macht. Und das ist das depressive Erwachen für viele Leute, die sich nach allem geblogge, ge-iPodde oder rationaler Verarbeitung so faszinierender Themen wie zB der technologischen Singularität umdrehen und merken, das letztlich wieder nur die alten Bruderschaften, Rotaryclubs oder Hinterzimmer zum Zuge gekommen sind. Leute die nie auch nur nötig hatten einem „OpenBC-Club“ beizutreten. Leute die in Yale fast scheiterten, nur um doch noch Präsident zu werden. Langlebigkeit, Nanotechnologie und künstliche Intelligenz sind die politischen Themen des 21. Jahrhunderts. Im Angesicht ihrer Möglichkeit wird es zu einem Showdown kommen, das sich an dem einen kleinen Wörtchen „alle“ entzünden wird.

(aus Anlass der Zukunftsdepression von Future-Hi)

Lager

Seit über einer Woche wispert eine Nachricht in meinem Hinterkopf, die ich eigentlich nicht verstehe. Oder nicht verstehen will. Zumal die Nachricht selbst im Land, das davon betroffen ist, keine große Empörung hervorgerufen hat. Also was geht es mich an? Vielleicht weil der Begriff „Lager“ in Deutschland einen anderen Klang hat? Man stelle sich hypothetisch vor: Eine Tochterfirma des Mutterkonzerns, deren Direktor bis Mitte 2000 der jetzige Vize-Bundeskanzler war, erhält den Auftrag „Lager“ im Wert von ca 300 Millionen Euro zu bauen, die im Notfall (?) auch schnell aufgestockt werden können. Der vorgebliche Grund: Der plötzliche Zustrom von Immigranten. Rechnet man von der Bausumme aus rückwärts, dann kann man dahinter ein Szenario vermuten, das davon ausgeht, daß ca 50- bis 100 000 Bürger oder „Immigranten“ unter gewissen Umständen schnell zu staatlicher Kost und Logis überredet werden müssen. In Deutschland – nein Europa undenkbar.

In den USA vor ca 2 Wochen passiert. Ohne großen Wirbel wurde in kleinen Meldungen abgehakt, das die Tochterfirma KBR von Halliburton, deren Chef ja bekanntermassen Vize-Präsident Cheney bis August 2000 war, den Auftrag erhält, für 385 Millionen Dollar Lager für einen „emergency influx of immigrants“ zu bauen.

Auf welche politischen Umstände bereitet sich eine Regierung mit einer 385 Millionen Dollar Investition vor, die beinhaltet ca. 50- bis 100 000 Menschen schnell (emergency) wegzusperren? Eine plötzliche Einwanderungslawine aus Kanada?

Singularity Summit an der Stanford University

Am 13. Mai von 9 bis 17 Uhr organisiert das Singularity Institut an der Stanford University ein Singularity Summit. Das Thema dürfte klar sein. Wenn ich nicht gerade Termine in Tokio hätte, wäre ich sehr neugierg darauf, was in einem Raum verhandelt werden kann, in dem sich neben anderen illustren, zukunftsrelevanten Personen zur gleichen Zeit:

  • Eric Drexler
  • Steve Jurvetson
  • Ray Kurzweil
  • Christine Peterson
  • John Smart
  • Peter Thiel (ex PayPal)
  • Eliezer Yudkowsky

aufhalten.

Zur Differenz von “Schnell” und “Beschleunigend”

Eine Nachricht die schnell sein will, kann oder muss, stabilisiert einen Status Quo.

Im Wettlauf um die Schnelligkeit, vulgo Aktualität, zählt die Diffusionsfähigkeit der Nachricht oder Information.

Schnelle Nachrichten oder Informationen müssen das Pathos der endlichen Spiele (siehe JP Carse) perpetuieren.

Beschleunigende Nachrichten oder Informationen etablieren ein neues Niveau, sind somit grundsätzlich.

Die grundsätzliche Natur beschleunigender Nachrichten oder Informationen impliziert ihre Schwerverdaulichkeit.

Beschleunigende Nachrichten oder Informationen haben kein Verfallsdatum.

Beschleunigende Nachrichten oder Informationen sind konkurrenzlos und ubiquitär.

Nachtrag 11:40: Alles was nur schnell sein kann, unterliegt in Zukunft einer exponentiellen Entwertung.