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Das ist ein großes Rätsel, diese unsere Existenz. Es wogt hin und her und der Schmerz spielt sein Stelldichein, die Freude tanzt mit dem Glück einen Tag lang. Das Ich blickt auf die Spanne und zählt Bits. Wägt Szenarios, entdeckt Pfade, die der spirituellen Folklore verborgen bleiben. Dies und Das wird geschehen, und den Moment blenden. Was uns jedoch taub machen könnte gegen den Lärm, ist die Frage ob es Fortschritt gibt. Wenn ja, dann ist dem gelebten Moment die Möglichkeit eines individuellen Wirkungsquantums eingeprägt, das auf ein Omega hinstrebt. Daran scheitern ist fruchtbarer als jeder Erfolg.

Die Reise des Genotyps…

…ist eine Eiswüste für jedes Element. Sicher im Warmen stehen und auf die Wüsten schauen, die mit dem Begriff Evolution entschärft werden sollen, möchte jeder. Aber nichts da, hier wird täglich der Reifen geschmirgelt. Hin und wieder rotten sich die Elemente zusammen wie auf der Pop-Tech und rätseln was da gerade angerichtet wird und obs wyrd. Wer den Blick auf die Art nicht wagen möchte, blendet sich mit kurzfristigerem Zählwerk, wie News, Gadgets, Memen und Positivkissen. Kann immer schneller bedient werden. Der Blick auf das große Wozu wird (wyrd? – nein) wohlfeil erstickt. Aber selbst wer Zugang zu einer der vielen anthroplogischen Varianten der Sinnversicherung hat ist dabei ein Rennen zu verlieren. Das Rennen zwischen Phäno- und Genotyp.

Jetzt: Kombinatorische Komplexität

Seit 2 Tagen geht mir ein Begriff den ich bei Clay Shirky aufschnappte nicht aus den Lobi: Kombinatorische Komplexität.

Genau das ist es was wir gerade beobachten können. Die kombinatorische Zusammentstellung von qualitativen Relationen. Leider so viel das es gleichzeitig komplex wyrd. Ein evolutionärer Schrotschuß um etwas zu installieren, das jemand in den dortigen Fussnoten als „computer-mediated noosphere“ bezeichnet. Bingo.

Die Rekombinatorik jeglicher sozialer Qualitäten sind seit je der Gradient, aus dem die Dynamik gesellschaftlichen Lebens ihre Kraft gewinnt. Nun jedoch global (planetar, wie Chardin sich beliebt auszudrücken), technisch vermittelt und lediglich an Sprachgrenzen gebunden. Die revitalisierende Dynamik, die dabei von Subkulturen (im soz. Sinne) ausgehen kann, gewinnt damit beschleunigende Vehikel. Reed´s Law rulez! Und Metcalfe verkauft das Hardwarezwischen. Netze in Netzen in Netzen…Kultur wird zur Summe dieser Netze. Da man nur an einer begrenzten Teilmenge an Netzen teilhaben kann, stellt sich die Frage nach den Prioritäten, die man aus dem eigenen Wertesystem ableitet. F.f.

Geistestraining

Für die vor uns liegenden Zeiten ständigen technologischen Wandels und die sich ständig akkumulierende Befähigung ist ein kompletter Mind-Wandel nötig. Die Basis ist faktische Informiertheit, also Aggregatorenoverflow und naturwissenschaftliche Grundbildung.

Sorry. Da retirieren schon viele lieber in den Liegestuhl. Auf dieser Fülle hockt ein Geisteszustand der intuitiv arbeitet und den „Vektor“ in Millisekunden erkennt. Rational lässt sich natürlich die Bedeutung eines Faktoids nachträglich ableiten, aber der eigentliche Akt des Erkennnes entsteht in sehr kurzer Zeit. Nicht unähnlich der Qualität eines großen Kunstwerks: ES springt einen an.

Alles andere ist Marketing und Berlin-Mitte-Sprech. In Abwandlung des Klassikers von Bruno de Finetti: Die Kunst des Sehens in der Mathematik, Birkhäuser Verlag, Basel 1974 könnte man formulieren: Die Kunst des Sehens in beschleunigten Zeiten.

Dringlichkeit – Urgency

Tom Peters stellt neuerdings die Eieruhr auf 26 Minuten. Der Takt, in dem Fabriken in China plöpp machen. Das Thema: Urgency. Nicht die aufgeregte Teenieunruhe oder das hyperaktive Erfolgseminarhüpfen. No. Der Laden nimmt einfach nur Tempo auf und der Druck der Beschleunigungswelle trifft in Deutschland auf Landschaften, die Unterwassergespräche führen. Führen werden. Dringlichkeit erschliesst sich nur dem, der Vokabeln wie „zielführend“ fallen lässt, im Ausstausch gegen generelle Zukunftslust. Zitat Snatch: Ich bekomme Sodbrennen. Tun Sie etwas Schreckliches. Etwas schrecklich Schönes. Hören Sie Björk.

In the hope of reading Kurt

Während ich mich durch den morgendlichen Aggregatorenschlamm clicke und mutwillig Seitenpfade betrete, schwillt langsam ein Futureflash den Nacken hoch. Laszlo Presentation Server seit 4.Oktober Opensource. Ok. Verkraftbar, wenn auch verdammt fettes WOW. Sofortiger Download auf die Halde. Braineinsatz wenn Zeit. Ideen genug. 8 Clicks weiter die Flashstadtkarte aus Satellitenfoto mit Kartenoverlay. Mittleres WOW. Irgendwo anders Andeutungen das der Einsatz von Laszlo im Bildungsbereich schon angedacht wird. Ort? Nordrhein-Westfalen. Harr.

Biologischer Flashback auf meinen Blogworkshop im DGB-Bildungszentrum Hattingen. Ich denke an die jungen Menschen, in deren Gehirne ich mutwillig den Informationsoverflowfeuerwehrschlauch installierte. Da wächst eine – aus der Alter-Sack-Generations-Perspektive – interessante Bevölkerungsgruppe heran. Linux und Windows egal. Use it and forget-about-it. Zwar erzeugt die Andeutung der Beschleunigung des technologischen Fortflashs noch leichte Irritationen (es ist schliesslich ihre Zukunft) aber nicht dieses fundamentalistische Armfuchteln wie bei älteren Herrschaften zumal humanistischer Bildungsgrade. Im Nebenraum sass der Kurt Jansson und Wikimediaworkshoppte. Jeder kennt die deutsche Wikipedia. Aber nicht jeder kennt unbedingt Kurt. 2 Meter, cool-klug, Zwirbelbärtchen und Erster Vorsitzender der Wikimedia Deutschland.

Das ist so grade noch tolerabel ;-), was ich aber nicht durchgehen lassen konnte, war die schockierende Entdeckung das Kurt nicht bloggt!! Kann da jemand mal den lieben Kurt Blogstalken oder Stalkbloggen oder Blogmäeuten?

Tja, und dann möchte ich noch auf Guido Brombach hinweisen. Der verkraftet auch zwei Feuerwehrschläuche. Danke nach Hattingen! Jederzeit gerne wieder!

Radikale Lebensverlängerung

Nicht das wir mit den üblichen Verdächtigen (NBIC) in allen Zukunftsszenarien schon genug Spass am Spekulieren hätten – nein, an der Dauer des Spasshabens wird auch noch geschraubt. Nicht unengagiert.

Es ist seit fast 70 Jahren bekannt das kalorienrestriktive Ernährung bei Säugetieren zur Lebensverlängerung führt. Die billigen, aber verlockenden Scherze über „kalorienrestriktiv“ spare ich mir mal. Nun kommt da jemand daher – nun ja er schlendert eher seit über 10 Jahren – und zeigt mit seinem forschenden Finger auf ein Gen. Ein einziges. Uno. Vielleicht hängen noch ein paar Proteine dran, aber im wesentlichen dreht es sich um einen dieser kleinen Racker mit dem putzigen Namen SIR2, der da eine durchaus gesunde Kaskade in Gang setzen soll, wenn man, ja wenn man ähäm „kalorienrestriktiv“ mümmelt. Mittlerweile sind 2 (zwei) Firmen mit grimmig entschlossenen Kittelteams dem Racker auf den Spuren, die erwarten den Mechanismus hinter SIR2 innerhalb der nächsten 10 Jahre soweit zu entschlüsseln das man ihn gezielt beeinflussen kann.

Und dann? Lebensverlängerung um 30 – 50 %. Und die zunehmende Wahrscheinlichkeit das innerhalb dieser Lebensspanne weitere Entwicklungen oder Entdeckungen zu einer weiteren Lebensverlängerung führen können.

Und dann? Der immer unwahrscheinlicher werdende Fall, das niemals künstliche Intelligenz oder Bottom-Up Nanotechnologie während der eigenen Lebenszeit entwickelt wird. Um mit dem nicht kalorienrestriktiv ernährten Herman Kahn zu sprechen: Ihr werdet es erleben! Und nun?

Werkzeuge, Niveaus, Fortschritt

Es hängt vom jeweiligen psychischen Entwicklungsniveau ab, wie Probleme, auf die Menschen treffen interpretiert und gelöst werden. Fortschritt – gerade beschleunigter – gehört auch dazu. Während die Fähigkeit sich etwas überhaupt zu nutze machen zu können vom kognitiven Niveau abhängt, ist das moralische Niveau dafür zuständig ob und wofür die Werkzeuge genutzt werden sollen. Womit wieder Onkel Kohlberg an die Tür klopft. Denkbar wäre eine Kreuztabelle mit den (6) Stufen der moralischen Entwicklung als Zeilen, den Gadgets und Artefakten der technologischen Entwicklung als Spalten und dem jeweiligen Reaktions- und Bewertungsrepertoire als Zellinhalte. Das moralische Entwicklungsniveau ist der aktive, spontane Filter durch den ich ein Werkzeug wie z.B. Blogs bewerte um dann zu handeln.

Schaut man sich die Tabelle der Stufen an, erkennt man ohne weiteres bekannte und erlebte Reaktionsweisen, die sich bis in institutionelle Richtlinien zurückverfolgen lassen. Auch Organisationen verkörpern ein moralisches Entwicklungsniveau.

Die Frage und Hoffnung die sich daraus ergibt lautet: Gibt es Werkzeuge die Individuen oder Organisationen auf ein höheres Entwicklungsniveau stressen? „Lernen 3“ im Sinne von Gregory Bateson.

Die 3 Säulen einer Singularität

Die 3 Säulen der Singularitäts-Hypothese sind soweit ich das überblicke:

Künstliche Intelligenz
Nanotechnologie (bottom-up)
AI (augmented intelligence)

Robotik bringt nur Unordnung in den prä-Singularitätsschlamassel, ist also nur revolutionär… 😉

2 Eigenschaften dieser 3 Gebiete treiben die Wahrscheinlichkeit für ein Singularitäts-Szenario in unangenehme Höhen. Einerseits gibt es DIE künstliche Intelligenz genauso wenig wie es DIE Nanotechnologie oder DAS Gebiet der Augmented Intelligence gibt. Weil jede dieser Disziplinen aus hunderten von Projekten besteht, die in vielen Nationen über den ganzen Globus verstreut täglich scheitern oder neu erfunden werden.

Über Jahrzehnte findet ein verteiltes Schrotschiessen auf ein Ziel statt, das noch nicht einmal den Zielenden explizit bekannt sein muss. Innerhalb der Noosphäre findet also ein evolutiver Auswahlprozeß statt, der nur maximale Verdichtung und Unwahrscheinlichkeit als Gradienten anerkennt. Der andere Faktor ist (Gähn) natürlich Moores Law.

In allen 3 Gebieten wird täglich in großen, vitalisierenden Schlucken aus dem sea of gates getrunken, um uns regelmässig Verdauungsprodukte zu servieren, die bis zur Unverdaulichkeit futuristisch sein können. Wesentlich ist aber, das diese Verdauungsprodukte zum Teil die Diät des Kochs sind und ihn im 18-monatigen Rhythmus rosiger und kräftiger werden lassen. Bon Appetit!

Filter Werte Weltdeutung

Die Optik mit der ich auf die Technologien und Entwicklungen in dieser Welt schaue, bestimmt auch welchen Trend ich zu sehen meine und wie ich ihn bewerte. Wo der Eine den Untergang der Welt sieht, entdecken andere den Aufgang einer neuen. Filter und Wertesysteme sind die Reflexzonen unserer Weltdeutungen.

Gleichzeitig ist die Sozialisation und Initiation in eine Weltdeutungskultur – ob Wissenschaft, Attac oder Kneipe an der Ecke – Garant dafür, das gesehen wird, was gesehen werden muss. Solange gesellschaftliche Veränderungen langsamer als die Entwicklung der Weltmodelle erfolgte ging das noch an.

Was aber wenn sich die Veränderungen in Zyklen einstellen, die der Modellentwicklung keine Zeit lässt? Bizarr. Genau: Bizarr. Die Deutungen werden bizarr. Was gestern noch ein funktionierendes Vergrößerungsglas war, kann unter den heutigen, beschleunigten Bedingungen zum Kirmesspiegel werden. Bestes Beispiel der Prozeß gegen Alvar Freude.