Teilhard de Chardin, Mein Universum, 1924

Oh ja! Es ist sehr dunkel vor uns! Und die Sterne sind nicht mehr da, wenn es darum geht, den Standort im Universum zu bestimmen. – Etwas jedoch scheint gewiß. Das Geräusch der Wogen, das wir vernehmen, ist nicht nur das ungeordnete Schlagen der Fluten gegen die Flanken unseres Schiffes. Hinzu kommt noch das besondere Rauschen des Wassers unter dem Kiel. Das Land, dem wir entgegensegeln, ist vielleicht unbekannt. Das ist unwichtig. Auf jeden Fall sind wir nicht ein nach dem Zufall treibendes Objekt. Es gibt einen Sinn der Dinge. Wir kommen voran. Wir schreiten voran.

Das 1000$-Genom

Dieweil man in die eine Richtung starrt und versucht die Richtung des heranstürmenden Büffels zu kalkulieren (schlau, schlau!), hört man plötzlich aus entgegengesetzter Richtung ebenfalls das unverwechselbare Getrommel des Fortschritts. Auf vielen Beinen.
Die Gen-Gemeinde will das 1000$-Genom. Während es jetzt 10 Mio oder mehr kostet ein Säugetier zu entziffern, soll der Vorgang in 5 Jahren nur noch 100000 kosten und in 10 Jahren nur noch 1000. Und da wir nicht hoffen können das dann jemand auf die Glocke schlägt und verkündet: Billiger sequenzieren ist verboten! – wird man leicht prognostizieren können das danach irgendwer den Job für 100 Bucks hinbekommt.
Damit dürfte ein riesiger Markt entstehen. Allerdings ein Einmalmarkt. Leider nur im mehrstelligen Milliardenbereich und mit J. Craig Venter als Mitspieler.
Jede Klitsche die in einer Krise ihre SWOT-Analyse macht und gleich noch eine PEST-Umschau dranhängt sollte derartige Monolithen auf dem Radar haben. Staaten natürlich auch, denn das so etwas keine Folgen hat wäre vermessen anzunehmen, oder?

Lineare Kreativität ist tote Kreativität

Dieser Hinweis auf eine kreative Katastrophe lässt mich grübeln. Edward DeBono gilt gemeinhin als der Vertreter praktikabler Kreativitätstechniken. Weltbestseller und Kreativität als Schulfach in Venezuela gehen auf seine Rechnung.

Was mir jedoch in dieser Gesprächsrunde auffällt ist der eklatante Mangel etwas zu visionieren, das von exponentiellen Funktionen beherrscht wird, wie zum Beispiel Moores Law. Die Exponenten von Futuristik und Kreativität haben also derartige Konzepte nicht auf dem Radar oder weit schlimmer: auf Radar, aber nicht begriffen.

Was sagt mir das? Es erinnert mich fatal an parallele Entwicklungen in der Science Fiction. Nachdem Nanotechnologie und Singularität in einigen Plots Ende 80iger, Anfang 90iger angetippt wurden, drifteten viele bekannte Autoren in die Fantasy ab. Warum? Singularität ist nicht verkaufbar, ist der ultimative Plot, der menschliche, archetypische Szenarien übersteigt. Hier auf dem Gebiet der Futuristik ein ähnliche Vorgang: Konsequentes Durchdenken der Dynamiken ist der Zielgruppe der Kreativitätsgurus und Futuristen nicht anzudrehen. Was bleibt übrig? Ein pathetischer Kreativitätsgestus der einmal in den 60igern modern war.

Ralph Waldo Emerson, Selbstvertrauen


„…Es wird eine Übereinstimmung auch in den verschiedenartigsten Handlungen geben, wenn sie nur jede zu ihrer Zeit ehrlich und natürlich sind. Da sie einem Willen entspringen, werden die Handlungen harmonisch sein, wie ungleich sie auch erscheinen mögen. Jene Unterschiede verschwinden in einiger Entfernung und Gedankenhöhe aus dem Blick. Eine Tendenz vereinigt sie alle. Der Kurs des besten Schiffes ist eine Zickzacklinie von zahlreichen Kursänderungen. Betrachte diese Linie aus hinreichender Entfernung, und sie glättet sich zu einer Durchschnittsrichtung. Deine wahre Handlung wird sich selbst erklären und wird deine übrigen wahren Handlungen erklären. Dein Konformismus erklärt nichts. Handle selbstständig, und deine früheren selbstständigen Handlungen werden dich nun rechtfertigen. Größe wendet sich an die Zukunft.“

Timeline aus der Vergangenheit

Aus den Tiefen meiner digitalen Archive. Ein Diagramm das ich circa 1997 aus Anlass einiger Vorträge über die technologische Singularität entworfen habe.

Singularity Timeline Zukunft

Einiges war damals schon klar vorgezeichnet, einiges ist wieder vom Radar verschwunden wie z.B. Hugo deGaris und seine BrainBuilderei. Plattenspeicher: unterschätzt. Der Robotikstrang müsste heute weit in den Vordergrund gerückt werden, sowie alle Entwicklungen rund um die lütten RFIDs. Die Rechengeschwindigkeit von Supercomputern entwickelt sich ganz nach Projektion, eher das sie sich ein wenig durch unerwartete Durchbrüche noch beschleunigt. Schrittmacher für alles ist natürlich wie gehabt Moore´s Law.

Was fehlt und ein neues Diagramm erforderlich macht: WiFi, XML, Grid-Computing, Softwareproduktivität… Manche dieser Stränge sind nicht so klar zu fassen wie die Anzahl der Transistoren auf einem Chip, und können unerwartete Sprünge machen.

In so einem Rahmen fällt dann auch auf, das Phänomene wie Blogs und RSS/XML disruptiv in dem Sinne sind, das sie keine gewaltigen technologischen Durchbrüche benötigt haben, sondern eher einfache Ideen sind, die einem Bedürfnis entgegenkommen. So etwas kann – nein wird! – immer wieder passieren.

Ein weites Feld für jedes Szenariodenken ist die Interaktion zwischen diesen Technologiesträngen, sowie ihre gesellschaftlichen Auswirkungen. Ein weites Feld, auf dem mancher schutzlos im Sturm stehen wird. Segel setzen oder einholen?

Dich wundert nicht des Sturmes Wucht,
du hast ihn wachsen sehn;

Rilke

Kollektive Intelligenz

Die Frage die hinter all dem lauert ist ja doch: Lohnt es sich in dem Sinne, das eine Emergenz kollektiver Intelligenz durch das ganze Blog- oder Sonstwas-Theater entsteht und kann diese (hypothetische) kollektive Intelligenz sich dabei erhöhen? Wenn durch den Trend zur Öffentlichmachung jedweden geistigen Gutes lediglich das Blödrauschen erhöht würde, könnte man auf noch-nicht-mal-ignorieren umschalten. Brot und Spiele in digitaler Form.
Ich kann mich allerdings nicht des Eindrucks erwehren das durch die heftige Verknüpfung – zumal durch RSS – eine Dynamisierung des Wissensflusses entsteht, die einerseits Kollektivität vorraussetzt und andererseits eine Art Verarbeitungsdruck entstehen lässt der zu erhöhtem Glukoseverbrauch in dieser unansehnlichen Masse zwischen den Ohren führt…So what?

Vom Ende her denken

Die Bedeutung eines gegenwärtigen Details ergibt sich immer aus dem Ende, zu dem es beiträgt. Wenn wir davon ausgehen das Blogs recht hölzerne, prähistorische Werkzeuge auf einem Weg sind, dann stellt sich dringend die Frage: Zu welchem Ziel tragen sie bei?

Meine Antwort: Kommunion. Oder sowas. Teilen dessen, was man aus der Gesamtheit des eigenen, geistigen Lebens für die Öffentlichkeit freigibt und fliessen lassen will. Woraus auch das Pathos mancher Blogs resultiert, denn jede dieser Trennungen ist immer künstlich und muss im Gestus gerechtfertigt werden.

Aber es geht ja nicht um Blogs. Es geht um den Bereich, den man öffentlich macht und damit um „personal publishing“. Darauf läufts hinaus. Und da wäre das Endziel, das alles was ich zum öffentlichen Teil meines geistigen Lebens erkläre instant jedem auf Terra potentiell zur Verfügung steht. Ohne das mir die technischen Vermittlungen sichtbar sind. Ob chronological reverse, statische Webseiten, gepelptes Pupsen oder XML: Einzig die bewusste Entscheidung etwas als öffentlich zu erklären wird in Zukunft auffallen. Die Identifikation mit pMachine, MT, WordPress, Mambo oder Säbelzahntigerfelle ist prähistorisches Stammesdenken ohne Sinn für evolutionäre Horizonte.

Wenn diese sich berührenden öffentlichen Sphären die Herzen einer zukünftigen planetaren Kommunion werden wollen, dann könnte sich XML zum Blut des gesamten Kreislauf entwickeln. Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anders sagen. Mal wieder.

Rumi

„Humankind is being led along an evolving course…and though we seem to be sleeping, there is an inner wakefulness that directs the dream, and that will eventually startle us back to the truth of who we are.“
– Rumi, aus „The Dream That Must Be Interpreted“

Indiz 23-12

Wundersam folgerichtig das in der Gemeinde des Knowledgemanagement die Diskussion um „Trust“, Vertrauen und seine Funktion im Wissensfluss lange Threads auslöst. Natürlich kann das nicht unerwartet sein. Abgesehen vom formalisierbaren Aspekt der Wahrheit ist da ja die Frage des Kanals. Und wenn der biologisch ist, landet man beim Thema. Was folgt daraus? Firmen die sich damit nicht auseinandersetzten, geraten in einen Zustand den man mit Bacon als ein „langsames Gehen“ bezeichnen könnte. Zu langsam.
Das erinnert mich an einen Verdacht den ich vor langer Zeit hegte: Ein System – nennen wir es Firma – kann in der Dynamik des 21. Jahrhunderts nur bestehen wenn die Teilnehmer Eigenschaften in sich realisieren die man vormals im transpersonalen Spektrum ausgemacht hatte. Und zwar integriert und nicht isoliert wunderkerzenmässig.