Soziologie und Big Data

„Ich merke, dass heute ein wenig Unmut meinen Text durchzieht. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Eine solche Launigkeit schätze ich gar nicht, deshalb mache ich nun einen Punkt.“

Heisst wohl: die schlafen einen arroganten, geisteswissenschaftlichen Schlaf, sozusagen einen Kusyschlummer. Das wird sich rächen. Oder rationalisiert werden.

http://soziologie.de/blog/2015/01/digital-humanties-ohne-soziologie/

„Kritik“, state of the state – ongoing project

„Es ist ebenso billig wie unverantwortlich, Ideale aufzustellen, denen die Verhältnisse nicht genügen, und dann Klage zu führen über die noch immer nicht eingelösten Versprechen der bürgerlichen Revolution. Ich sehe in dieser Attitude keine Theorie, geschweige denn kritische Theorie. Geht man statt dessen von der Unwahrscheinlichkeit dessen aus, was so gut wie normal funktioniert, kann man deutlicher und vor allem genauer erkennen, wo das System in bezug auf seine eigenen strukturellen Erfordernisse inkonsequent und selbstgefährdend operiert.“

„Historisch geändert hat sich vor allem die faktische Situation und damit die Erfahrungslage für die Beobachtung der Gesellschaft. Wie nie zuvor ist deutlich, daß positive und negative Aspekte in einer unauflösbaren Weise verknüpft sind und durch ein und dieselben Strukturbedingungen reproduziert werden. Der technische Fortschritt führt zu Umweltschäden, die nur durch weiteren technischen Fortschritt mit einer immer stärkeren Technologieabhängigkeit der Gesellschaft abgeschwächt werden können. Das rationale Funktionieren der Funktionssysteme, und gerade das rationale Ausnutzen kleinster Differenzen, Chancen, Gelegenheiten erzeugt durch „Abweichungsverstärkung“ immense Ungleichheiten, für die keine Funktion angegeben werden kann. Das gilt für die Wirtschaft, also für die Verteilung von Reichtum und Armut, aber auch für die Erziehung und für die Chancen der Forschung. Die hohe Organisationsabhängigkeit der Funktionssysteme führt zu einer Abhängigkeit von der „bürokratischen“ Logik der Selbstreproduktion von Organisationen, die die Offenheit und Flexibllität der Funktionssysteme erheblich einschränkt und ein ständiges Nichtausnutzen von Chancen erzeugt. Entsprechend wächst die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Wirklichkeiten, zwischen dem, was man als möglich sieht, und dem, was dann faktisch geschieht.“

„Wer von Symptomen einer Krise spricht, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Gerade in der Spannung zwischen Gefahr und Hoffnung liegt der Appellcharakter des Begriffs. Die krisenhaften Erscheinungen der Gegenwart werden auf Fehlentwicklungen, vor allem des Industriekapitalismus, zurückgeführt, die man korrigieren kann. Noch in den 70er Jahren konnte man lesen, daß die ökologischen Probleme der modernen Gesellschaft ein Phänomen des profitsüchtigen Kapitalismus seien und unter sozialistischen Bedingungen nicht auftreten würden. Es muß gleichsam eine gute Gesellschaft hinter der Gesellschaft geben, auf die man Strukturen und Effekte zurückdirigieren kann. […] Aber in dem Maße, als diese Krise soziologisch erklärt wird, entsteht eine Gesellschaftstheorie, die die Krisenphänomene nicht mehr nur als vorübergehend behandeln, nicht mehr nur auf falsches Bewußtsein oder falsche Politik zurückführen kann, sondern sie als strukturelle Effekte der modernen Gesellschaft begreifen muß. Und wenn eine solche realistische Begegnung der Gesellschaft mit sich selbst erreicht ist: was könnte dann noch Kritik gesagen?“

Luhmann, Soziologische Aufklärung, Vol4, 1987

The Sociology of Civilizational Collapse

Risk,

– We tend towards a generic assumption of the durability of social
structures.
– We tend even more strongly towards a generic assumption of the
durability of social formations (i.e. assemblages of social structures)
– We tend to miss the origins of social formations in the intended and
unintended consequences of deliberate action, as well as the interactions
between them.
– We tend to reason inductively and, in doing so, miss the possibility
that the future will be radically distinct from the past.
– Even if we deny it intellectually, we tend towards exceptionalism in
how we see social formations which are deeply familiar to us.

http://sociologicalimagination.org/archives/16561

The myth of ‘us’ in a digital age

Oh, wie trügerisch sind die „Wirs“

„Couldry’s concern is that “we must be wary when our most important moments of ‘coming together’ seem to be captured in what people happen to do on platforms whose economic value is based on generating just such an idea of natural collectivity”.

http://sociologicalimagination.org/archives/16442

Sociology and, of and in Web 2.0

“by the time you get to read this paper in its published form, even in the hypertextual pages of *Sociological Research Online*, what it describes may well have become part of the cultural mainstream”.
Und man möchte meinen: Die nacheilende „Wissenschaft“ Soziologie (Dirk Baeker) wird immer mehr zu einer eher historischen Disziplin.
http://sociologicalimagination.org/archives/16440