{"id":410,"date":"2007-02-26T02:00:07","date_gmt":"2007-02-26T01:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/archives\/2007\/02\/interviewtext-mit-martin-varsavsky-beim-elektrischen-reporter\/"},"modified":"2017-01-19T18:54:56","modified_gmt":"2017-01-19T17:54:56","slug":"interviewtext-mit-martin-varsavsky-beim-elektrischen-reporter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/archives\/2007\/02\/interviewtext-mit-martin-varsavsky-beim-elektrischen-reporter\/","title":{"rendered":"Interviewtext mit Martin Varsavsky beim Elektrischen Reporter"},"content":{"rendered":"<p>Der Text ist eine fast w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung des <a href=\"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/archives\/2007\/02\/text-of-interview-with-martin-varsawsky-at-elektrischer-reporter\/\">englischen Transkripts<\/a>.<\/p>\n<p>Das Video des Interviews ist beim <a href=\"http:\/\/www.elektrischer-reporter.de\/index.php\/site\/film\/32\/\"> Elektrischen Reporter<\/a> zu sehen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ich wurde in Argentinien geboren und das ist 46 Jahren her. <!--more--> Mehr oder weniger habe ich ein drittel meines Lebens in Argentinien, ein drittel in den USA und ein drittel in Spanien verbracht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-content\/Martin_Varsawsky_I-love-Spain.mp3\">Ich liebe Spanien!<\/a><\/p>\n<p>Zu meinem Leben: Ich hatte eine schwierige Kindheit, weil ich in der faschistischen Milit\u00e4rdiktatur von Videla aufwuchs. Familienmitglieder wurden get\u00f6ten und wir mussten aus Argentinien fliehen, um nicht selbst get\u00f6tet zu werden. Die argentinische Diktatur t\u00f6tete Menschen aus den beiden Gr\u00fcnden: Intellektuelle und Juden. Ungl\u00fccklicherweise traf beides auf uns zu. Zwei Eigenschaften die sie nicht mochten.<\/p>\n<p>Ich kam in den USA mit meinem Vater an, der Arzt und Professor war. Ich ging in den Staaten zur Schule und in New York zur Universit\u00e4t und gr\u00fcndete auch meine Firma dort.<br \/>\nDanach zog ich nach Europa und gr\u00fcndete sieben Firmen in den letzten circa 20 Jahren. Sechs hatten Erfolg, eine nicht.<br \/>\nDas mache ich also: Firmen gr\u00fcnden!<\/p>\n<p>Ich denke Spanien ist ein fantastisches Land f\u00fcr Startups wegen der fehlenden Konkurrenz um die Arbeitnehmer. Es gibt eine sehr hoch ausgebildete Bev\u00f6lkerung, aber nicht sehr viele Technologiestartups. Als Google und Skype in uns investierten, wurden wir gefragt ins Silicon Valley zu ziehen, aber wir haben diese Idee zur\u00fcckgewiesen, weil wir dort nur ein weiteres Startup w\u00e4ren, aber in Spanien sind wir DAS Startup, f\u00fcr das man arbeiten will.<\/p>\n<p>Ich habe Firmen in den USA und in Europa gegr\u00fcndet. Ich denke es gibt da eine Menge Unterschiede. Zum Beispiel ist die Stimmung einer Firma in Amerika eher \u00fcberm\u00e4ssig selbstbewusst und die Europ\u00e4er m\u00fcssen daran arbeiten an sich zu glauben. Generell fehlt den Europ\u00e4ern das Selbstvertrauen in sich selbst und die optimistischeren gehen nach Amerika. Das mag ich nicht. Ich ziehe es vor, wenn wir in Europa Erfolg haben.<\/p>\n<p>Es gab in Europa kein Risikokapital. Das \u00e4ndert sich. Es gibt gro\u00dfartige Risikokapitalifirmen in Europa wie unser Partner Index Ventures, die zu den Besten in Europa geh\u00f6ren.<br \/>\nSie haben auch in andere europ\u00e4ische Firmen wie Skype investiert. Hat unseren Partnern Spass gemacht. Ich denke also die Atmosph\u00e4re ver\u00e4ndert sich in Europa. Es wird selbstbewusster. Europa hat auch die bestausgebildetsten Menschen in der Welt. Ich denke f\u00fcr das Internet ist Europa fantastisch, weil die Unterschiede nicht so gro\u00df sind.<br \/>\nMehr Leute haben Zugang zum Internet.<\/p>\n<p>In Amerika gibt es eine erstaunliche Elite, aber der Rest der Bev\u00f6lkerung ist im Durchschnitt weniger gebildet. Wenn man eine Internetfirma gr\u00fcndet, will man nicht nur die Elite erreichen. Man will ein Massenprodukt haben ,wie ya.com, die Firma ,die ich in Spanien aufgebaut habe. Und man m\u00f6chte mit diesem Massenprodukt einen gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung erreichen und daf\u00fcr ist Europa besser geeignet.<\/p>\n<p>Ich denke nicht. Mit Sicherheit ist \u201cFon\u201d das nicht. Wir haben eine sehr originelle Idee, die noch niemand in gro\u00dfem Umfang kopiert hat, und genau darum sind wir das erste europ\u00e4ische Investment von Google und Sequioa, die erfolgreichste Risikokapitalfirma. Sequoia musste also nach Spanien kommen, um in uns zu investieren.<\/p>\n<p>Ich denke nicht, dass das f\u00fcr alle Umst\u00e4nde zutrifft, aber leider ist es oft der Fall. Das liegt daran, das die europ\u00e4ische Ausbildung die Studenten dazu erzieht den Professoren zuzustimmen, w\u00e4hrend amerikansiche Studenten ermuntert werden anderer Meinung zu sein als ihre Professoren \u2013 nun ja, nicht immer. Aber es gibt mehr Toleranz f\u00fcr Widerspruch in dem Sinne: Das ist Deine Sich, das ist meine Sicht und wir haben ein Recht darauf.<\/p>\n<p>Das ist gro\u00dfartig und ich hoffe die Europ\u00e4er h\u00f6ren damit auf, jungen Leuten beizubringen, dass der einzigste Weg in einer Pr\u00fcfung gut abzuschneiden ist, den Professor zu kopieren. Wenn man das ins Erwachsenenleben \u00fcbersetzt, heisst das, man erh\u00e4lt gro\u00dfartige Manager die kopieren was der Professor sagt, der Amerikaner ist. Das muss aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das Problem mit gro\u00dfen Firmen speziell in Europa ist, dass sie glauben um gro\u00df zu bleiben, m\u00fcssten sie sich wie Monopole verhalten. Viele tendieren dazu neue Initiativen zu blockieren oder so daran teilzunehmen das der Enthusiasmus get\u00f6tet wird. Wir k\u00f6nnen viel von den gro\u00dfen amerikanischen Firmen lernen. Zum Beispiel Google kauft YouTube und YouTube operiert weiterhin vom gleichen Ort und mit dem gleichen Mangement. Oder Flickr wird von Yhaoo gekauft und bleibt weiterhin Flickr.<\/p>\n<p>Als Deutsche Telekom meine Frima Ya.com kaufte musste ich Ron Sommer pers\u00f6nlich bitten, sie nicht in t-online umzubenennen, denn t-online bedeutet in Spanien nichts und ya.com eine Menge. Das ist also ein Problem. Es ist eine Frage der Identit\u00e4t, das europ\u00e4ische Firmen, die gro\u00df sind, meinen ihre Identit\u00e4t m\u00fcsste alles umfassen was sie tun<br \/>\nund sie verstehen nicht, dass sie damit den Geist eines Startups abw\u00fcrgen. Startups m\u00fcssen ihre eigene Identit\u00e4t aufrechterhalten.<\/p>\n<p>Das schlimmste am Internet ist, dass es nur ein sechstel der Weltbev\u00f6lkerung erreicht. Das ist das Schlimmste. Das beste am Internet ist, das die Menschen, die vom Internet erreicht werden, sich entwickeln und besser in dem werden, was sie damit versuchen. Ob das suchen, finden, programmieren lernen, oder sich selbst unterrichten ist, wie auf der Website, die wir in Argentinien gemacht haben: <a href=\"http:\/\/educ.ar\/educar\/\">Educ.ar<\/a><\/p>\n<p>Oder einfach nur Ausbildung, Community und Kommunikation. Es ist gut f\u00fcr viele Dinge. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr das Internet wird in der Zukunft die Einbeziehung der restlichen f\u00fcnf sechstel der Weltbev\u00f6lkerung sein, die nicht im Internet sind. Auch deshalb, weil die, die drin sind den anderen vorauseilen. Das ist das schlimmste am Internet, dass niemand eine wirkliche Strategie hat, den Rest der Welt einzubeziehen.<\/p>\n<p>Und der Rest der Welt ist der gr\u00f6\u00dfte Teil der Welt.<\/p>\n<p>[tags]Interview, Martin Vasavsky, Elektrischer Reporter, Internet[\/tags]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Text ist eine fast w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung des englischen Transkripts. 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