{"id":470,"date":"2007-10-14T23:52:54","date_gmt":"2007-10-14T22:52:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/interviewtranskript-cory-doctorow-beim-elektrischen-reporter\/"},"modified":"2007-10-14T23:52:54","modified_gmt":"2007-10-14T22:52:54","slug":"interviewtranskript-cory-doctorow-beim-elektrischen-reporter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/interviewtranskript-cory-doctorow-beim-elektrischen-reporter\/","title":{"rendered":"Interviewtranskript: Cory Doctorow beim Elektrischen Reporter"},"content":{"rendered":"<p>Transkript des <a href=\"http:\/\/www.elektrischer-reporter.de\/index.php\/site\/film\/53\/\">Videosinterviews beim Elektrischen Reporter<\/a>.<br \/>\n___________________________________________________________________________<\/p>\n<p>Ja, der Titel kommt von Mark Frauenfelder und seiner Frau Carla Sinclair. Einige ihrer Freunde verkauften ein Magazin in den 80igern das Boing Boing hiess. Ich glaube sie machten das zuerst in Colorado und sind dann nach San Francisco umgezogen. Das war die Zeit in Amerika als Vertriebe Zines aufkauften um sie \u00fcberall in den USA zu vertreiben.<\/p>\n<p>Das bedeutete pl\u00f6tzlich Zines, die man vorher nur per Post oder in der Heimatstadt beziehen konnte &#8211; falls man sie kannte &#8211;  waren \u00fcberall in Gesch\u00e4ften im ganzen Land verf\u00fcgbar. Das hatte einen Boom in Zines zur Folge, auch f\u00fcr Boing Boing. Boing Boing ging es eine zeitlang recht gut.<\/p>\n<p>Dann machte der Vertrieb pleite und zog alle Zines mit sich weil sie auf gro\u00dfen Lagerbest\u00e4nden sassen, und mit dem Geld aus dem Verkauf rechneten. Aber das kam nie bei den Verlagen an.<br \/>\nEs ging alles an die Banken. Und so kam es das Boing Boing als Print Magazin eingestellt wurde.<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit startete Wired Magazine und die Dotcom-Blase wuchs in San Francisco und Mark endete als Managing Direktor oder Chefredakteur von Wired Online, Wired Digital. Das hielt ihn richtig auf Trab und von da an machte er viel Technologie Journalismus u.a. auch f\u00fcr The Industry Standard.<\/p>\n<p>Eines Tages machte er einen Artikel f\u00fcr den Standard \u00fcber Blogger, den Service Blogger.<br \/>\nUnd er dachte sich: He, ich sollte mit einem Blog anfangen, damit ich f\u00fcr den Standard dar\u00fcber berichten kann. Er fing also mit einem Blog an und brauchte einen Namen daf\u00fcr und er nannte ihn Boing Boing und legte los.<\/p>\n<p>Er frug mich ob ich f\u00fcr ihn w\u00e4hrend des Urlaubs als Gastschreiber einspringen k\u00f6nnte und als er zur\u00fcckkam meinte er ich h\u00e4tte einen guten Job gemacht und ob ich nicht dabei bleiben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ich fand das eine gute Idee. Ich habe Boing Boing als Teenager gelesen. Ich habe in einer Buchhandlung gearbeitet die Boing Boing verkaufte w\u00e4hrend der Zeiten des nationalen Vertriebs. F\u00fcr mich sah es also wie eine gute Sache aus. \u00dcber die Jahre luden wir noch ein paar andere Leute ein und nun haben wir einen Blog.<\/p>\n<p>Mit der Einschr\u00e4nkung das alle Statistiken \u00fcber Leser von Websites Bullshit sind, scheinen unsere Bullshit-Zahlen im Vergleich zu den Bullshit-Zahlen anderer Leute die gr\u00f6\u00dften zu sein. Mit Sicherheit ist unsere Bullshit-Leserschaft bei weitem die gr\u00f6\u00dfte aller Bullshit-Leserschaften.<\/p>\n<p>Ich denke das liegt an ein paar Dingen die dazu beitragen. Nat\u00fcrlich hoffen wir das wir guten Geschmack haben und gut schreiben. Aber ich denke die zwei anderen Dinge die dazu beitragen sind einmal, das wir sehr anschaulich in unseren \u00dcberschriften und Anfangss\u00e4tzen sind.<\/p>\n<p>Wir nehmen vorweg das die Mehrzahl unserer Leser und davon besonders die Mehrzahl der neuen Leser, zu Boing Boing durch eine Suchmaschine, einen RSS-Feed oder einen weitergeleiteten Link finden. Es wird also wo anders zusammengefasst. Indem wir so schreiben als ob die \u00dcberschrift das Einzigste ist was der Leser sieht, stellen wir sicher das die \u00dcberschriften derart sind: Lustigste Sache seit je! Hier klicken!<\/p>\n<p>Wir bevorzugen also sehr anschauliche, einfache \u00dcberschriften die trotzdem fesselnd sind f\u00fcr Leute die nach einer besonderen Information suchen. Das hat uns sehr geholfen.<\/p>\n<p>Der andere Punkt ist, das es uns schon sehr lange gibt und je l\u00e4nger man da ist, umso mehr Leute haben auf dich gelinkt, und je mehr Leute auf dich gelinkt haben, umso einfacher wirst du gefunden und umso \u00f6fter verlinken sie dich.<\/p>\n<p>Das ist dieses die Reichen werden reicher Ph\u00e4nomen. Das ist nicht fair aber wir hatten Gl\u00fcck. Wir waren sehr fr\u00fch da.<\/p>\n<p>Ja, sicher. Wir vier leben recht gut von Boing Boing und den anderen Sachen. Boing Boing hat unsere anderen Aktivit\u00e4ten immer unterst\u00fctzt. Es ist wie ein offenes Notizbuch in das man all seine n\u00fctzlichen und interessanten Dinge notiert, in die man verwickelt ist. Wir machen also all die anderen Sachen weiter, die in manchen F\u00e4llen unsere Hauptaktivit\u00e4ten sind, selbst wenn es nicht die Hauptquelle des Einkommens ist.<\/p>\n<p>Ich schreibe eigentlich Romane und halte Vortr\u00e4ge und berate und schreibe Kolumnen.<br \/>\nVon Boing Boing l\u00e4sst sich also sehr gut leben. Ich k\u00f6nnte nur Boing Boing machen und sehr komfortabel leben.<\/p>\n<p>Es gibt davon einiges in den USA. Ich bin zwar Kanadier aber ich hab mich in den USA umgeschaut und ich denke es gibt davon etwas. Ich glaube das der Aspekt falsch ist um rauszufinden was so unterschiedlich ist am Bloggen.<\/p>\n<p>Der Unterschied beim Bloggen ist nicht die Nichtkommerzialit\u00e4t, sondern wie diese die Themen im Blog beeinflusst. Die traditionelle Verlegermethode ist, ein Thema zu finden, von dem man denkt das dazu Anzeigen geschaltet werden.<\/p>\n<p>Zum Beispiel gibt es Inserenten die Anzeigen in Magazinen \u00fcber Rennautos schalten. Man schreibt also ein Magazin das Leute anzieht die Rennauto-Magazine lesen und die Rennauto-Inserenten kaufen dann Anzeigen darin.<\/p>\n<p>An dem Modell ist nichts falsch. Das hat einige gro\u00dfartige Magazine und andere Publikationen hervorgebracht, aber das ist nicht der einzigste Weg etwas zu machen.<\/p>\n<p>Die besten Blogs machen es jedenfalls nicht auf diese Art. Die besten Blogs beginnen mit jemandem der an einem Thema oder einigen Themen leidenschaftlich interessiert ist und dann \u00fcber das schreibt was ihn interessiert. Dann hoffen sie das es daf\u00fcr Leser gibt die Interesse zeigen und das es Inserenten gibt die diese Leser erreichen wollen.<\/p>\n<p>So sieht das also ein bischen anders aus. Statt Sachen zu schreiben die vielleicht Leser anziehen, schreibt man Sachen mit denen man sich ausdr\u00fcckt und dann erst zieht man dadurch Leser an.<\/p>\n<p>Vorausgesetzt man bleibt dabei, spielt es keine Rolle ob man Anzeigen hat oder keine. Der wahre Masstab ist ob man Sachen schreibt f\u00fcr die man Leidenschaft empfindet und nicht ob man daf\u00fcr bezahlt wird.<\/p>\n<p>&#8222;Down and Out in the Magic Kingdom&#8220; ist ein Science Fiction Roman den ich geschrieben habe und der 2003 ver\u00f6ffentlicht wurde. Das war mein erster Roman.<\/p>\n<p>Er beschreibt eine bessere Welt, in der alle materiellen Probleme der menschlichen Gesellschaft gel\u00f6st sind. Es gibt also genug Geld f\u00fcr jeden, genug Essen f\u00fcr jeden, es gibt genug von allem f\u00fcr jeden.<\/p>\n<p>Wir alle leben ewig. Was bleibt also \u00fcbrig? \u00dcbrig bleibt wie man die Resourcen aufteilt, die grunds\u00e4tzlich knapp sind. In jedem Moment kann nur eine Person an einem Tisch in einem Restaurant sitzen, nur eine ganz bestimmte Anzahl Leute k\u00f6nnen nach Disney World gehen.<\/p>\n<p>Wie teilt man also diese Sachen auf? Ich behaupte das eine Reputations\u00f6konomie eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re das zu regeln. Ich erfand also eine magische Technologie und durch diese Technologie weiss ein Computersystem genau was du in jedem Moment \u00fcber alles denkst.<\/p>\n<p>Was h\u00e4ltst du von diesem Blumentopf, was h\u00e4ltst du von diesem Restaurant, was h\u00e4ltst du von jedem diskreten Ding im Universum. Nat\u00fcrlich haben wir diese Technologie nicht aber ausgehend von der Idee das man das berechnen kann, erh\u00e4lt man eine Punktzahl die ausdr\u00fcckt was alle Leute auf der Welt die dich kennen von dir halten.<\/p>\n<p>Wenn ich dich treffe und dich nie vorher gesehen habe, kann ich mir die Punktzahl ansehen. Ich kann mir ansehen wie angesehen du in der ganzen Welt bist, wie angesehen du bei Leuten bist, die meine Freunde sind.<\/p>\n<p>Darauf basiert dann die Verteilung aller knappen Resourcen. Wenn ich mich in einer Universit\u00e4t hinter ein Pult stelle und anfange zu unterrichten, kann ich das tun, vorausgesetzt ich habe genug Woppel &#8211; was der Ma\u00dfstab ist &#8211; und bin ein Lehrer.<\/p>\n<p>Wenn gen\u00fcgend Leute denken das ich einer bin, dann bin ich einer. Wenn ich in diesem Restaurant aufstehe und die Leute an den Tischen bediene, kann ich das, wenn ich gen\u00fcgend Woppel bei den anderen Kellnern und dem Chef habe.<\/p>\n<p>Das ist also ein Gedankenexperiment und kein Vorschlag f\u00fcr eine gesellschaftliche Ordnung.<br \/>\nDas ist als Allegorie gedacht wie eine Menge Resourcen im Internet verteilt werden und besonders wie wir die besonderen Resourcen der Unterhaltung und anderer Ideen in einer Post-Scar-City Welt verwalten, in der Kultur aufgeh\u00f6rt hat schwer verteilbar zu sein, im Gegenteil, wo es schwer ist zu verhindern das sie sich ausbreitet.<\/p>\n<p>Das ist eine sehr verschiedene Welt. Sowas wie die Napster-Welt. Was macht man also, wenn das was vorher wertvoll war, weil es knapp war, nun kostbar ist weil es nicht beschr\u00e4nkt ist.<br \/>\nEs bedeutete f\u00fcr mich sich sowas wie Slashdot oder Napster mal anzuschauen, wie sie in einer Welt funktionieren in der alles was wir f\u00fcr wertvoll halten weil es schwer ist dranzukommen, dann noch wertvoller ist weil die Leute nicht davon lassen wollen.<\/p>\n<p>Nein, ich denke nicht. Ich denke nicht das eine Reputations\u00f6konomie &#8211; zumindest wie in Down and Out &#8211; g\u00e4nzlich utopisch ist.<\/p>\n<p>Wie man im Buch sieht werden popul\u00e4re Ideen eher belohnt als gute. Leute die also unpopul\u00e4re Sachen sagen ziehen nicht so viel Woppel an. Auf diese Weise werden unpopul\u00e4re Gesichtspunkte von Minderheiten nicht wirklich gesch\u00fctzt. Ich denke allerdings das es unsere Pflicht ist in einer liberalen Demokratie Ansichten von Minderheiten und Unterschiedlichkeit von Meinungen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das andere Problem liegt darin, das es die gleiche \u00d6konomie hat wie bloggen und wie in der realen Welt. Die Reichen werden reicher.<\/p>\n<p>Mit mehr Woppel zieht man also mehr Gelegenheiten an, um mehr Woppel zu bekommen, und das macht es leichter noch mehr Woppel zu bekommen. Das ist kein ideales System. Ein System mit dieser Art Schichtung der sozialen Ordnung, ohne soziale Mobilit\u00e4t ist kein Zeichen f\u00fcr eine gute liberale Demokratie.<\/p>\n<p>Sicher, ja, ich denke wir sehen bereits etwas davon und das Interessanteste davon ist unsichtbar.<br \/>\nEs ist kein artikuliertes System, sondern eher eine Menge von Annahmen. Wesentlich ist, dass das Internet von Ingenieuren und Wissenschaftlern und nicht von Anw\u00e4lten und Politikern entworfen wurde.<\/p>\n<p>Wie wir Ingenieurswissenschaften und Wissenschaften betreiben hat sich nicht wesentlich seit der Aufkl\u00e4rung ge\u00e4ndert und l\u00e4sst sich in den Ideen Peer Review, Ver\u00f6ffentlichung und freien Zugang zum Wissen zusammenfassen.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen Alchemie und Wissenschaft liegt darin ob man anderen Leuten erz\u00e4hlt was man macht oder nicht. Wenn man das nicht macht und es in einem Buch aufschreibt und niemand kann es sehen &#8211; das ist Alchemie, Aberglaube.<\/p>\n<p>Sobald man allerdings etwas von seinem Wissen ver\u00f6ffentlicht und andere Leute k\u00f6nnen darin rumstochern, dann hat man Wissenschaft.<\/p>\n<p>Ich glaube deswegen wird, wenn man zum Beispiel &#8222;Control R&#8220; dr\u00fcckt, der gesamte Text der Mail auf die man antwortet eingef\u00fcgt. Ein Rechtsanwalt der sowas entwerfen sollte w\u00fcrde sagen: Das geht nicht, das ist ein Copyrightbruch.<\/p>\n<p>Ingenieure und Wissenschaftler arbeiten anders: Ich ver\u00f6ffentliche ein Paper, gebe es dir und du machst Markierungen mit einem roten Stift. So funktionieren eigentlich unsere Email Konventionen. Wenn ich auf anworten klicke, markiere ich deine Email als ob ich ein wissenschaftliches Papier mit einem roten Stift markieren wollte.<\/p>\n<p>Das ist eine Ethik, die sehr verschieden ist von der, wie sie gerade in Recht und Politik herrscht. Was wir also getan haben ist, den wissenschaftlichen Ansatz im Umgang mit Wissen in die ganze Welt zu verbreiten.<\/p>\n<p>Das schl\u00e4gt sich in vielen anderen Kulturen nieder, besonders in der Meshup-Kultur. Dieses Ideal des offenen Publizierens hat wirklich seinen Ursprung im Internet. Geboren in der Wissenschaft, verbreitet durch das Internet und nun findet es eine Heimat in den Geisteswissenschaften und in anderen Bem\u00fchungen.<\/p>\n<p>Dieses Ergebnis der Infektion unseres Denkens durch das Internet betrifft gesch\u00e4ftliches und alle anderen Unternehmungen. Jetzt schreiben also auch Anw\u00e4lte wie Ingenieure, verrichten ihre Gesch\u00e4fte wie Ingenieure.<\/p>\n<p>William Gibson spricht in seinem neuen Buch &#8222;Spook Country&#8220; davon wie der Cyberspace erodiert, also von innen nach aussen kommt und die reale Welt infiziert, und ich denke da ist was dran.<br \/>\nCyberspace war immer eine Metapher. Ich glaube Gibson oder Sterling nannten es den Ort, wo man ist, wenn man telefoniert, der Ort an dem das Telefongespr\u00e4ch stattfindet.<\/p>\n<p>Ich hatte eine wirklich interessante Unterhaltung mit Tom Jennings, der ein System entworfen hat, das FidoNet hiess und eines der fr\u00fchen Multi-Konferenz-Systeme war, bevor der Zugang zum Internet verbreitet war.<\/p>\n<p>Es ist mit dem Usenet verwandt, aber man konnte daran teilnehmen ohne einer akademischen Institution oder einem gro\u00dfen Unternehmen angeschlossen zu sein. Es gab Nachrichtenanschl\u00fcsse, die die ganze Welt umspannten und Leute aus der ganzen Welt nahmen daran teil.<\/p>\n<p>Eines der h\u00e4ufigen Streitthemen im FidoNet war, ob jemand das Recht hatte mit jemandem in seinem eigenen Heim so zu reden. Jemand sagt: Die Nachricht war sehr unh\u00f6flich und wer so unh\u00f6flich ist muss mein Haus verlassen. Man dachte weil die Nachricht auf dem eigenen Computer war, das die Person die die Nachricht geschickt hatte, in irgend einer Art in deinem Haus war.<\/p>\n<p>Jemand sprach also mit dir in einer Art die f\u00fcr einen Gast des Hauses unverzeihlich war. Der Grund lag darin das der Begriff des Cyberspace noch nicht verstanden wurde und man nicht verstand das eine Unterhaltung zwischen zwei Computern \u00fcber ein Netzwerk weder in dem einen noch in dem anderen sondern in einem dritten, virtuellen Raum dazwischen stattfindet. Einige dieser Schwierigkeiten haben sich mittlerweile gelegt.<\/p>\n<p>Ich denke das ist einer der wichtigsten Beitr\u00e4ge des Cyberspace zur realen Welt.<\/p>\n<p>Das vorausgesetzt, denke ich das einige der r\u00e4umlichen Ideen des Cyberspace erodieren. Einige der Tools wie Jaiku und Twitter sind Beispiele f\u00fcr diese Information von verteilter Anwesenheit,<br \/>\ndie &#8211; wer sagte das im Wired Magazin? &#8211; wie Clive Thompson sagte Ausdruck eines propriativen Sinnes f\u00fcr die reale Welt ist.<\/p>\n<p>Der propriative Sinn ist fast wie ein sechster Sinn und macht es m\u00f6glich den K\u00f6rper im Raum zu orten und wenn man seine Z\u00e4hne zusammenbeisst weiss man dadurch das sie wirklich zusammenkommen.<br \/>\nEr (Thompson) sagt, das wir diese Art fliessenden Sinn haben, wo jeder auf der Welt ist, alle Leute und Dinge rund um uns herum und wie sie sich anf\u00fchlen. Das ist eine der Arten wie &#8222;Cyberspace&#8220; in unsere reale Welt hin\u00fcbererodiert ist.<\/p>\n<p>Wir haben gerade Nikolaj Nyholm mit seiner Pr\u00e4sentation \u00fcber Gesichtserkennungssoftware gesehen.<br \/>\nIrgend jemand wird Erkennungssoftware richtig hinbekommen und wenn das passiert, wird jedes Foto im Internet pl\u00f6tzlich mit einem Namen verbunden sein.<\/p>\n<p>Jede Person in jedem Foto wird identifizierbar sein. Das wird einen riesigen Bruch in der Privasph\u00e4re erzeugen. Fotos von denen du vorher dachtest sie w\u00e4ren privat, weil sie nicht deinem Namen zugeordnet werden konnten, werden pl\u00f6tzlich deinen Namen haben und Ehen werden zerbrechen und Kinder werden sich mit Eltern streiten, Leute werden ihre Jobs verlieren, Politiker werden st\u00fcrzen, Leute werden ins Gef\u00e4ngnis kommen, einige berechtigt andere nicht, Dissidenten werden aufgereiht und erschossen werden oder verschwinden oder ins Gef\u00e4ngnis kommen.<\/p>\n<p>Das alles wird passieren als Resultat davon und das ist nur einiges von Vielem. Es gibt viele Arten wie wir unterschiedliche Informationen nehmen k\u00f6nnen und sie dann kombinieren. RFID ist ein Beispiel wie das passieren wird. Es gibt da den Mythos das RFIDs nur \u00fcber eine geringe Entfernung gelesen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich habe gerade einen hier in der Tasche von der Konferenz. Dieser RFID macht zweierlei: Wenn man diesen RFID mit Radioenergie bombardiert so das er das merkt, sendet er eine einzigartige Nummer, den Global Unique Identifier.<\/p>\n<p>Das M\u00e4rchen ist nun das man das nur aus einer sehr kurzen Distanz auslesen kann, weil man das nur aus geringer Entfernung ausl\u00f6sen kann. Wenn man das mit Radioenergie zum Beispiel vom dem Geb\u00e4udes dort oben ausl\u00f6sen wollte, m\u00fcsste man so viel Energie in die Luft pumpen das vor\u00fcberfliegende V\u00f6gel gebraten w\u00fcrden und aus der Luft fielen. Das ist also nicht praktikabel.<\/p>\n<p>Aber wenn man einen Leser hier in dem Pfeiler h\u00e4tte w\u00fcrde der Leser den RFID ausl\u00f6sen und der RFID w\u00fcrde den Unique Identifier senden und wenn man da oben auf dem Geb\u00e4ude eine sehr focussierte Antenne h\u00e4tte und den Leser hier unten dann k\u00f6nnte die Antenne da oben das lesen.<\/p>\n<p>Je mehr RFIDs wir in unserem Leben haben werden, desto mehr dieser Leseger\u00e4te werden auftauchen und sich verbreiten und man wird sie \u00fcberall sehen. Obendrein wird man Leute sehen, die wilde Ausl\u00f6ser plazieren werden, die einfach Radiostrahlung aussenden um RFIDs auszul\u00f6sen, damit man alle RFIDs die an einem Ort vorbeikommen lesen kann. Man versteckt einen RFID-Bombardierer in diesem Pfosten, steht selbst oben auf dem Geb\u00e4ude mit der Pr\u00e4zisionsantenne und dieses zweiteilige System funktioniert um RFIDs aus gro\u00dfer Distanz zu lesen.<\/p>\n<p>Das wird einen gro\u00dfen Bruch in der Privatsph\u00e4re geben, denn was wir dann haben ist, das wir Leute in Raum und Zeit verfolgen k\u00f6nnen. Nicht nur durch die Polizei oder die Regierung, was schon schlimm genug ist, sondern durch Kriminelle, Schn\u00fcffler oder Rassisten. Alle werden pl\u00f6tzlich in der Lage sein uns verfolgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das ist grunds\u00e4tzlich so, weil wir diese Systeme g\u00e4nzlich ohne Kontrollen der Privatsph\u00e4re entworfen haben. Wir haben entschieden das es gut genug w\u00e4re sie ohne Kontrollen der Privatsph\u00e4re zu bauen und dachten die werden sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Das wird allerdings sehr schwer werden. Ich denke also wir werden diese gigantischen Zusammenbr\u00fcche der Privatsph\u00e4re sehen und jeder davon wird wie ein Erdbeben f\u00fcr die Gesellschaft sein. Es wird jede Menge Institutionen und alle Arten von Beziehungen betreffen.<\/p>\n<p>Das wird es f\u00fcr viele von uns schwer machen unsere Leben zu f\u00fchren. Es liegt eine fundamentale W\u00fcrde darin ein Privatleben zu haben. Das liegt nicht daran das einiges zum Sch\u00e4men w\u00e4re.<br \/>\nSondern nur weil sie einfach nicht \u00f6ffentlich sind. Jeder von uns pupst. Da gibt&#8217;s sogar ein Buch: Jeder pupst! Wir gehen alle zur Toilette und pupsen. Aber man muss schon sehr speziell sein damit man das in der \u00d6ffentlichkeit machen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Da ist nichts falsch dran, aber es ist privat, ist pers\u00f6nlich. Ich denke wir werden davon etwas verlieren und das ist wirklich eine Schande.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Transkript des Videosinterviews beim Elektrischen Reporter. ___________________________________________________________________________ Ja, der Titel kommt von Mark Frauenfelder und seiner Frau Carla Sinclair. Einige ihrer Freunde verkauften ein Magazin in den 80igern das Boing Boing hiess. Ich glaube sie machten das zuerst in Colorado und sind dann nach San Francisco umgezogen. Das war die Zeit in Amerika als Vertriebe &#8230; <a title=\"Interviewtranskript: Cory Doctorow beim Elektrischen Reporter\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/interviewtranskript-cory-doctorow-beim-elektrischen-reporter\/\" aria-label=\"Mehr zu Interviewtranskript: Cory Doctorow beim Elektrischen Reporter\">Weiterlesen &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"generate_page_header":"","footnotes":""},"class_list":["post-470","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/470","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=470"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/470\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=470"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}