{"id":418,"date":"2007-03-25T22:55:04","date_gmt":"2007-03-25T21:55:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/bruce-sterling-interview-transkript-mit-elektrischer-reporter\/"},"modified":"2007-03-25T22:55:04","modified_gmt":"2007-03-25T21:55:04","slug":"bruce-sterling-interview-transkript-mit-elektrischer-reporter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/bruce-sterling-interview-transkript-mit-elektrischer-reporter\/","title":{"rendered":"Bruce Sterling Interview Transkript\u00fcbersetzung mit Elektrischer Reporter"},"content":{"rendered":"<p>Das <a href=\"http:\/\/www.elektrischer-reporter.de\/index.php\/site\/film\/35\/\">Video des Interviews ist biem Elektrischen Reporter<\/a> zu bewundern.<\/p>\n<p>Es ist gut die Vorurteile der Leute zu zerst\u00f6ren und mit Gedankenspielen zu experimentieren. Und es ist auch gut grunds\u00e4tzliche Ideen zu popularisieren die ein bischen Verbesserung brauchen. Es ist gut Vorurteile abzubauen um klarzumachen das alles auch anders sein k\u00f6nnte. Aber ehrlich: Ich kann den Kick auch aus Design-Magazinen bekommen!<\/p>\n<p>Warum ich das tue? Ich weiss es nicht. Ich liebe es und es bringt mir etwas, was andere Formen der Literatur mir nicht geben. Ich mag es wegen der Aufregung, wenn Leute \u00fcber die Zukunft in einer abstrakten, bl\u00f6den Art und Weise reden.<\/p>\n<p>Wenn man Fiktion liest sieht man die Zukunft nicht spekulativ, sondern wie sie gef\u00fchlt und gelebt wird. Das handelt von Strukturen des F\u00fchlens und der Bedeutung und das muss Literatur in das Spiel der futuristischen Spekulation einbringen und deswegen ist Science Fiktion etwas anderes als zB die Szenariotechnik. Es arbeitet also Ideen und Trends aus und das kann sehr wertvoll sein.<\/p>\n<p>Mir erschien das sehr nat\u00fcrlich, denn ich habe mir den Begriff &#8222;Cyberpunk&#8220; nicht einfach ausgedacht. Er kam aus dem kreativen Milieu der Boheme in Austin und der Popkultur und der Popmusik und anderen kulturellen Aktivit\u00e4ten an denen ich als Student solcher Sachen immer noch sehr interessiert bin. Aber mit der Zeit interessierte ich mich f\u00fcr wirkliche, echte Trends und Kulturen die wie kleine, vor\u00fcbergehende Welten sind, w\u00e4hrend die gr\u00fcnen Themen eher eine klare, eindrucksvolle Bedrohung darstellen und es erschien mir moralisch zwingend mich diesen gr\u00f6\u00dferen Themen zu widmen.<\/p>\n<p>Ich habe ein Prinzip: Wenn ein Problem vor meiner Haust\u00fcr auftaucht, dann schreibe ich nicht nur etwas dar\u00fcber. Ich versuche dann einzugreifen und etwas zu tun, weil ich ein moralischer Akteur bin und ein Teilnehmer in der Welt und ich glaube man ist ein besserer Schriftsteller wenn man so handelt.<\/p>\n<p>Als Chiapas 1998 passierte und die Rauchwolken von brennenden tropischen Dschungeln \u00fcber meinem Haus auftauchten und Chikago erreichten, verstand ich das der Klimawandel, der f\u00fcr lange Zeit eine Idee der Science Fiction war, Realit\u00e4t geworden war und das sehr wenig konstruktives dagegen unternommen worden war. Also tat ich was ich konnte und griff ein.<\/p>\n<p>[Zwischenfrage: Was? ]<\/p>\n<p>Ich regte mich auf und begann zu agitieren und dar\u00fcber zu schreiben. Ich hatte schon einige Science Fiction Romane \u00fcber den Klimawandel geschrieben die das offensichtlich nicht stoppten. Also dachte ich daran effektiver einzugreifen \u00fcber die Design Welt, weil die etwas n\u00e4her an den Problemen dran sind.<\/p>\n<p>Ich vermute ich werde sp\u00e4ter auf das Gebiet der Konstruktion wechseln. Vom Romane schreiben zum Design, dann zum Ingenieurswesen und wenn ich lang genug lebe wahrscheinlich zum Milit\u00e4r. Zu den Hilfsdiensten eigentlich. Das ist ein Hobby von mir. Keine NGO, ich meine ich bin nicht Greenpeace. Im Grunde bin ich ja nur ein Schreiber und Designtheoretiker und manchmal Designprofessor.<\/p>\n<p>Aber wenn man sich f\u00fcr das Gebiet der Konstruktion interessiert und dar\u00fcber schreibt und aufpasst was die sagen, wird man Teil davon. Das habe ich getan. Das mache ich immer noch, aber nicht mehr so viel wie fr\u00fcher, weil es mittlerweile so viele Gruppen gibt die genau das tun was ich mir erhofft habe.<\/p>\n<p>Ich meine Davos widmet an diesem Wochenende seine Aufmerksamkeit dem Klimawandel. Da bin ich fast versucht den Sieg auf ganzer Linie zu erkl\u00e4ren. Die reichsten Leute der Welt auf dem einflussreichsten Treffen sitzen da und trauern \u00fcber den Klimawandel? Warum sollte ich da meine Stimme erheben? Darauf habe ich schmerzhaft gewartet.<\/p>\n<p>Die Leute in Silicon Valley wie Vinod Khosla (VC) und seine Kollegen bewegen sich wirklich vom Internet hin\u00fcber zu gr\u00fcner Energie. Da brauche ich nicht auch noch zu dr\u00fccken. Ich denke ich bin nahe dran meine Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Ich denke es ist ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis das man um gr\u00fcn zu sein Fundi sein muss, zerknittert aussehen muss und einen VW-Bus fahren. Das war eine interessante Idee vor dreissig Jahren die offensichtlich nicht viel taugte. Wenn das Erfolg gehabt h\u00e4tte w\u00e4ren wir nicht jetzt in diesen Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>Wenn wir in einem lichtdurchfluteten Geb\u00e4ude w\u00e4ren, w\u00e4re es besser, wenn es richtig bel\u00fcftet w\u00e4re, w\u00e4re es besser, wenn weniger Gifte in deinem K\u00f6rper w\u00e4ren w\u00fcrdest du dich besser f\u00fchlen. Und wenn die Luft nicht so verschmutzt w\u00e4re, k\u00f6nntest du besser atmen und deine Kinder w\u00e4ren gl\u00fccklicher. Wenn das Sonnenlicht auf dich scheinen k\u00f6nnte und nicht blockiert w\u00fcrde, w\u00e4rst du gl\u00fccklicher.<\/p>\n<p>Wenn die Polarb\u00e4ren leben k\u00f6nnten und die Polarkappen nicht schmelzen w\u00fcrden, w\u00e4re es eine bessere Welt. Das w\u00e4re keine schlechtere Welt.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit mit der fundamentalistischen Gr\u00fcnen Haltung ist, das wenn es um die Reduktion von Emissionen geht und darum so wenig wie m\u00f6glich auszustossen um den \u00f6kologischen Fussabdruck zu reduzieren, dann gibt es niemanden der so gr\u00fcn ist wie die Toten. Weil tot sein heisst den geringst m\u00f6glichen \u00f6kologischen Fussabdruck zu haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die intelligenten Gr\u00fcnen des 21. Jahrhunderts, wie man sie bei worldchanging.com findet aktiver sind und sich besser einmischen. Ich denke das ist logischer, menschlicher und funktioniert besser.<\/p>\n<p>Ja, das 21. Jahrhundert wird gr\u00fcn sein. Wir werden Nachhaltigkeit erreichen. Das wird passieren. Die einzige Frage ist nur: Wie wieviele von uns werden sterben? Wirklich. Das ist ausgemachte Sache. Wenn es nicht nachhaltig ist wird es per Definition irgendwann aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Frage ist also ob wir den Sprung in eine neue industrielle Ordnung schaffen oder ob wir aus der alten in ein dunkles Zeitalter gestossen werden. Die Antwort ist: beides. Einige werden in ein dunkles Zeitalter gestossen und einige werden sich in eine neue Ordnung entwickeln.<\/p>\n<p>Das ist ein Gleitregler bei dem wir die wenigsten gestossen und die meisten entwickelt haben m\u00f6chten. Wenn man \u00fcber die Zukunft nachdenkt muss man Pessimismus und Optimismus abstellen. Das sind intellektuelle Mucken.<\/p>\n<p>Das ist wie wenn man ein Auge abdeckt und hofft r\u00e4umlich zu sehen. Man muss \u00fcber die Zukunft historisch nachdenken. Man muss dar\u00fcber mit der Leidenschaftslosigkeit eines Historikers nachdenken. Man fragt ja auch nicht: Bist Du optimistisch \u00fcber das 19. jahrhundert oder pessimistisch?<\/p>\n<p>Ich meine damit: Es passiert Schlechtes, es passiert Gutes. Einiges Schlechte hatte sp\u00e4ter gute Aspekte, einiges Gute stellte sich langfristig als schlecht heraus. Wenn man derartige Werturteile macht, beeintr\u00e4chtigt es die F\u00e4higkeit klar dar\u00fcber nachzudenken was geschehen wird.<\/p>\n<p>Ich denke also die richtige Einstellung ist weder Optimismus noch Pessimismus. Es ist Engagement. Man muss sich darum k\u00fcmmern und die Fakten nicht \u00fcbersehen. Das ist es was wirklich z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>[tags]Bruce Sterling, Interview, Elektrischer Reporter[\/tags]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Video des Interviews ist biem Elektrischen Reporter zu bewundern. Es ist gut die Vorurteile der Leute zu zerst\u00f6ren und mit Gedankenspielen zu experimentieren. Und es ist auch gut grunds\u00e4tzliche Ideen zu popularisieren die ein bischen Verbesserung brauchen. Es ist gut Vorurteile abzubauen um klarzumachen das alles auch anders sein k\u00f6nnte. 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