{"id":235,"date":"2005-11-27T23:55:51","date_gmt":"2005-11-27T22:55:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/interview-google-blogoscoped\/"},"modified":"2022-12-23T14:48:55","modified_gmt":"2022-12-23T13:48:55","slug":"interview-google-blogoscoped","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/interview-google-blogoscoped\/","title":{"rendered":"Interview bei Google Blogoscoped &#8211;"},"content":{"rendered":"<p>Hier ist der gesamte deutsche Text des Email-Interviews wie es <a href=\"http:\/\/blog.outer-court.com\/archive\/2005-11-28-n78.html\">\u00fcbersetzt bei Google Blogoscoped <\/a>erschienen ist. Ich sch\u00e4tze an einigen sprachlichen Freiheiten hat sich Philipp beim \u00dcbersetzen irreversible Hirnsch\u00e4digungen geholt.<\/p>\n<p><strong>Hi Siggi! Kannst du uns was \u00fcber dich erz\u00e4hlen&#8230; wer bist du, wo lebst du, und was machst du im Leben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich treibe mich schon \u00fcber 5 Jahrzehnte auf Terra rum, \u00fcber weite Strecken in der rheinischen Tiefebene. In der Steinzeit habe ich mal Elektrotechnik studiert und war dabei Zeuge wie innerhalb von Jahresfrist dank Moore\u00b4s Law Taschenrechner vom finanziellen \u00c4quivalent eines Kleinwagens auf das eines giveaways abst\u00fcrzten. Soziologisch interessant zu beobachten wie dabei einigen Sozial-Prothesentr\u00e4gern sozusagen der Porsche wegschmolz.<\/p>\n<p>Ich bin dann aber in die Musik weggedriftet. Der geistige Brotbelag Naturwissenschaften hat mich in der Folge oft geistig, nicht finanziell weiter ern\u00e4hrt. So ein R\u00fcckrat l\u00e4sst einen nicht so leicht einknicken, wenn ringsum nur Improvisation und (k\u00fcnstlerische) Einbildung tobt. Seit Ummpfz Jahren gebe ich auch Gitarrenunterricht, wobei es schon mal passieren kann das eine Party Go die \u00e4sthetische Ausbildung eines Gitarrensch\u00fclers abrunden muss.<\/p>\n<p>Ende der 80iger entdeckte ich Engines of Creation von Eric Drexler (das immer noch nicht ins Deutsche \u00fcbersetzt worden ist, weil es wahrscheinlich in einer uns unbekannten Sprache geschrieben wurde: Englisch!) und von da war es eigentlich nur ein kleiner Schritt f\u00fcr mich, aber ein gro\u00dfer f\u00fcr die Menschheit, zu kapieren das da mehr auf uns lauert als Klimakatastrophe 2100, Rentenkrise 2020 oder Peak Oil 2040. 1994 habe ich dann den ersten Vortrag \u00fcber Nanotechnologie gehalten, der den leider inkosequenten Schluss hatte, die Folge aus allem, n\u00e4mlich besagte technologische Singularit\u00e4t nur so hinzunuscheln. Ich dachte mir: Das kannst du nicht machen! Sonst wirst du nie wieder auf eine Party eingeladen. Schliesslich ist ja das measured merryment (Sinclair Lewis) Garant f\u00fcr measured gratification.<\/p>\n<p>3 Jahre sp\u00e4ter hab ich mich auf Dr\u00e4ngen des K\u00fcnstlers <a href=\"http:\/\/www.derRaum.com\">Stefan Z\u00f6llner<\/a> breitschlagen lassen den ersten expliziten Singularit\u00e4tsvortrag auf deutschem Boden zu halten. Ort: Die Ausstellung &#8222;1997 &#8230;.. Ausstellung, Forum, Labor&#8220; in K\u00f6ln. Er\u00f6ffnungsvortrag: Die technologische Singularit\u00e4t. Resonanz: von \u00e4hh bis boah. Einige heruntergeklappte Unterkiefer und ein betrunkener Szeneschriftsteller, der w\u00e4hnte sein Leben h\u00e4tte fortan wieder Sinn. Er hat sp\u00e4ter den Begriff &#8222;Singularit\u00e4t&#8220; 2 mal in seinen Schriften verwendet. Oh, Fortschritt!<\/p>\n<p><strong>Was ist Peak Oil?<\/strong><\/p>\n<p>Der Punkt ab dem weniger \u00d6l gef\u00f6rdert werden kann, als konsumiert werden muss. Ab da wirds haarig. Die einen sagen der war schon, die anderen w\u00fcnschen ihn sich in die Zukunft. Mithin: keiner weiss was genaues, und die \u00d6lkonzerne werden einen Teufel tun uns genaue Zahlen im Abendprogramm zu liefern.<\/p>\n<p><strong>Kannst du den Titel deines Blogs erl\u00e4utern, &#8222;Was Wyrd&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich erkl\u00e4ren ja immer nur M\u00e4dchen Witze, aber da es ja kein Witz ist, kann ich es auch erkl\u00e4ren. Obwohl es nicht erkl\u00e4rbar ist und obendrein wenig witzig, dieses Wyrd, nur lebbar. Wer den Begriff googled, landet mitten in R\u00e4ucherst\u00e4bchenland, aber auch in Mythologie und Ethymologie. Das Netz des Schicksals. Die drei Hexen bei Macbeth. Die Moiren, die Nornen. Son Kram halt. Fasst man den Begriff symbolisch auf, mapped ihn r\u00fcckw\u00e4rts auf das Netz und l\u00e4sst ihn dann in den eigenen Lobi aufschlagen, sind die \u00c4hnlichkeiten zu Blogs oder dem Netz schon erstaunlich. Auch die ethymologische Herkunft von &#8222;werden&#8220; aus diesem &#8222;wyrd&#8220; ist erstaunlich. &#8222;Werden&#8220; als abgeleitetes Wort von wird (wyrd) schl\u00e4gt dann auch den Bogen in die Zukunft, und was wyrd schliesslich mehr als die Zukunft? Man geht auf ein Web 2.0 Treffen, trinkt viel gelbes Wasser ohne Geschmack und das N\u00e4chste was man wahrnimmt, sind abgerauchte Logfiles.<\/p>\n<p><strong>Womit befasst sich dein Blog? Und wie ist das Feedback auf deinen Blog?<\/strong><\/p>\n<p>Die Kategorie mit den h\u00e4ufigsten Eintr\u00e4gen dreht sich nat\u00fcrlich um die sich beschleunigende technologische Entwicklung. Ich picke mir Indizien aus dem Strom der News heraus, die auf die Beschleunigung hinweisen oder ich stelle \u00dcberlegungen an welchen Stellenwert wir in einem derartigen Szenario haben oder haben k\u00f6nnten. Meine fr\u00fcher naiv-positve Einstellung hat sich im Laufe der Jahre differenziert, gerade auch wenn man bemerkt wie die weltweite, st\u00e4ndige Verm\u00f6genskonzentration einerseits ein notwendiger Motor der technologischen Beschleunigung und Komplexifizierung (um einen Begriff von Teilhard de Chardin zu benutzen) ist, andererseits auch zu einer transhumanen Getthoisierung der Reichen und Superreichen f\u00fchren k\u00f6nnte. Mein neuestes Hobby: Econophysic. Check it out! Passt genau in diesen Rahmen.<\/p>\n<p>Was das Feedback auf meinen Blog anbelangt, f\u00e4llt mir ein sch\u00f6ner Vergleich mit einem running Gag bei Garfield ein. Er steigt auf den Zaun, singt und wird mit M\u00fcll beworfen. Sch\u00f6n und gut. Kann man verstehen. Eines Abends steigt er auf den Zaun, singt und nichts passiert. Sein Kommentar dazu: I can hear you breath. So gehts mir. Steigende Leserzahlen, gesundes PR, fettfreies Design, kaum Kommentare. I can hear you breath. Klicken sich mitunter runter bis ins letzte Zipfelchen und ziehen schweigend von dannen. GandhiCon 1, sch\u00e4tze ich mal. \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Was ist &#8222;Econophysik&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Eine fruchtbare Fusion aus Physik und \u00d6konomie. Irgendwem ist Anfang der 90iger aufgefallen das Menschen in Massen \u00c4hnlichkeiten mit dem Verhalten von Gasen haben und hat begonnen das, was wir \u00fcber Gase wissen auf die Sph\u00e4re der \u00d6konomie anzuwenden. Mit verbl\u00fcffenden und auch desillusionierenden Ergebnissen. Eine tief verinnerlichte Maxime westlicher Gesellschaften ist ja, das Einkommen mit einem der wertgesch\u00e4tzten Merkmale wie Leistungsf\u00e4higkeit oder Intelligenz korreliert. Econophysiker k\u00f6nnen aber leider nachweisen das dem nicht so ist. Pareto ist also Ideologie. Man verdient nicht was man verdient. Einkommen ist in den Staaten, in denen es gut dokumentiert ist, zuf\u00e4llig verteilt. Und zuf\u00e4llig heisst: es korreliert mit keinem Merkmal. Keinem. Bittere Pille.<\/p>\n<p>Ich interpretiere dies so: was man anstreben kann, ist eine Rolle, eine Aufgabe oder einen Beruf. Niemand kann jedoch unter den herrschenden Bedingungen eine Korrelation von Intelligenz und Verm\u00f6gen garantieren. Interessanterweise sind nat\u00fcrlich erfolgreiche Menschen die ersten die einem an dieser Stelle an die Gurgel gehen. M\u00fcssen sie ja auch. Schliesslich ist diese Korrelation zutiefst in unseren inneren Gesellschaftsvertrag eingebrannt. Leider vergessen sie dabei wieviele gleich intelligente und m\u00f6rderisch schuftende Mitbewerber es auf der gleichen Piste nicht geschafft haben.<\/p>\n<p>Oberhalb einer gewissen Einkommensgrenze, die in westlichen Staaten bei circa 100000$ liegt verselbstst\u00e4ndigt sich Verm\u00f6gen und diese Menschen werden sozusagen aus dem &#8222;endlichen Spiel&#8220; (JP Carse) herausgenommen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfartige Informationen findet man auf der Seite einer <a href=\"http:\/\/www.saha.ac.in\/cmp\/econophysics\/abstracts.html\">Konferenz aus dem M\u00e4rz 2005<\/a> in Kalkotta mit allen Vort\u00e4gen.<\/p>\n<p><strong>Wie viel Zeit investierst du zum bloggen?<\/strong><\/p>\n<p>Oft wenig, mitunter mehr, aber meist genug. Vielleicht demn\u00e4chst mehr, da ich keine M\u00f6glichkeit sehe, der Konfrontation mit dem englischen Sprachraum auszuweichen. \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Die Singularit\u00e4t ist ein wichtiges Thema bei dir. Kannst du f\u00fcr Neueinsteiger beschreiben, was Singularit\u00e4t bedeutet?<\/strong><\/p>\n<p>Per Definition bezeichnet der Begriff den Punkt in der Zukunft, in dem eine k\u00fcnstliche Intelligenz geschaffen wird, die gr\u00f6\u00dfer als die menschliche ist, und sich dann beginnt rekursiv zu verbessern. Der sich beschleunigende technologische Fortschritt, zumal und offensichtlich in der Halbleiterindustrie, ist eine, aber keine notwendige Beobachtung das irgendetwas in dieser Richtung erwartet werden kann. Diese Beobachtungen gehen bis in die 20iger Jahre zur\u00fcck, siehe Teilhard de Chardin. Gro\u00dfer anderer Bezugspunkt w\u00e4re in dem Zusammenahng de Solla Price. Wichtige Begriffe sind dort alle schon abgehandelt. Nicht das jemand meint Ray Kurzweil is da m\u00e4hn \ud83d\ude09 . Das Thema liegt also seit hundert Jahren in der immer dicker werdenden Luft, einzig das die globale geistige Klimaanlage f\u00fcr eine h\u00f6here Rotationsgeschwindigkeit des Mievs sorgt.<\/p>\n<p><strong>Du bist Mitglied einer Mailing-Liste zu dem Thema Singularit\u00e4t, oder? Ist die auf englisch? \u00dcber was wird da so diskutiert?<\/strong><\/p>\n<p>N\u00f6. Ich verfolge nur einige Listen, insbesondere SL4 bei Yudkowsky. Ich w\u00fcrde nie auch nur wagen da Piep zu sagen \ud83d\ude09 Unter IQ 140 l\u00e4uft da rein garnichts. \ud83d\ude09<br \/>\n<strong><br \/>\nHattest du pers\u00f6nlich schonmal Kontakt zu Eliezer S. Yudkowsky, Autor von &#8222;Staring into the Singularity&#8220;? Welche anderen AI-Experten interessieren dich?<\/strong><\/p>\n<p>Trockenes &#8222;Ja&#8220;. Eine Email im Jahre 98 oder so. Seine Anwort war logisch einwandfrei, hat mich aber nicht verf\u00fchrt mein Herz weiter auszusch\u00fctten.<br \/>\n<strong><br \/>\nDenkst du, wir werden diesen Wendepunkt (oder Endpunkt) einer technischen Singularit\u00e4t noch erleben? Denkst du, es mu\u00df so kommen &#8211; oder ist es nur eine von verschiedenen M\u00f6glichkeiten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich muss immer daraufhinweisen, gerade wenn diese Begrifflichkeiten auf zu \u00fcbersch\u00e4umenden, jugendlichen Boden fallen, das die technologische Singularit\u00e4t ein Szenario unter vielen, mit einer uns unbekannten, gewichteten Wahrscheinlichkeit ist. So, das w\u00e4re der Cooler. Der Upper ist, das ich pers\u00f6nlich und einige andere illustre Pers\u00f6nlichkeiten auf Terra dieses Szenario allerdings f\u00fcr verdammt wahrscheinlich halten. Wenn Leute wie Yudkowsky oder Goertzel oder das unbekannte Genie in China reinhauen, k\u00f6nnten wir es erleben. Bei mir k\u00f6nnte es knapp werden, vor allem wenn ich meine Ern\u00e4hrung nicht in den Griff bekomme, aber alle um die 30 werden wir vielleicht nie wieder los.<br \/>\n<strong><br \/>\nMacht die Singularit\u00e4t denn unsterblich?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht unbedingt. Vor\u00fcbergehend kann es zu extremer Langlebigkeit f\u00fchren. Projekte wie die Methusaleh-Mouse von Aubrey de Grey streben ja genau das an. Unsterblichkeit ist wohl illusorisch. Schliesslich kann niemand garantieren, das nicht eine Supernova in der N\u00e4he Schluckauf bekommt und ihren Vorhof kurzerhand sterilisiert.<br \/>\n<strong><br \/>\nZum Thema Unsterblichkeit, denkst du, das Web macht uns unsterblich mit den Informationsspuren, die wir hinterlassen? Oder beschleunigt es eher den Verfall unserer Spuren, und wir t\u00e4ten besser daran, unsere Gedanken in eine Steintafel zu h\u00e4mmern?<\/strong><\/p>\n<p>Unter der Voraussetzung, das die Speichermedien nicht schlapp machen, werden wohl viele Spuren lange, sehr lange erhalten bleiben und irgendwann die Rekonstruierbarkeit einer Person in gewissem Rahmen m\u00f6glich machen. Unter diesem Gesichtspunkt kann man vielen Teeniebloggern nur w\u00fcnschen das sie nie mit dem Bloggen aufh\u00f6ren. Paradoxerweise genau das Gegenteil was man beim Lesen empfindet.<\/p>\n<p><strong>Eine Frage zur technischen Singularit\u00e4t. Ist es nicht so, das Menschen immer noch umlenken k\u00f6nnten, wenn es mal soweit ist &#8211; oder werden wir das garnicht wollen? Ist es eine positive Entwicklung?<\/strong><\/p>\n<p>Kann eine Ameise einen Elefanten einsperren? Nein. Die Ameise kann aber, wenn sie das Reissbrett rausholt (Autocad 826.9) sich \u00fcber die Problematik im klaren sein und daf\u00fcr sorgen das der Elefant, den sie entwerfen will ein netter Elefant ist. Vom Start weg. Alles andere w\u00e4re (nein: ist) Dexter\u00b4s Lab und das Rentenproblem l\u00f6st sich f\u00fcr ewig.<br \/>\n<strong><br \/>\nDas mit den jungen Bloggern erinnert mich an unsere Diskussion, dass es sp\u00e4ter Analysesoftware geben wird, die eben aus Blogarchiven ein psychologisches Profil erstellt. Denkst du sowas wird kommen, und wird es die Leute tats\u00e4chlich bedrohen?<\/strong><\/p>\n<p>Heute ist Mittwoch, 2 Tage nach Google Analytics. Ein Service, der umsonst und von Google f\u00fcr Millionen geleistet werden kann. Was heute mit einem einzelnen Datenpool auf einem Supercomuter gemacht werden kann wissen wir nicht. Durch den time-lag zwischen Supercomputern und Desktop von ungef\u00e4hr 10 Jahren, k\u00f6nnen wir nur ahnen was ein Personalchef 2015 zwischen 2 Sushis mit dem Profil von Tanja oder Jan machen wird\u2026<br \/>\n<strong><br \/>\nWas begeistert dich am Web &#8211; und was vergrault dich eher?<\/strong><\/p>\n<p>Da das Web riesig gro\u00df ist und das mal 2, ist es eigentlich der perfekte Spiegel. Mithin befinde ich mich seit meiner ersten Begegnung mit Gopher und Veronika im Zustand einer tunnelrealit\u00e4tsinduzierten Euphorie bez\u00fcglich dieses Interdings. Das Web ist so wie man selbst: Leute, die vom Leben nichts erwarten, finden nie was, ausser Porno. Die Sucher, Frager und Wissensarbeiter brauchten in den 90igern 3 Millisekunden um zu erkennen das es f\u00fcr sie gebaut wurde. Vergraulen? Hm. Da wir es mit einem Netz in Netzen zu tun haben, wird man eigentlich immer nur in eine andere Untermenge &#8222;vergrault&#8220;. No way out.<br \/>\n<strong><br \/>\nDu kennst Gopher, das hei\u00dft du hast dich recht fr\u00fch im Web getummelt. Was war denn bei dir so ein einschneidender Moment, wo du dachtest &#8222;Aha, hmm, das k\u00f6nnte ja was werden hier&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Eben der Moment nachdem ich die Unf\u00e4higkeit \u00fcberwunden hatte in einem Gopher zu man\u00f6vrieren. Peng! Wer das nicht sofort kapiert hat, der hat auch noch 1997 gefragt: Ja, aber was soll das? Jeder hat diese Gespr\u00e4che zwischen 1995 und 2000 mit Leuten im Bossanzug und braungebranntem Realistengesicht gef\u00fchrt. Im Kern war es aber im Gopher schon erkennbar. Ach Gott, im CCC haben Leute das erkannt, da gabs noch Akustikkoppler. Und Douglas Engelbart langweilt sich doch schon seit 30 Jahren \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Meine These: Die wichtigen Sachen erkennt man mit \u00dcberlichtgeschwindigkeit. Das ist wie Hallo-sagen! Wer etwas nicht derart kapiert, muss auf Managementseminare, Unternehmensberater einkaufen oder sich von Tom Peters beleidigen lassen.<br \/>\n<strong><br \/>\nWas interessiert dich an Google, und denkst du, es gibt konkrete Zusammenh\u00e4nge zur Singularit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht was sie sind, sondern wo das hinf\u00fchrt. Das was Google ist, ist Alltag. Das was Google wird, ist Science Fiction: die Rache der Geeks! Und der ultimative SF-Plot ist nun mal die technologische Singularit\u00e4t. Das der Begriff den Herrschaften bekannt ist, kann man aus dem Netzwerk und aus den Profilen der Leute herauslesen, die Google in den letzten Jahren eingestellt hat. Und wenn bei denen irgendjemand &#8222;exponentiell&#8220; bloss buchstabieren kann, werden wir auf jeden Fall noch ein paar mal \u00fcberrascht werden. Aber erst nach Weihnachten.<\/p>\n<p><strong>Welche Blogs liest du selbst so? Und welche &#8222;Offline&#8220;-Autoren liest du?<\/strong><\/p>\n<p>Im Feed bei Bloglines sind circa 300 Blogs. Das t\u00f6tet enorm den Geist. Denken braucht wirklich Zeit. Ich m\u00fcsste da mal j\u00e4ten. Die ganzen Wiederk\u00e4uer und Linkblogs l\u00f6schen. Lieber 10 Verdauerblogs als dieses Rauschen, das man f\u00fcr Geschwindigkeit halten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Teilhard de Chardin. Immer wieder, wenn ich tanken muss. Seine religi\u00f6sen Implikationen blende ich allerdings einfach aus, denn seine Beobachtungen funktionieren auch ohne.<\/p>\n<p>Ken Wilber nicht mehr so viel. Es ist ganz nett ein Stufenmodell f\u00fcr die geistige Entwicklung des Menschen zu haben. Ich glaube aber das selbst das maximalste Niveau in einem maximalen psychologischen Entwicklungsmodell immer nur Human 1.0 bleiben kann. Und bis alle unbehaarten Zweibeiner dieses Niveau erreicht haben, k\u00f6nnte unserem kleinen gelben Sternchen das Licht ausgehen.<\/p>\n<p>Ansonsten habe ich wohl mehr B\u00fccher vergessen als andere gelesen haben. Und wenn mir mal wieder langweilig wird, lese ich ein paar Zeilen Rilke.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Denn das Sch\u00f6ne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschm\u00e4ht, uns zu zerst\u00f6ren.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Welche von den 300 Blogs sind denn f\u00fcr dich die interessantesten?<\/strong><\/p>\n<p>Moment, ich schau mal. Dave Pollard? Global Guerillias. Future Now. The Speculist. Robotic Nation. Aber das kann sich morgen schon \u00e4ndern. Jeder weiss das. Ich bin immer auf der Suche nach Blogs in denen verarbeitet, nicht nur berichtet wird. Menschliche Linkmaschinen meide ich.<br \/>\n<strong><br \/>\nMario Sixtus ist ja auch sehr aktiv im Web. Kennst du ihn aus dem Real Life oder aus dem Web?<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Meatspace. Wir haben uns 97 oder 98 kennengelernt und mit seiner Hilfe habe ich 98 wieder mal meinen Standard 2.0 Vortrag \u00fcber die Singularit\u00e4t halten k\u00f6nnen. Mit Kaffee und Kuchen und handgeklatschten Folien. Und wieder in einem K\u00fcnstlerverein. Da lauert irgendwo eine Lektion\u2026<br \/>\n<strong><br \/>\nGehst du \u00f6fters auf Web-Treffen, wie neulich in K\u00f6ln? Gibt es eine Digerati-Szene in D\u00fcsseldorf?<\/strong><\/p>\n<p>Auf einigen Bloggertreffen wurde ich schon gesichtet. Und Digerati-Szene brauchen wir nicht. Wenn Mario und ich zusammensitzen reicht das.<br \/>\n<strong><br \/>\nWirst du auf dem n\u00e4chsten Webmontag dabei sein, so er denn stattfinden sollte?<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht. Vielleicht nicht.<br \/>\n<strong><br \/>\nWas ist f\u00fcr dich Web 3.0?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Hausnummer unter vielen. Eine ironisierende Retorte auf Web 2.0. Wie kann man Wasser festhalten? Das ist Kartondenken. Und Kartons sind immer in der Versandabteilung zu finden. In keinem Labor findet man Kartons. Wir leben im Labor.<br \/>\n<strong><br \/>\nDenkst du es gibt einen grunds\u00e4tzlichen Unterschied zwischen der deutschen und der englischen Blogwelt, von Sprache und Menge der Blogs einmal abgesehen?<\/strong><\/p>\n<p>You can bet! Irgendwas klappt da nicht mit dem deutschen Naturell und Blogs. Es z\u00fcndet nicht. Wie soll man es auf eine griffige Formel bringen? Vielleicht mit Lenin: &#8222;Wenn der Deutsche einen Bahnhof st\u00fcrmt, dann l\u00f6st er erst eine Bahnsteigkarte.&#8220;<br \/>\n<strong><br \/>\nDu hast in deinem Blog Google Earth in Zusammenhang gebracht nicht nur mit Geographieunterricht, sonder auch mit Spiritualit\u00e4t und Bedeutung. Kannst du das erl\u00e4utern?<\/strong><\/p>\n<p>Dissoziation. Der Overview-Effekt. Bekannt von Astronauten, die pl\u00f6tzlich da runter schauen, und denen der Verstand in die Hose rutscht. Das kleine runde Ding auf dem wir hausen wird pl\u00f6tzlich fassbar. Die Grenzen, die in jeder Tageszeitung morgendlich errichtet werden verschwimmen und wir pendeln in Google Earth zwischen den Details unserer Geschichte und dem gro\u00dfen \u00dcberblick \u00fcber unsere wirkliche Heimat: ein kleiner blauer Planet ohne Grenzen. Wen das nicht Sinn und Bedeutung lehrt, der muss in die Armee eintreten, Drogenh\u00e4ndler werden oder sein kleinliches W\u00fcten zur Religion erheben.<br \/>\n<strong><br \/>\nEs gibt Leute, die sagen, das sich grunds\u00e4ztliches menschliches Verhalten durchs Internet nicht ver\u00e4ndert hat. Stimmst du zu?<\/strong><\/p>\n<p>Wie ich schon sagte, das Internet ist durch seine Gr\u00f6\u00dfe ein Spiegel. Wer sein Spielgelbild nicht \u00fcberwinden kann, ist dazu verdammt sich zu einem \u00fcbergro\u00dfen Zerrbild zu entwickeln. Das Gute wird noch besser, das Schlechte wird zum B\u00f6sen. Alles im Netz. Live hier und jetzt.<br \/>\n<strong><br \/>\nHattest du in den letzten Jahren ein &#8222;A-ha&#8220;-Erlebnis im Web? Vielleicht die erste Sichtung eines Blogs, eines Wikis, oder \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube Blogs habe ich innerlich erwartet. Etwas Nat\u00fcrliches, das der Technologie innewohnte. Bei WiKis habe ich gezuckt und gejubelt. Der Bruch hin zur Unkontrollierbarkeit f\u00fcr alle Comand-und-conquer Strukturen auf dieser Welt hat mich tief befriedigt.<br \/>\n<strong><br \/>\nIch w\u00fcrde gerne einen Kommentar haben von dir zum Thema\u2026<\/strong><br \/>\n<strong><br \/>\nCreative Commons?<\/strong><\/p>\n<p>Abgerechnet wird zum Schluss.<br \/>\n<strong><br \/>\n\u2026 &#8222;Du Bist Deutschland&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Gini-Index und Boltzmann-Gibbs.<br \/>\n<strong><br \/>\n\u2026 Pr\u00e4determinismus?<\/strong><\/p>\n<p>Karma?<br \/>\n<strong><br \/>\n\u2026<a href=\"http:\/\/www.siggibecker.de\/LD.html\"> luzides tr\u00e4umen<\/a>, oder <a href=\"http:\/\/www.siggibecker.de\/Traumfragen.html\">Traum<\/a>tageb\u00fcchern?<\/strong><\/p>\n<p>An old habbit. Luzides Tr\u00e4umen relativiert das Attribut Real. Gute Lektion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ist der gesamte deutsche Text des Email-Interviews wie es \u00fcbersetzt bei Google Blogoscoped erschienen ist. 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Ich treibe mich schon &#8230; <a title=\"Interview bei Google Blogoscoped &#8211;\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/interview-google-blogoscoped\/\" aria-label=\"Mehr zu Interview bei Google Blogoscoped &#8211;\">Weiterlesen &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"generate_page_header":"","footnotes":""},"class_list":["post-235","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=235"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1247,"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions\/1247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.siggibecker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}