Gewohnheiten – Habits

Das erste Axiom sollte sein, das Gewohnheiten veränderbar sind. Ohne dieses Axiom besteht keine Hoffnung.

Für mich gerade relevant: die informationellen Gewohnheiten. Vormalig standen die Nutzungsgewohnheit gerade bei den in den gesellschafltichen Ablauf integrierten Medien fest. Jetzt: Wenn man die Selbstbeobachtung wagt und die Freiheiten nutzt, sind diese Gewohnheiten durchaus formbar. Ich muss immer häufiger an die Pipes von Yahoo denken. Die Pipes unserer Internetnutzung können verstellt werden, neu verschaltet, Gehäuse verlassen, gebaut oder genutzt werden. Mich wundert, das das geht, aber kaum genutzt wird. Unsere Nutzung der Ströme ist selbst über 20 Jahre nach dem Einbruch von „Internet“ in die breite Nutzung immer noch von alten Medienreflexen geprägt. Die Geschäftsmodelljäger wissen das. Die Enkel von Edward Bernays erst recht.

Überkommene Medienreflexe: Ein Text muss ein Artikel sein. Muss einen Anfang und ein Ende haben. Muss eine bestimmte Mindestlänge haben. Muss von einem gewissen Tenor getragen werden. Die Veröffentlichung eines einzigen Wortes: unmöglich. Die Liste der stilistischen und formalen Kriterien, die wir mit uns rumschleppen und vorbewusst als Meßlatte unseres Verhaltens und Outputs anlegen ist höllisch fruchtbar. Denn die Negation aller Kriterien ist technisch möglich in 2014.

Dem Experiment, dem Unausgegorenen und der Stimmung gehört die Zukunft.

Brause oder Real Thing?

Das nutzt mir jetzt rein garnichts, wenn abfuckte Realisten sagen: Ja, so sind die Menschen oder so ist Marketing. Während ein brausegesponserter Ösi, der sich aus großer Höhe raumfahrtlookalike schnell runterstürzen will, Aufmerksamkeitsrekorde bricht (Trending Topic on Tiwtter!), dümpelt das Real Thing von SpaceX so vor sich hin.

Dahinter lauert natürlich mein Glaube an eine Hierarchie von Relevanzen. Ich bin dummerweise immer noch nicht davon zu überzeugen, das Justin Bieber wichtiger ist als ein heranrasender Asteroid. Aus dem gleichen Grund halte ich das Andocken von Dragon an die ISS durch eine Privatfirma immer noch für langfristig relevanter als brausegesponserte Scheinrekorde.

Vermutlich unterliegt dieses Relevanzrätsel einer Art Kohlbergfilter. Wer auf Stufe 1, 2 oder 3 hängt, identifiziert sich wahrscheinlich schwerlich mit der Lösung von Problemen, die die gesamte Art bedrohen. Problemräume und Zukünfte und mithin auch die daraus folgenden Relevanzen entstammen eben auch dem imaginierten sozialen Umfelds. Wenn dieses nur mich oder allerhöchstens meine nächsten Bezugspersonen umfasst, bleiben mir natürlich Problemstellungen, die die gesamte Art betreffen ein Buch mit 7 Siegeln. Umschalten. „Matta, komm ma, da springt einer von ganz hoch!“

Dispositivinfektion

Mit Dispositivinfektion möchte ich in Zukunft Versuche bezeichnen, in denen Angehörige, Aufsteiger oder Überläufer alter Medieninstitutionen ihre Mediensozialisation in neue Verbreitungsmedien infektionsgleich einschleppen. Das kann vom „Magazindesign“ bis in den rethorischen Gestus oder die Tricks Aufmerksamkeit zu erzeugen reichen. Überhaupt dünkt es mich verdächtelnd, das die Mikrogesten der Parasprache mit all ihren sublimen Machtansprüchen diese freundlichen Medienblutgrätschen am perfidesten befeuern. Wes Brot ich aß, des Lied ich summen werde.

#Hangout mit Medienfuzzis

Professionalität als Leitsymptom

Was mich fasziniert ist die in Serie (Mehrin, Guttenberg, Chatzimarkakis, Wulff…) dargestellte „Professionalität“ und Coolness im „Umgang“ mit Massenmedien im Moment der Präsenz, on the spot, vor der Kamera, vor dem Mikrofon. Da liegt eines der deutlicheren Leitsymptome, das uns in Zukunft jedes Gesicht aus dem polititischen Dunstkreis verleiden wird.

Dieses Symptom hat zwei Enden. Das eine weist auf die Schnittstelle zu den Medien, das andere auf die Agenda, die sich nicht aus der einzelen Person, sondern aus einem dahinterstehenden Interessengeflecht ergibt. Beide Enden fusionieren in einer charakterlich disponierten Person, die kaum Angst und eine niedrige Schuld- und Schamschwelle gerade in der Öffentlichkeit hat. Langsam müsste aber dieses Muster auch jedem Bildleser auffallen. Soziologen allerdings zuletzt.