Dez 122011
 

Wenn man die unscharfen Verästelungen der in immer kürzeren Abständen eintrudelnden Obszönitäten versucht zu focussieren wird einem übel. Der Niedergang großer gesellschaftlicher Zeitläufte, die sich ihrem Ende nähern bringt auch mit sich, das die plutokratischen Schläge in die Fresse der restlichen 99% immer freizügiger und lustvoller vollzogen werden – und werden können. Das was Macht kann, zeigt sich nie in normalen Zeiten. Erst wenn der Zeithorizont von Alternativen gepflastert wird, die es von Seiten der Nutzniesser eine Status Quo zu vermeiden gilt, kommt wirkliche Macht auf Touren. Da werden dann in Hinterzimmergesprächen ganze Länder abgekoppelt (UK-EU), da werden Menschen installiert die kontra-kompetent aber transnational vernetzt sind (Guttenberg), da werden nichtgewählte Experten mit finanzpraktischem Hintergrund als Regierung installiert. Je alternativloser uns Entscheidungen verkauft werden, desto alternativvoller ist die Zukunft die vor uns verborgen werden soll.

Nov 192011
 

Wieviel wunderbare Spencer-Brown-Pseudoformeln erträgt das eigene Gewissen, obwohl Nachbarn schon abgeholt werden? Ab wann ist ein Gesellschaftstheoretiker in der vordersten Reihe zu finden und fängt sich eine Ladung Pfefferspray oder eine Rubberbullet? Wieviel Mitgefühl und Empathie kann eine Theorie in doppeltem Sinne irrelevant machen? Die Zeiten und Zeichen werden täglich konkreter und der Rhythmus in dem einem Zustimmung oder Ablehnung, gar Widerstand abgefordert wird, kann nur schneller werden. Wir taumeln in eine besinnungslose Polarisierung hinein, auf deren anderer Seite kleine, gut trainierte, hervorragend ausgerüstete Einsatzgruppen stehen, die mittlerweile überall auf der Welt ähnlich aussehen. Shaping for the shape of things to come.

Utopien müssen immer noch aus den oft blutigen Fugen der Realität gekratzt werden.

http://youtu.be/WmJmmnMkuEM

 

Nov 122011
 

Oft sind es geringe Anlässe die uns etwas erkennen lassen, was unter der Oberfläche der eingeschliffenen Routinen schlummert. Schiefe gesellschaftliche Machtverhältnisse zeichnen sich zunehmend auch dadurch aus, das vielen Teilnehmern die Freiheit zum Nein! entwunden wird. Durch psychologischen, ökonomischen oder simplen rethorischen Druck. Unworte wie “alternativlos” sind da nur schrundige Zeichen der Zeit für diese Entmachtung der Freiheit zum Nein. Ich will und werde in Zukunft öfter Nein! sagen. Occupy No!

Nov 042011
 

Das erstaunliche ist ja, das die rethorische Gemme “Verschwörungstheorie” langsam dazu führt, das man über manche Sachverhalte nicht mehr nachdenken kann, weil der Pauschalstempel “Verschwörungstheorie” zum Diskussionsabbruch führt. Sauber versenkt. Das Diktum von Carl Schmitt, “Elite sind diejenigen, deren Soziologie keiner zu schreiben wagt.” hat sich also durch eine seltsam klügelnde Smartness zum Denkverbot verschärft, in dessen Schatten fröhlich ganze Staaten ausgeweidet werden können. Ab einer gewissen Intelligenzhöhe ist es normal sich selbst in den Fuss zu schiessen.

Nov 042011
 

Wenn man dem Luhmannschen Bonmot folgt, das man gegen Komplexität nicht protestieren kann, dann sollte es aber möglich sein, wenn nicht gar notwendig, mehr Komplexität anzustreben. Daraus folgt natürlich der Ruf die Beschleunigung zu beschleunigen, in der Hoffnung auf eine höhere Ebene zu transformieren, auf der dann die Probleme der Komplexität der vorherigen Ebene sich wieder entzwirbeln lassen.

Nov 022011
 

Immer dann, wenn Zeit zum entscheidenden Faktor wird, bewegt sich ein System am Rande der Katastrophe. Wenn Onkel Niklas recht hatte mit der These, das Systeme ihre eigene Komplexität prozessieren, indem sie sie temporalisieren (SozSys S76 ff) – also known as: Eine Panik nach der anderen! – dann kann es ab jetzt nur noch ungemütlicher werden. Der ganze Laden auf Terra wird sich noch händeringend Utopien herbeisehnen um der gesamtgesellschaftlichen Regression zu entgehen. Unbeherrschbare Komplexität auf einer ausgereizten Ebene ist ein Schachspiel in slow motion auf der nächst höheren. Nur wo ist sie?

Nov 022011
 

Es scheint ein Zeichen des Niedergangs großer Kulturen zu sein, das sie durch ihre eigene Dynamik die verborgenen Interessen wie eine Fratze, die aus dem Schlamm emporgedrückt wird sichtbar werden lässt. Mit jedem Tick-Tack-Tag werden die Widersprüche greifbarer und die Kräfte der Polarisierung fühlbarer. Mit jedem Tag wird es einfacher auf diese Fratze und die dahinter rotierenden kranken Interessen hinzuweisen. Mit jedem Tag wird es einfacher Sätze zu formulieren, die noch vor Jahren als radikal gescholten wurden. Der latente Bedeutungsgehalt dessen, was sich nun konvulsivisch aus dem Schlamm des Kapitalismus erhebt, war dennoch immer da und unsere Schuld besteht zum Teil auch darin Menschen verlacht zu haben, die sahen welche Schrecken tief unten auf uns warten würden.

Nov 012011
 

Eigentlich wollte ich etwas vernünftiges absondern über den neuen superduper Trend in the wings: Influence, aber gerade jetzt (now!) schwillt mir recht artig der Kamm über so ein folgenreiches Detail wie den Zeilenabstand in der Listenansicht im neuen Google Reader. Da GR mein tägliches Hauptwerkzeug neben Mail und Gitarre ist, sind die emotionalen Auswirkungen auch ungefähr gleichwertig zu Mail-server down oder Wirbelkastenbruch.
Also was soll das? Der Zeilenabstand ist seit gestern abend im neuen Design so groß das die Lesegeschwindigkeit schmerzhaft ausgebremst wird. Ich bin gewöhnt schnell und viel zu lesen. Das fühlt sich jetzt im Reader so an wie waten durch Beton. Sehr angenehm. Welchen Don haben wir beleidigt? Den großen Adword-Don? Muss die allgemeine Lesegeschwindigkeit runtergedrückt werden? Ist irgendeinem Marketingfuzzzi in Mountainview aufgefallen das die Lesegeschwindigkeit mit irgendeiner geldwerten Maßzahl korreliert? Ich muss hier aufhören, weil ich sonst meine Medikation nachkalibrieren muss…

Okt 262011
 

Geht mir seit Wochen rund und rund. Betrifft die Kultur oder Unkultur derer, die mit Wissen zu tun haben und nicht in planbaren ökonomischen Verhältnissen abgesichert sind. Was man dort bis in die stilistischen Pirouetten hinein beobachten kann, zeichnet sich für mich als eine ständige 24/7 Simulation von Kompetenz ab, gepaart mit einem strategischen Sykophantentum, das jeden Handwerker Würgreflexe haben lässt.
Bei der sich abzeichnenden gesellschaftlichen und ökonomischen Unsicherheit kann das nur noch mehr werden. In Blogs, in Kommentaren, in Gesprächen, in Meetings – mit dem Ergebnis das die größten Con-Artists in den letzten Monaten des heiligen römisc.. äh Kapitalismussusses nach oben gespült werden.

Nachtrag: Ich benutze den Begriff Sykophant eher im englischen Sinne: “Im Englischen bedeutet sycophant heute Kriecher, Speichellecker, Schleimer.”