Zur Phänomenologie langjährigen Übens

Etwas langjährig zu üben, mit mitunter wenig Veränderung über längere Zeiträume, braucht einen Focus auf etwas, das man am Anfang der Übung noch gar nicht kennen kann. Nach langen Zeiträumen täglicher Wiederholung taucht etwas auf, das man am Anfang der Übung noch gar nicht hätte beschreiben können. Der Focus dieses Übens muss also auf etwas gerichtet sein, das man selbst noch gar nicht kennt, gar nicht beschreiben könnte. Wenn es auftaucht, ist sofort klar das dies eine neue Entwicklungsrichtung ist, die in den Focus der Aufmerksamkeit gerückt werden muss, um eine Verbesserung, Vertiefung, zu erreichen. Nur wie gesagt, am Anfang steht höchstens die Hoffnung oder der Hinweis des Lehrers „Mach das mal 11 Jahre!“. Dabei „kann“ man das doch schon nach ein paar Tagen, also, was will der Typ, ich bin doch toll.

Wachstumsmetaphern helfen da auch nicht weiter, weil das, was irgendwann durch Emergenz auftaucht keine schrittweise Verbesserung ist, sondern eine neue Qualität. Einfaches Können ist erst der Anfang einer jahrelangen Reise, an deren Ende – das wiederum der Anfang … – etwas steht, auf Grund dessen man nicht aufbrechen konnte. Faszinierend.

“I fear not the man who has practiced 10,000 kicks, but I fear the man who has practiced one kick 10,000 times”

Bruce Lee

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