Von Wäldern, Bäumen und der Reise

Die eine Hälfte der Leute ist gekommen um zu erfahren, welchen Baum sie in diesem abenteuerlichen Wald als nächstes fällen sollen. Die andere Hälfte hat schon einen Baum gefällt und reicht das Holz herum. Aber alle sehen in dem Wald keine Begegnung auf einer Reise, auf der man den einen oder anderen Baum fällt, um die Reise fortsetzen zu können.

Auf diese Weise ist der Wald angefüllt mit Geschnatter, Geraune und Folklore, Siegen, Niederlagen und Legenden. Während die einen eifrig einen Baum nach dem anderen fällen, stehen andere herum und rätseln, welchen Baum zu fällen sich wohl lohnte. Baumberater geben ihr wohlfeiles Urteil ab, während das Volk angewiesen wird mit seinen Macheten einen Weg durch das wuchernde Grün zu hacken. Kreischende Makaken mit lila Haarbüscheln schwingen sich auf den größeren Riesen von Ast zu Ast und proklamieren das zur unterhaltsamsten Fortbewegungsart (irgendwie kommt man immer von A nach B).

Zwischen den Wurzeln alter Bäume hocken Druiden und simpeln über die wahre Art der Wurzelpflege mit Ajax. Dort hinten grummelt ein Schrat über seinem silbernen Teegeschirr und berichtet von eigennützigen Baumfällern, denen die Pflege des Waldes nichts bedeutet. Und während jeder so seine eigene Art im Umgang mit dem Wald hat, gibt es Indizien das hinter dem Wald eine andere Landschaft beginnt. Das Fällen, Pflegen und Katalogisieren beschäftigt alle jedoch so sehr, daß der Wald zur Bühne der ewigen kleinen Dramen gerät. Vergessen wird, das er eine Station auf der Reise war. Und wie jede Reise lebt auch diese von Bildern, die über den Wald hinausweisen, und die jedem wahren Buschmann Angst einflössen. So fällt jeder mit seinem je eigenen psychischen Repertoire über die Stationen einer äonenlangen Reise her und richtet sich im Maut ein, den die Mühle der eigenen Verzerrungen bietet.

Igendwann lichtet sich aber jeder Wald und wer dann den Wald nicht im Bewusstsein der Reise durchschritten hat, dem zerfallen Holz und Heldentaten zu unbegriffenen Details im Gepäck.

4. Webmontag in Düsseldorf

Morgen ist wieder Webmontag in Düsseldorf und irgendwer hat mich in eine Diskussion mit 3 Professoren geschickt. Die Äusseren Hybriden kommen mir im Moment äusserst paradiesisch vor.

Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, das mich Fragen mit einem Zeithorizont umtreiben, den der normale BWLer nicht auf der Palette hat und ich glaube, das Utopien sich in Ideologien verkehren, wenn sie zu einfachen technologischen Trendfortschreitungen verkommen.

Im Gegensatz zu vor 10 Jahren ist das Internet heute nur eine von mehreren Technologien, die sich zunehmend exponentiell entwickeln und sich mit utopischem Potential aufladen.

Auf diesem Hintergrund wird immer wichtiger, nicht nur zu fragen in welcher Gesellschaft wir leben werden, sondern in welcher Gesellschaft wir leben könnten.

Wer das nicht beantworten will, wird sich in Zukunft ohne Vision mit einem Taschenmesser durch den Dschungel der Möglichkeiten durchwurschteln.

Von Veronika über Gesichtsbuch nach Omega

Das Netz so wie wir es kennen, ist vielleicht knapp 5000 Tage alt. Meinen ersten Vortrag über Nanotechnologie, AI und die technologische Singularität habe ich vor circa 4700 Tagen gehalten.

Kevin Kelly meint, wir müssten besser darin werden das Unmögliche für möglich zu halten. Eine durchaus erstrebenswerte, geistige Disziplin. Das kommunikative Rauschen an den Endstellen der großen Maschine führt jedenfalls nur dazu Verständnis zu simulieren. Den Vektor verstehen kann nur, wer seine Begrifflichkeiten und Konzepte soweit entrümpelt, das ihnen der Geruch der säugetierischen Herkunft nicht mehr anhaftet. Verstehen durch Reduktion von Komplexität mittels Metaphern (zB „Social Network“) ist kein Weg, der das wirklich Neue sichtbar werden lässt, ist nur eine Art der Abwärtsreduktion, um unserer Herkunft zu schmeicheln. Die kühle Luft funktionierender neuer Begriffe wird nur aus einem vorweggenommenen Omega geboren, und sind sodann einfach, weil aus fernster, imaginierter Zukunft raffiniert. Den Job kann niemand auch nur im entferntesten verrichten, der in sich Spuren von Mode, Trend oder Popkultur trägt.

Unsere Ichbewusste Existenz ist eine ständig an das Universum gestellte Frage, die wir nur beantworten können in einem Prozess der physischen (Transhumanismus), und geistigen (AGI) Transformation. Sich dieser Frage zu stellen war solange Eskapismus, wie die Antwort nicht machbar war. Unsere Zukunft ist jedoch voller Werkzeuge und Bilder, die eine Antwort zulassen werden. Das, und nicht Geldverdienen mit Blogs oder ob Facebook 15Mrd$ wert ist, ist die Triebfeder der Komplexifizierung (T. Chardin) auf dem 3. Planeten einer durchschnittlichen Sonne.

Kurzes Statement zur globalen Lage

Wer 200X in Fragen der Zukunft unterwegs ist und das Konzept der technologischen Singularität aus Unkenntnis oder Strategie ignoriert, ist, ob bewusst oder unbewusst, lediglich werblich für kurzfristige Gruppeninteressen unterwegs.

Umkehrschluss: Wer werblich oder für kurzfristige Gruppeninteressen unterwegs ist, muss diesem Konzept durch welche Begründung auch immer eine rationalisierende (keine rationale) Absage erteilen.

Wer dieses Konzept und seine aktive wie passive Wahrscheinlichkeit versteht und ablehnt, muss erklären warum er eine Welt mit:
*Peak Oil
*globaler Vermögenskonzentration durch Technologie
*Klimakatastrophe
*Altern für jeden
*Transhumanen Reichenghettos

für unabänderlich oder sogar erstrebenswert hält.

Die anderen treten bewusst und aktiv in eine Phase des Übergangs der Menschheit ein.

Erkennensschock: Der Giant Global Graph (GGG)

Als ich heute das Posting von Sir Tim vom 21. zum Giant Global Graph las, kroch mich ein Erkennen an, als ob ich das schon mal gelesen hätte. Plötzlich wusste ich: Etwas ähnliches hatte ich 2004 geschrieben und angedacht und sogar in einer Folge des Elektrischen Reporters als Letztes Wörtchen verbraten.

Jedes Indivduum zielt aus einer bestimmten Lebenssituation auf ein bestimmtes Tupel in diesem Raum. Jedes Individuum nimmt gleichzeitig auch eine aus vielen Tupeln bestehende Untermenge in diesem Wissensraum ein. Die Gesamtmenge der Tupel stellt seinen wissensgesellschaftlichen Wert dar. Dieser kann stagnieren, zunehmen aber nie abnehmen… Die soziale Evolution eskaliert mit neuen Mitteln.“

Damit ist auch mein blogabstinentes Hinterkopfgrübeln über die Diskussion zum sogenannten Social Graph (Beispiel: Fitzpatrick oder Iskold) umschrieben: Verwirrung durch scheinbares Erkennen. Ein Tupel ist für mich ein Punkt in einem dimensionalen Raum, 2 Tupel beschreiben eine Verbindung, einen Graphen halt. Kann sein das das der mathematischen Begriffspräzision nicht ganz genügt, aber meine Mathematik ist leider schon lange einen wunderhübschen Rosttod gestorben. Muss der kongeniale Leser kreativ mit leben 😉

Diese Tupel habe ich damals vollkommen unabhängig von jeweiliger Technologie begriffen. Das was Social Graph oder Giant Global Graph genannt werden kann, ist davon nur eine Untermenge, die epochenabhängig technologisch realisiert wird. Dennoch habe ich wohl teilbewusst zum Begriff Tupel gegriffen, denn der impliziert Berechenbarkeit auf dem Horizont hin zu Computronicum. Das Netz wie wir es heute kennen, kann da wohl nur maximal alle uns aus dem Meatspace bekannten Tupel bestenfalls isomorph abbilden.

Der utopische Druck in diesen Begrifflichkeiten liegt wohl darin, das der Graph nur realisiert werden kann, wenn im ersten Schritt freier Zugang zu den Tupeln gewährleistet ist. Der zweite Schritt wird wohl erst nach einer technologischen Singularität möglich sein: Entfaltung des Potentials aller Tupel hin in wirklich transhumane Räume. Oder anders: Alle Tupel weisen automatisch über den Menschen hinaus weil unsere physische Manifestation nur ein Mediator für diesen Graphen ist.