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Siggis letzte Worte




30.November 2010

Digitalisierung

...was wyrd, Beschleunigung der Beschleunigung, Soziologie, Transformation - 3 Kommentare » 11:54 pm

Heute abend im Geplauder (Video folgt) mit den Herren Bruysten und J. über die momentanen, weltweiten restaurativen Tendenzen schwante mir folgendes:

Die evolutionäre Tendenz zur Digitalisierung ist selbst digital.

Exegese: Die Konflikte, die die totale Digitalisierung heraufbeschwört, könnten dazu führen das es in the long run nur ein binäres Ergebnis gibt. Computronicum oder Steinzeit. Die Verwerfungen, die wir mit Wikileaks, JMstV, Urheberrecht, Genetik (ebenfalls eine digitale Disziplin) und sonstwas erleben, erzeugen derart große widerstrebende Tendenzen, das sie sich zu einer Zerreißprobe der gesamten Zivilisation auswachsen könnten. Nein werden. Was auf jeden Fall dabei auf der Strecke bleiben wird, sind die jetztigen Verhältnisse, die jetzigen Systemdynamiken, die heutigen Organisationsverhältnisse, das moderne Menschenbild. Wir haben die Folgen einer totalen Digitalisierung noch nicht im Ansatz begonnen zu begreifen. Und wieder sehe ich nur eine Möglichkeit: Beschleunigung der Beschleunigung.

1.Februar 2010

Vom Weitergehen

...was wyrd, Beschleunigung, Beschleunigung der Beschleunigung, Denken, Events, Futuristik, Soziologie, Transformation - Comments Off 1:16 pm

Wenn etwas wirklich weitergeht, dann meist nicht dort wo der “Schwung der Figur” sie hätte hintragen sollen. Die selbstversichernde Identitäts- und Öffentlichkeitssimulation Bloggen muss da schon hin und wieder etwas gebrochen werden, denn “was sich ins Bleiben verschliesst, schon ist´s das Erstarrte.” In diesem Sinne sind auch die seit fast einem Jahr stattfindenden Gespräche zwischen Dr. Jay, Tim Bruysten und mir zu verstehen:”…entzückt durch das heiter Geschaffne, das mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt.” Seit Anfang des Jahres auch als Video in un- nicht postmoderner Überlänge zu verfolgen. Das geistige Mäandern der Beteiligten entspricht der zunehmenden Kontingenz der Zeitläufte. Komplexitätsreduktion durch pointierte Antworten ist nur zwischen den Zeilen und Personen zu erwarten. Wenn das so weitergeht schwant mir noch ein Zusammenhang zwischen Systemtheorie, Utopie, Futurismus, technologischer Beschleunigung, Parallelität, Abstraktion, Kontingenz, Postmoderne, Elena Esposito, Ästhetik, Thermodynamik, Wurst, Teilhard de Chardin, En- und Ektropy, Inequality, Komplexität und einem Sonnenuntergang am Meer in Holland. Zwischen Rundumschlägen und Rodungen besteht ein fruchtbarer Zusammenhang.

3.August 2009

Rückblick Google Wave Hackathon Düsseldorf: Unscharfe Gedanken

Internet, Transformation, noosphäre - 1 Kommentar » 3:19 pm

Am Samstag fand wie angekündigt der Google Wave Hackathon in den Räumen von richtwert statt. Architektur, Fuktionalität und Begrifflichkeiten (Wave, Wavelet, Blips, Robots, Gadgets…) wurden von Alexander Benker zur Einführung noch mal rekapituliert. Die nachfolgende Diskussion katapultierte uns jedoch ruck zuck in tiefere Gefilde rund um Begriffe wie “Trust”, “Flow” und Collaboration. Zwar hat Google dankenswerterweise die erste Annäherung an Wave über eine alte Metapher (Outlook-Variante) leicht gemacht, es wird aber schnell klar das dies nur ein pädagogisches Entgegenkommen ist. Alles ist möglich. Aber was ist sinnvoll? Und: Was ist wirklich beschleunigend oder wirkt auf einen distinkten Parameter paralleler Kommunikation so ein, das sich die Qualität dieser Kommunikation in Wave postitiv verändert?

Tools, die heute ins Freischwimmerbecker des Internet geworfen werden, dürfen nicht einfach einen Meatspace-Prozess 1:1 (oder schlechter) abbilden, sondern müssen als Operator wirken, dh der Prozess muss durch das Tool aufgewertet oder gar transformiert werden, andernfalls sie bei Strafe im Wow-Museum landen. Twitter 2013 ;-).

Ein Ad-hoc Modell, das sich im Laufe des Sonntags in mir dabei herauskristallisierte, habe ich versucht wie folgt zu skizzieren:

Kommunikative Tools fallen nie in abstrakte Hände und Köpfe, denen man mittels Design, Usability, UI und Konrad Lorenz´schen Attraktoren ein “sexy” Erlebnis beschert. Statt dessen fallen sie in konkrete Hände, in konkreten, sozialen Umgebungen, in denen die Freiheitsgrade des Users im konkreten Kontext eine massive Rolle spielen.

Organisation vor Google Wave

In Kontext A geniessen die Individuen große Freiheiten und selbst wenn sie sich sehr nahe kommen oder sich ihre Rollen überschneiden, wird ihr Identitätskern nicht unbedingt in Frage gestellt. Feelancer und Privatpersonen wären hier denkbar. In Kontext B hat jeder Akteur genau beschriebene, oft geringe Freiheitsgrade innerhalb einer strukturierten Organisation.

Was passiert nun wenn man in diese Brown´schen Brühen einen Beschleuniger wirft? Erhöht sich im Sinne von Teilhard de Chardin die soziale Temperatur? Und wie werden die Akteure in Milieu A und B darauf reagieren? Wieviel Temperaturerhöhung ist erträglich, bevor es ans Eingemachte geht und der Einzelne mit Grunddefinitionen seiner Rolle an denen der Anderen vorbeischrammt und schreddert?

Organisation vor Google Wave

In Milieu B wird im Falle eines disruptiven Beschleunigers sehr schnell eine Reibungstemperatur erreicht, die zu Wiederstand und Konflikt führt. Interfaces, UI und Usability können da vielleicht helfen, mindern aber nicht den Stress zwischen den Akteuren. Maximale Forderung: Neue Organisationsformen, ich-stabile, im Extremfall postneurotische Individuen mit Fähigkeit zur aperspektivischen Sichtweise (Gebser).

In einem kurzen Gespräch mit Frank Ammari wurde mir noch ein anderer Punkt etwas klarer: Trust ist ein beschleunigender Faktor in kommunikativen Prozessen und trägt somit zur Ektropy auf Sol3 bei. Daraus folgt, das Wave Jazz ist! ;-)

Die Fortführung dieser Gedanken kann entweder hier in den Kommentaren stattfinden, oder auf dem nächsten WaveWednesday am 12. August in den Büroräumen von richtwert. Ich bin mit dem Thema auf jeden Fall noch nicht durch!

28.Mai 2009

Change des Change

Beschleunigung, Beschleunigung der Beschleunigung, Prä-Singularität, Singularität, Soziologie, Transformation - 3 Kommentare » 11:10 am

Aus den Kommentaren zu meinem Gastvortrag im Studiengang C-MD an der FH-Aachen meine ich einen Groove herauszuhören, der bei Einzelnen genau den Drive hat den wir in den nächsten Jahren brauchen werden.

Da driftet in der impliziten Zukunftsbewältigung mächtig was auseinander. Die unter 30-jährigen haben wirklich das exponentielle “anything goes” eingepreist und wollen in großen Teilen nur den Arsch an der Wand hochbekommen. Noch eine Fliege im Honig ist da wirklich non-wowig.

Für die post-30-jährigen hiesse das mal wirklich nichtlinear zu denken: zu merken, das die “Zukunft” schon eingefaltet ist in die Köpfe der heranwachsenden Generation, die Gegenwart längst in eine Richtung abgebogen ist, die die vorherige Generation so nicht gesehen hat. Die aufgeregten Entdecker eines neuen Horizonts sterben den mentalen Tod der Lächerlichkeit, wenn sie nicht registrieren wollen, das der Boden auf dem sie denken längst aufgehört hat zu schwanken und zu einem fliegenden Teppich mutiert ist. Der Schwindel, der die über 30jährigen im Angesicht Moores Law und der zurückgelegten utopischen Distanzen ergriffen hat, ist längst pathetisch. Niemand muss trommeln, wenn alles groovt.

Auf dem sogenannten C-Level sieht das selbstredend anders aus. Und genau dieses out-of-sync sein kann dramatische Konsequenzen für die Knowledge-Integrität (ich nenns mal so) großer Organisationen haben. Die jüngeren Angestellten sind mental und tooltechnisch unaufgeregt im pre-Singularitäts-Zeitalter angekommen, während das C-Level stolz Emails ausdruckt. It needs two to tango, aber bei so einem Tänzchen muss einer stolpern oder mit seinen Krücken der Macht wild um sich schlagen.

28.Januar 2008

Von Wäldern, Bäumen und der Reise

...was wyrd, Transformation - 5 Kommentare » 7:00 pm

Die eine Hälfte der Leute ist gekommen um zu erfahren, welchen Baum sie in diesem abenteuerlichen Wald als nächstes fällen sollen. Die andere Hälfte hat schon einen Baum gefällt und reicht das Holz herum. Aber alle sehen in dem Wald keine Begegnung auf einer Reise, auf der man den einen oder anderen Baum fällt, um die Reise fortsetzen zu können.

Auf diese Weise ist der Wald angefüllt mit Geschnatter, Geraune und Folklore, Siegen, Niederlagen und Legenden. Während die einen eifrig einen Baum nach dem anderen fällen, stehen andere herum und rätseln, welchen Baum zu fällen sich wohl lohnte. Baumberater geben ihr wohlfeiles Urteil ab, während das Volk angewiesen wird mit seinen Macheten einen Weg durch das wuchernde Grün zu hacken. Kreischende Makaken mit lila Haarbüscheln schwingen sich auf den größeren Riesen von Ast zu Ast und proklamieren das zur unterhaltsamsten Fortbewegungsart (irgendwie kommt man immer von A nach B).

Zwischen den Wurzeln alter Bäume hocken Druiden und simpeln über die wahre Art der Wurzelpflege mit Ajax. Dort hinten grummelt ein Schrat über seinem silbernen Teegeschirr und berichtet von eigennützigen Baumfällern, denen die Pflege des Waldes nichts bedeutet. Und während jeder so seine eigene Art im Umgang mit dem Wald hat, gibt es Indizien das hinter dem Wald eine andere Landschaft beginnt. Das Fällen, Pflegen und Katalogisieren beschäftigt alle jedoch so sehr, daß der Wald zur Bühne der ewigen kleinen Dramen gerät. Vergessen wird, das er eine Station auf der Reise war. Und wie jede Reise lebt auch diese von Bildern, die über den Wald hinausweisen, und die jedem wahren Buschmann Angst einflössen. So fällt jeder mit seinem je eigenen psychischen Repertoire über die Stationen einer äonenlangen Reise her und richtet sich im Maut ein, den die Mühle der eigenen Verzerrungen bietet.

Igendwann lichtet sich aber jeder Wald und wer dann den Wald nicht im Bewusstsein der Reise durchschritten hat, dem zerfallen Holz und Heldentaten zu unbegriffenen Details im Gepäck.