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Siggis letzte Worte




7.Dezember 2006

Replik

Denken, Soziologie, Sprache - Comments Off 11:52 am

Der Versuch dieser jungen Dame ist so beleidigend linear, wenngleich anregend, das man ihn nur aus dem hoffärtigen Egozentrismus eines bestimmten Lebensalters und einer spezifischen geistigen Disposition erklären kann. Die dreifache Menge an Leben (52) äussert sich eben nicht nur in Falten, sondern auch in Überschuss, den ein drittel großer Fetzen (17) kaum bedeckt.

Auch wenn unsere digitale Existenz scheinbar gleich daher kommt und scheinbar gleich zugänglich, nämlich klickbar ist, - dahinter verbergen sich unterschiedlichste quantitative und qualitative existentielle Stränge, die nie identisch gemacht werden können. Der Ruf nach Verständlichkeit (Tilgung: für wen?) und Einfachheit, ist so alt wie die introjizierte Warenwelt: Ich will Wurst im Gegenwert von 3,50. Wehe, ich muss kauen, wehe, ein Geschmack stellt sich ein, wehe, es weicht ab von dem was meine Peergoup frisst. Abweichung wird nur toleriert wenn sie in den normierten, reproduzierbaren Erscheinungsformen und Haltungen der Popkultur daherkommt, die Form einer klaren Bedienungsanleitung annimmt (Pushbutton Intellekt) oder genügend sinnlich aufreizend ist um auf dem schwankenden Boden einer unklaren Identität vorübergehend den Schwindel zu betäuben. Solange man Identität sucht, ist Ambiguität unerträglich.

Obwohl Wissenschaft unser bester Besen ist, um den Grund zu fegen auf dem wir stehen, lässt sich schlecht mit einem Besen tanzen. Zukunft wird zwar durch klaren Boden bereitet, aber durch den aufgewirbelten Staub schauen kann nur, wer willens ist Umrisse als das gelten zu lassen.

4.Juni 2006

Your Thoughts Are Your Password!

Denken, Internet, Soziologie, Sprache - 1 Kommentar » 12:35 pm

Vor einiger Zeit erschien bei Wired ein Artikel über eine Technologie zur Zugangskontrolle, die zu diesem Zweck das Muster der Gehirnströme auswertet. Im Chat mit Herrn Bruysten missverstand ich diese Überschrift. Ich interpretierte sie als: Deine Gedanken sind Dein Passwort! Was ich schreibe und denke ist der Ausweis dessen was ich in ein Netzwerk einbringen kann und innerhalb der kleinen Netze der Blogosspäre auch de facto (fast) täglich einbringe. Bestenfalls nähert sich bloggen dem Stream of Consciousness, der, weil annähernd spontan, kein gefaktes Niveau darstellen kann.

1.Februar 2006

Programm 2

...was wyrd, Denken, Futuristik, Singularität, Soziologie, Sprache - 11 Kommentare » 12:08 pm

Nach Adorno sollten philosophische Texte immer gleich weit entfernt sein von ihrem Zentrum. Das Zentrum ist für mich die Spannung zwischen Phäno- und Genotyp, die im eschatologischen Konzept der technologischen Singularität beendet oder begonnen wird. Wer die Wirkung dieser Spannung nicht in diesem Moment fühlt wird lediglich faktische Texte (Hausaufgaben) produzieren oder Domains mit den entsprechenden Keywords bunkern. Eine Kugelgleichung a la Tipler für die mögliche Expansion der Menschheit aufzuführen ist keine Deutung, keine “Esoterik”. Das ist Hausaufgaben, brav, basic, phantasielose Exoterik, wird aber genauso immer weniger reichen, wie der 100 000. Text über eine Nockenwelle.

Beschleunigtes technologisches Fortschreiten ist eben nicht nur eine vermehrte Ansammlung von Transistoren, sondern auch eine inflationäre Abwertung von Themen, Texten, Stilen. Von Arten zu reden, zu schöpfen, kreativ zu sein. Epigonen produzieren den 3 452., manieristischen Text zur Singularität. Gleiches gilt für die zelebrierte Subjektivität in vielen Blogtexten, die vorgeben “nur eine gute Geschichte” zu erzählen. Die Autoren sind schon vor Jahren im Knie der Mooreschen Kurve verdurstet.

Das Risiko, sich der Hermeneutik dieses Fragenkomplexes zu stellen, muss in der Person und somit im Stil vereinigt werden. Stil zu thematisieren oder abzulehnen behauptet immer implizit einen Anspruch auf eine normierte Weltsicht reklamieren zu können. Wer im Herzen Technokrat ist, kann Technologie zwar erklären, aber nie deuten.

Weil futuristische Themen jedoch weder veri- noch falszifizierbar sind und somit im Kern nicht wissenschaftlich sein können, sind sie im weitesten Sinne philosophisch. Wer das übersieht, endet als Horx- oder gar Popcorn-Variante mit je eigenem Zeithorizont und Trefferquote.

29.Juli 2004

Supi: Am Puls der Zeit (Kapitel: Sprachseuchen)

...was wyrd, Denken, Sprache - Comments Off 12:51 pm


Ich wollte es eigentlich seit Monaten ignorieren, aber jetzt, wo ich in einer privaten Mail durch einen guten und intelligenten Freund damit konfrontiert wurde, muss ich mich in aller Form und öffentlich gegen den Gebrauch von
“Supi”!

wehren! Was ist mit dieser Loooosernation los, das sie sich dem mentalen Virus einer infantilisierenden Verkleinerungsform eines ehemals geschätzten Superlativs hingibt? Können sich nur noch alte Säcke wie ich daran erinnern, wie das linguistische Unterbewusste ca Anfang der 70iger mit Freude und Lust den Gebrauch von Superlativen überhaupt entdeckte? Echt super! Das war eine Errungenschaft. “Super”!

Und nun seit Monaten das: “Supi”! Igitt! Blärgh… Den Schaden den ein zurückgenommener Superlativ in den Hirnen der Sprachnutzer anrichtet, mag ich nicht fühlen. Alles in mir weigert sich dieses Wort (nein: Wörtchen) zu nutzen. Leute, Leute: Kann - nein - darf man einen Superlativ diminuieren? Klar, man darf. Man darf alles.

Man muss nur bereit sein die Folgen zu tragen. Aber vielleicht ist es auch nur eine nacheilende, sprachliche Anpassung an die gesellschaftliche Inferiorisierung breiter Gesellschaftsschichten und ihrer gescheiterten Erfolgsaussichten. Nacht Mattes! Damit ist keine Zukunft zu machen. Sprachhygiene ist Psychohygiene. Und wie Boris schon sagte: 90% des Spiels wird im Kopf gewonnen!

17.Dezember 2003

Stil

Denken, Sonstwas, Sprache - 2 Kommentare » 5:53 pm

Stil ist immer auch Unkenntnis der eigenen Persona. Mithin: Ist bewusster Stil möglich?