9.Oktober 2004
Filter Werte Weltdeutung
...was wyrd, Beschleunigung, Prä-Singularität, Soziologie - Comments Off 10:44 am
Die Optik mit der ich auf die Technologien und Entwicklungen in dieser Welt schaue, bestimmt auch welchen Trend ich zu sehen meine und wie ich ihn bewerte. Wo der Eine den Untergang der Welt sieht, entdecken andere den Aufgang einer neuen. Filter und Wertesysteme sind die Reflexzonen unserer Weltdeutungen.
Gleichzeitig ist die Sozialisation und Initiation in eine Weltdeutungskultur - ob Wissenschaft, Attac oder Kneipe an der Ecke - Garant dafür, das gesehen wird, was gesehen werden muss. Solange gesellschaftliche Veränderungen langsamer als die Entwicklung der Weltmodelle erfolgte ging das noch an.
Was aber wenn sich die Veränderungen in Zyklen einstellen, die der Modellentwicklung keine Zeit lässt? Bizarr. Genau: Bizarr. Die Deutungen werden bizarr. Was gestern noch ein funktionierendes Vergrößerungsglas war, kann unter den heutigen, beschleunigten Bedingungen zum Kirmesspiegel werden. Bestes Beispiel der Prozeß gegen Alvar Freude.
2.Oktober 2004
Palimpsest
...was wyrd, Soziologie - Comments Off 10:18 pm
Lederjacken, Reislampen, Hip Hop oder der Gebrauch von “Chillout”, “…und gut ist” oder anderer Zeitgeister sind je eigene Potentiale einen Palimpsest auszulegen, dessen Hintergrundtext mehr oder weniger - meist weniger - über sich hinausweisen. Internet, Blogs, Nanotechnologie oder technologische Singularität sind absolut uncoole Palimpseste mit einem Hintergrundtext der jede Party sprengt. 2 Klassen. 2 Leidenschaften. Erinnert mich an die 3 Kulturen von John Brockman. Wer das große Wozu (nicht die kleinen Varianten bitte) nicht beantworten kann, der rächt sich am ewigen Warum und trägt Lederjacke, hört HipHop und schwelt seine Identität mittels Image ins Stammhirn. Jede Zeile Code, jedes konstruierte Molekül und jede Theorie allerdings, beisst vom Unwissen (siehe unter Kältetod) einen fruchtigen Happen ab und hüpft durch das Palimpsest unserer Existenz in den Vordergrund des Hintergrunds der Leidenschaft. ![]()
7.August 2004
Systemische Turbulenzen
...was wyrd, Beschleunigung, Soziologie - Comments Off 12:12 pm
Ehe ich meine Kommentare zur Rechtschreibentscheidung in verschiedenen Blogs dort erkläre wo sie nicht verstanden wurden, mach ich das doch lieber im eigenen Gehäuse.
Für mich ist diese Entscheidung nur eine von vielen in einem gesellschaftlichen System das sich auf einen Zustand hinbewegt den man in der Systemtheorie als unstabil bezeichnet. In einem solchen Zustand können die Kybernetiker, also die Entscheider (ob Politiker, Manager oder Chefdenker) innerhalb des Systems nur zunehmend falsche, das heisst nicht funktionale Entscheidungen treffen. Zumal in einem System das von heftigen Rückkopplungen bestimmt wird.
Ein sehr schönes Beispiel ist die Ankündigung der Wasserwirtschaft das in den nächsten Jahren das Wassergeld um bis zu 50% steigen wird. Warum? Weil man Anfang der 90iger nur gutes für den Osten wollte. Der Zusammenbruch der Ostwirtschaft führte aber dazu, das die Wasserkapazitäten nicht mehr gebraucht wurden, und da stehendes Wasser eine Gesundheitsgefährdung darstellt muss nun zurückgebaut werden. Für seeehr viel Geld. Wenn das nicht eine kaum vorhersehbare negative Rückkoppllung ist, dann weiss ich nicht was eine sein soll.
Solche Entscheidungen werden vermutlich in den nächsten Jahren zunehmen. Weil der klassische Steuermann nur in einem stabilen, fliessgleichgewichtigen System brillieren kann. Was nun der stammtischlastige Durchschnittsbürger (Blogger?) macht, ist folgendes: Er ergreift mehr oder weniger intelligent Partei. Stranguliert sich und seine Mitmenschen im Für-und-Wieder der jeweiligen Entscheidung. Kann nicht sehen das eine historische Situation, die von den Osszillationen gebeutelt wird, die den Zustand vor der Etablierung eines neuen Attraktors (was auch immer das ist) kennzeichnet, per Definition nicht regierbar, steuerbar ist. Das gleicht dem Zielen auf einen zunehmend stochastischen Hasen. Ein Stochase sozusagen. Fieses Tier.
Auf der anderen Seite ahnen viele Leute das und greifen in ihrer sich auflösenden gesellschaftlichen und sozialen Identifikation zur beliebten Selbstmedikation durch mehr vom Selben: Debattieren, räsonnieren, demonstrieren. Die Zeiten sind somit nicht nur turbulent, sondern auch laut. Und im Rauschen ein Muster zu erkennen ist leider nicht möglich, wenn man den Raum nicht verlässt. Wieder das Thema: Detail, Bedeutung, Distanz. Zur Lektüre empfohlen: Dietrich Dörner (Tamaland, Lohhausen), Erich Jantsch, Erwin Lazlo…
18.Dezember 2003
Was wyrd
...was wyrd, Beschleunigung, Prä-Singularität, Soziologie - 1 Kommentar » 10:33 pm
Mich deucht in den Gehirnen der jungen Generation ist die ständige, exponentielle Veränderung des Zukunftsraumes schon eingepreist. Nur ältere Herrschaften wie unsereiner delektieren sich noch am Wow-Faktor, weisen auf Moores Law hin oder mummeln: “Wo soll das bloss noch alles enden?”
Wer heute 15 oder 20 ist lebt mit der ständigen Revolution. Hat nie etwas anderes gekannt. Erwartet immer anderes und um den Faktor 10 erneuertes. Das wirklich Schockierende für diese Generation wäre das Erreichen der technologischen Grenzen. Was kommt nach Anything Goes?
13.Dezember 2003
Masstab
...was wyrd, Elektrischer Reporter, Soziologie - Comments Off 12:50 pm
Politische Entscheidungen müssten heutzutage eigentlich immer ein inhärentes Signum tragen. Das Signum der Erkenntnis, das die technologische Beschleunigung inklusive ihrer destabilisierenden Folgen unvermeidlich ist, und nur eine weitere Beschleunigung Leiden minimiert. Wer lässt sich daran messen?