Morphender Roboter auf der Robo-one in Tokio

In diesem Videoclip ist ein Roboter vom 9. Rob-One Wettbewerb vom 18/19 März zu sehen, der die Funktion seiner 4 Extremitäten fliessend neu definieren kann. Aus einem Bein wird ein Arm, und umgekehrt.

Für Momente schob sich das Bild eines zukünftigen Roboters vor mein geistiges Auge: ständig morphend, gestaltwandlerisch, sich der Aufgabe bis zur Unsichtbarkeit anpassend. Irgendwo hatte ich das schon mal gesehen. Dann fiel es mir ein: Moravecs Roboterbüsche! Die finale Konvergenz aus AI, Nanotechnologie und Robotik! Wird es zwischen diesem lustigen kleinen Burschen (Ha, ha! Annegret, komm mal kucken!) und Moravecs Vision Verbindungsglieder geben? Ich meine: Ja. Und jeder der dazwischen liegenden Meilensteine wird uns schwerer im Magen liegen. Bis auch der letzte Depp den Watzmann sieht.

Robotik, Risiko und Gesellschaftsvertrag

Die Stabilität unserer Gesellschaft beruht zu großen Teilen auf der Rückversicherung von Risiko. Das Risiko, Opfer von Willkür zu werden, wird (sollte?) von unserem Rechtssystem abgefangen. Die Kosten einer Krankheit wird von speziellen Versicherungen getragen, Erwerbslosigkeit von der Arbeitslosenversicherung. Die in Jahrtausenden akkumulierte Erfahrung von Schmerz, Würdelosigkeit und Armut haben zur Erkenntnis geführt, das es Umstände gibt, die menschenunwürdig sind.

Was hat das mit Robotik zu tun? Eigentlich nichts, solange die klassischen individuellen Risiken durch gesellschaftliche Institutionen aufgefangen werden. Wenn dies allerdings zunehmend nicht mehr der Fall ist, warum sollten sich dann große Teile der Gesellschaft noch an diesen Vertrag halten? Ist diese Erkenntnis vielleicht schon in Teile der Gesellschaft eingesickert, mit der Folge das wir immer häufiger Zeugen scheinbar irrationaler Phänomene werden, die den Gesellschaftsvertrag ironisieren, umgehen oder ignorieren?

Stabilität in komplexen Systemen ist das Ergebniss sehr ausgeklügelter Regelkreise mit postivem und negativem Feedback. Feedback, das gedämpft oder verstärkt werden kann. In komplexen Systemen einigen Regelkreisen die Dämpfung wegzuregeln kann zu interessanten Phänomenen führen, die allerdings nicht mit dem Begriff Stabilität bezeichnet werden können.

Paradoxerweise ist der Tritt, den dieser Roboter (WMV, 11Mb) von einem seiner Schöpfer empfängt, ein Tritt den wir alle empfangen werden. Aber werden wir auch wie dieser Roboter ein neues Gleichgewicht finden? Und wieder die Frage: Für alle oder Wenige?

Darpa Grand Challenge Reflexion

Die Wahrnehmung dieses Rennens in der Öffentlichkeit wird wohl dadurch begrenzt das die daraus resultierenden Ergebnisse 2 Minuten des nachdenkens und brainstormens erfordern. Wieder ein Beispiel für die Hermeneutik von Technik. Was es ist sieht jeder. Was es bedeutet muss durch denken (Verb, eine Tätigkeit) erschlossen werden. Die Folgen werden in 5 oder 10 Jahren auf diversen Arbeitsmärkten wüten. Nicht jetzt. Nicht nächstes Jahr.

Da läuft ein Rennen gegen uns selbst und keiner schaut zu. Toll.

DARPA Grand Challenge

Fast übersehen: Die nächste DARPA Grand Challenge ist am Samstag 8. Oktober. Timelimit 10 Stunden, Strecke 175 Meilen querfeldein durch die Wüste von Nevada. Die Vorentscheidungen sind Mittwoch. Ich bin gespannt ob die letztjährige Distanz von 7 Meilen frei nach Moore´s Law verdoppelt werden kann. Gunther Gabriel wird die Ergebnisse in jedem Fall nicht lieben. 30 Tonner Diesel zu preisen hat keine Zukunft.

In welcher Zeit wir leben

Hin und wieder ist ein unverstandenes Mosaik aus Bildern, die man willentlich vor sich hinstellt, aussagekräftiger als jede schlüssige Rede die sich versucht selbst zu überzeugen. Ein wilder Wechsel aus Ideen und Dingen, die Primatenhänden und -hirnen entspringen, um in einem stillen Moment zu kondensieren, der etwas in uns träufelt, das auf uns warten wird.

Dinge stehen auf. 13Mb avi
Emotionen

Sowohl physische als auch virtuelle Artefakte beschreiten schon lange einen Weg, der durch uns und über uns hinaus führt. Der Schauder der mich beim Replay des Aufstehens dieses Klotzes erfasst, ist die Erkenntnis das sich mehr erhoben hat, als nur ein Haufen gesteuertes Metall.

Sie kommen

Mir ist sonst nicht danach zur biologischen Linkmaschine zu verbloggen, aber in diesem Fall gebe ich dem Drängen nach. Woanders hatte ich schon mal darauf hingewiesen. Insgeheim hofft man ja das geht vorbei, jemand vergisst es und der Clementoptimismus behält recht. Aber nichts da.

Toyota gibt nicht auf. Zur Weltausstellung im März sollen die Besucher im Toyota-Pavillion von einer Blaskapelle und tanzenden Hip-Hoppern begrüsst werden. Der einzige Haken daran: Es werden Roboter sein. Ich hatte schon immer meine Probleme mit Volksmusik. Die weitere Marschroute wird von einem Toyota-Talkinghead mit: „We aim to reduce production costs to the levels in China“ ausgegeben. Ich vermute mal das liegt unter den Produktionskosten in Deutschland. Höre ich da jemanden „Moore“ stottern?

I , Robot

Heute läuft in Amiland die Verfilmung des Asimov-Klassikers „Ich, Robot“ an. Hollywood verhält sich da nicht anders als Washington: rücksichtslos. Jedem sein Script nach Massgabe seines Horizonts. Was jedoch viel wichtiger ist: Das Singularity-Institut rund um Elizier Yudkowsky nimmt diese Gelegenheit zum Anlass, um auf sich und die sehr großen Lücken in den 3 Robotergesetzten von Isaac Asimov hinzuweisen. Die nahe Zukunft könnte sich allerdings Dank der großen Trends als so „Uberweird“ herausstellen, das die Diskussion über freundliche Roboter zu einer Fussnote in der viel wichtigeren Diskussion um ethische AI degeneriert. Oder eben einem Sommerblockbuster.