Geistestraining

Für die vor uns liegenden Zeiten ständigen technologischen Wandels und die sich ständig akkumulierende Befähigung ist ein kompletter Mind-Wandel nötig. Die Basis ist faktische Informiertheit, also Aggregatorenoverflow und naturwissenschaftliche Grundbildung.

Sorry. Da retirieren schon viele lieber in den Liegestuhl. Auf dieser Fülle hockt ein Geisteszustand der intuitiv arbeitet und den „Vektor“ in Millisekunden erkennt. Rational lässt sich natürlich die Bedeutung eines Faktoids nachträglich ableiten, aber der eigentliche Akt des Erkennnes entsteht in sehr kurzer Zeit. Nicht unähnlich der Qualität eines großen Kunstwerks: ES springt einen an.

Alles andere ist Marketing und Berlin-Mitte-Sprech. In Abwandlung des Klassikers von Bruno de Finetti: Die Kunst des Sehens in der Mathematik, Birkhäuser Verlag, Basel 1974 könnte man formulieren: Die Kunst des Sehens in beschleunigten Zeiten.

Suchmaschine im Jahr 2020

„Guten Morgen! Du hast gestern etwas interessantes über ein altes Pflaumenkuchenrezept gesagt. Könntest du das weiter ausführen?“ „Ach das. Das war noch von Tante Waltraut. Die hat die Hefe immer vorgären lassen und dann einen Spritzer….“ „Sehr schön. Interessant. Dein HR (HumanRanking) ist um 0,3% höher bewertet worden. Ich überweise dir noch heute 2 Credits auf dein Konto. Bis später und danke!“

Die unbeholfene Art und Weise wie wir heute eine Teilmenge unseres Wissens der Weltöffentlichkeit zur Verfügung stellen, um durch die Mediatoren des Wissens (google, Yahoo, MSN) vermittelt zu werden, ist steinzeitlich und dennoch schon latent utopisch.

Diese Linie in die Zukunft verlängert bedeutet: Alles was wir wissen und sind, stellt einen Ort in einem dimensionalen Raum dar, der von Wert für die Art ist. Siehe mein Eintrag Phäno- und Genotyp des Pagerankings.

Jedes Indivduum zielt aus einer bestimmten Lebenssituation auf ein bestimmtes Tupel in diesem Raum. Jedes Individuum nimmt gleichzeitig auch eine aus vielen Tupeln bestehende Untermenge in diesem Wissensraum ein. Die Gesamtmenge der Tupel stellt seinen wissensgesellschaftlichen Wert dar. Dieser kann stagnieren, zunehmen aber nie abnehmen. Au weia. Damit dürften Spammer, Dampfplauderer und Marketingnesen in den nächsten Jahren immer mehr in die Bedroullie kommen oder zu Mad-Scientists verkommen. Denn die Filter bei Google und Co werden schärfer und intelligenter. Die soziale Evolution eskaliert mit neuen Mitteln.

Phäno und Genotyp des Pagerankings

Ein späte-Stunde-Gedanke.
Jede Äusserung im Netz ist Vertreter des Phäno- oder Genotyps. Institutionen wie Universitäten, Medienpochtale oder Firmen die ein hohes PR haben sind die jeweiligen Grenzen des Genotyps. Der Phänotyp des Informationszeitalters wird durch Frau Ingeborch oder Lu vertreten, die ihre sehr subjektiven Krisen in den hallenden Spiegelsaal des Zwischennetzes stellen.
Alles findet statt und wird in den Reisswolf der Relevanz geschickt durch unser aller Google oder sonstiges Spinnengetier. Aber wird Relevanz nicht letztendlich vom Ende her definiert? Von der Antwort auf die ontologische Frage? Oder ihre Vernutzung im fetten Wozu?
Womit wir wieder bei Teilhard sind und seinem Omegapünktchen (Ausdehnung ist ja wohl lächerlich in solchen Belangen). Die ultimative Relevanz ergibt sich (denkt S.B in D.) nur aus der Teilnahme an diesem Streben auf diesen Punkt hin. Sei es eine Singularität, ein Omega oder wie bei Tipler eine Art Computronicum.
Und wenn bei Google halbwegs fitte Burschen sitzen, dann denk ich mir das sie eher auf den Informations-Vektor des Genotyps setzen. Weswegen die Vertreter des subjektiven Krisencontents mittelfristig wohl gekickt werden…Oder so. Vielleicht. Ende und Nacht.

Vom Ende her denken

Die Bedeutung eines gegenwärtigen Details ergibt sich immer aus dem Ende, zu dem es beiträgt. Wenn wir davon ausgehen das Blogs recht hölzerne, prähistorische Werkzeuge auf einem Weg sind, dann stellt sich dringend die Frage: Zu welchem Ziel tragen sie bei?

Meine Antwort: Kommunion. Oder sowas. Teilen dessen, was man aus der Gesamtheit des eigenen, geistigen Lebens für die Öffentlichkeit freigibt und fliessen lassen will. Woraus auch das Pathos mancher Blogs resultiert, denn jede dieser Trennungen ist immer künstlich und muss im Gestus gerechtfertigt werden.

Aber es geht ja nicht um Blogs. Es geht um den Bereich, den man öffentlich macht und damit um „personal publishing“. Darauf läufts hinaus. Und da wäre das Endziel, das alles was ich zum öffentlichen Teil meines geistigen Lebens erkläre instant jedem auf Terra potentiell zur Verfügung steht. Ohne das mir die technischen Vermittlungen sichtbar sind. Ob chronological reverse, statische Webseiten, gepelptes Pupsen oder XML: Einzig die bewusste Entscheidung etwas als öffentlich zu erklären wird in Zukunft auffallen. Die Identifikation mit pMachine, MT, WordPress, Mambo oder Säbelzahntigerfelle ist prähistorisches Stammesdenken ohne Sinn für evolutionäre Horizonte.

Wenn diese sich berührenden öffentlichen Sphären die Herzen einer zukünftigen planetaren Kommunion werden wollen, dann könnte sich XML zum Blut des gesamten Kreislauf entwickeln. Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anders sagen. Mal wieder.