Trans- und Posthuman

Ich muss aus der Hüfte zurückassoziieren. Auch weil ich mir nach dem Delicious-Desaster geschworen habe, so viel wie möglich wieder in meinem eigenen Gehäuse zu veröffentlichen, statt irgendeinem Silo (Twitter, FB, Cloudideologie, etc…) meine Schätze anzuvertrauen, nur um als Contenttroll zu enden.

Kusanowskys neuestes Kabinettstück
verleitet mich direkt an meinen kleinen Text von gestern zum Werk von Zöllner/fatagaga anzuknüpfen. Er frug mich hernach, wo ich denn den Unterschied zwischen Transhumanismus und Posthumanismus sähe? War mir auch nicht so präzise klar, und ich schlug ihm eine Entwicklungslinie von Transhumanismus -> Posthumanismus -> Postbiological vor. Nun, da Kusanowsky an den Posterboys der Popkultur Assange und Zuckerberg etwas weiter rumgenagt hat, wird mir das etwas klarer. Transhumanismus ist halt die Ideologie, die das faustische Subjekt noch weiter bis in alle pupertäre Lächerlichkeit zu retten versucht – was nicht heisst das es nicht geht – und Posthumanismus eben der Versuch aus diesen 6-Million-$-Man-Phantasien auszusteigen. Aber wie gesagt: Disclaimer, weil livegrübeln…

Das ging schneller als ich spottete

In einem Anfall von dystopischem Spott liess ich mich am 7. Dezember zu folgendem Tweet hinreissen:

2014: Verbot des Besitzes von Festplatten und externen Speichermedien von Privatpersonen.

Woraufhin sich jemand bemüssigt fühlte zu tweet-klügeln: Weil? Bonk.

Aber selbst ich habe da nicht mit den amtierenden Dystopikern des US-Miltärs gerechnet.Schwupps, alles history.

Überhaupt scheint mir zuviel Klugheit in historischen Prozessen kontraproduktiv. Moderne Varianten der Hegelianer, die den Talk talken können und das begriffliche Ballett auf historisch geringstmöglichem Raum zu tanzen in der Lage sind, aber niemals auf den Barrikaden zu finden sein werden. Natürlich wohlbegründet.

1.WaveWednesday in Düsseldorf

Wenn nach nur 3 Tagen Vorwarnzeit über 20 interessierte Menschen nicht auf eine Party gehen, sondern sich Vorträge über Google Wave anhören wollen, dann muss was in der Luft liegen. Nachdem Tim Bruysten und ich am letzten Donnerstag die Demo zu Google Wave gesehen hatten, war uns – wie vielen anderen auf Terra – sofort klar das Ende des Jahres etwas in den Pool der Kommunikationswerkzeuge dieser kleinen unbehaarten Affen geworfen wird, das transformatives Potential besitzt. Schon am Samstag plöppten an den verschiedensten Orten (Schottland, Johannesburg, SF…) organisierte Treffen zu Wave hoch, und von da aus waren es nur ein paar Clicks und der WaveWednesday Düsseldorf war geboren. Alexander Benker und (fast Dr.) Peer Lambertz von Cassini waren schnell ins Boot geholt und nun ist alles auch schon wieder Geschichte. Alex Benker hat noch mal die bis jetzt bekannte Architektur und Funktionalität zusammengefasst, während Peer Lambertz als Rechtsanwalt zu euphorischen Träumereien die rechtliche Erdung verpasste (Vortragslink folgt). Zum Abschluss habe ich versucht eine übergeordnete Sicht aus den unterschiedlichen Reaktionen auf GoogleWave abzuleiten.

weitere Präsentationen von SiggiB.


[audio:wave-wednesday-siggi-becker.mp3]

Die Aufnahme ist mit einem 14-Euro-Mp3-Player in meiner Hemdtasche entstanden, der erstaunlicherweise eine Aufnahmefunktion hat. Besser als nichts.

Was mich sehr erfreut hat, war die Aufgeschlossenheit und kritische, zukunftsorientierte Neugier der Teilnehmer, die bis weit nach 12 Uhr eine Atmosphäre entstehen liess, die mich leicht an den ersten WebMontag in Köln erinnerte. Das es einen 2. WaveWednesday geben wird steht ausser Frage!

Linktip: Posting aus dem Jahre 2004 zum Thema

Change des Change

Aus den Kommentaren zu meinem Gastvortrag im Studiengang C-MD an der FH-Aachen meine ich einen Groove herauszuhören, der bei Einzelnen genau den Drive hat den wir in den nächsten Jahren brauchen werden.

Da driftet in der impliziten Zukunftsbewältigung mächtig was auseinander. Die unter 30-jährigen haben wirklich das exponentielle „anything goes“ eingepreist und wollen in großen Teilen nur den Arsch an der Wand hochbekommen. Noch eine Fliege im Honig ist da wirklich non-wowig.

Für die post-30-jährigen hiesse das mal wirklich nichtlinear zu denken: zu merken, das die „Zukunft“ schon eingefaltet ist in die Köpfe der heranwachsenden Generation, die Gegenwart längst in eine Richtung abgebogen ist, die die vorherige Generation so nicht gesehen hat. Die aufgeregten Entdecker eines neuen Horizonts sterben den mentalen Tod der Lächerlichkeit, wenn sie nicht registrieren wollen, das der Boden auf dem sie denken längst aufgehört hat zu schwanken und zu einem fliegenden Teppich mutiert ist. Der Schwindel, der die über 30jährigen im Angesicht Moores Law und der zurückgelegten utopischen Distanzen ergriffen hat, ist längst pathetisch. Niemand muss trommeln, wenn alles groovt.

Auf dem sogenannten C-Level sieht das selbstredend anders aus. Und genau dieses out-of-sync sein kann dramatische Konsequenzen für die Knowledge-Integrität (ich nenns mal so) großer Organisationen haben. Die jüngeren Angestellten sind mental und tooltechnisch unaufgeregt im pre-Singularitäts-Zeitalter angekommen, während das C-Level stolz Emails ausdruckt. It needs two to tango, aber bei so einem Tänzchen muss einer stolpern oder mit seinen Krücken der Macht wild um sich schlagen.

Das kann doch nicht alles gewesen sein!

Zur Feier des gestrigen Towel-Day habe ich es tatsächlich geschafft ein Bruce Willis Filmzitat in einem Vortrag über Zukunft, Kardashew, Nanotechnologie, AGI, Singularity Summit und Singularity University unterzubringen.

Da ich nicht zur Garde der Folienvorleser gehöre, sondern davon ausgehe das die physische Anwesenheit eines Vortragenden irgend etwas mit seiner – auch intellektuellen – Anwesenheit zu tun haben muss, sind die Folien natürlich ohne meine Live-Worte nur ein interessanter Bildreigen. Die Aufgabe für die Klasse also: Erzähle die Geschichte zu diesen Bildern! Abgabetermin 2049.

 

 

Nochmals Danke an den Dozenten Tim Bruysten für die Einladung nach Aachen. Die anschliessende Diskussion mit den Studenten zeigte, das die Thematik zwar verstanden wurde, mir persönlich war da aber zu wenig Wow! in der Erkenntnis, das vieles davon im Bereich der Lebensplanung eines 20jährigen liegt. Ich fühlte mich ein wenig an einen meiner ersten Blogeinträge aus dem Jahre 2003 erinnert. Was kommt nach Anything goes? Beim anschliessenden analogen Bier im Last Exit hat sich für mich dieser Eindruck noch bestätigt. Wer heute in dieser „Anything-goes-Welt“ lebt, deren Beschreibung vor 30 Jahren für einen veritablen Science Fiction gereicht hätte, managt seine Lebenswelt besser mit einem kleineren Zeithorizont. Dennoch wird jemand, der auch mit extremen Zukünften jonglieren kann unsere turbulente Gegenwart erfolgreicher filtern können.

Ohne Garantien für weitere Posting kann ich sagen: Hat sich gut angefühlt mal wieder zu bloggen. Ist noch jemand da? 😉

Kurzes Statement zur globalen Lage

Wer 200X in Fragen der Zukunft unterwegs ist und das Konzept der technologischen Singularität aus Unkenntnis oder Strategie ignoriert, ist, ob bewusst oder unbewusst, lediglich werblich für kurzfristige Gruppeninteressen unterwegs.

Umkehrschluss: Wer werblich oder für kurzfristige Gruppeninteressen unterwegs ist, muss diesem Konzept durch welche Begründung auch immer eine rationalisierende (keine rationale) Absage erteilen.

Wer dieses Konzept und seine aktive wie passive Wahrscheinlichkeit versteht und ablehnt, muss erklären warum er eine Welt mit:
*Peak Oil
*globaler Vermögenskonzentration durch Technologie
*Klimakatastrophe
*Altern für jeden
*Transhumanen Reichenghettos

für unabänderlich oder sogar erstrebenswert hält.

Die anderen treten bewusst und aktiv in eine Phase des Übergangs der Menschheit ein.

Schockwellen der Zukunft

Zitat Mary Meeker (Morgan Stanley) auf dem Web2.0 Summit 2007:

We as wallstreet analysts love acceleration.(pdf)

Um einen Hauch – nein, eine Brise des Sturms zu empfinden der da auf uns zukommt empfehle ich dringend den Vortrag von Tim O´Reilly zu Facebook und dem Potential derartiger Netzwerke und Tim O´Reillys Gespräch mit Greg Venter. Da finden gerade 2 Revolutionen parallel statt, die beide auf die Möglichkeiten, die sich durch Moores Law bieten, aufbauen. 10 000 menschliche Genome zu sequenzieren und in den Daten sinnvoll zu wühlen wird nur möglich sein, wenn alle Parameter der Technologien in denen wir zu schwimmen beginnen weiterhin exponentiell zunehmen.

Seit Tagen geht mir ein anderes Video nicht aus dem Kopf und ich begriff nicht warum. Jetzt ist es mir klar. Die Gefühle, die ich beim Betrachten des folgenden Videos hatte, werden denen ähnlich sein, die sich bei uns einstellen wenn wir mit den unkalkulierbaren Ergebnissen der synthetischen Biologie, Nanotechnologie, künstlichen Intelligenz und der sozialen Verknüpfung von Daten konfrontiert werden, die in den nächsten 3, höchsten 5 Jahren auf uns zu kommen.

Abrupte Richtungswechsel, plötzliches widernatürliches Verhalten von Subsystemen, Belastung von Material und Menschen bis an ihre natürlichen Grenzen und gedopt auch darüber hinaus, scheinbares Brechen von Naturgesetzen, Unbegreifen dessen, was man wahrnimmt, Unvorhersehbarkeit von privaten und gesellschaftlichen Entwicklungen und Trajektorien.