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Siggis letzte Worte




12.März 2010

CO-X: Countdown zu einer Konferenz

Beschleunigung, Events, noosphäre - Comments Off 9:22 pm

Vor fast 5 Jahren lernte ich auf dem ersten Webmontag in Köln nicht nur Philipp Lenssen, sondern auch Tim Bruysten kennen. Beide Begegnungen blieben nicht ohne weitreichende Folgen. Während ich mit Phil bloss eine internationale Welle lostrat und er mit mir ein kleines, launiges Interview führte, teilte ich mir mit Tim 2006 im ersten Elektrischen Reporter Monitor und die Aufmerksamkeit einiger tausend Zuschauer. Seit dem ist viel gelbes Wasser unsere Kehlen hinuntergeflossen. Im letzten Jahr nun stiess Dr. J. Martin zu uns und seitdem erhöhte sich die intellektuelle Betriebstemperatur derart, dass wir schliesslich die Idee zu einer Konferenz ausbrüteten. Im Umkreis Handelsblatt/Corps-Verlag fand diese Idee ziemlich schnell Anklang und so kommt es das ich hier nun melden kann:

Meine Rolle leitet sich dabei natürlich aus meinen persönlichen Schwerpunkten ab: Technologische Beschleunigung, Konversion verschiedenster Technologien, technologische Singularität oder auch nicht, Trends versus Utopie… Die Kategorienliste am linken Blogrand gibt eigentlich einen guten Überblick in welchem Bermuda-n-Eck ich mich seit fast 20 Jahren bewege. Innerhalb dieses Begriffrahmens werde ich versuchen das, was von uns mit Co-x zu erfassen versucht wird, einzuordnen. Da jede Art von Futurismus nur einen Versuch darstellt die explodierende Kontingenz der Systeme zu reduzieren, dreht es sich also eigentlich um Sinnproduktion. In einer solchen Situation ist oft schon viel erreicht durch das Auffinden der richtigen Fragen, anstatt schnell mit Antworten den Schein von Sicherheit zu verkaufen. Einen Teil dieses Frageprozesses haben wir im Wavetank seit Anfang des Jahres dokumentiert.

Details zur Konferenz natürlich auf der Konferenzseite selbst:

  • Co-x www.co-x.eu

    sowie laufende Diskussionen im

  • Wavetank.
  • 3.August 2009

    Rückblick Google Wave Hackathon Düsseldorf: Unscharfe Gedanken

    Internet, Transformation, noosphäre - 1 Kommentar » 3:19 pm

    Am Samstag fand wie angekündigt der Google Wave Hackathon in den Räumen von richtwert statt. Architektur, Fuktionalität und Begrifflichkeiten (Wave, Wavelet, Blips, Robots, Gadgets…) wurden von Alexander Benker zur Einführung noch mal rekapituliert. Die nachfolgende Diskussion katapultierte uns jedoch ruck zuck in tiefere Gefilde rund um Begriffe wie “Trust”, “Flow” und Collaboration. Zwar hat Google dankenswerterweise die erste Annäherung an Wave über eine alte Metapher (Outlook-Variante) leicht gemacht, es wird aber schnell klar das dies nur ein pädagogisches Entgegenkommen ist. Alles ist möglich. Aber was ist sinnvoll? Und: Was ist wirklich beschleunigend oder wirkt auf einen distinkten Parameter paralleler Kommunikation so ein, das sich die Qualität dieser Kommunikation in Wave postitiv verändert?

    Tools, die heute ins Freischwimmerbecker des Internet geworfen werden, dürfen nicht einfach einen Meatspace-Prozess 1:1 (oder schlechter) abbilden, sondern müssen als Operator wirken, dh der Prozess muss durch das Tool aufgewertet oder gar transformiert werden, andernfalls sie bei Strafe im Wow-Museum landen. Twitter 2013 ;-).

    Ein Ad-hoc Modell, das sich im Laufe des Sonntags in mir dabei herauskristallisierte, habe ich versucht wie folgt zu skizzieren:

    Kommunikative Tools fallen nie in abstrakte Hände und Köpfe, denen man mittels Design, Usability, UI und Konrad Lorenz´schen Attraktoren ein “sexy” Erlebnis beschert. Statt dessen fallen sie in konkrete Hände, in konkreten, sozialen Umgebungen, in denen die Freiheitsgrade des Users im konkreten Kontext eine massive Rolle spielen.

    Organisation vor Google Wave

    In Kontext A geniessen die Individuen große Freiheiten und selbst wenn sie sich sehr nahe kommen oder sich ihre Rollen überschneiden, wird ihr Identitätskern nicht unbedingt in Frage gestellt. Feelancer und Privatpersonen wären hier denkbar. In Kontext B hat jeder Akteur genau beschriebene, oft geringe Freiheitsgrade innerhalb einer strukturierten Organisation.

    Was passiert nun wenn man in diese Brown´schen Brühen einen Beschleuniger wirft? Erhöht sich im Sinne von Teilhard de Chardin die soziale Temperatur? Und wie werden die Akteure in Milieu A und B darauf reagieren? Wieviel Temperaturerhöhung ist erträglich, bevor es ans Eingemachte geht und der Einzelne mit Grunddefinitionen seiner Rolle an denen der Anderen vorbeischrammt und schreddert?

    Organisation vor Google Wave

    In Milieu B wird im Falle eines disruptiven Beschleunigers sehr schnell eine Reibungstemperatur erreicht, die zu Wiederstand und Konflikt führt. Interfaces, UI und Usability können da vielleicht helfen, mindern aber nicht den Stress zwischen den Akteuren. Maximale Forderung: Neue Organisationsformen, ich-stabile, im Extremfall postneurotische Individuen mit Fähigkeit zur aperspektivischen Sichtweise (Gebser).

    In einem kurzen Gespräch mit Frank Ammari wurde mir noch ein anderer Punkt etwas klarer: Trust ist ein beschleunigender Faktor in kommunikativen Prozessen und trägt somit zur Ektropy auf Sol3 bei. Daraus folgt, das Wave Jazz ist! ;-)

    Die Fortführung dieser Gedanken kann entweder hier in den Kommentaren stattfinden, oder auf dem nächsten WaveWednesday am 12. August in den Büroräumen von richtwert. Ich bin mit dem Thema auf jeden Fall noch nicht durch!

    11.Juni 2009

    1.WaveWednesday in Düsseldorf

    Beschleunigung der Beschleunigung, Internet, Prä-Singularität, Soziologie, noosphäre - 3 Kommentare » 9:10 am

    Wenn nach nur 3 Tagen Vorwarnzeit über 20 interessierte Menschen nicht auf eine Party gehen, sondern sich Vorträge über Google Wave anhören wollen, dann muss was in der Luft liegen. Nachdem Tim Bruysten und ich am letzten Donnerstag die Demo zu Google Wave gesehen hatten, war uns - wie vielen anderen auf Terra - sofort klar das Ende des Jahres etwas in den Pool der Kommunikationswerkzeuge dieser kleinen unbehaarten Affen geworfen wird, das transformatives Potential besitzt. Schon am Samstag plöppten an den verschiedensten Orten (Schottland, Johannesburg, SF…) organisierte Treffen zu Wave hoch, und von da aus waren es nur ein paar Clicks und der WaveWednesday Düsseldorf war geboren. Alexander Benker und (fast Dr.) Peer Lambertz von Cassini waren schnell ins Boot geholt und nun ist alles auch schon wieder Geschichte. Alex Benker hat noch mal die bis jetzt bekannte Architektur und Funktionalität zusammengefasst, während Peer Lambertz als Rechtsanwalt zu euphorischen Träumereien die rechtliche Erdung verpasste (Vortragslink folgt). Zum Abschluss habe ich versucht eine übergeordnete Sicht aus den unterschiedlichen Reaktionen auf GoogleWave abzuleiten.

    weitere Präsentationen von SiggiB.


    [audio:wave-wednesday-siggi-becker.mp3]

    Die Aufnahme ist mit einem 14-Euro-Mp3-Player in meiner Hemdtasche entstanden, der erstaunlicherweise eine Aufnahmefunktion hat. Besser als nichts.

    Was mich sehr erfreut hat, war die Aufgeschlossenheit und kritische, zukunftsorientierte Neugier der Teilnehmer, die bis weit nach 12 Uhr eine Atmosphäre entstehen liess, die mich leicht an den ersten WebMontag in Köln erinnerte. Das es einen 2. WaveWednesday geben wird steht ausser Frage!

    Linktip: Posting aus dem Jahre 2004 zum Thema

    6.Dezember 2007

    Von Veronika über Gesichtsbuch nach Omega

    Beschleunigung, Post-Singularität, Transhumanismus, noosphäre - Comments Off 5:36 pm

    Das Netz so wie wir es kennen, ist vielleicht knapp 5000 Tage alt. Meinen ersten Vortrag über Nanotechnologie, AI und die technologische Singularität habe ich vor circa 4700 Tagen gehalten.

    Kevin Kelly meint, wir müssten besser darin werden das Unmögliche für möglich zu halten. Eine durchaus erstrebenswerte, geistige Disziplin. Das kommunikative Rauschen an den Endstellen der großen Maschine führt jedenfalls nur dazu Verständnis zu simulieren. Den Vektor verstehen kann nur, wer seine Begrifflichkeiten und Konzepte soweit entrümpelt, das ihnen der Geruch der säugetierischen Herkunft nicht mehr anhaftet. Verstehen durch Reduktion von Komplexität mittels Metaphern (zB “Social Network”) ist kein Weg, der das wirklich Neue sichtbar werden lässt, ist nur eine Art der Abwärtsreduktion, um unserer Herkunft zu schmeicheln. Die kühle Luft funktionierender neuer Begriffe wird nur aus einem vorweggenommenen Omega geboren, und sind sodann einfach, weil aus fernster, imaginierter Zukunft raffiniert. Den Job kann niemand auch nur im entferntesten verrichten, der in sich Spuren von Mode, Trend oder Popkultur trägt.

    Unsere Ichbewusste Existenz ist eine ständig an das Universum gestellte Frage, die wir nur beantworten können in einem Prozess der physischen (Transhumanismus), und geistigen (AGI) Transformation. Sich dieser Frage zu stellen war solange Eskapismus, wie die Antwort nicht machbar war. Unsere Zukunft ist jedoch voller Werkzeuge und Bilder, die eine Antwort zulassen werden. Das, und nicht Geldverdienen mit Blogs oder ob Facebook 15Mrd$ wert ist, ist die Triebfeder der Komplexifizierung (T. Chardin) auf dem 3. Planeten einer durchschnittlichen Sonne.

    24.November 2007

    Erkennensschock: Der Giant Global Graph (GGG)

    ...was wyrd, Internet, Singularität, Transhumanismus, noosphäre - 1 Kommentar » 7:49 pm

    Als ich heute das Posting von Sir Tim vom 21. zum Giant Global Graph las, kroch mich ein Erkennen an, als ob ich das schon mal gelesen hätte. Plötzlich wusste ich: Etwas ähnliches hatte ich 2004 geschrieben und angedacht und sogar in einer Folge des Elektrischen Reporters als Letztes Wörtchen verbraten.

    Jedes Indivduum zielt aus einer bestimmten Lebenssituation auf ein bestimmtes Tupel in diesem Raum. Jedes Individuum nimmt gleichzeitig auch eine aus vielen Tupeln bestehende Untermenge in diesem Wissensraum ein. Die Gesamtmenge der Tupel stellt seinen wissensgesellschaftlichen Wert dar. Dieser kann stagnieren, zunehmen aber nie abnehmen… Die soziale Evolution eskaliert mit neuen Mitteln.”

    Damit ist auch mein blogabstinentes Hinterkopfgrübeln über die Diskussion zum sogenannten Social Graph (Beispiel: Fitzpatrick oder Iskold) umschrieben: Verwirrung durch scheinbares Erkennen. Ein Tupel ist für mich ein Punkt in einem dimensionalen Raum, 2 Tupel beschreiben eine Verbindung, einen Graphen halt. Kann sein das das der mathematischen Begriffspräzision nicht ganz genügt, aber meine Mathematik ist leider schon lange einen wunderhübschen Rosttod gestorben. Muss der kongeniale Leser kreativ mit leben ;-)

    Diese Tupel habe ich damals vollkommen unabhängig von jeweiliger Technologie begriffen. Das was Social Graph oder Giant Global Graph genannt werden kann, ist davon nur eine Untermenge, die epochenabhängig technologisch realisiert wird. Dennoch habe ich wohl teilbewusst zum Begriff Tupel gegriffen, denn der impliziert Berechenbarkeit auf dem Horizont hin zu Computronicum. Das Netz wie wir es heute kennen, kann da wohl nur maximal alle uns aus dem Meatspace bekannten Tupel bestenfalls isomorph abbilden.

    Der utopische Druck in diesen Begrifflichkeiten liegt wohl darin, das der Graph nur realisiert werden kann, wenn im ersten Schritt freier Zugang zu den Tupeln gewährleistet ist. Der zweite Schritt wird wohl erst nach einer technologischen Singularität möglich sein: Entfaltung des Potentials aller Tupel hin in wirklich transhumane Räume. Oder anders: Alle Tupel weisen automatisch über den Menschen hinaus weil unsere physische Manifestation nur ein Mediator für diesen Graphen ist.