Irritationen

Sowohl Aufmerksamkeit als auch Innovation sind Akte der Negation. Welche Folgen hat nun allerdings eine Situation, in der eine Innovation daran bemessen wird wieviel Aufmerksamkeit sie zentralisieren kann? Die „innovativen“ Bemühungen um je eigene Splinternets (AOL, FaceBook, Twitter, iPad, … to be continued) sind Ausdruck des Wunsches Aufmerksamkeit zu sammeln, zu zentralisieren und die Innovation der totalen Vernetzbarkeit zu negieren.

Wirklich utopische Forderungen müssten die Aufmerksamkeit aus ihrem Korsett der Negation des nicht Wahrgenommenen befreien und Innovation vom Stigma der Vernichtung des Alten.

Feel the pain

Bloggen mag zwar sooo 2005 sein, aber unter netztechnischen Gesichtspunkten immerhin ausfallsicherer, weil internetziger als so ein zentrales Blubberrohr wie Twitter. Die Gier Aufmerksamkeit zu bündeln und technisch zu zentralisieren führt, wie man sieht zu partieller Blindheit, nicht nur technisch temporär sondern auch unter Gesichtspunkten der Ausgewogenheit der Informiertheit. Zentralorgane können keine Lösung für die Zukunft sein. Ob Facebook, Twitter oder iPad: Alles technologisch restaurative Schritte.

2.WaveWednesday in Düsseldorf!

Am nächsten Mittwoch, den 12. August, 20 Uhr findet in Düsseldorf der 2.WaveWednesday statt. Treffpunkt ist wieder das wohnliche Büro von Gastgeber Tim Bruysten auf der Weißenburgstrasse 52, richtwert GmbH. Ausser mir und Tim bereiten wieder Jay Martin und Alex Benker den einzigsten WaveWednesday im Umkreis von 43,4Km vor. Diesmal sind wir in der glücklichen Lage aus dem Innern des Walfischs berichten zu können, da wir wie berichtet für den Hackathon letzte Woche Wave Accounts erhalten hatten. (Posts zum Hackathon)

Jeder ist herzlich eingeladen, allerdings könnte eine formlose Voranmeldung zB über Xing oder in den Kommentaren die Bier- und Stuhlknappheit in Grenzen halten. Benkman! hat noch viele andere schöne clickbare jetzt-neu-Links rund um das Thema unserer Wahl zusammengestellt.

Empfehlenswert auf Twitter zB: WaveTank.

Keine Ahnung worüber genau ich mich 5 bis 7,2 Minuten am Mittwoch auslassen werde, es steht aber zu vermuten das es sich um Wave, Collaboration, Macht, Hierarchien, der sozialen Temperatur auf Terra, Restauration und 21 drehen wird. Oder so. – Vielleicht irgendwie.

Rückblick Google Wave Hackathon Düsseldorf: Unscharfe Gedanken

Am Samstag fand wie angekündigt der Google Wave Hackathon in den Räumen von richtwert statt. Architektur, Fuktionalität und Begrifflichkeiten (Wave, Wavelet, Blips, Robots, Gadgets…) wurden von Alexander Benker zur Einführung noch mal rekapituliert. Die nachfolgende Diskussion katapultierte uns jedoch ruck zuck in tiefere Gefilde rund um Begriffe wie „Trust“, „Flow“ und Collaboration. Zwar hat Google dankenswerterweise die erste Annäherung an Wave über eine alte Metapher (Outlook-Variante) leicht gemacht, es wird aber schnell klar das dies nur ein pädagogisches Entgegenkommen ist. Alles ist möglich. Aber was ist sinnvoll? Und: Was ist wirklich beschleunigend oder wirkt auf einen distinkten Parameter paralleler Kommunikation so ein, das sich die Qualität dieser Kommunikation in Wave postitiv verändert?

Tools, die heute ins Freischwimmerbecker des Internet geworfen werden, dürfen nicht einfach einen Meatspace-Prozess 1:1 (oder schlechter) abbilden, sondern müssen als Operator wirken, dh der Prozess muss durch das Tool aufgewertet oder gar transformiert werden, andernfalls sie bei Strafe im Wow-Museum landen. Twitter 2013 ;-).

Ein Ad-hoc Modell, das sich im Laufe des Sonntags in mir dabei herauskristallisierte, habe ich versucht wie folgt zu skizzieren:

Kommunikative Tools fallen nie in abstrakte Hände und Köpfe, denen man mittels Design, Usability, UI und Konrad Lorenz´schen Attraktoren ein „sexy“ Erlebnis beschert. Statt dessen fallen sie in konkrete Hände, in konkreten, sozialen Umgebungen, in denen die Freiheitsgrade des Users im konkreten Kontext eine massive Rolle spielen.

Organisation vor Google Wave

In Kontext A geniessen die Individuen große Freiheiten und selbst wenn sie sich sehr nahe kommen oder sich ihre Rollen überschneiden, wird ihr Identitätskern nicht unbedingt in Frage gestellt. Feelancer und Privatpersonen wären hier denkbar. In Kontext B hat jeder Akteur genau beschriebene, oft geringe Freiheitsgrade innerhalb einer strukturierten Organisation.

Was passiert nun wenn man in diese Brown´schen Brühen einen Beschleuniger wirft? Erhöht sich im Sinne von Teilhard de Chardin die soziale Temperatur? Und wie werden die Akteure in Milieu A und B darauf reagieren? Wieviel Temperaturerhöhung ist erträglich, bevor es ans Eingemachte geht und der Einzelne mit Grunddefinitionen seiner Rolle an denen der Anderen vorbeischrammt und schreddert?

Organisation vor Google Wave

In Milieu B wird im Falle eines disruptiven Beschleunigers sehr schnell eine Reibungstemperatur erreicht, die zu Wiederstand und Konflikt führt. Interfaces, UI und Usability können da vielleicht helfen, mindern aber nicht den Stress zwischen den Akteuren. Maximale Forderung: Neue Organisationsformen, ich-stabile, im Extremfall postneurotische Individuen mit Fähigkeit zur aperspektivischen Sichtweise (Gebser).

In einem kurzen Gespräch mit Frank Ammari wurde mir noch ein anderer Punkt etwas klarer: Trust ist ein beschleunigender Faktor in kommunikativen Prozessen und trägt somit zur Ektropy auf Sol3 bei. Daraus folgt, das Wave Jazz ist! 😉

Die Fortführung dieser Gedanken kann entweder hier in den Kommentaren stattfinden, oder auf dem nächsten WaveWednesday am 12. August in den Büroräumen von richtwert. Ich bin mit dem Thema auf jeden Fall noch nicht durch!

Google Wave Hackathon in Düsseldorf!

Durch kurzfristige Organisationsgeniestreiche von Alex Benker (noch Cassini) in Zusammenarbeit mit Google Deutschland in Mountain View ist es uns nun möglich morgen und Sonntag einen Google Wave Hackathon in Düsseldorf zu desorganisieren. Hier also die noch kurzfristigere Ankündigung! Das alles kam so schnell, das Stefan Nitzsche vor Schreck krank geworden ist und wahrscheinlich nicht teilnehmen kann. Unkranke Teilnehmer sind: Alexander Benker, Tim Bruysten, Patrick Hempel, Siggi Becker, Lydia Liwowski, Dr. Jay Martin, Tobias Jordans, Ingolf Kamen, Frank Ammari, Friedger Müffke -> abgesagt, Florian Scheel, Stefan Nitzsche (abgesagt, ist krank :-(), Olaf Thormählen, evtl. Huibert Gill.

Wer genauere Informationen zum ambitionierten Ablauf einsehen möchte findet sie natürlich in Wave:

Wave ID: „wavesandbox.com!w+dZeq6shh%A“

oder über die Suche nach „Hackathon Planung“.

Ort und Zeit:

Samstag 1.August 10 bis 18 Uhr
Sonntag 2.August 10 bis 19 Uhr
richtwert Office
Düsseldorf
Weißenburgstraße 52

Gäste die vorbeischauen möchten um einen Blick auf etwas zu werfen, das es noch nicht gibt, sind jederzeit herzlich willkommen! BYOB!

1.WaveWednesday in Düsseldorf

Wenn nach nur 3 Tagen Vorwarnzeit über 20 interessierte Menschen nicht auf eine Party gehen, sondern sich Vorträge über Google Wave anhören wollen, dann muss was in der Luft liegen. Nachdem Tim Bruysten und ich am letzten Donnerstag die Demo zu Google Wave gesehen hatten, war uns – wie vielen anderen auf Terra – sofort klar das Ende des Jahres etwas in den Pool der Kommunikationswerkzeuge dieser kleinen unbehaarten Affen geworfen wird, das transformatives Potential besitzt. Schon am Samstag plöppten an den verschiedensten Orten (Schottland, Johannesburg, SF…) organisierte Treffen zu Wave hoch, und von da aus waren es nur ein paar Clicks und der WaveWednesday Düsseldorf war geboren. Alexander Benker und (fast Dr.) Peer Lambertz von Cassini waren schnell ins Boot geholt und nun ist alles auch schon wieder Geschichte. Alex Benker hat noch mal die bis jetzt bekannte Architektur und Funktionalität zusammengefasst, während Peer Lambertz als Rechtsanwalt zu euphorischen Träumereien die rechtliche Erdung verpasste (Vortragslink folgt). Zum Abschluss habe ich versucht eine übergeordnete Sicht aus den unterschiedlichen Reaktionen auf GoogleWave abzuleiten.

weitere Präsentationen von SiggiB.


[audio:wave-wednesday-siggi-becker.mp3]

Die Aufnahme ist mit einem 14-Euro-Mp3-Player in meiner Hemdtasche entstanden, der erstaunlicherweise eine Aufnahmefunktion hat. Besser als nichts.

Was mich sehr erfreut hat, war die Aufgeschlossenheit und kritische, zukunftsorientierte Neugier der Teilnehmer, die bis weit nach 12 Uhr eine Atmosphäre entstehen liess, die mich leicht an den ersten WebMontag in Köln erinnerte. Das es einen 2. WaveWednesday geben wird steht ausser Frage!

Linktip: Posting aus dem Jahre 2004 zum Thema

Erkennensschock: Der Giant Global Graph (GGG)

Als ich heute das Posting von Sir Tim vom 21. zum Giant Global Graph las, kroch mich ein Erkennen an, als ob ich das schon mal gelesen hätte. Plötzlich wusste ich: Etwas ähnliches hatte ich 2004 geschrieben und angedacht und sogar in einer Folge des Elektrischen Reporters als Letztes Wörtchen verbraten.

Jedes Indivduum zielt aus einer bestimmten Lebenssituation auf ein bestimmtes Tupel in diesem Raum. Jedes Individuum nimmt gleichzeitig auch eine aus vielen Tupeln bestehende Untermenge in diesem Wissensraum ein. Die Gesamtmenge der Tupel stellt seinen wissensgesellschaftlichen Wert dar. Dieser kann stagnieren, zunehmen aber nie abnehmen… Die soziale Evolution eskaliert mit neuen Mitteln.“

Damit ist auch mein blogabstinentes Hinterkopfgrübeln über die Diskussion zum sogenannten Social Graph (Beispiel: Fitzpatrick oder Iskold) umschrieben: Verwirrung durch scheinbares Erkennen. Ein Tupel ist für mich ein Punkt in einem dimensionalen Raum, 2 Tupel beschreiben eine Verbindung, einen Graphen halt. Kann sein das das der mathematischen Begriffspräzision nicht ganz genügt, aber meine Mathematik ist leider schon lange einen wunderhübschen Rosttod gestorben. Muss der kongeniale Leser kreativ mit leben 😉

Diese Tupel habe ich damals vollkommen unabhängig von jeweiliger Technologie begriffen. Das was Social Graph oder Giant Global Graph genannt werden kann, ist davon nur eine Untermenge, die epochenabhängig technologisch realisiert wird. Dennoch habe ich wohl teilbewusst zum Begriff Tupel gegriffen, denn der impliziert Berechenbarkeit auf dem Horizont hin zu Computronicum. Das Netz wie wir es heute kennen, kann da wohl nur maximal alle uns aus dem Meatspace bekannten Tupel bestenfalls isomorph abbilden.

Der utopische Druck in diesen Begrifflichkeiten liegt wohl darin, das der Graph nur realisiert werden kann, wenn im ersten Schritt freier Zugang zu den Tupeln gewährleistet ist. Der zweite Schritt wird wohl erst nach einer technologischen Singularität möglich sein: Entfaltung des Potentials aller Tupel hin in wirklich transhumane Räume. Oder anders: Alle Tupel weisen automatisch über den Menschen hinaus weil unsere physische Manifestation nur ein Mediator für diesen Graphen ist.