Quantencomputer war definitiv gestern!

Heute ist meine DSL-Leitung auf 6Mb hochgeschaltet worden (0€ Aufpreis!) und gestern, am 13. Febraur wurde der erste kommerzielle Quantencomputer von D-Wave Systems vorgestellt. Während das eine Ereignis mir bloss ein freundliches Achselzucken entlockte, fällt es mir schwer das andere Ereignis gebührend zu emotionalisieren. Vielleicht sollte ich hyperventilieren, auf die Strasse rennen und rufen: „Er ist Da!“ Aber lassen wir das und bloggen es einfach nur.

Natürlich werden jetzt in Millisekunden klügelnde Vordiplom-Studis auftauchen und was von Shors Algorithmus faseln und das das Dings nur (nur!) 16Qubits hat, und das es aus diesen und jenen Gründen ziemlich lange dauern wird bis dieses oder jenes hochinteressante NP-Problem damit gelöst werden kann. Was Leuten wie Steve Jurvetson wiederum verdammt egal ist, der einfach nur mehr Kohle in die Firma steckt als ein begabter Bafögempfänger sich vorstellen kann.

Erinnert mich irgendwie an den Chemiediplomanten bei meinem ersten Vortrag 1994 über Nanotechnologie: Sprang auf, fuchtelte rum, ereiferte sich über Entropie und sonderte Vokabeln wie: „nie, niemals, geht nicht“ mit so viel Energie ab, das er fast in dieser egoischen Pirouette aus Unwahrscheinlichkeit verschwunden wäre.

Da geht noch viel, viel mehr. Und da wird noch viel, viel mehr gehen müssen, denn ein Szenario ohne technologische Singularität kann man sich zwar vorstellen, möchte ich aber unter den gegebenen Trends nicht so richtig wirklich erleben.

[tags]Quantencomputer, D-Wave, Jurvetson[/tags]

Cyc und Google: Totgesagte leben länger!

Zukunft lebt nur in unserer Erinnerung. Wir kombinieren und morphen Bilder bis etwas entsteht dem wir das Attribut Zukunft zueignen.

Das Projekt Cyc ist eine der ältesten Ikonen der künstlichen Intelligenz, dessen Schöpfer Douglas Lenat in diesem Google Talk Video das über 20 Jahre alte Projekt und seinen heutigen Stand beschreibt. Die Schlüsse die Cyc ziehen kann, sind heute noch erstaunlicher als 1997, als ich Cyc in einem meiner ersten Vorträge über die technologische Singularität erwähnte. Und es wächst und wächst. Und dann in Minute 56 kommt ein sehr entscheidender Satz :

..so that we can achieve Sergey´s goal of general AI by 2020

Die Kombination aus Cyc und Google erscheint vollkommen natürlich. Und wenn es nicht Cyc sein wird, dann etwas anderes. Semantisches Verständnis ist die nächste logische Entwicklungsstufe von Suchmaschinen, die den Fluss des Wissens von der Frage zur Antwort auf diesem Planeten derart beschleunigen und rückkoppeln wird, das mir das Ziel 2020 nicht nur realistisch sondern leicht pessimistisch erscheint.

Erstkontakt

Da ich kein Schach spiele, kann ich die Beobachtung von Shane Legg zur vielleicht letzten Partie zwischen einem Menschen und etwas Silicon um die Weltherrschaft im Schach nicht gut beurteilen, sie scheint mir aber ein guter Vorgeschmack darauf zu sein was uns blüht: schlichtes Erstaunen und sattes Unbegreifen im Moment des Erstkontaktes.

Deep Fritz would sometimes make strange moves that the Grand Master commentators could not explain… at least not until a few moves later when the subtle reasoning behind the move became apparent.

Schach in Zeiten, wo das 657te Kontaktpochtahl als Web2.0 Errungenschaft ver-vauzeht wird.

[tags]schach, AI, singularity [/tags]

Almaden Institute: Cognitive Computing

2 Tage vor dem Singularity Summmit fand im IBM Almaden Research Center in San Jose, California deren jährliche Konferenz statt. Dieses Jahr mit dem Schwerpunkt Cognitve Computing. Die Videos und Präsentationen sind frei erhältlich.

Wir schreiben das Jahr 2006. Schätzungen zufolge besitzen Institute wie Almaden mit Supercomputern wie Blue Brain schon lange genug Hardware- und Rechenkapazität um das Problem der künstlichen Intelligenz zu lösen. Irgendwo, irgendwann wird auf diesem Planeten etwas geschehen, das alle Lebewesen mit einer einmaligen Plötzlichkeit in eine neue Perspektive rückt, die alle Umstände unter denen wir leben, leiden oder lieben neu definieren wyrd.

Dank an Andreas

David Deutsch erhält Edge of Computation Science Prize

Die Fliegenklatsche des durchschnittlich fortschrittskritischen Realisten ist der Hinweis auf die notwendigen, physikalischen Grenzen von Moore´s Law. Das hört schon wieder auf, Kinder. So circa 2015. Einverstanden. Wenn, ja wenn es nicht Menschen vom Typus David Deutsch gäbe. Oder Jeffrey Epstein. Oder John Brockmann.

Mr. Brockmann, Inhaber von Edge Foundation, Inc. und Verleger verständlicher Wissenschaftsbücher hat den Edge of Computation Science Prize ins Leben gerufen, der wiederum durch den mysteriösen Jeffrey Epstein mit 100 000$ unterfüttert wird. Der Preis wurde am 12. November dem Herrn Deutsch für seine Verdienste um die Konzepte eines Quantencomputers verliehen. Der wesentliche Unterschied zu digitalen Computern besteht darin, das die Rechenleistung eines Quantencomputers mit der Zunahme der sogenannten Q-Bits exponentiell steigt. Der Über-Moore sozusagen.

Nun war bisher ausgemachte Sache, das es sich hier um Konzepte handelt, die allerhöchstens in einigen Jahrzehnten zum Einsatz kommen würden. Aber über was muss ich im „Weblog“ (Brrr…) von Herrn Deutsch stolpern?

For a long time my standard answer to the question ‚how long will it be before the first universal quantum computer is built?‘ was ’several decades at least‘. In fact, I have been saying this for almost exactly two decades … and now I am pleased to report that recent theoretical advances have caused me to conclude that we are within sight of that goal. It may well be achieved within the next decade. The main discovery that has made the difference is cluster quantum computation, which is a marvellous new way of structuring quantum computations which makes them far easier to implement physically.

Lassen wir also Moore´s Law bis 2015 schuften, dann folgt das (kurze) Zeitalter der Quantencomputer. Um die Skizze des Milieus, in dem diese Konzepte gedeihen ein wenig süffiger zu machen möchte ich noch auf Herrn Tipler verweisen, mit dessen Werk der Herr Deutsch sehr vertraut ist.

An dieser Stelle ist es dann mal wieder Zeit ein Diagramm zu krakeln. Wer kennt wen? Alle Beteiligten sind mit Konzepten vertraut, die extremste futuristische Szenarien beinhalten. Mindestens Kardashev II. Die technologische Singularität ist da nur ein Pickel auf der Piste der Evolution.
Deutsch Epstein Tipler

Chip-Prognosen (ad Cell Processor)

Nicht selten fallen Prognosen dem Vergessen anheim und alle Beteiligten sind dankbar dafür. Gerade im Bereich Moore´s Law sind die „Kritiker“ dieses Trends immer schnell dabei wenn ein paar Millionen Transistoren nicht pünktlich genug geliefert werden. Was aber, wenn dem Vergessen eine Prognose anheimgegeben wurde, die übertroffen wurde?

Im Zusammenhang mit IBM´s Cell Chip und Intels Multicore sollte man folgendes Detail dem Vergessen entreissen:

Im Oktober 2002 präsentierte Intel fellow John Crawford auf dem Microprozessorforum die Ankündigung das Intel vorausichtlich 2007 einen Multicoreprozessor mit ca 1 Milliarde Transistoren produzieren werde. Wir schreiben das Jahr 2005, und Montecito hat 1,7 Milliarden Transistoren. Nicht das ich kleinlich sein will… 😉

Schon wieder Moore: The Cell chip

Eigentlich bin ich es müde. Aber weil es so schön ins Timing passt, muss ich darauf hinweisen: The Cell Chip! Dem ein oder anderen könnte es passen das unter Gamerkram abzuhaken, schliesslich ist das Ding zuerst für die PS3 vorgesehen, aber nix da. Das ist grundsätzlicher.

Moore´s Law marschiert massiv weiter, diesmal schwärmt es aber aus. Igitt. Die Folgen werden in vielen Bereichen wohl neue S-Kurven auslösen. Oder wie deSolla Price es bezeichnete: eine Eskalation. Einer der anfälligsten Bereiche für derartige vernetzte Lösungen: Robotik. Engpass Nummero Uno in der Robotik: Daten von Sensoren, die verarbeitet werden müssen. Für Cell-Lösungen ideal. Ab demnächst also vernetzt und Multicore.

Was findige junge Leute damit anstellen werden ist gar nicht abzusehen.

We have never seen a leap in performance like this before and I don´t expect we will ever see one again, It will send shock-waves through the entire industry and we´ll see big changes as a result.

Der Tunnel in den wir hineingesogen werden, wird mit jedem dieser kleinen Wunder der neg-Entropie enger, deutlicher und folgerichtiger. Wer darin nur ein weiteres Produkt sieht, hat eine erfolgreiche Marketinglobotomie überstanden oder seinem kleinen antitrendigen Rebellen im Angesicht einer Tsunamiwelle Ausdruck verliehen.