3.Juni 2007
Google, AGI und AI
...was wyrd, Beschleunigung, Künstliche Intelligenz - Comments Off 3:39 pm
In den letzten Tagen sind einige Videos erschienen, die Googles Position in der AI-Problematik klarer erscheinen lassen. Zum einen hat Peter Norvig einen hochinteressanten Vortrag auf dem Google Developer Day über statistische Methoden gehalten, der zeigt was man mit den riesigen Datenmengen anstellen kann, die bei Google zur Verfügung stehen. Die Effekte, die dabei entstehen, sind ohne AI-Algorithmen sehr erstaunlich und erzeugen sowas wie Proto-Intelligenz ohne wirkliche Intelligenz. Daraus folgt auch, dass man bei Google auf diesem Hintergrund noch keinen Handlungsbedarf in Richtung AGI sieht, da sie in naher Zukunft aufgrund dieser statistischen Methoden uneinholbar scheinen.
Das zweite Video zeigt den Vortrag, den Ben Goertzel (ohne das Intro von Peter Norvig) bei Google am 30. Mai hielt. Er stellt darin Novamente in groben Zügen vor und stellt sich einigen Fragen. Mein Eindruck: Beide Parteien waren ratlos, was sie voneinander halten sollen. Goertzel scheint im Vorfeld keine Hoffnung gehabt zu haben, sich und Novamente adäquat zu vermitteln, was er in der wiederholten Formulierung zum Ausdruck bringt, dass er in der Kürze Novamente kaum erklären kann und viele seiner Folien live überspringt. Zum Abschluss werden einige Fragen gestellt, die nicht gerade von Leidenschaft und Interesse geprägt sind, sondern lediglich zeigen das man gröbstens informiert ist. Die Interpretation von Ben Goertzel in seinem Blog scheint mir in die richtige Richtung zu gehen: Bei Google arbeiten Code-orientierte Ingenieure, die in dieser Phase der soziotechnischen Ontogenese unserer Zukunft mit “einfachem” Code täglich mehr erreichen (allein vorgestern: GoogleGear, StreetView) können, als durch die Beschäftigung mit Neurologie und Kognitionswissenschaften in naher Zukunft zu erhoffen ist.
Dennoch kann sich dieses Bild sehr schnell ändern wie Andreas Stuhlmüller in einem Kommentar bei GoogleBlogoscoped darlegt. Zumal man davon ausgehen kann, dass Peter Norvig sich der Thematik weiterhin aussetzen will, da er ja Gastredner auf dem Singularity Summmit II im September sein wird.
Aus Potential wird Aktual in einem mühsamen Tanz, der auch von Enttäuschung und Missverständnissen gekennzeichnet sein kann.
Technorati Tags: Google, Peter Norvig, Ben Boertzel, AGI, AI, Novamente
29.Mai 2007
Holy Crap! Google hat wieder zugeschlagen!
...was wyrd, Beschleunigung, Internet, Prä-Singularität - 8 Kommentare » 11:22 pm
Bei Google Maps ist seit heute in großen amerikanischen Städten ein “Street View” Button zu sehen. Die Qualität meiner Reaktion fällt sogar etwas stärker aus als damals bei Google Earth. Auf einer 10er Wow-Skala mindestens eine 6. Den Rest behalte ich mir für AI, AGI, Nanotechnologie, Reverse Aging, Nanoassembler und 3 Wildcards vor.
So sieht also Technologie des Jahres 2007 aus. Langsam müsste der letzte Depp mitbekommen, dass irgendwas auf Terra abgeht und zwar mit exponentiellen Tendenzen. Wenn man vor Jahren noch abwinken konnte, wenn wieder so ein Zukunftsspinner Schaum vor dem Mund hatte, dann werden die nächsten 3 Drehungen an der Moore-Spirale aus vielen vormaligen Zweiflern Maschinenstürmer werden lassen. Wer in Gegenwart des Phantastischen reflexartig mit Zweifel reagiert, wird in naher Zukunft ins fundamentalistische Abkippen müssen.
Kritisches Verhalten benötigt Zeit, ein stabiles Objekt und Kriterien, die länger gelten als die Lebensdauer des kritisierten Objekts. Das läuft alles nicht mehr synchron. Das ist nicht mehr das 19. Jahrhundert. Ab jetzt treten in immer kürzeren Abständen Technologien in unser Leben, die sich immer näher an den Kern, was denn der Mensch sei, ranrobben bis in einer letzten Bewegung die Welle über uns zusammenschlägt und etwas auf der anderen Flanke auftauchen lässt, das zwar nicht wir sein wird, sich aber daran erinnert.
Technorati Tags: Google Maps, Street View, Zukunft
8.Mai 2007
Post von Peter Thiel
Beschleunigung, Denken, Kreativität, Singularität - 11 Kommentare » 4:02 pm
Die Ränder von Epochen werden nicht willkürlich festgelegt, sondern bilden sich aus den Schlacken der Konzepte, deren Definitionskraft abgebrannt ist. Da brennt einiges im Moment und schmurgelt uns Krusten in die Spiegelkabinette unseres Anthropozentrismus. Oder wie es Peter Thiel in diesem Video ausdrückt:
It is clear that a mass of … issues are happening. And people who don´t think that there is something important going on are just living in a delusional fantasy world.
Der Link zum Video erreichte mich verpackt in eine Mail zum Spendenaufruf für das Singularity Institute for Artificial Intelligence (SIAI). Langsam sammelt sich ein enormes Potential rund um das SIAI. Selbst Peter Norvig ist als Gastredner zum Singularity Summit II im September angekündigt. Die Akzeptanz des Konzepts einer technologischen Singularität nimmt also sichtbar gerade bei denen zu, die auch in einer Position sind die Forschung auf den relevanten Gebieten voranzutreiben.
Vorgestern hielt Ray Kurzweil in Atlantic City einen Eröffnungsvortrag vor 300 Bilbiothekaren, die seine Ausführungen zum Thema mit standing ovations belohnten. Diese scheinen empfänglicher für das utopische Potential zu sein als viele junge Menschen, die aktiv mit den heutigen Technologien zu tun haben. Deren spezifische Begabungen scheinen mir ebenso auch ein utopisches Defizit zu bedingen: Lineare Logik und extreme Fokussierungsfähigkeit erschweren es exponentielle, nichtlineare Prozesse mit manigfaltigsten positiven Feedbackschleifen zu erfassen.
4.Mai 2007
Cognitive Computing 2007
...was wyrd, Beschleunigung, Beschleunigung der Beschleunigung, Künstliche Intelligenz, Singularität - 4 Kommentare » 7:19 pm

Entgegen den massenmedial eingehämmerten Platitüden, wie die vom uninnovativen Deutschland, sieht die Realität oft schockierend anders aus. Es gibt da im fernen Japan eine Klitsche die heisst Honda und entwickelt den Roboter Asimo. Für Honda ist “Intelligenz eine Technologie”. Zitat aus dem Vortrag des Honda Research Institute auf der Cognitive Computing 2007, die gestern und vorgestern in Berkley stattfand. Honda Research Institut, so so. Wo ist das denn? Aha, Offenbach, Germany. So so. Und wer hielt den Vortrag? Ein Japaner? Weit gefehlt. Edgar Koerner, der Chef selbiger Institution aus Offenbach. Prof. Dr. Edgar Koerner hat übrigens in Ilmenau studiert. Ilmenau liegt nicht im Silicon Valley.
Wie auch immer, Steve Jurvetson (der schon wieder) meint jedenfalls das das sein favorite Vortrag an dem Morgen war, und da waren noch einige andere wie zum Beispiel der von Dharmendra S Modha, der davon berichtete wie sie bei IBM 8 000 000 Maus-Neuronen mit je 8000 Synapsen simuliert haben, um diese dann in 1/10tel der Realzeit ablaufen zu lassen. Danach sind sie nicht golfen gegangen, sondern werden wahrscheinlich eifrig weitergemacht haben, falls jemand rumklügeln sollte von wegen das würde doch sowieso nie und überhaupt. So, und was war sonst noch?
Nico Lumma hat einen Shop oder sowas aufgemacht.
28.März 2007
Fluchtpunkt
...was wyrd, Beschleunigung, Internet, Prä-Singularität, Transformation, noosphäre - 6 Kommentare » 11:12 pm
Augmented und Artificial Intelligence haben einen gemeinsamen Fluchtpunkt. Die Noosphäre nimmt wie alle geistigen Entwicklungen ihren Anfang im Unbewussten (Beispiel Twitter + Google Earth) um über den Schock der Dissoziation den harten Weg der Bewusstwerdung einzuschlagen. Sollte der Noosphäre ein evolutionärer Trieb zur Höherentwicklung innewohnen, können wir erwarten das dieser sich in aggregierenden Plattformen manifestiert, die die apollinischen Kräfte bündelt. Allerdings wird dies nur wie im Falle von Twitter einem naiven Akt zu danken sein. Bewusstes Streben im Netz ist zu sehr geschäftsmodellverklebt als das es den schöpferischen Tanz auf der Klinge der Evolution überleben könnte.