GINI-esker Reflexionsdump

Wer es wissen will, weiss es: Weltweit läuft seit Jahrzehnten eine Konzentration des Vermögens ab, die den sogenannten Mittelstand vernichtet. Wegpresst sozusagen. Neuere Untersuchungen zur Ungleichverteilung deuten darauf hin das für die unteren Einkommensschichten eher Boltzmann als Pareto gilt. Boltzmann? Gase? Zufall? Jau. Zufall. Keine Korrelation zwischen Fähigkeiten und Einkommen. Nachträglich beweist der Denker natürlich was bewiesen werden muss (Wilson): Viel Schweiss gleich Reihenhaus. Aber im Hier und Jetzt der Gegenwart gilt leider Boltzmann. Nur jenseits gewisser Einkommensgrößen gilt Pareto (der Teufel scheisst auf den größten Haufen). He, he, schon den Armutsbericht Germany gelesen? Und die Differenz im GINI-Index zwischen Netto- und Bruttoeinkommen bemerkt? – Ich schweife ab.

In einer Situation in der der Preis für den sogenannten Fortschritt Ungleichverteilung ist, mit den hässlichen Anhängseln Ungerechtigkeit und Gewalt muss man sich fragen wo die Verträglichkeitsgrenze verläuft, bevor aus Fortschritt Chaos wird. Klar können Einzelne für sich Hochglanzseitenbiografien hinlegen. Aber was ist mit dem Phylum? Was ist mit dem Vektor des gesamten Vereins? Wen kümmert das? Was heisst das, sich um so etwas kümmern?

Wieder viele Gründe die Beschleunigung des technologischen Fortschritts zu beschleunigen. Die Phasen der Menschheitsgeschichte die vor uns liegen werden, sind voll des Preises für die Komplexität und Neg-Entropie die wir in jedem Chip so bewundern. Wenn es von Wert sein sollte ein Ich-bewussstes Wesen geworden zu sein, dann muss jeder Versuch den Dystopien der Zukunft zu entkommen, sich der Gratwanderung zwischen dem Sehnen zur maximalen Neg-Entropie und der noch erträglichen Ungleichverteilung stellen.

In Gemeinschaft.

Hubbert Peak – Peak Oil

Am Montag dem 14. März gabs ein Congress Hearing drüben beim Hegemon in dem der konservative(!) Kongressabgeordnete Roscoe Bartlett Peak Oil erklärte. Damit dürfte das Thema nach Jahrzehnten langsam in der Öffentlichkeit angekommen sein. Für Ende 2005 sehe ich 80 wenn nicht gar 100$ für ein öliges Fass.

Neg-Entropie hat ihren Preis. Auch Einkommensungleichverteilung ist ein Nebeneffekt der Neg-Entropie. Durch die ab jetzt nie mehr zu schliessende Lücke zwischen Ölnachfrage und -angebot wird diese Ungleichverteilung jedoch nicht geringer werden. Auch in Deutschland.

Für mich folgt daraus wieder einmal, das nur eine bewusste Beschleunigung des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts die Menschheit vor lästigen Nebenwirkungen ihres Drangs zu Komplexität und Unwahrscheinlichkeit bewahren kann.

Chip-Prognosen (ad Cell Processor)

Nicht selten fallen Prognosen dem Vergessen anheim und alle Beteiligten sind dankbar dafür. Gerade im Bereich Moore´s Law sind die „Kritiker“ dieses Trends immer schnell dabei wenn ein paar Millionen Transistoren nicht pünktlich genug geliefert werden. Was aber, wenn dem Vergessen eine Prognose anheimgegeben wurde, die übertroffen wurde?

Im Zusammenhang mit IBM´s Cell Chip und Intels Multicore sollte man folgendes Detail dem Vergessen entreissen:

Im Oktober 2002 präsentierte Intel fellow John Crawford auf dem Microprozessorforum die Ankündigung das Intel vorausichtlich 2007 einen Multicoreprozessor mit ca 1 Milliarde Transistoren produzieren werde. Wir schreiben das Jahr 2005, und Montecito hat 1,7 Milliarden Transistoren. Nicht das ich kleinlich sein will… 😉

Ein Beispiel für die Beschleunigung der Beschleunigung

Obwohl mit Sicherheit nicht aus einer ethischen Entscheidung heraus entstanden, ist die Ankündigung Samsungs 60nm-Strukturen zu produzieren, während Firmen wie AMD und Intel stolz sind bei 90nm angekommen zu sein, ein schönes Beispiel wie Firmen die projizierten Trends mittels riskanter Überholmanöver beschleunigen. Auch wenn die Ausbeute fraglich sein sollte, ist die Ansage gemacht.

Dergleichen Trendbeschleunigungen sind in den nächsten Jahren immer wieder zu erwarten. Und bei exponentiellen Prozessen kann die Verschiebung um ein paar Monate im Endeffekt einen riesigen Unterschied machen. In Fragen von Zins und Zinseszins versteht das jeder Geizkragen, in technologischen Belangen haperts da sehr mit dem Verständnis. Zur Lektüre kann ich da nur eines meiner Lieblingsbücher von John Allen Paulos empfehlen: Zahlenblind.

Nanotechnologie in der Halbleiterindustrie

Howard Levy begrüsst einen Artikel bei CNet, der sehr deutlich macht wie unabwendbar Nanotechnologie in der Halbleiterindustrie ist. Ohne Nanotechnologie wird da jenseits 2015 nichts laufen. Oder wie George Scalise, der Chef der Semiconductor Industry Association (SIA) sagt: „Wir können noch nicht einmal darüber nachdenken, es nicht zu tun.“ Auch dürfte klar sein das damit nicht einfaches immer kleiner werden durch Top-Down-Verfahren gemeint sein kann, und das Eric Drexler mit allen seinen Vorschlägen zu Bottom-Up-Verfahren noch lange nicht aus dem Rennen ist. Was bedeutet das? Das Nanotechnologie und ihre Folgen gerade in ihren radikalen Ausformungen bei jeder Lebensplanung, die im Zeitrahmen einer Bausparhypothek stattfindet am Tisch sitzen muss! Und es bedeutet auch das ich einige Leute, denen ich diese Konzepte Anfang der 90iger erklärte besser nicht mehr auf ihre damalige Einschätzung anspreche…

Das Herzstück der Prä-Singlaritätszeit

Wenn man das Szenario einer technologischen Singularität verdaut hat (~6 Monate), stellt sich die abendfüllende Thrillerfrage: What now?

Ganz einfach: Beschleunigung der Beschleunigung. Simpel nicht wahr? Warum?

Fall A Das ist Kram für Utopisten und es geht lediglich schneller und bunter (besonders mit der Farbe Rot) weiter. Dann droht jedoch das Wetter, der Hunger und die 100. Wiederholung aller Archetypen östlich von Hollywood. Daraus folgt: Durchstarten.

Fall B Das Szenario ist sehr möglich (so wie in: SEHR). Dann folgen daraus Zeiten, gegen die – um Eliezer Yudkowsky zu zitieren – uns eine Crackneighborhood wie ein Sanatorium vorkommt. Daraus folgt: Durchstarten.

Schön und gut, aber wie? Tätigkeiten, die die technologische Entwicklung weiter beschleunigen, haben natürlich mit Wissen zu tun. Wissen muss fli(e)ssen. Alles was den Fluss des Wissens behindert ist „i bah“. Alles was ihn beschleunigt cool. Zum Beispiel Workshops über Blogs geben. Jede Tätigkeit, die die weitere Komplexifizierung und Kompression der Noosphäre (um mit Teilhard de Chardin zu reden) herbeiführt, ist also ein Trittstein in diesem Szenario. Für Unternehmer bedeutet das: Alles was nicht um mindestens einen Faktor 10 beschleunigt, kann oder wird nicht rentabel sein. F.f. (was zu erwarten war)