Das kann doch nicht alles gewesen sein!

Zur Feier des gestrigen Towel-Day habe ich es tatsächlich geschafft ein Bruce Willis Filmzitat in einem Vortrag über Zukunft, Kardashew, Nanotechnologie, AGI, Singularity Summit und Singularity University unterzubringen.

Da ich nicht zur Garde der Folienvorleser gehöre, sondern davon ausgehe das die physische Anwesenheit eines Vortragenden irgend etwas mit mit seiner – auch intellektuellen – Anwesenheit zu tun haben muss, sind die Folien natürlich ohne meine Live-Worte nur ein interessanter Bildreigen. Die Aufgabe für die Klasse also: Erzähle die Geschichte zu diesen Bildern! Abgabetermin 2049.

 

 

Nochmals Danke an den Dozenten Tim Bruysten für die Einladung nach Aachen. Die anschliessende Diskussion mit den Studenten zeigte, das die Thematik zwar verstanden wurde, mir persönlich war da aber zu wenig Wow! in der Erkenntnis, das vieles davon im Bereich der Lebensplanung eines 20jährigen liegt. Ich fühlte mich ein wenig an einen meiner ersten Blogeinträge aus dem Jahre 2003 erinnert. Was kommt nach Anything goes? Beim anschliessenden analogen Bier im Last Exit hat sich für mich dieser Eindruck noch bestätigt. Wer heute in dieser „Anything-goes-Welt“ lebt, deren Beschreibung vor 30 Jahren für einen veritablen Science Fiction gereicht hätte, managt seine Lebenswelt besser mit einem kleineren Zeithorizont. Dennoch wird jemand, der auch mit extremen Zukünften jonglieren kann unsere turbulente Gegenwart erfolgreicher filtern können.

Ohne Garantien für weitere Posting kann ich sagen: Hat sich gut angefühlt mal wieder zu bloggen. Ist noch jemand da? 😉

19 Kommentare zu „Das kann doch nicht alles gewesen sein!

  1. Schade, dass mir die Gelegenheit entgangen ist.. die Folien machen Lust auf Mehr!

    Zum Thema: Die Thematik der Zukunft, sei es Dytopie, Utopie, oder die damit verbundene Singularität nach Kurzweil (jaja, ich weis .. Kurzweil ..) ist ein Thema, welches gerade die Studenten von Tim Bruysten sehr interessieren SOLLTE! Mir sind wenige Studiengänge bekannt in denen die proklamierten „Gesetze“ (Moore) mehr interessieren könnten, als bei C-MD und doch entnehme ich dem Blog (darf man Blogs schon wieder altmodisch nennen?), dass der Vortrag entweder teilweise auf taube Ohren gestossen ist, oder das Thema schlichtweg nicht im ausreichenden Maße verstanden wurde. Woran liegt’s?

    Wie bereits oben erwähnt war ich leider selber nicht am Start, aber ich mutmaße, dass vielen Anwesenden einfach das Interesse an solchen Themen fehlt. Mir sind ehrlich gesagt nur ein paar Jungs aus dem höheren Semester bekannt, die sich wie ich ‚mal die Mühe gemacht haben und in Kurzweil’s „Singularity is Near“ reingeschaut haben. Tim Bruysten macht in seinen Vorlesungen oft genug auf die Konsequenzen der Thematik aufmerksam und gibt Anregungen inwiefern das auch für C-MD’ler interessant sein könnte.. aber reicht das? Die Problematik liegt meiner Meinung nach weder in der Methodik der Redner, noch im Desinteresse der Studenten, sondern in der umfassenden Struktur, namentlich C-MD. Ich bin begeisterter C-MD Student, doch der Lehrplan macht es unmöglich den Studenten die Priorität für die Entwicklung von Menschheit und Webtechnologien ausreichend zu erläutern. Es kann nicht Aufgabe des Dozenten für den Bereich Design sein und es kann auch nicht in nur einem Nachmittag durch einen Gastredner vermittelt werden. Was wir brauchen ist eine Säule (um es in „C-MD“-Worten zu sagen), auf der wir nicht stehen, sondern die uns zeigt wo es hin gehen KANN! Und wir brauchen Mentoren, die an einigen Stellen einkerbungen machen und uns erklären warum und wieso es an einer Stelle so aussehen WIRD.

    Trotzdem bedanke ich mich gerade deshalb für die Zeit und die Mühe, das Verständnis für die Progression in unseren Köpfen ein wenig zu erweitern!

    Schöne Grüße aus Aachen,

    Bastian Halbach
    C-MD, 4. Semester

  2. … das solche Überlegungen generell im Fachgebiet Design angesiedelt sind, ist methodisch und fachlich eigentlich schon richtig. Denn die Aufgabe, solche Szenarien zu erdenken, auszugestalten, ein holistisches Bild zu entwerfen, verständlich und greifbar zu machen, ist schon immer eine originäre Aufgabe von Designern gewesen.

    Nicht nur weil ihnen die handwerklichen Methoden der Medialiserung / Inszenierung eigen sind, sondern auch weil der methodische Ansatz, in Alternativen zu denken, etwas zutiefst designerisches ist.

    Gerade in unserem aktuellen „Zeitalter?“, in dem die Begrifflichkeit der Beschleunigung eine völlig andere Dimension einnimmt und von einem phänotypischen Leiden zu einer genotypischen Bedingung wird, sind die Kompetenzen der Designer gefragter denn je.

    Deswegen ist es gut, die Methoden der Visualisierung, der graphischen Gestaltung, der Inszenierung, des Lernens, der Aufmerksamkeit, des Gebrauchsnutzens, der Ergonomie, der Kommunikationswissenschaft, des Marketings, der PR, der Soziologie und der Sozialwissenschaften in einem umfassenden Ganzen mit Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit (in jeder Hinsicht) aber auch mit einem strategischen Blick auf Technologien und deren soziale Implikationen (und umgekehrt) zu vermitteln.

    Bezieht man dies nun auf den konkreten Studiengang C-MD, so darf jedoch nicht vergessen werden, dass dies ein Bachelor-Studiengang an einer Fachhochschule ist. Die Einordnung in den zurecht pragmatischen Kontext ist daher notwendig, darf aber nicht überstrapaziert werden.

  3. @Bastian: Danke, endlich ein Kommentar mit satisfaktionsfähiger Schöpfungshöhe 😉

    Die schockierende Nachricht zuerst: Ich glaube, die haben alles verstanden. Deswegen auch mein mutmassender Link auf mein Posting aus 2003. Der Knackpunkt liegt meines Erachtens im persönlichen Umgang mit Imagination, wovon „Zukunft“ ja nur eine Untermenge ist. Genügende Vorstellungskraft, dh Imaginationsfähigkeit für diese Themen besitzt ja jeder der seine Freundin auf 100 Schritt erkennt (innerer Bildabgleich). Der Dreh- und Angelpunkt ist jedoch welche Konsequenzen ich diesen „Bildern der Zukunft“ zubillige. Das Wow! und die innere Äktschn-Klappe, die aus den Bildern folgt. Das ist Psycho, Erziehung und Politik…

    Das ahnend, habe ich im ersten Teil genau darauf abgestellt: Wo ist Zukunft? Nirgendwo ausser in unserer Vorstellung. Wenn dieser inneren Repräsention die gleiche Submodalitäten-Wertigkeit wie einer Schale Pommes zugebilligt wird, dann haben natürlich die Wowigsten Technologien und Entwicklungen lediglich Ernährungsniveau. Die Leute, die sich brennend für Zukunft in allen ihren Schattierungen interessieren (welch schwaches Wort dafür!) repräsentieren „Zukunft“ ganz anders in ihren Hirnen. Sehr anders.

  4. Sehe das wie Tim: Design hat hier eine besondere Funktion bei der Übersetzung und Veranschaulichung. Ich werde den Vortrag gleich mal hier reinsetzen: http://campusphere.de/zukunft/ — ein Blog aus einem Seminar „Geschichte der Zukunft“ aus dem Jahr 2002, da wurde auch einiges gesammelt. Nicht so sehr zum Thema Singularität – wohl aber zu „Repräsentationen von Zukunft“.

  5. Selbstverständlich geht es mir nicht darum die Kompetenz der Designer in Frage zu stellen. Die mit Abstand innovativsten Einfälle für das Leben in der Zukunft habe ich bei jungen Designern in Oslo erlebt.

    Jedoch habe ich den Eindruck, dass die gegenwärtigen Zustände für den Vorstoss der Designer verantwortlich sind. Gegenwärtig herrscht die allgemeine Auffassung: „Wenn nicht die Designer, wer dann?“ Und genau da möchte ich ansetzen..

    Sicherlich haben Designer alle nötigen Bordmittel um ihren Ideen und Vorstellungen Ausdruck zu verleihen! Und auch das Designer schon längst über den Tellerrand geschaut haben und sich nicht länger nur auf Formen und Farben konzentrieren, sondern Soziologie, Kommunikation und Nachhaltigkeit miteinbeziehen ist langläufig bekannt.

    Doch ist es damit getan?

    Um die Zukunft erfolgreich meistern zu können muss man den interdisziplinären Spagat schaffen, daran gibt es keinen Zweifel, und die Kreativen waren schon immer die Vorreiter der Interdisziplinarität (auch daran gibt es keinen Zweifel), ABER ich denke es ist an der Zeit, dass wir diese „Alleinstellung“ über Bord werfen und uns neu formieren; das Denken, das Kreativsein, das Vorrausschauen, in die Hand von vielen legen.

    Das C-MD in diesem Zusammenhang fällt ist nur dem Umstand des Themas zu verdanken, und ich sehe mich als „betroffener“ natürlich dazu berufen meinen Gedanken Luft zu machen. Trotzdem denke ich das Progression und vorrausschauendes Denken eben nicht nur Aufgabe der Designer ist. Ob es für C-MD wichtig ist steht nicht zur debatte; ob es so wichtig ist, wie ich es halte, das ist natürlich etwas Anderes!

  6. Ich kann an dieser Stelle natürlich nur von mir selbst ausgehen, aber ich hatte wie schon oben angemerkt, auch nicht das Gefühl, dass die Thematik nicht verstanden wurde, auf jedenfall ist mir schleierhaft was man nicht hätte verstehen können. Was den fehlenden Wow-Effekt angeht so lag es bei mir daran, das ich wenig Neues erfahren habe. Einen Einblick in die Zukunft gewährt uns Bruysten ja in beinahe jeder Vorlesung.

    Ich will an dieser Stelle nicht den ganzen Vortag Revue passieren lassen, nichts desto trotz sind mir Namen wie Feynman, Drexler, Hawkins (berühmteste Rollstuhlfahrer der Welt) oder Kardaschew nicht unbekannt. Ich hätte mir gewünscht das weniger Gebiete aufgegriffen würden, diese aber mehr in die Tiefe gehen. (Wobei mir bewusst ist, dass dies bei einer so großen Gruppe mit unterschiedlichen Wissensständen nicht möglich war, dennoch hätte es mir vielleicht den erhoften Wow-Effekt verschafft)

    Was die „Diskussion“ am Ende des Vortrags betrifft und die mangelnde Beteiligung bzw. kargen und unausgereiften Antworten, so war es bei mir so, und ich unterstelle es jetz auch zumindestens einigen meiner Komilitonen, dass mir nach fünf Stunden, die wir zuvor schon in der Uni verbracht hatten, den Vortrag noch nicht dazu addiert, die Ambitionen fehlten mich in diesem Moment über dieses Thema auszutauschen. Gerade vor dem Hintergrund, dass mir noch drei Stunden Gruppentreffen und danach noch Uni-Aufgaben und Arbeit bis heute morgen um sechs Uhr bevorstanden.
    Bei dem Treffen im Last-Exit wäre ich gerne dabei gewesen, aber der Zeitpunkt der Vortrags war leider so gewählt, dass ich (und auch andere) einfach keine Zeit dafür aufbringen konnten, die hatte ich ja noch nicht einmal um zu schlafen.

    Ich hätte es sehr begrüßt, wenn der Vortrag eher im Semester stattgefunden hätte oder sogar auch erst in den Semesterferien, denn grade jetzt braucht man „den kleineren Zeithorizont“, um den Überblick im „Studentenaltag“ nicht zu verliehren und heil in die Semesterferien zu kommen, wo endlich wieder viel Raum und Zeit für Spekulationen über Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart ist.

  7. „Namen wie Feynman, Drexler, Hawkins (berühmteste Rollstuhlfahrer der Welt) oder Kardaschew nicht unbekannt.“

    Wow meinerseits. 😉 Auch nach dem Treffen im LastExit hatte ich einen gemischten Eindruck. Da laufen bei euch Leute rum wie http://twitter.com/waik oder Bastian Halbach, die über alle Entwicklungen sehr gut informiert sind, aber auch andere, die „etwas mit Medien“ machen wollen. Durchaus legitime Haltung, aber ich vermute mal, das wie ich in einer der letzten Folien angedeutet habe: „Wer kein evolutionäres Weltbild hat, kann sein Handeln und seine Ziele nicht einordnen.“ Wer das allerdings hat, kann sich selbst und seine Berufswahl in einen weit größeren und dadurch spannenderen Rahmen stellen.

    Welche bitteren, tagesaktuellen Einzelschicksale 😉 sich hinter den interessierten Gesichtern verbergen, weiss man als Vortragender leider nie.

    Was gehen könnte wenn man es mit einem thematisch informierten und vorgebildeten Publikum zu tun bekäme würde mich sehr interessieren. Schliesslich ist das nicht sehr spannend ein Thema zu vermitteln dessen Elemente seit 20 Jahren bekannt sind. In diesem Punkt ist so ein informierender Vortrag irgendwie nicht sehr beschleunigend. 😉

  8. Ach, ich finde die Kernaussage dieses Vortrags ist – „studiert doch Physik“ 😉 – und da kann ich nur zustimmen!
    Wir wissen wenigstens wie weit die Technologie ist und arbeiten an der Zukunft mit – auch wenn Kardaschew’s nächste Stufe nicht mal in Reichweite ist, sind doch Nanoantennen durchaus schon erfolgreicher Stand der aktuellen Forschung. Naja, leider kann ich ohne Ton das ganze nur bildlich nachvollziehen ^^

    Natürlich ist es immer wichtig im Hinterkopf zu haben wohin einen die Zukunft bringt, wobei ich nicht weiß ob jeder das in seinem Beruf im Hinterkopf haben sollte, schadet nachdenken ja nie.

    Ansonsten führt Generalisieren über Kenntnisstände einzelner, meist direkt zu verständlichem Unmut, bei denen die auch tiefgreifendere Kenntnissstände haben. Niemand wird gern über einen Kamm geschert!

  9. Hallo Siggi,

    begeistert bin ich durch die Folien „geflogen“ und war nach Aachen gebeamt.

    Ja, es stimmt, die Zukunft gestalten wir selbst in unseren Köpfen;-)

    Vor knapp zwei Monaten war mir RayKurzweil noch unbekannt und „Singularity is Near“ ebenso.

    Im Rahmen von Lean Enterprise beschäftige ich mich der Frage, wie künftig verschwendungsfrei und nachhaltig Werte für Nutzer, Gesellschaft und das „globale Dorf“ (Produkte und Dienstleistungen) produziert werden.

    Irgendwie ist da der Zusammenhang mit Singularity nicht ganz von der Hand zu weisen, denn die Technologie und das Designen von Visionen passt sehr gut dazu.

    Visionen irritieren und das sollen Sie auch, um sich dann mit der Realität zu verbinden und von der Vision in die Zukunft zu gelangen.

    Wann können wir Dich in Dresden mit dem Vortrag begrüßen?

    Beste Grüße

    Ralf

  10. „Ich bin nur die Fliege im Honig, Jack. Der Knüppel zwischen deinen Beinen. Der Tritt in deinen Arsch.“

    Zur Feier des gestrigen CL-Finales vollbringe ich es doch tatsächlich einmal ein Bruce Willis-Zitat in einem Kommentar unterzubringen!

    Wo das „Wow“ war?
    …darüber dass mobile Telefone vor 20 Jahre noch die Größe eines Handstaubsaugers hatten? …dass „Peter“ ein so häufig vorkommender Name ist?
    …dass Maler Science-Fiction-Bilder für die Nasa gezeichnet haben?

    Nun… das „Wow“ wurde spätestens in den unzähligen Wissensmagazinen des deutschen Unterschichten-Fernsehens und/oder Retro-Shows mit Olli Geissen aufgezehrt.
    Und letztendlich diktiert uns Hollywood seit Jahren wie die Zukunft aussehen kann.
    Daher muss die Frage erlaubt sein, wo das „You guys, you won’t believe what am going to tell you“ war?

    Die Thematik ist wirklich bekannt. Die rasante Geschwindigkeit mit der sich Technologien heutzutage entwickeln, ist natürlich im höchsten Grade bemerkenswert.
    Und ein Zeitalter ständiger Revolutionen und Innovationen, wie es in unserer Generation (der 20jährigen) nun mal der Fall ist, bringt natürlich eine gewisse “selbstverständliche Hinnahme von Technologie“ mit sich.

    Ich gebe ehrlich zu vorher nie von den Herren „Kardashew“ „Feynman“ oder „Drexler“ gehört zu haben. (Hawking natürlich, an dem kommt man ja nicht vorbei!)

    Allerdings habe ich auch keine Ahnung, wer die Klospülung erfunden hat, trotzdem ist mir ihr PRINZIP durchaus bekannt!

    Tim trifft einen Punkt mit seiner Aussage „es darf nicht vergessen werden, dass dies ein Bachelor-Studiengang an einer Fachhochschule ist (…) Die Einordnung in den zurecht pragmatischen Kontext (…) darf aber nicht überstrapaziert werden.

    Wir sind keine Physiker, wir sind keine Wissenschaftler und wir sind keine Science-Fiction-Autoren.
    (Wobei das nicht als Entschuldigung angesehen werden darf, sich nicht Zukunftszenarios vorstellen zu können. Oder sich dafür zu interessieren.)

    Dem ein oder anderem wird bei Deinem Vortrag womöglich wirklich das nötige Interesse gefehlt haben. Andere waren mit den Gedanken in ihren Projekten. Bei anderen lag es vielleicht wirklich an der physischen Konstitution (später Nachmittag, Hitze/Regen, Müdigkeit).

    „(…) wenn man es mit einem thematisch informierten und vorgebildeten Publikum zu tun bekäme würde mich sehr interessieren.“

    Eine verständliche Aussage. Vergessen sollte man hierbei aber nicht den Titel der Vorlesung: „Text und Bildgestaltung“ und nicht etwa „Die exponentielle Entwicklung von Technologie und Intelligenz“.
    Bastian hat recht, dass man in dieser Hinsicht von C-MD wenig Input bekommt. (Ausser Tim macht während seiner Vorlesung einen weit ausschweifenden Abstecher in dieses Gebiet).

    Unsere Professorin in Kommunikation und Dramaturgie sagte vor Kurzem in unserem Studiengang sei Technik nur Mittel zum Zweck. Die Prämisse lautet demnach, Technik lediglich anwenden zu können, nicht sie neu zu erfinden.
    Nicht dass ich diese Auffassung teile, aber momentan sind wir im 2. Semester (gerade im Bereich Gestaltung) eben wirklich nur reine Photoshop-Akrobaten – für alles anderes fehlt uns auch einfach momentan die Zeit!

    Nichtsdestotrotz… ich fand‘s gut dass du dir die Zeit genommen hast unsere Empfindlichkeit für den Aspekt der Singularität zu schärfen. Ich werde mich jedenfalls dem Thema noch mal im Privaten widmen. So gesehen hast du schon bei dem ein oder anderem schon etwas bewirkt!

    Aufgefallen ist ja, dass einige bei uns Singularität sehr kritisch hinterfragen.
    Einen Begriff wie „Friendly KI“ finde ich z.B. unzutreffend. KI ist zunächst einmal emotionslos. Sie verhält sich so wie der Mensch sie einstellt. Der Mensch an sich ist alles andere als „friendly“! Er verfolgt selten noble Motive. „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“. Der Mensch strebt nicht danach sich selber zu verbessern, sondern nur nach Macht. Darum forscht er, darum entwickelt er. Die Nebenprodukte dessen fließen in unseren Alltag und vereinfachen zugegeben unser Leben, in vielerlei Hinsicht.

    Besteht nun aber auch nur die kleinste Möglichkeit, dass Technologie sich steuerungslos, rekursiv optimiert und sich der letzten Kontrolle durch den Menschen entziehen kann, dann muss ein Schlussstrich gezogen werden!
    Dann haben wir nämlich das am Ende im Seminar angesprochene und belächelte „Terminator-Szenario“.

    Ich mag Technik, ich nutze auch gerne Technik. Aber muss ich jeden neue Technologie bejubeln und mit „Wow“-Rufen empfangen? Man muss sich der Zukunft zwar bewusst sein, aber man sollte die Gegenwart nicht aus den Augen verlieren und auch mal mit den Gedanken im Hier und Jetzt bleiben dürfen.

    Abschließend will ich noch sagen, dass ich den Thesaurus im Zwinger gelassen habe.
    Ich hoffe mein Beitrag ist sprachlich trotzdem noch auf „satisfaktionsfähigem“ Niveau…

    @Bastian: talking about „Dinge die einen C-MD’ler interessieren sollten“.
    Fang doch mal bei dir an… verbringe weniger Zeit mit jungen Designern in Oslo und interessiere dich mehr für Dinge wie den Job als HiWi im C#-Praktikum (‚aka‘ dort tatsächlich mal anwesend zu sein)… und dann fang an den Studiengang zu revolutionieren…

  11. Danke, defintiv satisfaktionsfähig. Made my day, zitattechnisch gesprochen. 😉

    „Man muss sich der Zukunft zwar bewusst sein, aber man sollte die Gegenwart nicht aus den Augen verlieren und auch mal mit den Gedanken im Hier und Jetzt bleiben dürfen.“

    Anscheinend konnte ich diesen Punkt nicht richtig vermitteln: „Zukunft“ IST Gegenwart. Nirgendwo sonst. Axiom, Basta. 😉

  12. Jedes Zukunftszenario kann nur eine Gegenwartsbeschreibung sein. Manchmal entwickeln sich die Dinge zwar wie erwartet – aber dennoch bleibt das Denken im Jetzt verhaftet.

    Das Prinzip, welches es aber zu etablieren gilt, wird mit dem Begriff „Antizipation“ bezeichnet.

    Wenn da jemand behauptet, dass die Technik nur ein „Mittel zum Zweck sei“, dann hängt der- oder diejenige einer romatischen Idee von Willens- und Schöpfungskraft nach (der Mensch der Urheber aller Dinge), der ja gerade im Thema der Singulariät so fundamental unterwandert wird. Die Kritik lautet dann in etwa: Technik dürfe also kein Selbstzweck sein.

    Aber wichtig ist, dass man die Gegenwart wirklich einmal vergegenwärtigt und die einzelnen Phänomene nicht als Zukunftsmusik abtut, nur weil man nicht in der Lage ist über den eigenen bürgerlichen und ideologisch programmierten Tellerand zu blicken:

    Wir sind schon längst technologisch determiniert — und die Virtualität (das sagte ich an anderer Stelle bereits einmal) schon längst realisiert: die „Maschinen“ in Form von eigendynamischen kollektiven Kommunikationsystemen als Bedrohung (wegen ihrer Manipulierbarkeit) schon längst da und von den Positivisten schon längst als neue Gesellschaftsform gefeiert und politisches Paradigma gepriesen. Wir haben nur noch nicht verstanden, dass der Unterschied von diesen Positivisten nicht mehr am Rande der Technik gemacht wird (als gäbe es eine nicht-technische Welt die man sich noch wünschen oder vorstellen könnte).

    Antizipation in diesem Sinne ist also eine humanistische Pflicht – um das eigene Schicksal in der Glocke einer gestaltbaren Welt zu begreifen. Und jedes Denken über Zukunft ist im Grund daher nur eine Diskussion über Optionen.

    Wir sehen ja, wie es schief läuft: Die Politik kapituliert hin und wieder vor der Geschwindigkeit der Entwicklung und erfindet Optionen die gar keine sind — nur damit sie welche wählen kann und eine Illusion von „Handlung“ erzeugen kann. Handlungsfähigkeit aber ist ein Ergebnis der Auswahl echter Optionen, die mit der Gegenwart wirklich was zu tun haben.

    Es ist doch kurios, dass z.B. die Wissenschaft schon längst der Politik alle Daten liefert, welche diese immer als fehlend beklagt hat (z.B. im Bezug auf die globale Erwärmung). Kurzfristige Interessen sind nach wie vor noch viel zu wirkungsmächtig. Und daher ist das Denken in Szenarien, eine ganz wichtige Kulturtechnik.

    Momentan finde ich Kardashew nur insofern interessant, als dass seine Szenarien politische, kulturelle, religiöse und soziologische Grenzen zwischen den Menschen aus dem Problem „herausdenkt“.

  13. Der Terminius des Zweckmittels sollte reflektierter betrachtet werden; vor allem wenn er von jemandem mit kommunikationswissenschaftlichen Hintergrund inmitten eines FH-Technik Fachbereichs geäußert wird 😉

    Das hier beschriebenen Level eines exponentiellen techno-sozialen Prozesses ist die eine Seite der Medaille, engt man den Fokus jedoch auf den reinen Arbeitsprozess eines Kreativen ein, so wird die andere Seite durchaus verständlich. Und es ist nach meiner Erfahrung gerade diese getrennte Wahrnehmung von Technologie zwischen Tool und Tempel, die zum von Siggi (implizit) referierten verstellten Blick führt.

    Der Mensch folgte schon stets dem Bestreben, sich seine Umwelt untertan zu machen und Technologie ist ein Teil seiner Umwelt. Und gerade wie Oliver oben geschrieben hat, ist die Herausforderung ja gerade, zwar den Horizont im Blick zu haben ohne gleichzeitig über die eigenen Füße zu stolpern.

    Je nach Prozessschritt ist dann aber auch die Akzeptanz von Zeugungschmerz, Geburtstwehen, pubertierender Albernheit (…) techno-sozialer Entwicklung ein wichtiger Schritt. Wer dies antizipiert und einplant, ist ein Stück näher an der Realität menschlicher Anpassungsprozesse. Die immer noch einen Teil der Rahmenbedingungen der realisierbaren Zukünfte definieren.

    Als (Zukunfts-)Gestalter sollten man dies berücksichtigen. Runtergebrochen auf das Konkrete des Jetzt und Hier finden wir hier den Gebrauchskontext 😉

    Das bedeutet nicht, dass von Angst ausgelöste Peinlichkeiten oder gar Demokratie und Menschenrechte gefährdender Aktionismus unaufgeklärter oder Lobbyismus verführte Dummheit auf der politischen Bühne hingenommen werden sollten.

    Vielmehr offenbart sich gerade hier eine Spannungsfeld, in dem Designer ihre Berechtigung jenseits von Oberflächenpolitur ausfüllen können, wie ja auch schon oben diskutiert. Ein gesellschaftliches Bedürfnis nach Integration, Begreifbar-machung, Visualisierung, Zugänglichmachung und der Konstruktion von für Menschen erstrebenswerten Bildern.

    Die rhetorische Schleife von Oliver, das der Selbstzweck von Technik in einer Welt technologischer Singularität sozusagen durch die „normative Kraft des Faktischen“ manifestiert wird, darf jedoch nicht den Blick darauf verstellen, dass die Protagonisten dieser Prozesse immer (noch) Menschen sind, die durch die Existenz eines Gesamtprozesses nicht von ihrer individuellen Verantwortung entbunden werden können.

    Ansonsten bin ich sehr bei Oliver.

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